Samstag, 9. Mai 2009

Kistner gehört den Lehern ...


Das wiederaufgetauchte Kistnerbanner *)

... Unter diesem Motto fand gestern in der Hafenstraße auf dem ehemaligen Kistner "Haus & Hobby" Kundenparkplatz eine Informationsveranstaltung statt. Passanten und Besucher waren eingeladen, ihre Ideen und Gedanken über die Zukunft des ehemaligen Kistnergeländes aufzuschreiben.

Außerdem fanden viele spontane Gespräche zwischen Besuchern, zufällig vorbeikommenden Passanten, den Organisatoren und den anwesenden Politikern statt. Deutlich wurde dabei, dass der Wunsch des Landesamtes für Denkmalpflege, mit dem Kalksandsteinwerk - dem letzten erhaltenen Industriedenkmal Lehes - ein herausragendes Zeugnis Leher Industriekultur zu erhalten, die uneingeschränkte Unterstützung der Menschen in Lehe findet.

Im Gegensatz zu Herrn Teiser (CDU, Bürgermeister), für den ein von der holländischen Ten Brinke Gruppe vorgeschlagenes Fachmarktzentrum der einzige realistische Vorschlag für das Kistner Gelände war, gibt es in der Leher Bevölkerung eine breite Palette von Ideen, wie man die sanierten Gebäude nutzen könnte, und wie man dafür Drittmittel aus staatlichen Förderprogrammen, von Stiftungen etc. akquirieren kann. Auf dem zu dem Fachmarktzentrum in der Nordsee-Zeitung vom 19.02.2009 abgebildeten Grundrissplan kam das Kalksandsteinwerk nicht mehr vor. Das zeigt eindeutig, dass es in den Köpfen der Politiker und ihres bevorzugten Investors offensichtlich schon dem Boden gleichgemacht worden ist! Im Gegensatz dazu stimmen die Menschen, mit denen ich gestern darüber gesprochen habe, darin überein, dass möglichst bald mit Planungen für die Erhaltung des Kalksandsteinwerks als Industriebaudenkmal begonnen wird, um die Gebäude gegen Verfall zu sichern.


Gespräche zwischen Besuchern, Passanten, Organisatoren und Politikern

Ich habe in Gesprächen gestern mehrmals die Befürchtung gehört, dass der Bericht in der Nordsee-Zeitung vom 28.03.2009 über die angebliche Baufälligkeit des Schornsteins der Großen Koalition lediglich als Vorwand diene, zuerst den Schornstein und dann den Rest des Kalksandsteinwerks abzureißen. Ein Gesprächspartner sagte mir, es gäbe den Plan, den Schornstein oberhalb der maroden Stelle zu kappen. Ob er danach wieder aufgemauert werden, oder als Stumpf stehen bleiben solle, konnte er mir nicht sagen.


Kistner Schornstein

Der Schornstein des Kalksandsteinwerks ist aus Sicht der Leher Bevölkerung ein Wahrzeichen im Stadtbild der südlichen Hafenstraße. Ihn einfach bis irgendwo auf halber Höhe abzutragen, ohne ihn gleich danach wieder aufzubauen käme einer Verstümmelung gleich, und wäre wohl nur die Vorstufe für den völligen Abriss. Dass diese Gefahr nicht von der Hand zu weisen ist, zeigt das Schicksal der "Kleinen Rogge Halle", die ungefähr an der Stelle am Neuen Hafen stand, an der sich jetzt die Lloyd Marina befindet. Sie wurde Stein für Stein abgetragen, um an anderer Stelle als Gebäude für die seit vielen Jahren eingelagerte Sammlung des Nordsee-Museums originalgetreu wieder aufgebaut zu werden.

Nach einem kurzen Gedankenflug, dass Nordsee-Museum in einem Luftschloss irgendwo auf einer Wolke im Fischereihafen unterzubringen, war der Weideraufbau der Kleinen Roggehalle Geschichte. Später kreierte die CDU ihr sogenanntes "Drei Säulen Programms", dessen eine Säule das im Kalksandsteinwerk untergebrachte Nordsee-Museum war. Genau diese Säule brach am 16. Mai 2008 zusammen, da die dafür vorgesehenen finanziellen Mittel plötzlich anderen Interessen geopfert wurden. Damit steht die Zukunft des Nordsee-Museums weiterhin in den Sternen, und es besteht die Gefahr, dass sich die Geschichte der mit seinem Schicksal verbundenen Gebäude wiederholen könnte.

Wenn man mit den Leuten spricht, stellt man schnell fest, dass diese weitaus pfiffigere Ideen bezüglich möglicher Sanierungsmaßnahmen für den Schornstein und die Gebäude des Kalksandsteinwerks haben, als die Politiker in der Stadtverordnetenversammlung. So gibt es zum Beispiel die Idee, ein Stahlrohr mit dem Durchmesser des Innendurchmessers des Schornsteins, von oben in diesen einzuführen, und die Abgasöffnung anschließend mit einer Kappe zu verschließen. Das Stahlrohr würde den Schornstein von innen stabilisieren, so dass einzelne beschädigte Steine des Mauerwerks ausgewechselt werden könnten, ohne dass es notwendig wäre, den Schornstein oberhalb der betroffenen Stelle abzutragen. Die Kappe auf der Abgasöffnung würde das Innere des Schornsteins zukünftig gegen Schäden durch von oben eindringende Feuchtigkeit schützen.

Kistner gehört den Lehern. Die Menschen in Lehe sind es leid, dass ständig über ihre Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen werden, die ihren Interessen widersprechen. Es wird Zeit, dass sie in die Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden werden, wie es in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und SPD festgelegt wurde: "Der neue Senat beabsichtigt, dass in Bremerhaven verstärkt Mittel der Europäischen Strukturfonds für Investitionen im Stadtteil eingesetzt werden sollen. ... Dazu sollen gehören: die Entwicklung des Kistnergeländes ... unter Einbeziehung der Bevölkerung in den Stadtteilen."
  • "die Entwicklung des Kistnergeländes
    ... unter Einbeziehung der Bevölkerung"

Zum Nachlesen:
  • Koalitionsvereinbarung:
    Vereinbarung über eine Zusammenarbeit - Koalition - zwischen SPD und CDU in der 16. Wahlperiode der Seestadt Bremerhaven 2007 – 2011

*)
Banner verschwunden und wieder aufgetaucht ...


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