Donnerstag, 11. Juni 2009

Kleiner Inselstaat beschämt Deutschland

Die Uiguren sind eine Minderheit in China. 17 Uiguren aus der chinesischen Provinz Xinjiang waren von den USA festgenommen und nach Guantánamo gebracht worden. Der Vorwurf, sie seien "feindliche Kämpfer", konnte von den USA seit 2008 nicht mehr aufrechterhalten werden. Herr Obama (USA, Präsident) hatte die Bundesregierung mehrfach gebeten, die ehemaligen Gefangenen aufzunehmen.

Die USA wollen die Uiguren nicht in ihre Heimat zurückschicken, weil ihnen dort Folter und Hinrichtung drohen könnten. Die Machthaber in China werfen den Uiguren vor, eine separatistische Bewegung im Westen Chinas anzuführen und haben ihre Auslieferung beantragt. China hatte Xinjiang 1955 annektiert und siedelte dort Han-Chinesen an. Seitdem kämpfen die Uiguren im ehemaligen Ost-Turkestan für ihre Rechte. Die chinesischen Besatzer haben vier Uiguren-Gruppen pauschal zu terroristischen Vereinigungen erklärt. Menschenrechts-
gruppen werfen den chinesischen Machthabern vor, die Uiguren mit Hilfe von Folter, Massenverhaftungen und Todesurteilen zu unterdrücken.

In München lebt mit fünfhundert Angehörigen dieses Volkes die größte Gruppe uigurischer Emigraten in Europa. Trotz der Gefahr, die ihnen in China droht und trotz ihrer dringenden Bitte, sie in Deutschland aufzunehmen, verweigerte Herr Schäuble (CDU, Innenminister) den Uiguren die Aufnahme in Deutschland. Jetzt hat der kleine Inselstaat Palau im Pazifik angeboten, die Uiguren aus Guantánamo bei sich aufzunehmen. Das kleine Palau mit seinen elf bewohnten Inseln, auf denen nur ungefähr 20000 Menschen wohnen, zeigt mit dieser humanitären Geste mehr Menschlichkeit als das große Deutschland.

Dass deutsche Politiker und deutsche Unternehmen China stützen, aber Angehörigen eines in ihrem eigenen Land zu einer chinesischen Minderheit degradierten und unterdrückten Volkes die Hilfe verweigern, ist beschämend. Herr Schäuble könnte damit in den Augen der Welt den Eindruck erwecken, Deutschland nähme es mit der Verteidigung der Menschenrechte nicht besonders ernst. Er sollte sich gelegentlich einmal wieder in Erinnerung rufen, dass es einmal eine Zeit gab, in der deutsche Bürger dankbar dafür waren, dass sie in anderen Ländern Schutz vor Verfolgung und Tod durch ein Unrechtsregime in Deutschland fanden.


(Quellen:
Tagesschau, TAZ)


Kommentare:

Elfe hat gesagt…

Guten Tag Juwi

Die Uiguren haben das gleiche Problem wie die Tibeter. Ich war einmal an einem Vortrag der Uigurin Rebyia Kadeer, sie kämpft im Ausland für ihr Volk; erschütternd, was sie alles erlebt und erzählt hat.

Sie hat auch ein Buch geschrieben: Die Himmelsstürmerin, Chinas Staatsfeindin Nr. 1. Seit März ist es als Taschenbuch erhältlich wie ich gerade gesehen habe.

Hier noch ein Link über ein Interview mit ihr, das einmal im Tibetfocus erschienen ist:
http://tibetfocus.com/gm/archives/00000450.html
Auch bei uns will beinahe niemand die ehemaligen Gefangenen aus Guatanamo aufnehmen, d.h. der Bundesrat hat zugestimmt, doch jetzt schieben es die Kantone (Länder)auf die lange Bank. So viel ich weiss hat einzig der Kanton Genf aus der welschen Schweiz bis jetzt definitiv zugesagt solche ehemalige Hätlinge aufzunehmen.

Ja es ist wirklich eine Schande, wenn man denkt was die alles mitgemacht haben. Und einfach wird es auch nicht sein, so in einem ganz fremden Inselstaat, möglichst ohne Verwandten ein neues Leben anzufangen.

Liebe Grüsse
Elfe

juwi hat gesagt…

Elfe:

Danke für deine Hinweise. Über das Schicksal von Rebyia Kadeer und ihrer Familie hatte ich vor einiger Zeit schon etwas erfahren, und hatte damit begonnen, etwas für einen Artikel über sie zusammenzustellen. Dann kam die Nachricht über die schäbige Reaktion der Bundesregierung auf die Anfrage aus den USA bzgl. der Aufnahme der Uiguren aus Guantanamo dazwischen.

Um den Bezug zu den aktuellen Ereignissen zu erhalten, und weil ich über die deutsche Haltung in dieser Sache sehr bestürzt bin, habe ich zuerst über den Umgang mit den ehemaligen Guantanamo-Gefangenen geschrieben. Da ja hierzulande kaum jemand etwas über die Vorgänge im der Provinz Xianjiang im fernen China weiß, habe ich für heute versucht, einige Hintergrundinformationen über die Geschichte Turkestans im allgemeinen, und über die des östichen Turkestan im Besonderen zusammenzustellen. Ich hoffe, dass mir das mit der kurzen Zusammenfassung der teilweise doch ziemlich verwirrenden Ereignisse trotzdem einigermaßen gelungen ist.

Über Rebyia Kadeer werde ich in den nächsten Tagen etwas ausführlicher schreiben.

Dass "das Land der unbegrenzten Möglichkeiten", das ich in meiner Jugendzeit lange für den Inbegriff von Freiheit und Demokratie hielt, unter der Regierung von Herrn Bush moralisch so verkommen konnte, dass es die Menschenrechte mit der Einrichtung von Guantanamo dermaßen in den Dreck trat, war für mich schon unfassbar. Was sich jetzt aber Staaten wie Deutschland, die Schweiz und andere mit ihrer abweisenden Haltung leisten, wenn es darum geht den lange Jahre zu Unrecht gefangen gehaltenen Menschen wieder etwas Vertrauen in die Menschheit zurückzugeben, das setzt dem ganzen noch die Krone auf.

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