Donnerstag, 11. März 2010

Tödliches Elfenbein


Elefantenfamilie (Caprivi strip in Namibia)

Elefanten bevölkerten unseren Planeten schon, als an den "modernen Menschen" noch gar nicht zu denken war. Die entwicklungsgeschichtliche Linie des asiatischen Elefanten entstand im frühen Pliozän Afrikas und die des afrikanischen Elefanten im mittleren Pliozän Afrikas. Das Zeitalter des Pliozän umfasst den Zeitraum von vor 5,3 Millionen Jahren bis etwa vor 2,5 Millionen Jahren. Der älteste dem modernen Menschen zugeordnete fossile Fund ist erheblich jünger. Es sind Schädelknochen aus der Zeit von vor ungefähr 160000 Jahren, die in Äthiopien gefunden wurden.

Elefanten sind die größten noch lebenden Landtiere. Wenn sie nicht vorher umgebracht werden, können sie so alt werden, wie wir Menschen. In allen Kulturen dieser Welt und zu allen Zeiten wurden sie in Religionen verehrt. Sie beflügelten die Phantasie ganzer Kulturkreise und halfen den Menschen mit ihrer Kraft bei Arbeiten, die diese allein nie hätten bewältigen können. Falls es nicht gelingen sollte, die Elefanten weiterhin effektiv zu schützen, besteht jetzt die Gefahr, dass diese einmaligen und hochintelligenten Geschöpfe eines Tages für immer von der Erde verschwunden sein könnten. Das Elfenbein ihrer Stoßzähne droht ihnen erneut zum Verhängnis zu werden. Außerdem leiden die Elefanten darunter, dass die Menschen ihren Lebensraum immer weiter einschränken. Alle heute noch lebenden Elefanten sind stark in ihrem Bestand gefährdet.


Weltweites Handelsverbot für Elfenbein

Solange es eine Nachfrage nach Elfenbein gab, wurden sie von Wilderern um ihrer Stoßzähne willen abgeschlachtet. Vor über 20 Jahren verabschiedete die "Convention on International Trade in Endangered Species" (CITES) deshalb ein weltweites Elfenbein-Handelsverbot. Die Wilderei ging zurück, und die Elfenbeinpreise fielen. Auf der letzten Konferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) im Jahre 2007 verständigten sich alle afrikanischen Länder auf einen Kompromiss, der den jahrelangen Elfenbeinstreit beenden sollte: Vier Länder durften ihre Lagerbestände von insgesamt 108 Tonnen Elfenbein verkaufen, im Gegenzug wurde ein neunjähriges Moratorium vereinbart.

Dieses erwies sich schnell als wenig hilfreich. Die ungenügende Durchsetzung des Handelsverbots in Verbindung mit "experimentellen Einmalverkäufen" der beiden afrikanischen Staaten Tansania und Sambia ließ die Wilderei wieder aufleben und machte den illegalen Handel wieder zu einem lohnenden Geschäft. Die Wilderer machen sich ein dadurch geschaffenes Schlupfloch zu Nutze. Sie "waschen" ihr illegales Elfenbein mit Hilfe "legaler" Elfenbein-Lagerstätten, die angeblich zum Teil noch aus der Zeit vor dem Handelsverbot stammen.


Moratorium in Gefahr

Am Samstag, den 13. März 2010, werden Tansania und Sambia den Versuch unternehmen, das weltweite Elfenbein-Handelsverbot aufzubrechen. Sie setzen sich bei den Vereinten Nationen dafür ein die in ihren Ländern lebenden Elefanten vom Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens auf den Anhang II zurückzustufen. Wenn Elefanten in einem Land auf einer Liste im Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens (WA) stehen, dürfen Elefanten und Elefantenprodukte nur in ganz eng umrissenen Fällen importiert werden. Das Ausfuhrland muss beweisen, dass die Herkunft der "Ware" legal ist und die Einnahmen aus dem Verkauf von Jagdlizenzen dem Schutz der Elefantenpopulation zugutekommen. Nur dann dürfen andere Länder Importlizenzen ausstellen. Sind die Elefanten in einem Land jedoch auf Anhang II des WA gelistet und wird zusätzlich eine Menge an exportierbaren "Produkten" festgelegt, brauchen die Kunden in den Importländern keine Lizenzen mehr, um solche "Waren" rechtmäßig einzuführen. Darüber hinaus beantragen Tansania und Sambia den Verkauf von 111,54 Tonnen Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen, sowie den Verkauf von Elefantenhäuten und lebenden Tieren.

Das jedoch würde von den kriminellen Elfenbein-Syndikaten als deutliches Signal interpretiert werden, dass der internationale Schutz der Elefanten gelockert ist, und das sich die Elefanten-Wilderei wieder lohnt. Sollten Tansania und Sambia mit ihrer Vergrößerung des Schlupflochs Erfolg haben, dann wird sich dieser scheußliche Handel noch drastisch verschlimmern. Das könnte dazu führen, dass komplette Elefantenpopulationen ausgelöscht werden, was diese herrlichen Tiere an den Rand des Aussterbens bringen könnte. Bereits jetzt werden jährlich 30000 Elefanten niedergeschossen – trotz des internationalen Verbots! Die Wilderer hacken oder sägen den Tieren mit Äxten oder Kettensägen die Stoßzähne ab. Die Leichen der Elefanten lassen sie achtlos liegen und ziehen weiter auf der Suche nach weiteren Opfern.


Petition für den Schutz aller Elefanten in Afrika

Eine Gruppe von Staaten, der die Republik Kongo, Ghana, Kenia, Liberia, Mali, Sierra Leone und Togo angehören, stellte die Forderung, das derzeitigen neunjährige Moratorium für Simbabwe, Namibia, Botsuana und Südafrika durch ein 20 jähriges Moratorium für alle Afrikanischen Elefanten zu ersetzen und den Verkauf von Elfenbeinschnitzereien aus Simbabwe und Namibia zu verbieten. Einer Pressemitteilung des Bundesumweltschutzministeriums ist zu entnehmen, dass die Wilderei auf Elefanten momentan so hoch ist, wie seit Jahrzehnten nicht nicht mehr. Deutschland setze sich dafür ein, vorsorglich zu handeln, so lange die Ursachen der Wilderei nicht genau bekannt sind. Die Freigabe von Elfenbein könne möglicherweise auch zu einer Zunahme der Wilderei führen.

Die größten Chancen zum Schutz der Elefanten vor der Ausrottung bietet die Unterstützung der afrikanischen Umweltschützer und derjenigen Staaten, die sich für die Verlängerung des Elfenbeinhandelsverbots einsetzen. Deshalb hat das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ eine Petition verfasst, die jeder auf der Internetseite von AVAAZ unterzeichnen kann, der sich ebenfalls für den Schutz der Elefanten einsetzen möchte. Bis zur UN-Versammlung in Doha (Katar) verbleiben nur noch 2 Tage für die Unterschriftensammlung. In Doha fällt an diesem Wochenende die Enscheidung über die Fortsetzung des Elfenbein-Handelsverbots - und dort wird auch die Petition mit den Unterschriften übergeben mit der die Vereinten Nationen auffordert werden die Elefanten vor Wilderei zu schützen.

Die Petition von AVAAZ kann hier unterzeichnet werden.


(Quellen: AVAAZ, Pro Wildlife - Tod auf Raten, Pro Wildlife - Elefantenschutz, pressetext vom 28.01.2010, Die Presse vom 18.02.2010, Umweltjournal "Streit um das Weiße Gold" vom 22.02.2010, Pressemitteilung Nr. 027/10 des BMU vom 02.03.2010, Wikipedia "Elefant", Wikipedia "Mensch")

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