Freitag, 20. Februar 2009

Nicht zu fassen ...

... ist es, worauf gestern Abend mein Blick fiel, als ich die 1. Seite des Lokalteils der Bremerhavener Nordsee-Zeitung aufschlug. Schlagzeile:

Kaufland-Entwickler will auch auf das Kistner-Gelände
Fachmarktzentrum mit 5000 m² Verkaufsfläche direkt an der Geeste geplant

Das Konzept der niederländischen Unternehmensgruppe Ten Brinke "TBP Nord Projektentwicklung GmbH & Co. KG", die in Bremerhaven von dem Projektentwickler Norbert Tränkner vertreten wird, in Kürze:
  • Alle Gebäude auf dem für 2,1 Millionen Euro - abzüglich 1,1 Millionen Euro für die "Altlastenbeseitigung" - verschacherten Gelände platt machen, inklusive des (aus meiner Sicht) für den Bremerhavener Stadteil Lehe industriehistorisch wertvollen Kalksandsteinwerks
  • Damit die alte Kaje die neuen Lasten tragen kann, werden zusätzlich 1,75 Millionen Euro veranschlagt
  • Es verbleiben nach meiner Rechnung -750000 Euro in der Stadtkasse
  • Von der Hafenstraße aus werden in östlicher Richtung entlang der Geeste aneinandergereiht:
    ► Discounter (1015 m²)
    ► Fachmarkt/Apotheke/Backschop (zusammen ca. 505 m²)
    ► Fachmarkt (350 m²)
    ► Fachmarkt (380 m²)
    ► Fachmarkt (400 m²)
    ► Fachmarkt (650 m²)
    ► Fachmarkt (900 m²)
    ► Fachmarkt (800 m²)
    Der davor verbliebene Platz entlang der Werftstraße wird mit Parkplätzen versiegelt.
    Fertig!

    Erholungswert:
    ► Null!

    Geesteblick von der Hafenstraße:
    ► Lückenlos mit Einkaufshallen vollgepflastert!
Darüber gibt es laut Nordsee-Zeitung ein geheimes(!) Papier, das bisher nur im engsten Kreis der Koalitionsspitzen von SPD und CDU diskutiert wurde.

Bis zum 16. Mai 2008 bestand die CDU noch auf der Erhaltung des Kalksandsteinwerks, um das Nordsee-Museum darin unterzubringen. Auch bei diesem angeblich festen Bestandteil ihres sogenannten "Drei Säulen Programms" ließ die CDU die Bürger schon vor der Tür im Regen stehen.


Praktizierte Bürgerbeteiligung: Null!

Nicht dass die Bürger sich keine Gedanken über die Nutzung des Geländes gemacht hätten. Das Gegenteil ist der Fall! Es ist nur so, dass ihre Projektideen erfolgreich von der Großen Koalition ignoriert wurden. Mit der gleichen Ignoranz bedachte sie auch die interessierten Investoren Wolfgang Ehlers (Architekt, Mehrgenerationenhäuser), Horst Wübben (Unternehmer, Hotel) und die Investorengemeinschaft IVMG & I.I.C.(Markthalle mit dem Stadtbild angepassten Fassaden, Kleingewerbe, Wohnen am Wasser).

Demgegenüber steht der Beschluss der Stadtverordneten-
versammlung
vom 14. Februar 2007, der sich im Laufe der
Zeit mehr und mehr als Taube Nuss entpuppte:

"Der Magistrat wird aufgefordert, unter Beteiligung der Bevölkerung eine städtebauliche Entwicklung für das Geesteufer im Bereich vom Autobahnzubringer Mitte bis zur Stadthalle zu unterstützen, damit die attraktive Lage am Wasser auch auf lange Sicht nachhaltig berücksichtigt und der exponierten Lage in unserer Szadt besondere Rechnung getragen wird. In die Planungen sollen sowohl das Wohnen am Wasser, die Ansiedlung von Dienstleistungsgewerbe und Einkaufsmärkten als auch der Erhohlungswert für die Leher Bevölkerung einbezogen werden."


Aber das ließ sich auch noch zu toppen!

Heute steht auf der 1. Seite des Lokalteils der Nordsee-Zeitung die Schlagzeile:

Investor will auch auf den Kaisen-Platz
Niederländische Gruppe plant einen Baumarkt

Ten Brinke will auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz, der seit zig Jahren für Festveranstaltungen wie dem Bremerhavener Frühjahrsmarkt, dem Bremerhavener Freimarkt, Zirkusveranstaltungen, Open Air Konzerte und dergleichen mehr genutzt wird, einen 10000 m² großen Baumarkt bauen. Gegenüber an der Stresemannstraße befindet sich ein "Max Bahr" Baumarkt, und ein kurzes Stück Richtung Süden, auf der anderen Geesteseite, gibt es einen "Bauhaus" Baumarkt. Was hat da noch ein weiteres 10000 m² Baumonster auf Bremerhavens Festplatz zu suchen?


Ach ja, bevor ich es vergesse noch einmal zu erwähnen:

In der direkten Nachbarschaft des von Ten Brinke anvisierten Baumarkts auf dem Wilhelm-Kaisen-Platz will die CDU, allen voran Herr Teiser, ja schon seit langem einen Kaufland-Markt von der Ten Brinke Gruppe bauen lassen, gegen den die Leher Bürger schon genau so lange Sturm laufen.


Was hier entgegen des Beschlusses der Stadtverordnetenversamm-
lung vom 14. Februar 2007 in die Wege geleitet werden soll bedeutet den endgültigen Todesstoß für das ohnehin schon kränkelnde Geschäftszentrum Lehes: Die Hafenstraße!


ES REICHT !
  • Wann findet der Wildwuchs von
    Märkten und Discountern ein Ende?
  • Wann wird Verdrängung endlich
    durch Stadtentwicklung ersetzt?
  • Was ist mit dem von vielen Seiten
    geforderten Einzelandelskonzept?
  • Wann kehrt in dieser dieser Stadt
    endlich wieder die Vernunft ein?


(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 19. und 20.02.2009, Projektgruppe-Kistnergelaende Bremerhaven)

1 Kommentar:

Leher Butjer/Weserkrabbe hat gesagt…

Hallo Jürgen, mir ging es genau wie Dir als ich die Schlagzeilen las. Aber anscheinend sind wir die einzigen oder nur ganz wenige, die sich aufregen, auf jeden Fall nicht genug.
Denn wenn die Bürger wirklich etwas gegen diese Machenschaften hätten, dann würden sie sich auf verstärkt wehren. Ich habe diese Erfahrung damals in der Projektgruppe schon gemacht. Alle, die wir angesprochen haben, haben gesagt, ja macht mal was dagegen, aber laßt uns damit in Ruhe. Die Leher Bürger sind so frustriert, dass denen inzwischen fast alles egal ist. Ja, und da schließt sich der Kreis. Die Politiker wollen keine mündigen Bürger,sondern Abnicker und Jasager. Dann sind sie zufrieden und können wirklich machen, was sie wollen.

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