Mittwoch, 18. Februar 2009

Miep Gies feierte ihren 100. Geburtstag

Am 15. Februar 1909 wurde Miep Gies in Wien als Hermine Santrouschitz geboren und wuchs dort in ärmlichen Verhältnissen auf. Im Alter von 13 Jahren schickten ihre Eltern sie im Rahmen eines Projektes zur Unterstützung unterernährter Kinder nach Holland, wo sie von ihrer Gastfamilie in Amsterdam ihren Spitznamen "Miep" erhielt. 1933 erhielt sie eine Arbeitsstelle in der niederländischen Filiale der Firma Opekta, in der sie als Sekretärin für den Filialleiter Otto Frank arbeitete. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine gute Freundschaft zwischen ihr und der Familie Frank. 1938 gründete Otto Frank zusammen mit dem Fleischer Hermann van Pels die Firma namens Pectacon.

Nach der Besetzung Hollands durch deutsche Truppen im Jahre 1940 wiedersetzte sich Hermine "Miep" Santrouschitz der Aufforderung der Nazis, sich einer holländischen Nazi-Partei für Frauen anzuschließen. Daraufhin erklärten die Besatzer ihren österreichischen Personalausweis für ungültig und forderten sie mit einer Frist von 3 Monaten auf, nach Österreich zurückzukehren. Es gelang ihr innerhalb dieser kurzen Zeit, ihre Geburtsurkunde aus Österreich zu beschaffen, so dass sie am 16. Juli 1941 Jan Gies heiraten konnte. Mit der Ehe erhielt sie die holländische Staatsbürgerschaft und konnte in Holland bleiben.

Am 5. Juli 1942 wurde Otto Frank's Tochter Margot aufgefordert, sich in einem Arbeitslager zu melden. Otto Frank vertraute sich Miep Gies an, und teilte ihr mit, er wolle mit seiner Familie untertauchen, um sich der Verfolgung durch die Nazis zu entziehen. Obwohl sie ihren Mann und sich damit selbst in höchste Gefahr brachte, entschloss sich Miep Gies sofort, der befreundeten Familie zu helfen und versteckte sie im Hinterhaus der Prinsengracht 263. Später brachte sie auch noch die Familie van Pels und den Zahnarzt der Familie Gies, Fritz Pfeffer, in dem Versteck unter. Zwei Jahre lang versorgte sie die Verfolgten mit Lebensmitteln, Zeitungen und Büchern. Sie war der Kontakt zur Außenwelt und Zuhörerin in der Not. Mit freundschaftlicher Zuneigung half sie den Menschen in dem Versteck im Hinterhaus die Zeit zu überstehen. Otto Frank's Tochter Anne hielt ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle während dieser Zeit in ihrem Tagebuch fest. Einmal bezeichnete sie Miep Gies darin dankbar als Packesel, der so vieles für die Familie im Versteck herangeschafft habe.

Im Herbst 1944 wurde das Versteck in der Prinsengracht 263 verraten, woraufhin die Verfolgten am 4. August 1944 von den Nazis verhaftet wurden. Miep Gies entkam einer Bestrafung nur aufgrund des Umstandes, dass der zuständige Kommissar ebenso wie sie aus Wien stammte, und deshalb in seinem Bericht nichts über ihre Unterstützung für die Flüchtlinge erwähnte. Er warnte sie jedoch davor, einen Fluchtversuch zu unternehmen. Ihr Versuch, den Kommissar durch Bestechung zur Entlassung der Verhafteten zu veranlassen, schlug jedoch fehl.

Nach der Verhaftung rettete Miep Gies die verbliebenen persönlichen Gegenstände der Deportierten. Darunter befand sich auch das Tagebuch von Anne, das sie Otto Frank nach seiner Rückkehr nach Amsterdam im Jahre 1945 übergab. Otto Frank war der einzige aus dem Versteck im Hinterhaus der Prinsengracht 263, der nicht von den Nazis umgebracht worden war. Ihre eigenen Erinnerungen an die Zeit, in der sie die Verfolgten in ihrem Hinterhaus versteckt hielt, hat Miep Gies in ihrem Buch "Meine Zeit mit Anne Frank" festgehalten.


Am 15. Februar 2009 feierte Miep Gies ihren 100 Geburtstag.

Sie lebt in Amsterdam und es geht ihr körperlich und geistig gut. Ihr Ehemann Jan Gies ist 1993 gestorben.

Otto Frank starb am 19. August 1980 in Basel. Seine Frau Edith, geb. Holländer, wurde am 6. Januar 1945 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Die Töchter Margot Betti Frank und Annelies Marie Frank (Anne) kamen (wahrscheinlich) im März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ums Leben.

Die Mitglieder der Familie van Pels wurden in den Konzentrationslagern Auschwitz-Birkenau (Hermann van Pels, 8. September 1944), Mauthausen (Peter van Pels, 5. Mai 1945) und dem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald, Raguhn (Auguste van Pels, 9. April 1945), zu Opfern der Judenverfolgung durch die Nazis.

Fritz Pfeffer, der Zahnarzt der Familie Frank, wurde am 20. Dezember 1944 im KZ Neuengamme ermordet.

Bei der Vorstellung, dass diese Menschen nur wenige Tage und Monate vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch umgebracht wurden, kommen mir die Tränen. Miep Gies sagte von sich, sie habe nie eine Heldin sein wollen. Sie habe nur getan, was getan werden musste. Ich denke, Menschen werden nicht zu Helden, weil sie Helden sein wollen, sondern weil der Umgang mit bestimmten Situationen in ihrem Leben sie in den Augen ihrer Mitmenschen zu Helden werden lässt. Aber ob Heldin oder nicht: Dem selbstlosen Handeln vom Miep Gies ist es zu verdanken, dass Annes Vater zwei Jahre in Sicherheit war und aufgrund weiterer glücklicher Umstände überleben konnte, und dass eines der wichtigsten Zeugnisse der Geschichte, das Tagebuch der Anne Frank, enstehen konnte, erhalten blieb und weltweit bekannt wurde.


(Quellen: Tagesschau, Hessischer Rundfunk [MP3], Wikipedia)


Kommentare:

Elfe hat gesagt…

Hallo Juwi

Da möchte ich doch der mutigen Frau nachträglich zu Ihrem 100. Geburtstag gratulieren. Vor vielen, vielen Jahren war ich einmal in Amsterdam in diesem Hinterhaus. Mir stellt sich dann immer die Frage, wie hätte ich wohl gehandelt, wäre ich auch so mutig gewesen?
Interessant Dein Post über die Frau, von ihr habe ich noch gar nichts gewusst.
Liebe Grüsse
Elfe

Anonym hat gesagt…

Ich hab' das schon gewusst. Miep Gies ist 100 Jahre alt.

Ich bewundere sie für ihre Wirken damals. Und verstehe es, dass sie nun zurückgezogen lebt und auch keine Interviews mehr gibt.

Das Todesdatum von Auguste von Pels - aus welcher Quelle stammt es ?

Ich hab' schon viele Bücher über Anne Frank gelesen, doch das Todesdatum von Frau Pels steht nicht drinnen.

Viele liebe Grüße von

Andrea

juwi hat gesagt…

Hallo Andrea,

die Geburts- und Sterbedaten der Personen aus dem Versteck im Hinterhaus der Familie Gies habe ich in Wickipedia unter dem Stichwort "Anne Frank" gefunden.

Schlimm ist, das sich das unmenschliche Denken und Handeln mit dem 8. Mai 1945 nicht einfach in Luft aufgelöst hat. Möglicherweise wird die Welt auch in Zukunft noch auf weitere selbstlose Menschen wie Miep Gies angewiesen sein (http://daserste.ndr.de/panorama/media/panx104.html).

Jutta hat gesagt…

Ich bin eine große Bewunderin von Miep Gies und Jan Gies.
Wenn Anne Frank und die Anderen
die Beiden nicht gehabt hätten,
wären sie noch eher den Nazis in
die Hände gefallen.
Auch ich habe schon viele Bücher
von Anne Frank gelesen.
Leider habe ich Miep Gies nie
persönlich kennenlernen können.

juwi hat gesagt…

Hallo Jutta,

ich wollte gerade einen Gegenbesuch bei dir machen, und habe dabei festgestellt, dass du noch ganz frisch in der Bloggerwelt bist.

Na denn: Herzlich willkommen :o)

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