Donnerstag, 12. Februar 2009

Ach war das schön ...

... letztens, als sich alle - na ja: vielleicht doch nicht alle, aber doch diejenigen, die am "längeren Bremerhavener Hebel" sitzen - auf die finale Variante eines Hafentunnels geinigt hatten.

Die Nordsee-Zeitung schreibt heute, auch der Senat habe sich damals begeistert gezeigt (der Senat, das sind die Damen und Herren von der Bremer Landesregierung). Alle hatten sich gefreut: Herr Böhrnsen (SPD, Bremen, Regierungschef) hatte sich gefreut, Herr Nagel (SPD, Bremen, Wirtschaftssenator) freute sich, und die Politiker der Großen Koalition in Bremerhaven freuten sich natürlich besonders darüber, dass Herr Böhrnsen nicht besorgt über die 40-Millionen-Lücke war, und dass Herr Nagel gesagt hatte: "Wir müssen die 40-Millionen-Lücke im Senat in einem Alle-Mann-Manöver organisieren." Einfach toll war das ... - bis Herrn Loske (Grüne, Bremen, Umweltsenator) eine geniale Idee für eine billigere Lösung eingefallen ist. Das hätte er ja man ruhig auch schon etwas früher sagen können, dass es da möglicherweise noch billigere Lösungen geben könnte. Darüber hatte in Bremerhaven bis dahin bestimmt niemand nachgedacht.

Dabei ist jedoch eigentlich alles ganz simpel: Man muss den Tunnel einfach nur um 330 Meter kürzer bauen. Dann kann man glatt 30 Millionen Euro sparen ... - hat Herr Loske ausgerechnet.

Die Sache hat nur einen klitzekleinen Haken. Der Tunnel soll ja nur deshalb gebaut werden, damit die Container-Trucks unterirdisch, ohne durch Ampeln aufgehalten zu werden, von der Autobahn direkt bis zum Hafen durchfahren können. Herr Loske will aber den Tunnel auf Kosten einer neuen Ampelanlage mitten auf dem Autobahnzubringer verkürzen, was dort mit Sicherheit zu zusätzlichen Staus führen wird. Das wird nicht sehr lustig werden. Besonders die Trucker werden nicht erfreut sein, wenn die mit ihren Containerzügen auf dem Rückweg aus dem Hafen im Rückstau vor der Ampel im Tunnel stehen werden. Alle anderen Verkehrsteilnehmer werden sich über die zusätzliche Ampel an der Abzweigung zur Tunneleinfahrt auch nicht gerade freuen. Eigentlich gibt es auf dem kurzen Abschnitt zwischen dem Gewerbegebiet bei Spaden und der Langener Landstraße inzwischen schon Ampeln genug ...

Ich muss mich bezüglich des klitzekleinen Hakens etwas korrigieren. Die Sache hat nämlich eigentlich sogar zwei klitzekleine Haken. Der andere Haken ist der Tunneleingang: Der rückt nämlich durch Herrn Loskes geniale Idee den Anwohnern im angrenzenden Wohngebiet abseits der Cherbourger Straße auf die Pelle. Man kann ja gegen die große Koalition in Bremerhaven sagen was man will, aber mit der Entscheidung für die "finale Tunnelvariante" hatte sie die Beeinträchtigung der Anwohner möglichst gering halten wollen. Möglicherweise sehen die Anwohner im angrenzenden Wohngebiet selbst dieses vorgebliche Ansinnen ohnehin schon "etwas differenzierter": Ärger vorprogrammiert!

Auch Herr Nagel hat wohl aufgehört, sich zu freuen. Jedenfalls schreibt die Nordsee-Zeitung, er sei verärgert über den unabgesprochenen Vorstoß von Herrn Loske. Er habe davor gewarnt 120 Millionen vom Bund kassieren zu wollen und dann eine Billigvariante umzusetzen zu wollen. Das laufe nicht. Die Finanzierungszusage des Bundesverkehrsministeriums sei an die vorhandene Planung gebunden. Herr Teiser (CDU, Bürgermeister von Bremerhaven und Kämmerer) vermute, die Bremer hätten die Absicht, das Projekt so lange einzudampfen, bis Bremen nichts mehr zahlen müsse. Das klingt auch nicht sehr erfreut.

Lediglich Herr Böhrnsen scheint noch nicht ganz aufgehört zu haben, sich zu freuen. Er sehe das Gesamtwerk nicht gefährdet. In Bremen werde lediglich die Finanzierbarkeit und die planerische Plausibilität geprüft. Eine Variantendebatte fände in Bremen nicht statt.

Na ja! - So richtig überzeugt mich das jetzt aber auch nicht.

Wenn man mich fragen würde: Ich hätte da eine noch genialere Idee als Herr Loske. Aber man fragt mich ja nicht.

Wenn man mich aber doch fragen würde, dann würde ich ebenfalls vorschlagen, den Tunnel zu verkürzen: Nicht wie von Herrn Loske vorgeschlagen um läppische 330 Meter, sondern um die gesamte geplante Länge. Da würde ich doch lieber gleich Nägel mit Köpfen machen. Mit den 160 Millionen Euro, die man damit einsparen könnte, würde ich eine vierspurige oberirdische Hafenanbindung nördlich von Langen zum Zolltor bei Weddewarden bauen. Wenn der schöne neue Tunnel irgendwann einmal kollabieren wird, dann wird es ohnehin darauf hinauslaufen.

Ok: das ist eigentlich nichts neues. Andere hatten die gleiche Idee unabhängig von mir ja auch schon. Das bestätigt mir jedoch, dass ich mit meinem Vorschlag gar nicht so verkehrt liege, zumal eine solche Variante erheblich günstiger und zukunftsfähiger zu haben wäre, als so ein sauteurer Tunnel, dessen Kapazität bereits kurz nach seiner Fertigstellung höchstwahrscheinlich eh nicht mehr ausreichend sein wird - jedenfalls dann nicht, wenn der Hafenumschlag sich in dem prognostizierten Tempo weiterentwickeln wird.

(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 12.02.2009, Weser-Kurier vom 11.02.2009)

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