Samstag, 10. Januar 2009

Pilotprojekt Eigentümerstandortgemeinschaft


Bremerhaven Lehe, Goethe-, Ecke Dorotheastraße

Aufgrund der großen Zerstörungen durch die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1944 werden die Stadtteile in der Innenstadt Bremerhavens überwiegend von Nachkriegsbauten dominiert. Nur in Lehe blieben zusammenhängende Bestände aus Gründerzeitbauten von den Bombenangriffen verschont.


Bremerhaven Lehe, Goethestraße

Bremerhaven hat seit der Werftenkrise und dem Rückgang der deutschen Hochseefischerei stark mit den Problemen des Strukturwandels und einem erheblichen Bevölkerungsrückgang zu kämpfen. Auch der Abzug der US-Army nach dem Ende des Kalten Krieges hat durch den Ausfall von Kaufkraft wirtschaftlich negative Spuren und eine große Zahl leerstehender Wohnungen in Bremerhaven hinterlassen. Den gravierenden wirtschaftlichen Problemen versucht Bremerhaven mit der Ausweitung der Hafenwirtschaft, dem Ausbau des Tourismus, der Ansiedlung von Betrieben aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und ähnlichen Maßnahmem zu begegnen.

Um dem aus dem Bevölkerungsrückgang resulierenden hohen Wohnungsleerstand Rechnung zu tragen, wurde in den Neubausiedlungen am Stadtrand, die in den Jahren zwischen 1960 und 1970 entstanden, in Form von Rückbauten ein deutlich wahrnehmbarer städtebaulicher Anpassungsprozess durchgeführt. Entgegen der damit verbundenen Hoffnung ergab sich durch die Verringerung des Gebäudebestands am Stadtrand jedoch kein Belebungseffekt für die innerstädtischen Altbauquartiere. Um diese attraktiver zu gestalten wurden mit URBAN-II-Mitteln im Zentrum von Lehe verschiedene Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung durchgeführt, die zu punktuellen Aufwertungen des Stadtbilds, einer Veränderung der Schullandschaft sowie zur Etablierung sozialer Einrichtungen, und damit zu einer Verbesserung der sozialen Infrastruktur, im Stadtteil geführt haben.

Trotz der städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen ist die Investitionsbereit- schaft privater Eigentümer bisher jedoch gering geblieben. Um hier zu Fortschritten zu kommen, hat sich Bremerhaven erfolgreich um ein gefördertes Forschungsprojekt bemüht. Innerhalb dieses dreijährigen Projekts soll im Leher Ortsteil Goethestraße eine Eigentümerstandort- gemeinschaft gegründet und zu einem wirksamen Instrument der Wohnquartiersentwicklung weiterentwickelt werden. Die an der Standortgemeinschaft beteiligten Eigentümer sollen die Vorteile eines gemeinsamen Vorgehens kennen und schätzen lernen und Erfahrungen in der Projektdurchführung sammeln. Zum Ende der Projektlaufzeit soll sich die Gemeinschaft so verfestigt haben, dass sie den eingeleiteten städtebaulichen Erneuerungsprozess aus eigener Kraft selbstständig vorantreiben kann.

Für den Fall eines erfolgreichen Projektabschlusses könnten die damit gesammelten Erfahrungen als Keimzelle für die Gründung weiterer Eigentümerstandortgemeinschaften in Bremerhaven dienen. In diesem Fall könnte das Leher Pilotprojekt für Problemzonen in Stadtteilen wie Lehe oder Geestemünde zum Rückgang von Leerständen und in der Folge zu weiterer Strukturverbesserungen führen. Der Projektträger erhofft sich aus den mit dem Projekt gewonnenen Erkenntnissen und Daten den Aufbau einer soliden Grundlage für die Initiierung ähnlicher Projekte zur Strukturverbesserung in Problembereichen anderer Städte in Deutschland.

Das vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) unterstütze Vorhaben steht auch auf der Tagesordnung der Stadtteilkonferenz Lehe am 20. Januar um 19 Uhr in der "Kogge" (Goethe-, Ecke Meidestraße). Darüber, was priv. Eigentümer für ihr Quartier gemeinsam tun können, was die Bewohner davon haben, wie eine Eigentümerstandortgemeinschaft insbesondere in Quartieren wie Lehe einen entscheidenden Beitrag zur Überwindung von Stagnation leisten kann, in denen ohne eine Kooperation verschiedener Akteure keine positive Entwicklung des Gebietes und der Bestände zu erwarten ist, und wie durch die Bündelung öffentlicher und privater Initiativen ein attraktives urbanes Stadtquartier zu erreichen ist, informieren Herr Metzmacher (Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - Berlin) sowie Frau Fryczewski vom Beratungsunternehmen "empirica – Qualitative Marktforschung, Stadt und Strukturforschung GmbH" aus Bonn, das die Arbeit der Interessengemein- schaft im Rahmen des Projektes begleiten wird.


Ich erhoffe mir von einer starken Eigentümerstandortgemeinschaft unter anderem eine Basis für ein gemeinsames Vorgehen gegen Immobilien- spekulanten, deren Aktivitäten in den vergangegenen Jahren, zusätzlich zu den aus dem Bevölkerungsrückgang resultierenden Problemen, zum beginnenden Verfall ganzer Häuser innerhalb bis dahin intakter durchgängiger Gründerzeitfassaden geführt haben. Wenn man das Umfeld dieser verwahrlosten Häuser betrachtet, dann fällt auf, dass oft die benachbarten Häuser ebenfalls in diesen zerstörerischen Sog hineingezogen werden. So entstehen im Laufe der Zeit mehr oder weniger fließende und sich ausbreitende Übergänge von einem Brennpunkt in Form einer verwahrlosten Immobile zu bisher intakten Gebäuden. Diesem Krebsfraß muss dringend Einhalt geboten werden. Anderenfalls wird das letzte zusammenhängende historisch gewachsene Gründerzeitviertel Bremerhavens, das die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs überlebt hat, durch kriminelle Aktivitäten und Gleichgültigkeit am Ende doch noch unwiederbringlich zerstört werden.

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