Samstag, 28. Januar 2012

Gegen das Vergessen - Marcel Reich-Ranicki

Deutscher Bundestag, Feier zum Gedenken an die Holocaust Opfer (27. Januar 2012)

Gestern jährte sich der Tag der Befreiung der Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz zum 67. Mal.

Auf Einladung des Deutschen Bundestages sprach Herr Reich-Ranicki (Literaturkritiker) in einer bewegenden Rede über seine Erlebnisse im Warschauer Ghetto im Juli 1942 - wie er sagte, nicht als Historiker, sondern als Zeitzeuge. Damals ordnete die SS die "Umsiedlung" der Warschauer Juden "nach Osten" an. "Im Osten" hatten die Nazis ihre Gaskammern für den industriell organisierten Massenmord errichtet. Für die "umgesiedelten" Menschen – Männer, Frauen und Kinder - wurde es eine Reise in den Tod. Nur wenigen Menschen gelang die Flucht - so auch Herrn Reich-Ranicki und seiner Frau, die er im Warschauer Ghetto kennengelernt hatte.

Das Video zeigt die Gedenkstunde im Deutschen Bundestag am 27.01.2012 mit der Rede Herrn Reich-Ranickis. Gerade auch angesichts der erst kürzlich aufgedeckten Neo-Nazi-Mordserie ist die Schilderung Herrn Reich-Ranickis ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte. Nur mit dem Wissen über die Gräueltaten der Nationalsozialisten während des Hitler-Regimes lassen sich die Absichten der heutigen Nazis entlarven und richtig einschätzen.

Wie Herr Lammert (CDU, Bundestagspräsident) in seiner Eröffnungsrede sagte, seien aktuellen Untersuchungen zufolge 20 Prozent der Bundesbürger latent antisemitisch eingestellt. Das seien "in Deutschland genau 20 Prozent zu viel". Zuvor hatte er diejenigen Bundesbürger gewürdigt, die sich gegen Rechtsextremismus und Aktivitäten der Neonazis engagieren (Zitat):
"Da sind Einzelne, Vereine, ganze Dörfer, da sind Menschen die den Rechtsextremen, die durch ihre Städte marschieren wollen immer wieder entgegentreten und zeigen: Wir dulden eure Diffamierungen, euren Hass nicht - schon gar nicht eure Gewalt. Es sind Menschen, die Zivilcourage beweisen, die nicht wegsehen, Diskriminierungen nicht unwidersprochen stehen lassen. Es sind Menschen, die ein Beispiel geben und die Mut machen."


(Quellen: Die Zeit vom 27.01.2012, Deutscher Bundestag)

1 Kommentar:

DieWasserfrau hat gesagt…

Guten Tag Juwi

Danke für das Einstellen der Rede. Ich habe im Radio davon gehört und dachte, hoffentlich kann ich irgendwo alles hören. Nun ist das möglich noch dieses Wochenende.

Mein Alter entspricht diesem Gedenkjahr und auf meine Jugendzeit hat das ganze Geschehen abgefärbt. Das brachte mich dazu vor gut 40 Jahren einige Zeit in einem Kibbuz in Israel zu arbeiten.

Es ist schade, dass dort bis heute kein Frieden eingekehrt ist, ich kann nur hoffen, dass in dieser Gegend die Kräfte der Vernunft und des Dialogs siegen werden.

Liebe Grüsse in den Norden
Elfe

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