Mittwoch, 25. Juni 2008

Wärmedämmung auf Gründerzeitfassade

Da schlagen sozusagen zwei Herzen in meiner Brust ...

Zum einen ist es unbedingt notwendig, dass aus Gründen des Klimaschutzes Energie aus fossilen Energieträgern (Erdöl, Erdgas) eingespart wird. Ein großer Anteil des Verbrauchs entfällt dabei auf das Heizen unserer Häuser. In unseren Breiten lässt sich das Problem u.a. durch anbringen von Wärmedämmungen auf den Fassaden der Häuser reduzieren. Weitere Einsparungen lassen sich in vielen Fällen sicher auch durch in den Heizungskreislauf integrierte Warmwasser-Sonnenkollektoren auf den Dächern erreichen. Um die CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern auf nahezu Null zu reduzieren, wird es außerdem notwendig sein, mittelfristig alternative Heizungen für regenerative Energieträger zu entwickeln bzw. zu optimieren (Pellet Heizung) und in den Häusern zu installieren.


Rechts: Reliefs um die Fenster vor Anbringung der Dämmung

Die Fassade des Hauses auf dem Foto oben im Leher Ortsteil "Goethestraße" wurde vor kurzem mit einer Wärmedämmung versehen. Typisch für das Stadtbild dieses Viertels sind die vielen Gründerzeitfassaden, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Im Falle dieses Hauses ist zumindest versucht worden, den Stil der durch die Dämmung veränderten Fassade denen der Nachbarhäuser anzupassen. Das wurde unter anderem durch die optische "Verlängerung des mittleren Giebels" nach unten, durch das quer verlaufende Relief oberhalb der Fenster des Erdgeschosses und die farbliche Absetzung der Fensternischen erreicht. Über der Eingangstür wurde außerdem zwischen der ersten und zweiten Etage ein Schmuckrelief angebracht (Foto ganz oben), welches allerdings nach meinem Empfinden auf der ansonsten sehr schlichten Fassade sehr verloren wirkt.


Insgesamt gesehen macht das Haus durch die Renovierung im Vergleich zu seiner Umgebung einen positiven Eindruck. Auf den zweiten Blick wirkt es allerdings eher schmucklos und schlicht gegenüber den benachbarten Häusern.

Die Häuser aus der Gründerzeit mit ihren Schmuckfassaden sind eines der wenigen verbliebenen historischen Zeugnisse Bremerhavens. Es ist daher aus meiner Sicht unbedingt notwendig, dass bei Dämmungen der den Straßen zugewandten Fassaden dieser Häuser sehr sensibel geplant und gearbeitet wird. Anderenfalls wird Bremerhaven einen weiteren Teil seiner Identität verlieren. Möglicherweise lassen sich Kompromisse finden, indem man z.B. die Fassaden nur teilweise dämmt, oder indem man versucht, den Charakter der Häuser durch auf die Dämmung aufgesetzte Reliefs, die denen der Originale nachempfunden sein sollte, zu erhalten.

Es wurde (und wird) in Bremerhaven sehr viel Geld für - aus Sicht vieler Bremerhavener Bürger - unnötige Projekte ausgegeben. Es wäre schön, wenn statt dessen auch einmal an die Erhaltung der noch vorhandenen historischen Substanz dieser Stadt gedacht werden würde. Statt über einen Zeitraum von 25 Jahren die gigantische Summe von 85 Millionen Euro in einer neuen Stadthalle zu versenken, ließe sich mit diesem Geld für die Erhaltung der Bausubstanz und des Stadtbildes im Leher Ortsteil Goethestraße schon eine ganze Menge erreichen.

1 Kommentar:

Brigitte/Weserkrabbe/Leher Deern hat gesagt…

Hallo Jürgen, Dein Artikel über die Fassadendämmung ist sehr interessant, habe ich mir darüber doch auch schon Gedanken gemacht. Aber wenn man ein bisschen googelt dann findet man auch eine sehr kontroverse Diskussion über die nachträgliche Dämmung der alten Häuser. Sehr viele haben dadurch Schimmelpilzbefall erhalten und viele andere Nachteile tauchen da auf. Und natürlich ist eine Erhaltung der Gründerzeitfassaden dabei kaum möglich und ausserdem sehr teuer. Das wird schon eine schwierige Sache mit den neuen Massnahmen.
lieben Gruss
Brigitte

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