Freitag, 27. Dezember 2013

Die Frage ist nicht, "ob" der Tunnel teurer wird ...

Leipzig, City Tunnel (Foto: © Jan Ebert)
Bei Recherchen zu einem anderen Thema bin ich über einen Bericht des MDR gestolpert, in dem es um die Einweihung des neuen "City-Tunnels" am 14.12.2013 in Leipzig geht. Dort ist zu lesen, dass die Kosten für die 1,438 km langen Tunnelröhren im Laufe der zehnjährigen Bauzeit von den ursprünglich einmal kalkulierten 572 Millionen auf 960 Millionen Euro gestiegen waren.

Immerhin ist der Leipziger Tunnel aber nicht für klimaschädliche Lkw's, sondern für elektrisch betriebene S-Bahnen und Züge gebaut worden, damit diese Leipzig nicht mehr umfahren müssen. Dadurch soll eine Zeitersparnis von bis zu 40 Minuten erreicht werden.


In Bremerhaven wird jetzt mit dem Bau des Hafentunnels begonnen. Eine Überprüfung im Jahre 2010 ergab bereits eine Kostensteigerung von 160 Millionen auf 171,3 Millionen Euro. Hinzu kommen die bereits angefallenen Planungskosten in Höhe von knapp 30 Millionen Euro. Somit muss auf Grundlage der Zahlen aus dem Jahre 2010 jetzt also von Kosten in  Höhe von mindestens etwa 200 Millonen Euro für den Bau des dann 1,8 Kilometer langen Hafentunnels ausgegangen werden.

Sollte es in Bremerhaven zu einer ähnlichen Kostensteigerung kommen, wie in Leipzig, dann würden sich die Kosten für den Bau des Hafentunnels am Ende auf etwa 335 bis 336 Milionen Euro belaufen. Das erspart den Lkw's auf dem Weg zwischen der A27 und dem Hafen dann bis zu vier Stopps an Ampeln. Bei einer angenommenen Ampelphase von zwei Minuten betrüge die Zeitersparnis dann bis zu etwa acht Minuten.

Die Züge, die künfig durch den den City-Tunnel in Leipzig fahren, profitieren zusätzlich zur eingesparten Zeit auch von einer etwas kürzeren Wegstrecke. Davon kann für den Güterverkehr, der irgendwann einmal durch den parallel zur Cherbourger Straße verlaufenden Hafentunnel rollen soll, keine Rede sein.


Aufgrund der ursprünglich einmal kalkulierten Projektkosten (160 Millionen Euro), von denen 120 Millionen Euro vom Bund getragen werden, war von einem ohnehin schon nicht gerade üppigen Nutzen-/Kosten-Verhältnis in Höhe von 1,08 ausgegangen worden. Unter Einbeziehung der Planungskosten sank das Nutzen-/Kosten-Verhältnis infolge der Erkenntnisse aufgrund der Überprüfung im Jahre 2010 auf 0,8. Aber selbst wenn man die Planungskosten bei den Gesamtkosten unterschlagen würde, dann läge das Nutzen-/Kosten-Verhältnis mit 0,907 immer noch unter "1".

Bezüglich des des Zuschusses seitens der Bundesregierung wäre es allerdings möglich, dass der Rot-Grünen Regierungskoalition eine Kostensteigerung um weitere 40 Millionen auf dann 240 Millionen Euro gerade recht käme. Der Bremer "Weser-Kurier" zitierte in seiner Online-Ausgabe vom 22.12.2013 Herrn Behrens (Die Linke, Osterholz-Scharmbeck, Bundestagsabgeordneter) mit den Worten (Zitat): "Der Hafentunnel Bremerhaven ist ein verkehrstechnisch unsinniges Projekt, das 200 Millionen Euro ohne erkennbaren volkswirtschaftlichen Nutzen verschlingen soll." Herrn Behrens zufolge habe eine schriftliche Anfrage bei der Bundesregierung ergeben, dass Zuwendungen entsprechend der Richtlinien für Bundeszuschüsse nach dem Bundesfernstraßengesetz nur in Höhe von maximal der Hälfte der Kosten gewährt werden dürfen. Damit habe die ehemalige Bundesregierung gegen geltendes Recht verstoßen.

Falls es im Laufe der Bauzeit darüber hinaus zu einer ähnlichen Kostenexplosion kommen sollte, wie beim Bau des City-Tunnels in Leipzig, dann stünde wohl eher eine "5" hinter dem Komma. Von "wirtschaftlichem Nutzen" könnte dann wirklich keine Rede mehr sein.

Es ist eigentlich auch gar keine Frage, "ob" der Tunnel teuer werden wird, sondern vielmehr um welche Größenordnung es sich dabei handeln wird. Die Erfahrungen mit Großbauprojekten zeigt, dass zum Zeitpunkt der Fertigstellung grundsätzlich höhere Kosten anfallen, als vor Baubeginn kalkuliert wurde. - Aber selbst wenn die Kosten am Ende unter 168 Prozent (bezogen auf die Überprüfung im Jahre 2010) liegen sollten, kann man wohl bereits jetzt davon ausgehen, dass das von der rot-grünen Koalition politisch durchgedrückte Tunnelprojekt alles andere als wirtschaftlich sein wird.


Klimastadt Bremerhaven?

Auch unter klimapolitischen Gesichtspunkten sind die zu erwartenden Millionen-Kosten zum Fenster hinausgeworfene Steuergelder. Entgegen der Prognosen der Planer hat der Güterverkehr auf der Cherbourger Straße bisher nicht zu-, sondern abgenommen. Statt dessen wurden mehr Güter mit der Bahn transportiert. SPD und Grüne setzen jedoch weiterhin unbeirrt darauf, dass irgendwann - hoffentlich vielleicht doch einmal(?) - ein Vielfaches an Lkw's auf dem Weg über die Cherbourger Straße und durch den geplanten Tunnel massenweise CO2 in die Luft blasen wird. Wie passt das wohl zum angestrebten Label "Klimastadt"?

Der Personennahverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Bremerhaven und Bremen weist in den letzten Jahren eine hohe Zahl von Verspätungen auf, weil den Güterzügen immer wieder Vorrang gewährt wird. Deshalb wäre es bedeutend sinnvoller gewesen, die derzeit für den Bau des Hafentunnels zu erwartenden zwei bis drei Millonen Euro zukunftsweisend in den drei- oder viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke zu investieren, als sie in einem heute bereits unwirtschaftlichen Tunnelprojekt zu versenken.

Im Gegensatz zu den dieselschluckenden Lkw's wird die Bahn nämlich irgendwann einmal mit 100 Prozent Strom aus regenerativen Energiequellen fahren. In Anbetracht des rapide fortschreitenden Klimawandels bleibt nur zu hoffen, dass wir darauf nicht mehr allzulange warten müssen. - Und in Anbetracht der klammen Haushaltslage des Landes Bremen und der Stadt Bremerhaven bleibt zu hoffen, dass die Kosten für den sinnlosen Tunnel nicht allzusehr explodieren werden.



Das Foto aus dem City-Tunnel in Leipzig hat mir Gudrun (Blog "Spinnradgeschichten") vermittelt. Dafür noch einmal meinen herzlichen Dank.

(Quelle: Weser-Kurier vom 22.12.2013, MDR vom 12.12.2013 und vom 10.12.2013, klimastadt-bremerhaven info)

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