Sonntag, 11. Juli 2010

Dafür steht kein Geld zur Verfügung


Holzbrücke am Fehrmoor über die Große Beek (Mai 2009)

Die Brücke über die Große Beek im Verlauf des Fehrmooweges vom Bremerhavener Stadtteil Leherheide nach Debstedt wurde gesperrt, weil die Holzkonstruktion so marode war, dass das Betreten der Brücke angeblich ein Sicherheitsrisiko darstellte. Lange Zeit vorher galten schon Belastungsbeschränkungen, auf die mit Schildern hingewiesen wurde. das Fehrmoor mit der Feld- und Wiesenlandschaft zwischen Bremerhaven und Debstedt ist ein Naherholungsgebiet Bremerhavener, Langener und Debstedter Bürger. An eine Reparatur sei nicht zu denken, hieß es nach der Sperrung. Zur Begründung wurde genannt:
  • "Dafür steht kein Geld zur Verfügung."



Der Lohmanndeich nach der Erhöhung: Bänke? Fehlanzeige (Juli 2010)

Der Lohmanndeich wurde erhöht. Vor der Erhöhung gab es dort einmal Sitzbänke. Nach der Erhöhung des Deiches sucht man diese dort vergebens - sehr zum Ärger älterer - oder Menschen mit körperlichen Behinderungen, die auf Sitzgelegenheiten angewiesen sind, um von Zeit zu Zeit einmal eine Verschnaufpause einlegen zu können. Davon zeugen viele Leserbriefe in der Nordsee-Zeitung. Die Begründung für die fehlenden Bänke lautet:
  • "Dafür steht kein Geld zur Verfügung."



Holzbrücke "Am Fleeth West": Ersatzlos abgerissen

Am 29. Mai 2010 berichtete die Nordsee-Zeitung über die Sperrung und den bevorstehenden Abriss der Holzbrücke Am Fleeth West, östlich des Friedhofs Lehe III. Der Zahn der Zeit habe der Brücke so sehr zugesetzt, dass die hölzernen Längsträger völlig verrottet seien. Trotz des Verbotes sei die Brücke auch immer wieder von Reitern genutzt worden. Daher könne die sichere Benutzung der Brücke nicht mehr gewährleistet werden. "Wann gibt es einen Ersatz für die abgerissene Brücke?"
  • "Dafür steht kein Geld zur Verfügung."



Brücke an der Alten Luneschleuse mit Behelfskonstruktion

Die Brücke an der Alten Luneschleuse zwischen Bremerhaven-Fischereihafen und Lanhausen wurde ohne Vorwarnung gesperrt. Die Alte Luneschleuse ist ein beliebtes Ausflugsziel von Wanderern und Radfahrern aus Bremerhaven und den niedersächsischen Nachbargemeinden und ist Bestandteil mehrerer Fernradwege, wie z.B. dem Alten Postweg. Die ungefähr 100 Jahre alte Stahlbrücke ging mit dem Erwerb eines Teils der Luneplate, der für die Ansiedlung von Firmen aus der Windkraftbranche genutzt werden soll, aus dem Eigentum Niedersachsens in das Eigentum des Landes Bremen über. Die Verantwortung für die Brücke hat seither die Stadt Bremerhaven. Die Begründung für die Sperrung der maroden Stahlkonstruktion lautet:
  • "Dafür steht kein Geld zur Verfügung."



Holzbrücke im Speckenbütteler Park: "Brücke gesperrt"

Gestern war in der Nordsee-Zeitung zu lesen, die Brücke im Speckenbütteler Park beim Geestbauernhof an der Parkstraße sei gesperrt worden. Eine Überprüfung der Holzkonstruktion habe ergeben, dass die Tragfähigkeit nicht mehr gegeben sei. Wann die Reparatur der Brücke möglich sein wird, steht in den Sternen. Zur Begründung wird auf die angespannte Haushaltslage verwiesen:
  • "Dafür steht kein Geld zur Verfügung."



Bremerhaven, Stresemannstraße: Eissporthalle im Bau (Juli 2010)

An der Stresemannstraße wird auf dem ehemaligen Werftgrundstück an der Geeste hinter der Stadthalle gerade für mindestens etwa 16 Millionen Euro eine neue Eissporthalle für die Spieler des Bremerhavener Eishockeyclubs und seine Fans gebaut.
  • Dafür steht Geld zur Verfügung ...


Für die Brücken über die Große Beek und an der Alten Luneschleuse könnten sich nach Gesprächen zwischen Vertretern Bremerhavens und der niedersächsischen Nachbargemeinden möglicherweise Lösungen aufgrund gemeinsamer Interessen in Form geteilter Reparaturkosten ergeben. Am 24. April 2010 schrieb die Nordsee-Zeitung, der Kostenanteil der Stadt Bremerhaven für eine neue Fußgängerbrücke im Fehrmoor sei gesichert. Das Geld sei in den 300000 Euro enthalten, die aus dem Konjunkturpaket II des Bundes für die Sanierung des Radwegs Neue Aue zur Verfügung stünden. Wie die Nordsee-Zeitung am 22. Juni 2010 berichtete, gibt es für die Brücke an der Alten Luneschleuse für den Zeitraum von einem Jahr nach massiven Protesten aus der Bevölkerung inzwischen eine provisorische Übergangslösung für Fußgänger und Radfahrer in Form einer hölzernen Behelfskonstruktion.

Die neueste Brückensperrung im Speckenbütteler Park ist wohl vorrangig ein "optisches Problem". Die Sperrmaßnahme an der Brücke im Park "sieht nicht gerade so toll aus" - aber es führen ja viele Wege in den Park. Auch für die Brücke Am Fleeth gibt es eine Ausweichmöglichkeit. Östlich von der ehemaligen Brücke Am Fleeth West führt die Brücke Am Fleeth Ost über das nasse Hindernis. Für Fußgänger bedeutet das jedoch einen Umweg von 500 Metern. Was die fehlenden Bänke am Lohmanndeich angeht frage ich mich allerdings ernsthaft, was mit den vorher dort aufgestellten Bänken geschehen ist. Die hätte man doch einfach nur wieder dort installieren brauchen, wo sie all die Jahre vor der Deicherhöhung auch gestanden haben.

Die globale Kritik an Herrn Holm (CDU, Baustadtrat) wegen der rücksichtslosen Sperrung der vielen Brücken ist aber wohl etwas zu kurz gegriffen. Einige Bremerhavener Bürger haben ihm deswegen inzwischen den zweifelhaften Titel "Brücken-Rambo" verliehen. Zwar zeigt das Beispiel der Brücke an der alten Luneschleuse, dass auch provisorische Übergangslösungen möglich sind, aber auch diese befristeten Notlösungen gibt es schließlich nicht zum Nulltarif. Die Verkehrssicherheit der Brücken im Stadtgebiet Bremerhavens fällt in den Verantwortungsbereich Herrn Holms. ich möchte nicht wissen, welcher Art von Titel man ihm verleihen würde, wenn aufgrund unterlassener Sicherungsmaßnamen Menschen zu Schaden kämen.

Allerdings werden Schäden, die letztlich eine Sperrung notwendig machen, mit Sicherheit nicht von heute auf morgen auftreten. Würden Schäden rechtzeitig ausgebessert werden, bliebe die Verkehrssicherheit bestehen. Das wäre dann lange nicht so kostspielig, wie eine Komplettsanierung oder Erneuerung, und die Brücken müssten nicht gesperrt werden. Außerdem ist es traurig, dass es immer erst zu Protesten aus der Bevölkerung kommen muss, bevor die Verantwortlichen sich dazu veranlasst sehen, sich nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umzusehen. Wenn gleichzeitig mit der Bekanntgabe einer notwendigen Sicherungsmaßnahme über eine zeitnahe Problemlösung berichtet würde, dann könnten sich die politisch Verantwortlichen der Unterstützung der Bürger sicher sein.

Aber das eigentliche Problem scheint mir ein anderes zu sein. So wie es aussieht, wird das für die notwendige Instandhaltung städtischer Objekte und Anlagen benötigte Geld von der Großen Koalition lieber für kostspielige, prestigefördernde Neubau-Projekte ausgegeben, die sich die Stadt Bremerhaven eigentlich gar nicht leisten kann, und für deren Instandhaltung sich später ebenfalls wieder niemand verantwortlich fühlen wird. Die Ursache für die ersatzlose Sperrung der maroden Brücken ist der marode Haushalt der Stadt Bremerhaven. So wie ich es sehe, hat ihm die auf Pump finanzierte Eissporthalle den Rest gegeben. Die zigmillionen Euro, die dort mit dem Bau und den Betriebsfolgekosten versenkt werden, fehlen jetzt und in Zukunft nicht nur für die Instandhaltung der Brücken und Verkehrswege. Ich fürchte, wir werden in Zukunft wohl noch des Öfteren zu hören bekommen:
  • "Dafür steht kein Geld zur Verfügung!"

(Quelle: Nordsee-Zeitung, Seestadtpresse Bremerhaven)

Kommentare:

juwi hat gesagt…

Lieber "Anonym",

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Deinen Kommentar vom 14.07.2010 um 17:42 Uhr mit der Einleitung "Der Artikel ist super und deshalb hab ich den mal von unserer Forenseite verlinkt ..." habe ich deshalb nicht veröffentlicht. Ich würde mich freuen, wenn du Kommentare, zumindest mit einem Nicknamen (Fantasie-Name) "unterzeichtet", abschicken würdest. Ich hoffe, du hast dafür Verständnis.

Es hätte mich auch einmal interessiert, wie andere Leute über das Thema denken. Leider weiß ich aber nicht, von welchem Forum du sprichst.

Gruß,
juwi

Hermann hat gesagt…

Jetzt soll die Alte Lunebrücke ja wohl doch ersetzt werden?

juwi hat gesagt…

@Hermann: So stand es in der Zeitung ...

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