Mittwoch, 14. Juli 2010

Auf alten Wegen zu alten Zielen


Alte Luneschleuse

Am Sonntag war der Himmel morgens nach einem Gewitter bedeckt. Da ich nicht gerne in der prallen Sonne unterwegs bin, habe ich die Gelegenheit für eine Radtour um die Luneplate herum genutzt. Wie ihr noch merken werdet, gibt es im neuen Süden Bremerhavens viel "Altes" zu sehen. ;o)

Ganz im heutigen Süden Bremerhavens mündete früher einmal die Lune in einen Seitenarm der Weser. Der kleine Wiesenfluss war bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts ein wichtiger Schifffahrtsweg. Um den Fluss tideunabhängig zu machen, das Hinterland vor den Fluten zu schützen und gleichzeitig den Schiffen den Verkehr zwischen der Lune und der Weser zu ermöglichen, gab es dort seit 1754 eine Schleuse.

Der ehemalige Seitenarm der Weser verlief östlich um die Luneplate herum. Die im Westen vom Hauptstrom und von dem östlichen Weserarm umschlossenen Luneplate war damals eine Insel im Fluss. Im Zuge des Baus des neuen Seedeichs entlang der Weser trennte man den östlichen Weserarm vom Hauptstrom ab, und der nördliche Abschnitt wurde in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu einem Teil des Fischereihafens. Für die Lune wurde westlich des Fischereihafens ein neues Flussbett geschaffen, so dass der kleine Fluss beim "Neuen Lunesiel" in den Hauptstrom der Weser mündete.



Brücke bei der Alten Luneschleuse

An die ehemalige Luneschleuse, die 1927 ihren Betrieb einstellte, erinnert heute nur noch der Name der alten Schankwirtschaft, die in dem ehemaligen Schleusenwärterhaus untergebracht ist. Aber die ungefähr 100 Jahre alte Brücke über die Lune existiert noch. Allerdings ist die genietete Stahlkonstruktion inzwischen so stark vom Rost zerfressen, dass sie kurzfristig ersetzt werden muss. Zur Zeit darf sie nur noch von wenigen Fußgängern gleichzeitig betreten werden.

Inzwischen ist jedoch auch das "Neue Lunesiel" schon wieder Geschichte. Der Flussverlauf der Lune wurde in den Achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts erneut künstlich verändert. Die Lune fließt seitdem nördlich an Stotel vorbei und mündet ungefähr zwei Kilometer südlich des Wesertunnels in die Weser. Da das "Neue Lunesiel" nach der Verlegung der Lune ohne Funktion war, und der Deich von 6,40 Metern auf 7,80 Meter erhöht werden musste, wurde der Sieldurchbruch im Deich verschlossen, und das Haus mit dem Ausflugslokal, das den Deichbaumaßnahmen im Wege stand, wurde abgerissen.



Alter Postweg bei der Alten Luneschleuse

Auf der alten Brücke überquert der "Alte Postweg" die Lune, der seinen heutigen Namen seiner Funktion im 18. Jahrhundert verdankt. Damals waren die Kurfürsten von Hannover gleichzeitig auch Könige von England. Nachdem diese ihren Wohnsitz nach London verlegt hatten, beförderten berittene Kuriere und Postkutschen die königliche Post von Hannover auf dem "Alten Postweg" nach Cuxhaven, von wo aus sie auf dem Seeweg nach England gebracht wurde.

Heute ist ein 88 km langer Abschnitt des "Alten Postwegs" auf dem Gebiet des Landkreises Cuxhaven als Radwanderweg ausgewiesen. Er beginnt im Süden in der Nähe von Garlstedt und verläuft in nördliche Richtung bis nach Cuxhaven.



Alte Weser

Ich habe den "Alten Postweg" dann bei Lanhausen verlassen und bin über die Siedlung "Auf der Jührde" in Richtung Ueterlande im Süden der Luneplate weitergefahren. Zwischen der Alten Luneschleuse und dem Hauptstrom ist hier ein Teil des ehemaligen Arms der Weser erhalten geblieben, der heute den Namen "Alte Weser" trägt.



Alte Weser

Auf einem Wirtschaftsweg fährt man ein Stück am Rande eines kleinen Wäldchens entlang. An einer Stelle führt ein Weg durch den Wald zum Ufer der "Alten Weser". Dort befindet sich dieser idyllisch gelegene Rastplatz.



Am westlichen Ende der "Alten Weser"

Im Westen endet die "Alte Weser" ungefähr 2,5 Kilometer von der Weser entfernt. Die "Alte Weser" und die ehemalige Insel "Luneplate" liegen heute vor der Flut geschützt im Hinterland des Weserdeichs. Der südliche Bereich der Luneplate wird zur Zeit jedoch renaturiert. Ehemals landwirtschaftlich genutzte Flächen werden im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme für Naturräume, die im Norden Bremerhavens dem Bau des Containerterminals IV zum Opfer fielen, in einen Tidepolder umgewandelt, der über ein Siel im Weserdeich dem ständigen Wechsel von Ebbe und Flut ausgesetzt sein wird.



Luneplate, Blick in Richtung Weser

Von dort ging es über Wirtschaftswege weiter in Richtung Weserdeich. Wenn man so über die Luneplate blickt, und ein Stück voraus ein haushohes Autotransportschiff mitten duch die Wiesen zu fahren scheint, dann weiß man, dass man bald an der Weser ankommen wird.



Weserdeich, Blick über die Luneplate

Mit einem Blick von der Deichkrone über die Wiesenlandschaft zurück zur "Alten Weser" ging die Tour um die Luneplate herum ihrem Ende zu.


(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 12.01.2010, Wikipedia, Bremerhaven Portal, Natur erleben in Niedersachsen)

1 Kommentar:

Leher Butjer/Weserkrabbe hat gesagt…

Hallo Jürgen, da hast Du uns ja mal wieder die Geschichte hautnah beigebracht. Es ist immer ein Vergnügen, Dich bei Deinen Ausflügen zu begleiten, erfährt man dabei doch immer wieder Neues und frischt Altbekanntes auf. Dankeschön dafür!

lieben Gruss
Brigitte

Kommentar veröffentlichen



Eigene Meinungen, konstruktive Kritik, Anregungen etc. sind jederzeit willkommen.

Nettikette
Bitte achtet auf den »guten« Ton.
Beschimpfungen und ähnliches werden im Papierkorb veröffentlicht.


Anonyme Kommentare:
Wenn ihr "Anonym" bei "Kommentar schreiben als" auswählt, dann lasst mich und die anderen Leser bitte wissen, wer ihr seid.

Um faire Diskussionen zu gewährleisten, werde ich Kommentare ohne "Identität" in Form einer E-Mail-Adresse, einem Namen oder zumindest einem Nicknamen nicht veröffentlichen!

Zum Schutz vor Spammern müssen die Kommentare erst von mir freigeschaltet werden. Ich bitte dafür um euer Verständnis.