Montag, 29. September 2014

Die letzte Spur: Der Grube-Kran am Neuen Hafen

Holländerbrücke über die Zufahrt vom Kaiserhafen-I zum Neuen Hafen (September 2014)
Gleich links hinter der Zufahrt zum Neuen Hafen befand sich bis vor etwa fünf Jahren das Betriebsgelände des Betonwerks der Firma Grube. Nach dem Abriss des Betonwerks entstanden auf dem Gelände ein Bürogebäude und zwei Wohnhäuser (oben links im Bild). Zwischen dem Bürogebäude und den Wohnhäusern ist der Kran des ehemaligen Betonwerks zu erkennen, dessen Sanierung ebenfalls gerade abgeschlossen wurde.


Betonwerk der Firma Grube am östlichen Ufer des Neuen Hafens (April 2009)
Die beiden Kräne prägen das Bild im Norden des Hafens (Kiesverladung Sept. 2008)
Bis 2009 prägte das Betonwerk mit seinen Silos, den Kieshalden und den beiden gelben Verladekränen das Bild am Ostufer im Norden des Neuen Hafens. Binnenschiffe mit dem Rohmaterial für die Herstellung des Betons legten regelmäßig dort an und wurden entladen. Kurz bevor der Betrieb eingestellt wurde ist es mir noch gelungen, einen kleinen Film fertigzustellen, der einen Eindruck davon vermittelt.


Im Jahre 2010 beginnt der Abriss: Die roten Silos sind bereits abgebaut (Juni 2010)
Der Abriss der Anlagen begann im Jahre 2010. Dabei kam auch der neuere der beiden Verladekräne zum Einsatz. Links im Bild oben ist das Verwaltungsgebäude des Betonwerks und rechts daneben das kleine weiße Betriebsgebäude der Fahrzeugwaage zu erkennen. Im Juni 2010 waren die ausgedienten Schüttsilos bereits abgebaut und warteten auf den Abtransport zur Verschrottung.


Das Verwaltungsgebäude und das Betriebsgebäude der Fahrzeugwaage (Juni 2010)
Hinter dem großen Fenster des Betriebsgebäudes ...
... ist die Einstellungsvorrichtung der mechanischen Waage zu erkennen
Die Bedienung und Ablesung moderner Fahrzeugwaagen funktioniert heute elektronisch und computergesteuert. Bei der Austarierung der mechanischen Waage des ehemaligen Betonwerks war noch Handarbeit angesagt. Eigentlich gehört so etwas ins Museum statt auf den Schrott.


Das Ende: Abriss der Waage und des Verwaltungsgebäudes (Januar 2011)
Mit dem Abriss der Waage und des Verwaltungsgebäudes wurde im Januar 2011 endgültig das Ende des letzten Wirtschaftsbetriebs am Neuen Hafen eingeläutet ...

Im gleichen Monat hatte der Freiraumplaner Tilman Latz im Rahmen eines Stadtgesprächs über die Zukunft am Alten und Neuen Hafen führende Politiker der Stadt Bremerhaven eindringlich gewarnt (Zitat): "Alles was Sie an historischer Substanz vernichten, ist für das Gedächtnis der Stadt verloren." Gemeinsam mit weiteren Fachleuten hatte er sich dafür ausgesprochen, den fast 50 Jahre alten Kran der am Nordende des Neuen Hafens als Industriedenkmal zu erhalten. Herr Schulz (SPD, Oberbürgermeister) hatte daraufhin versprochen, sich für den Erhalt der Krananlage einzusetzen.


Fertigstellung des Bürogebäudes (links) und der beiden Wohnhäuser (rechts), ...
Ein halbes Jahr später sah es dann plötzlich so aus, als würde sich auch diese letzte Spur der Geschichte der Hafenwirtschaft am Neuen Hafen im Dunkel der Vergangenheit verlieren: Am 11.06.2010 hieß es in der Nordsee-Zeitung, am Tag zuvor habe Herr Schulz den Stadtverordneten  im vertraulichen Teil der Stadtverordnetenversammlung mitgeteilt, dass die Stadt bei einem Grundstücksverkauf 250000 Euro weniger einnehmen und für die Sanierung des Verladekrans weitere 200 000 Euro aufbringen müsste ...


... sowie der Abschluss der Sanierung des Grube-Krans (September 2014)
In den folgenden Monaten regte sich Widerstand gegen die Plattmachermentalität des Oberbürgermeisters, der einige Jahre zuvor beispielweise auch schon die "kleine Rogge-Halle" am Westufer des Neuen Hafens zum Opfer gefallen war.

Um so mehr erfreut es mich, dass die Befürworter für den Erhalt des Industriedenkmals sich am Ende durchgesetzt haben, und eine Lösung für die Sanierung und den Erhalt des Grube-Krans gefunden wurde. So werden die "Havenwelten"-Touristen, die künftig ihren Urlaub in der Hafenstadt Bremerhaven verbringen, auch in späteren Jahren noch einen Eindruck davon bekommen, dass Hafenbetriebe im heutigen Sportboothafen einmal das Geld erwirtschaftet haben, das bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts für das Wachstum Bremerhavens sorgte.

Ich danke allen Verantwortlichen, die sich für den Erhalt des Grube-Krans eingesetzt und dessen Sanierung ermöglicht haben. Wenn jetzt vielleicht noch ein ausgedientes Binnenschiff an der Kaje vor dem Kran liegen würde, auf dem die Touristen mit Spezialitäten von der Nordseeküste verwöhnt werden, dann wäre das Ensemble mit den drei Neubauten, und dem sanierten Grube-Kran perfekt.

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