Donnerstag, 25. September 2014

Verdiente Ehrung für Edward Snowden

Am 25.09.2014 gab die "Right Livelihood Award Foundation" in Stockholm bekannt, dass der Whistleblower Edward Snowden gemeinsam mit Alan Rusbridger (engl. Tageszeitung "Guardian", Herausgeber) mit  mit dem diesjährigen Ehrentitel des Alternativen Nobelpreises ausgezeichnet werden.

Der ehemalige NSA-Agent hatte im letzten Jahr mit seinen Enthüllungen die Überwachungsmethoden des US-Geheimdienstes NSA öffentlich gemacht, indem er sich mit dem Material an den "Guardian" wandte. Herr Rusbridger hatte daraufhin ein Team von Reportern um auf die Geschichte angesetzt. Zudem wurden Technologie-Experten, Anwälte und Sicherheitsberater hinzugezogen.

Herr Rusbridger und der "Guardian" gerieten daraufhin seitens der Regierung Großbritaniens massiv unter Druck: Ein klarer Verstoß gegen das in freiheitlichen Demokratien geltende Prinzip der Pressefreiheit.

Infolge der Veröffentlichungen entwickelte sich eine globale Debatte. Herr Snowden ist seitdem auf der Flucht vor den US-Behörden. Derzeit hält er sich in Russland auf, wo man ihm Asyl gewährt hat. Die US-Regierung fordert weiterhin seine Auslieferung. Bei einer Verurteilung in den USA drohen ihm bis zu 30 Jahren Gefängnis.


Die Jury der "Right-Livelihood-Award"-Stiftung begründete die Vergabe der undotierten Ehren-Auszeichnung an Herrn Snowden mit seinem selbstlosen Einsatz für grundlegende demokratische Prinzipien. Er erhalte die Auszeichnung, weil er (Zitat): ".. mit Mut und Kompetenz das beispiellose Ausmaß staatlicher Überwachung enthüllt hat, die grundlegende demokratische Prozesse und verfassungsmäßige Rechte verletzt." Die "Right-Livelihood-Award"-Stiftung beabsichtige zudem, Herrn Snowden bei der Finanzierung von Kosten aus möglichen Rechtsverfahren zu unterstützen.

Herr Russbridger erhält den Ehrentitel "für den Aufbau einer globalen Medienorganisation, die sich verantwortlichem Journalismus im öffentlichen Interesse verschrieben hat und gegen große Widerstände illegales Handeln von Unternehmen und Staaten enthüllt".


Undank ist der Welt Lohn

Die Regierungen der meisten Länder - darunter auch diejenige Deutschlands - zeigen sich dagegen alles andere als dankbar für die Enthüllungen Herrn Snowdens, der damit ein hohes persönliches Risiko eingegangen ist. Gerne nehmen sie Erkenntnisse aus den vom "Guardian" veröffentlichten Fakten zum Anlass, sich deswegen bei den verantwortlichen Regierungen über die weltweite Massenspionage zu beschweren. Bis auf wenige Ausnahmen wäre jedoch keine Regierung bereit, Herrn Snowden Asyl zu gewähren. Ich nenne ein solches Verhalten schäbig!

Auch in Schweden scheint der Name "Snowden" Entscheidungen der Regierung zu beeinflussen. Die "Right Livelihood Award Foundation" hätte die Preisträger eigentlich erst am 25.09.2014 in den Presseräumen des schwedischen Außenministeriums bekannt geben wollen. Laut Herrn von Uexkull hatte das Ministerium den Termin jedoch kurzfristig abgesagt, nachdem es über die Namen der diesjährigen Preisträger in Kenntnis gesetzt worden war. Die Bekanntgabe könne aufgrund neuer Sicherheitsregeln nicht an gewohnter Stelle stattfinden, habe Herr Bildt (Schweden, Außenminister) durch einen Sprecher mitteilen lassen. Seit dem 1. September würden die Räume als "Sicherheitszone" betrachtet.


Asma Jahangir, Basil Fernando und Bill McKibben

Drei weitere, mit insgesamt 1,5 Millionen Kronen (162.000 Euro) dotierte Auszeichnungen gehen an Asma Jahangir (Pakistan, Menschenrechtsanwältin), Basil Fernando (China, Hongkong, Asian Human Rights Commission) und Bill McKibben (USA, Umweltaktivist).

Frau Jahangir wird mit dem Alternativen Nobel.Preis ausgezeichnet, "weil sie die Menschenrechte in Pakistan und darüber hinaus verteidigt, schützt und stärkt – oft in sehr schwierigen und komplexen Situationen und unter großem persönlichen Risiko". Sie ist die erste pakistanische Bürgerin, deren Arbeit mit einem "Right Livelihood Award" geehrt wurde.

Herr Fernando erhält den Alternativen Nobelpreis "für seine unermüdliche und herausragende Arbeit für die Umsetzung der Menschenrechte in Asien und deren Dokumentation".

"Die erfolgreiche Mobilisierung einer wachsenden zivilgesellschaftlichen Bewegung für weitreichende Maßnahmen gegen den Klimawandel in den Vereinigten Staaten und weltweit" ist der Verdienst Herrn McKibbens. Dem Mitbegründer der Klimaschutzorganisation "350.org" ist es zu verdanken, dass inzwischen Menschen aus aller Welt, die sich für den Klimaschutz und damit für die Zukunft - und zwar nicht nur die der Menschheit - einsetzen wollen, mit einer gemeinsamen Stimme bei Regierungen und bei den Vereinten Nationen Gehör finden.


Der Alternative Nobelpreis - eigentlich "Right Livelihood Award" - wurde 1980 von Herrn von Uexküll (deutsch-schwedischer Publizist, Philatelist und späterer Europa-Abgeordneter) initiiert und wird seitdem an Menschen und Initiativen verliehen, die "Lösungen für  die dringendsten Probleme unserer Zeit finden und erfolgreich umsetzen". Er belohnt den Einsatz für Menschenrechte, Pressefreiheit, bürgerliche Freiheiten und den Kampf gegen den Klimawandel. Mit der Vergabe sollen auch unbekannte Preisträger und deren Arbeit bekannt gemacht werden. Eine internationale Jury entscheidet über die Preisträger.


Den Lauf der Dinge verändern

Bezüglich der Beweggründe für die diesjährige Vergabe des Alternativen Nobelpreises zitiert die "Right Livelihood Award Foundation" ihren Geschäftsführer, Herrn von Uexküll, in einer Pressemitteilung vom 24.09.2014 mit den Worten (Zitat):
"Die diesjährigen Preisträger stemmen sich mit ihrer Arbeit gegen die gefährlichsten globalen Trends. Mit den heutigen Auszeichnungen wollen wir eine dringende Warnung senden, dass diese Trends – die illegale Massenüberwachung normaler Bürger, die Verletzung von Menschen- und Bürgerrechten, gewaltsame Manifestationen eines religiösen Fundamentalismus und die Schwächung der lebenserhaltenden Systeme unseres Planeten – bereits Gegenwart sind. Wenn wir diesen Entwicklungen nicht Einhalt gebieten, dann könnten sie sich gegenseitig verstärken und die Grundlagen unserer Gesellschaft zerstören.

Die Preisträger zeigen jedoch auch, dass die Wahl ganz in unseren Händen liegt: Wir können den Lauf der Dinge verändern und eine gemeinsame Zukunft auf den Prinzipien von Freiheit, Gerechtigkeit und Respekt für die Erde bauen – durch mutigen zivilen Ungehorsam und standhaften Journalismus; durch die Verteidigung von Menschen- und Bürgerrechten; und durch den Aufbau aktiver sozialer Bewegungen gegen die Zerstörung unserer natürlichen Umwelt."

In den ZDF-Heute Nachrichten hieß es am 24.09.2014, alle Preisträger seien eingeladen, am 1. Dezember zur Verleihung der Auszeichnungen nach Stockholm zu kommen. Für Herrn Snowden wäre die Teilnahme allerdings riskant. Die schwedische Regierung werde mit seinen Anwälten über Möglichkeiten für eine Teilnahme an der Zeremonie im Schwedischen Reichstag beraten.


Zum Weiterlesen

juwi's welt:
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(Quellen: Right Livelihood Award Stiftung - Pressemitteilung vom 24.09.2014, Frankfurter Rundschau vom 24.09.2014, taz vom 24.09.2014, Spiegel vom 24.09.2014, Die Zeit vom 24.09.2014, Heise Online vom 24.09.2014, Süddeutsche Zeitung vom 24.09.2014, Tagesspiegel vom 24.09.2014, Deutsche Welle vom 24.09.2014, Deutschlandfunk vom 24.09.2014, Deutschlandradio Kultur vom 24.09.2014, Rheinische Post vom 24.09.2014, Netzpolitik.org vom 24.09.2014, Greenpeace Magazin vom 24.09.2014, Neue Züricher Zeitung vom 24.09.2014, Der Standard vom 24.09.2014, The Guardian vom 24.09.2014 [engl.], BBC News vom 24.09.2014, ARD Tagesschau vom 24.09.2014, ZDF-Heute vom 24.09.2014)

Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Was wurde eigentlich aus Wikileaks-Gründer Julian Assange?
Auch er, oder gerade er hätte eine Ehrung verdient.....

LG
Grey Owl

juwi hat gesagt…

@Rosi: Da stimme ich dir uneingeschränkt zu. Das letzte, was ich über ihn gehört habe ist, dass er die Botschaft verlassen will/wollte um sich in ärztliche Behandlung zu begeben ... LG, juwi

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