Samstag, 18. Januar 2014

Neues vom Eisbär-Baby

Eisbärin Valeska mit ihrem Baby (© Foto: Zoo am Meer, Bremerhaven)
Das am 16. Dezember 2013 im Bremerhavener Zoo geborene Eisbär-Baby hat den Jahreswechsel mit der Sylvester-Knallerei gut überstanden und ist wohlauf. Das schreibt der Zoo auf seiner Internetseite.

Wahrend Frau Kück (Zoo am Meer, Direktorin) und die Menschen in Bremerhaven daran interessiert sind, dass der kleine Bär sich auch in den nächsten Wochen in aller Ruhe gut entwickeln kann, leuchten in den Augen Herrn Teisers (CDU, Bürgermeister und Kämmerer) schon die Dollarzeichen. Ihm geht es in erster Linie um die Vermarktung des Neugeborenen.

Dementgegen hat für Frau Kück vorerst jedoch das Wohl von Valeskas Baby absolute Priorität. Im Bremer Regionalmagazin "Buten un Binnen" hieß es am 11.01.2014, aus Sicht der Zoodirektorin sei es noch zu früh für PR-Aktivitäten. Der kleine Bär sei noch nicht einmal aus dem Gröbsten heraus.

Deshalb wurde sie von Herrn Teiser scharf angegriffen. In "Buten un Binnen" sagte er vor laufender Kamera (Zitat): "Die Dame ist Geschäftsführerin und nicht Tierpflegerin. Dann sollte sich eher mal da drüber Gedanken machen, äh, wie sie das mit diesem Eisbären hinkriegen kann, mehr Einnahmen zu generieren, als sich, äh, über die Äußerungen des Bürgermeisters Gedanken zu machen, äh, ob sie dafür die geistige Substanz hat, das überhaupt zu können, wage ich zu bezweifeln."

Sein Hinweis, Frau Kück sei "keine Tierpflegerin", ist offenbar der Versuch Herrn Teisers, ihr die Kompetenz zur Beurteilung dessen abzusprechen, was für neugeborene Eisbären in den ersten Wochen ihres Lebens und für ihre zukünftige Entwicklung wichtig ist. Dabei scheint ihm jedoch entgangen zu sein, dass Frau Kück sich als promovierte Biologin mit ihrem Wissen sicherlich nicht hinter den im Zoo beschäftigten Tierpflegern verstecken braucht. Nebenbeibemerkt hatte Frau Kück vor ihrer Zeit in Bremerhaven auch früher schon einmal in einem Zoo gearbeitet und dort unter anderem auch Tierpflege gelernt - um zu wissen, was zu tun ist (nachzulesen ist das auf einer Internetseite von KULTURG.U.T e.V.).

Aber wir Bremerhavener kennen unseren Herrn Bürgermeister ja schon etwas länger. Ein derart ordinärer, weit unter der Gürtelline geführter Angriff wundert uns deshalb nicht mehr wirklich. Andere Menschen, die ihn vielleicht nicht so kennen, reagieren da schon etwas aufgebrachter. Auf der Internetseite von Radio Bremen kommentierte eine Leserin den Auftritt Herrn Teisers bei "Buten un Binnen" mit den Worten (Zitat): "Bitte, wie niveaulos ist dieser Mensch? .. Herr Teiser, dass Sie es überhaupt in die Politik geschafft haben ist ein Armutszeugnis für Bremerhaven."

Darauf, wer unser Bürgermeister ist, haben wir Bremerhavener leider keinen Einfluss. In Bremerhaven wird der Bürgermeister von der Stadtverordnetenversammlung (Kommunalparlament) gewählt. Würde er bei uns sattdessen - wie es in anderen Bundesländern, Städten und Gemeinden üblich ist - von den Bürgern gewählt werden, dann wäre Herr Teiser mit Sicherheit schon seit vielen Jahren kein Bürgermeister mehr.

Die Vorstellung, ein gerade erst geborenes Lebewesen unter allen Umständen offensiv "vermarkten" zu wollen - noch dazu, bevor überhaupt sicher ist, ob es die ersten entscheidenden Wochen ohne Komplikationen übersteht - ist mir völlig fremd. Ich freue mich ganz einfach über den Nachwuchs.

Falls aber dann, wenn der kleine Bär groß genug ist, um sich gefahrlos draußen im Gehege zu bewegen, viele zusätzliche Besucher in den Zoo kommen sollten, weil sie gerne einmal einen kleinen Eisbären sehen wollen, dann wäre das allerdings ein - vielleicht auch in finanzieller Hinsicht - erfreulicher Nebeneffekt. Die Annahme, der kleine Bär könne entscheidend zur Entschärfung der finanziellen Lage Bremerhavens beitragen, halte ich jedoch für völlig abwegig.


(Quellen: Radio Bremen vom 11.01.2014, Zoo am Meer, KULTURG.U.T e.V.)

Kommentare:

Wasserfrau hat gesagt…

Ich musste gerade lachen wegen dem Ausdruck: Das Leuchten der Dollarzeichen in den Augen. Und ich wundere mich, dass überhaupt der Bürgermeister etwas zu bestimmen hat, wie mit dem kleinen Eisbären umgegangen wird, das ist doch alleine in der Kompetenz des Zoos, meine ich.
Einen schönen Sonntag wünsche ich dir.
Elfe

juwi hat gesagt…

@Elfe: "Das Leuchten der Dollarzeichen in den Augen": Frei nach Dagobert Duck ;) - Das (verständliche) interesse des Bürgermeisters beruht auf seiner gleichzeitigen Funktion als Kämmerer: Der Zoo ist von Zuschüssen der Stadt abhängig. Aber du hast natürlich recht: Erstens liegt das Wohl der Tiere im Zoo in der Verantwortung der dafür qualifizierten Zoodirektorin und ihrer Mitarbeiter, nicht aber in der des diesbezüglich offensichtlich völlig inkompetenten Bürgermeisters und zweitens hat der Bürgermeister sich (mal wieder) gründlich im Ton vergriffen.

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