Dienstag, 14. Januar 2014

GenTech-Allianz gegen Biodiversitäts-Konvention

Eine internationale Bewegung namens "SumOfUs" setzt sich für die Priorität der Menschen gegenüber den ausschließlich profitorientierten Interessen internationaler Konzerne (Motto "Fighting for people over profits") ein.

SumOfUs sagt auf ihrer Internetseite über sich selbst (Zitat1)): "SumOfUs ist eine Bewegung, bestehend aus Verbrauchern, Arbeitnehmern und Aktionären, die mit einer Stimme sprechen, um ein Gegengewicht gegen die wachsende Macht großer Unternehmen zu bilden. Begleiten Sie uns auf unserem Weg und beim Versuch, die Welt zu einem besseren Ort zu machen: Für uns selbst, unsere Kinder und alle, die gemeinsam mit uns auf diesem Planeten leben."

In einer E-Mail an den Verteiler hat SumOfUs jetzt auf einen - allem Anschein nach erfolgreichen - Versuch brasilianischer Großgrundbesitzer aufmerksam gemacht, auf die Gesetzgebung Brasiliens einzuwirken. Brasilien ist einer von 193 Unterzeichner-Staaten der Biodiversitäts-Konvention (offiziell: Übereinkommen über die biologische Vielfalt) der Vereinten Nationen (engl.: Convention on Biological Diversity, CBD).

Die Vertragsstaaten sind völkerrechtlich zur Umsetzung der Konvention verpflichtet. Obwohl die Konvention bereits seit dem 29.12.1993 in Kraft ist, können viele Unterzeichner-Staaten allerdings bis heute keine nationale Biodiversitätsstrategie vorweisen. SumOfUs zufolge ist Brasilien jedoch unter anderem de facto an das Verbot des Einsatzes gentechnich veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft gebunden.

Die Großgrundbesitzer drängen die Regierung Brasiliens dazu, das Verbot zu kippen. International operierende Gentechnik-Konzerne wie Monsanto oder Bayer stehen bereits in den Startlöchern. Hinsichtlich der weltweiten Bestrebungen zur Erhaltung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft könnte sich ein mögliches Einknicken der Regierung Brasiliens vor der unheilvollen Allianz aus Großgrundbesitzern und Gentechnik-Konzernen in den Verhandlungen während der nächsten CBD-Vertragsstaatenkonferenz als fatales Signal erweisen. Über die Einflussnahme der Großgrundbesitzer schreibt SumOfUs (Zitat1))
Unter dem Einfluss landwirtschaftlicher Großgrundbesitzer, steht Braziliens Parlament vor einer Abstimmung, die Konzernen wie Monsanto, Bayer etc. erlauben könnte, in Brasilien mit dem Verkauf so genannter "suicide seeds2)" zu beginnen. Das genetisch veränderte Saatgut darf nur ein einziges Mal verwendet werden, wodurch Kleinbauern gezwungen wären, wieder und immer wieder Monsantos Saatgut zu kaufen - im wahrsten Sinne des Wortes "für immer".

Aber ein UN-Abkommen3) zur Bewahrung der Artenvielfalt, das von mehr als 193 Staaten unterzeichnet wurde, inklusive Brasilen, verbietet die Verwendung dieses Saatguts ist grundsätzlich. Wenn Brasilen aber sein eigenes Verbot kippen sollte, dann hätte das enorme Konsequenzen. Kleinbauern wären in einem endlosen Kreis Abhängigkeit und Verschuldung gefangen - und letztlich würde der Rest der Welt einer Handvoll von Konzernen die Kontrolle über die globale Ernährungsversorgung überlassen, wenn die Konzerne nicht aufgehalten werden. Es steht zu viel auf den Spiel.

Der Parlamentsentwurf wurde bereits von einigen einflussreichen Komitees geprüft und befindet sich jetzt auf dem Weg zur Parlamentsabstimmung, die in nur wenigen Wochen stattfinden könnte - es bleibt nicht viel Zeit, um dem Gesetzesentwurf noch zu entgegenzutreten.

Sollte das Verbot gekippt werden, dann werden einflussreiche Großgrundbesitzer GMO4) Saaten legal einsetzen dürfen. Diese würden auch die Pflanzen auf den Feldern benachbarter Farmen verunreinigen. Aber schon aus Konkurenzgründen würden Kleinbauern irgendwann gezwungen sein, das gleiche "Terminator Saatgut" (terminator seeds) zu verwenden - und somit für immer an Monsanto gebunden sein.

Sollte Brasilien den Einsatz dieses gefährlichen Saatguts erlauben, dann könnte es damit einen globalen Dominoeffekt auslösen, weil sich über kurz oder lang ein Land nach dem anderen gezwungen sehen könnte, aus Wettbewerbsgründen seine Gesetze ändern. Das UN-Abkommen wird in diesen Jahr neu verhandelt. Brasiliens Entscheidung könnte die Voraussetzungen dafür schaffen, das Verbot der Verwendung von "Terminator Saatgut" zu kippen. Es ist absolut entscheidend, dass wir diese Entwicklung aufhalten.

Wir haben uns in der Vergangenheit zusammengefunden um gegen übermächtige Agrarkonzerne wie Monsanto vorzugehen. Wir bekämpfen die Bestrebungen von Bayer und Syngenta, Europas Verbot von bee-killing neonicotinoid pesticides zu kippen. Wir haben uns mit einer Kampagne gegen die Vergabe des "World Food Prize" an den mächtigen Monsanto-Konzern gestellt. Nun müssen wir Brasiliens Gesetzgeber auffordern, die gemeinsamen Bestrebungen der Großgrundbesitzer und der Agrarindustrie zurückzuweisen, den Einsatz dieser gefährlichen "suicide seeds" zu legalisieren.


    Die Erhaltung der Artenvielfalt in der Landwirtschaft liegt nicht im Interesse der Gentechnik-Konzerne. Ihnen ist daran gelegen, ihren Profit zu steigern. Das erreichen sie dadurch, dass sie die Landwirtschaft von ihren patentierten, gentechnisch veränderten "Produkten" abhängig machen.

    Die vielfältigen, auf herkömmliche Weise gezüchteten Arten unserer Nahrungspflanzen werden dabei zurückgedrängt: Wenn ihre Saat nicht mehr auf traditionell überlieferte Weise gepflegt, gezüchtet und vermehrt wird, sterben sie aus! Dem gilt es weltweit entgegenzuwirken.


    Zum Weiterlesen:


    (Quellen: CBD, SumOfUs, BMZ, Wikipedia)


    1) Übersetzung aus dem Englischen: juwi
    2) Suicide Seeds- (engl.: Selbstmord Saatgut) oder Terminator-Technologie bzw. GURT (Genetic Use Restriction Technology)
    3) Convention on Biological Diversity (CBD, Übereinkommen über die Biologische Vielfalt)
    4) (GMO, Genetisch Manipulierte Organismen)

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