Samstag, 14. April 2012

Haftstrafe für Schwangerschaftsverhütung

Ich bin keine Frau. Ich weiß aber dass es Männer gibt, die Frauen vergewaltigen. Ich bin keine Frau. Ich kann mir daher mit Sicherheit nicht wirklich vorstellen, was eine Frau für den Rest ihres Lebens durchmachen muss, die auf eine solche Weise brutal erniedrigt worden ist.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie es einer Frau geht, die einer Vergewaltigung zum Opfer gefallen ist, dann auch noch dazu gezwungen wird, das Kind des Vergewaltigers auszutragen und großzuziehen. Eine solche Frau wäre jeden Tag aufs neue mit den Folgen dessen konfrontiert, was ihr einmal angetan wurde. Ein solches Leben muss die Hölle auf Erden sein.

Wäre ich ein Kind, das aufgrund der Gewalt zur Welt kam, die meiner Mutter angetan wurde, dann würde ich eines Tages feststellen, dass meine Spielkammeraden und alle anderen Kinder nicht nur Mütter, sondern auch Väter haben. Was würde meine Mutter empfinden, wenn sich sie dann fragen würde, warum ich keinen Vater habe? Würde meine Mutter mich überhaupt lieben können, so wie andere Mütter ihre Kinder lieben können? Würde sie mich dafür hassen, dass ich sie mit meiner Frage an die schrecklichsten Minuten und Stunden ihres Lebens erinnere?

Frauen, die heute einer Vergewaltigung zum Opfer gefallen sind, haben zumindest die Chance zu verhindern, dass sie auch noch ungewollt von dem Mann schwanger werden, der ihnen das angetan hat. "Die Pille danach" verzögert oder verhindert den Eisprung und kann dadurch eine Befruchtung vermeiden. Sie ist also keine "Abtreibungspille".


Für Notfallverhütung ins Gefängnis?

In Honduras könnte es jedoch kurzfristig dazu kommen, dass Vergewaltigungsopfern zukünftig nur noch die Wahl zwischen der zusätzlichen Erniedrigung durch eine erzwungene Schwangerschaft und einer zusätzlichen Kriminalisierung bleiben würden. Honduras steht kurz davor, ein Gesetz zu verabschieden, das Frauen, die nach einer Vergewaltigung "die Pille danach" anwenden, zu einer bis zu sechsjährigen Gefängnisstrafe verurteilt werden.

In einigen Ländern ist die "Pille danach" bereits verboten. Zu diesen Ländern gehört auch Honduras. Amnesty International schreibt über die Gesetzesinitiative in diesem Land (Zitat): "Honduras ist kurz davor, das einzige Land der Welt zu werden, in dem Notfallverhütung mit der 'Pille danach' strafrechtlich verfolgt wird. Laut einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Honduras wäre ein gesetzliches Verbot der postkoitalen Verhütung nicht verfassungswidrig. Frauen und Mädchen, die vergewaltigt worden sind, oder bei denen andere Verhütungsmethoden versagt haben, hätten dann nicht mehr die Möglichkeit, von Notfallverhütung Gebrauch zu machen. Die Grundrechte der Frauen und Mädchen in Honduras sind bedroht." Jeder, der die Pille verkauft, sie anwendet oder Informationen darüber verteilt - ob Teenager, Vergewaltigungsopfer oder Ärzte - könnte im Gefängnis landen.
  • ".. Laut einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Honduras wäre ein gesetzliches Verbot der postkoitalen Verhütung nicht verfassungswidrig. .." - Die Verfassung Honduras muss wohl von Männern geschrieben und verabschiedet worden sein.

Bereits im April 2009 hatte der Kongress Honduras ein solches Gesetz verabschiedet, das jedoch aufgrund des von Herrn Zelaya (Honduras, ehemaliger Präsident) eingelegten Vetos nicht in Kraft trat. Er hatte sich dem Druck von Aktivisten, die für die Rechte vergewaltigter Frauen eintreten, gebeugt. Drei Wochen darauf war er einem Putsch zum Opfer gefallen. Das neue Regime brachte das Gesetz jetzt erneut auf den Weg.

Einige Kongressabgeordnete sind der Meinung, die Gesetzesvorlage ginge zu weit. Sie fügen sich jedoch dem Druck der mächtigen Kirchenlobby, die hinter diesem Gesetz steht. Die Kirchenvertreter behaupten fälschlicherweise, die "Pille danach" käme einer Abtreibung gleich. Von einer Abtreibung kann aber frühestens dann die Rede sein, wenn ein Ei befruchtet worden ist.


Für die Rechte von Missbrauchsopfern

Ich bin keine Frau. Über Sexualverbrecher und ihre Opfer lese ich hin und wieder etwas in der Zeitung. Wenn ich erfahre, dass ein Vergewaltiger überführt und verurteilt worden ist, dann ist das Thema schnell wieder vergessen. Für das Schicksal der Opfer interessiert sich bald auch niemand mehr.

Die E-Mail des internationalen demokratischen Netzwerks AVAAZ, durch die ich heute Morgen von dem Vorhaben der Machthaber in Hondouras erfahren habe, war wieder einmal ein Anlass, der mich über das Thema nachdenken ließ. Aus meiner Sicht geht hier es nicht nur darum, dass Frauen zu Opfern sexueller Gewalt werden, sondern darum, dass ihnen darüberhinaus "von Staats wegen" das Leben zur Hölle gemacht werden soll.

AVAAZ schreibt in seiner E-Mail (Zitat): "Notfallverhütung ist wichtig für Frauen überall auf der Welt, doch insbesondere dort, wo es viel sexuelle Gewalt gegen Frauen gibt, wo ungewollte Schwangerschaften häufig und der Zugang zu regulären Verhütungsmitteln begrenzt ist. Unterstützen wir die Frauen von Honduras und helfen wir ihnen, dieses Gesetz aufzuhalten." Dafür hat AVAAZ eine internationale Petition mit folgendem Wortlaut verfasst:
"An den Präsidenten des Kongresses, Juan Orlando Hernández:

Als besorgte Bürger drängen wir Sie, Verhütung nicht zu kriminalisieren. Die Gesetzesvorlage würde Honduras zum einzigen Land der Welt machen, das den Verkauf der "Pille danach" mit Gefängnisstrafen von bis zu 6 Jahren belegt. Wir rufen Sie auf, dieses extremistische Gesetz abzulehnen und Frauenrechte zu respektieren -- ansonsten riskieren Sie weltweite Verurteilung."



Laut AVAAZ liegt die letzte Entscheidung über das Gesetz beim Kongress und die Regierung wolle eine weitere Beschädigung ihres international ohnehin schon lädierten Rufs nicht riskieren. AVAAZ schreibt weiter (Zitat): "Machen wir dem Präsidenten des Kongresses deutlich, dass wir nicht zusehen werden, wie Honduras zu dem für Frauen repressivsten Land der Region gemacht wird."

Ich weiß nicht, ob die Petition Erfolg haben wird. Aber ich denke ein Versuch ist es auf jeden Fall Wert.


Unheilige Allianzen

Und noch etwas wird durch das in Honduras vorangetriebene Gesetz deutlich. Die christlich dominierten Länder dieser Welt, zu denen auch Honduras zu zählen ist (85 bis 90 Prozent der Bevölkerung sind dort römisch-katholischen Glaubens), sollten - auch in Anbetracht der Rolle der katholischen Kirche in der Geschichte - besser darauf bedacht sein, mit gutem Beispiel voranzugehen, bevor sie mit dem Finger auf islamisch dominierte Länder zeigen, in denen die Rechte der Frauen ebenfalls mit Füßen getreten werden.

In Hondouras wird - trotz offizieller Trennung von Staat und Religion - deutlich, dass es selbst in der heutigen Zeit noch zu unheiligen Allianzen zwischen religiösen und weltlich motivierten Machtinteressen kommen kann.


(Quelle: AVAAZ, Amnesty Internatonal, Lateinamerika Nachrichten, Wikipedia)

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