Sonntag, 8. August 2010

34 Jahre ...


Foto: © R. Kalbreyer (ca. 1976)


Bremerhaven: Tanklager, Verbindungshafen und Lloyd-Werft (Aug. 2010)

... liegen ungefähr zwischen diesen beiden Fotos.


Das erste Foto hat mein Großvater aufgenommen. Sein Diamagazin war mit "1976" beschriftet. Wann genau er das Foto aufgenommen hat kann ich ihn leider nicht mehr fragen. Er starb 1998. Das untere Foto ist von mir. Es entstand im August 2010.

Links ist das Tanklager zu sehen, aus dem die Schiffe versorgt werden, die in die Bremerhavener Häfen kommen. Es befindet sich auf dem Gelände zwischen der Columbuskaje und dem Verbindungshafen. Rechts auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens ist die Einfahrt zum Kaiserdock-II auf dem Gelände der Lloyd-Werft zu sehen. Auf meinem Foto ist mittig im Hintergrund ein schwarz-weißer Frachter im "Dock III" der Lloyd-Werft zu sehen. das Schwimmdock liegt am anderen Ende des Werftgeländes.

Abgesehen von den Automodellen auf den beiden Fotos besteht der auffälligste Unterschied im Firmenlogo auf den Tanks des Tanklagers. Auf dem Foto meines Großvaters firmierte es noch unter "Esso". Ich kann nicht genau sagen, wann der Wechsel stattfand, aber es wird kurz nachdem das Foto entstand gewesen sein.

Bominflot entstand 1967, mitten im Kalten Krieg, als deutsch-russisches Joint Venture. Das war die Zeit, als viele Leute noch Angst hatten, die Russen könnten in der Bundesrepublik Deutschland einmaschieren, falls der Westen nicht kräftig mit Atomraketen nachrüsten sollte. Das wiederum veranlasste dann die Russen, ihre Atomraketen noch etwas näher an die deutsch-deutsche Grenze zu verlegen, woraufhin dann der Westen sich wieder zum Nachrüsten genötigt sah. Oder war es umgekehrt?

Jedenfalls auf rein geschäftlicher Seite funktionierte die Zusammenarbeit zwischen "Ostblock"- und "NATO"-Staaten schon damals recht gut und sowjetische Kreuzfahrtschiffe der "Black Sea Shipping Company", wie zum Beispiel die "Odessa", waren regelmäßige Gäste an der Columbuskaje. Es kam immer wieder einmal vor, dass mich jemand im Zusammenhang mit meiner Kriegsdienstverweigerung fragte, ob es mir denn egal wäre, wenn die Russen kämen. Ich habe dann - mit diskretem Hinweis auf "Bominflot" - immer zurück gefragt, ob der oder die Betreffende denn noch nicht gemerkt habe, dass die Russen doch schon lange da waren.

Die "Odessa" wurde später nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion leider vom Pech verfolgt. Die "Black Sea Shipping Company", die früher sowjetisches Staatseigentum war, ging 1995 pleite. Im Mai 2001 berichtete der Spiegel unter dem Titel "Ende einer Luxusreise" noch einmal über das von italienischen Behörden beschlagnahmte, damals seit sechs Jahren in Neapel aufliegende Schiff. Es sollte versteigert werden. 2007 wurde die ehemalige "Odessa" - inzwischen trug sie den Namen "Sydney" - in Bangla Desh abgewrackt.

Das ehemalige deutsch-russische Joint Venture, ist heute ein deutsches Unternehmen mit Sitz im Hamburg, das ebenso wie in Bremerhaven, auch in vielen weiteren Häfen der Welt vertreten ist.

(Quellen: Bominflot, Spiegel vom 30.05.2001, Text zu bei Ebay angebotener Postkarte der "Odessa")

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