Dienstag, 4. Mai 2010

Ist der Ruf erst ruiniert ...

... lebt sichs völlig ungeniert.

Das scheint neben Griechenland jetzt auch auf die Europäische Zentralbank (EZB) zuzutreffen.

Bisher galten nicht ohne Grund einige wichtige Regeln der EZB. Eine davon lautet, dass nur Staatsanleihen mit einem befriedigenden Rating als Sicherheit akzeptiert werden. Nachdem die Rating Agentur "Standard & Poor's" Griechenlands Finanzen vor kurzem als "Junk" (zu deutsch: "Ramsch") und damit als wertlos bewertete, wurde diese Regel jetzt für Griechenland kurzerhand außer Kraft gesetzt. Im Klartext: Staatsanleihen eines bankrotten Staates, die also nach dem gesunden Menschenverstand nichts wert sind, werden von der EZB weiterhin als finanzielle Sicherheit akzeptiert.

Was lernen wir daraus? Man muss nur genug Schulden anhäufen. Dann erhält man auch für unbedrucktes, wertloses Papier, das man als Sicherheit für beantragte Kredite anbietet, weiterhin Finanzspritzen in astronomischer Höhe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) misst der Rettung Griechenlands offenbar eine höhere Priorität bei, als dem jetzt zu erwartenden Vertrauensverlust in die Stabilität des EURO. Herr Trichet (Europäische Notenbank, Präsident) schloss noch vor wenigen Monaten Ausnahmeregelungen für einzelne Länder der Europäischen Union klar aus. Ich denke, man muss kein Finanzexperte sein, um zu erkennen, dass ein solcher Schlingerkurs in der tiefsten Krise der europäischen Wirtschaft als vertrauensbildende Maßnahme denkbar ungeeignet ist.

Hinzu kommen noch die Proteste der Bürger Griechenlands gegen die angekündigten drastischen Maßnahmen, deren Ärger und Ängste ich durchaus verstehen kann: Wären wir in Deutschland in der gleichen Situation, würde es bei uns auf den Straßen mit Sicherheit auch nicht anders aussehen. Wenn aber die Regierung Griechenlands, die offensichtlich einen großen Teil der Schuld an der Situation Griechenlands zu verantworten hat, in der Auseinandersetzung mit der griechischen Bevölkerung unterliegen sollte, dann wäre das nicht nur für Griechenland der endgültige Weg in den Abgrund.

Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass die europäische Währungsunion ihren Namen nicht mehr verdient, wenn es den Staaten Europas nicht gemeinsam - "Union" bedeutet "Gemeinschaft"! - gelingt, diese Krise zu meistern. Wenn andere europäische Länder sich finanziell einschränken, um Griechenland aus der Patsche zu helfen, dann bedeutet das auch Einschränkungen für die Bürger dieser Länder. Das wird letztlich auch die Bevölkerung Griechenlands einsehen müssen, deren Ärger sich gegen die Regierung ihres Landes richtet, die aber mit ihrer mangelnden Einsicht in die Notwendigkeit, ihren Lebensstandard zu beschränken, nur den Bürgern der anderen Ländern Europas, und letztlich auch sich selbst schadet. Die daraus resultierende Neid-Debatte ist jedenfalls schon jetzt nicht mehr zu überhören.


(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 04.05.2010, Spiegel online vom 03.05.2010)

1 Kommentar:

Elfe hat gesagt…

Hallo Juwi

Das gibt mir schon recht zu denken, obwohl ich von Finanzen gar nichts verstehe. Gerade gestern habe ich in einem Gratis-Abendblatt hier in Zürich ein kleines Interview mit einem älteren Wirtschaftsprofessor gelesen, der aussagte die Banken hätten an dieser Situation einen grossen Anteil. Je nach dem wie es kommt machen sie riesige Gewinne oder wenns schiefgeht, zahlt wohl wieder der Staat, d.h. die Steuerzahler?

Wie das alles noch ausgeht, und ob da eventuell gewisse Mächte/Menschen dahinter stehen, die genau das wollen? Fragen über Fragen!
Sei herzlich gegrüsst
Elfe

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