Montag, 17. Mai 2010

Die Schwarze Pest des 20. Jahrhunderts

In der Vorstellung der Menschen in den westlichen Industrienationen ist "Land" etwas, das einen materiellen Wert hat. Man kauft und verkauft es für Geld. Wenn man Land gekauft hat, dann besitzt man es. Die Landbesitzer bestimmen, was mit ihrem Besitz geschieht. In der Vorstellung vieler Naturvölker, die von den Menschen der sogenannten "Ersten Welt" auch heute noch oft geringschätzig "Wilde" genannt werden, ist die Erde die Mutter aller Lebewesen - auch die der Menschen. Die Vorstellung Land zu besitzen, es zu kaufen oder zu verkaufen, ist ihnen fremd. Wer käme schon auf die Idee, seine Mutter zu verkaufen?

In den Industrienationen der "Ersten Welt" besitzen die Menschen nicht nur das Land, das sie gekauft haben, sondern auch die "Schätze" in der Erde darunter. Wer Land besitzt, unter dem sich wertvolle Erze oder gar Erdöl befinden, der beutet die Bodenschätze aus, verkauft sie, bekommt dafür sehr viel Geld und wird dabei sehr schnell reich. Besonders die Besitzer von Erdölquellen steigen im Verlauf des letzten Jahrhunderts zu den reichsten Menschen der Welt auf.

Die Kehrseite des Öl-Reichtums kristallisierte sich erst in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts langsam heraus: Verbrennungsprodukte aus dem Öl, das die Menschen aus dem Schoß der Erde saugen, heizen das Klima der Erde auf. Rohes Erdöl tötet das Leben im Meer - nicht zum erstem Mal. Als schwerste Olkatastrophe galt bisher die Havarie der "Exxon Valdez" im März 1989. Die Region und deren Bewohner haben sich bis heute nicht von den Folgen erholt. Damals war es ein Öltanker, dessen Ladung aus einem begrenzten Volumen Öl bestand, das aus einem Leck in das arktische Meer mit seinem empfindlichen Ökosystem vor der Küste Alaskas floss. Dieses Mal strömt es ohne Unterlass direkt aus einer künstlichen Quelle am Grunde der Karibik. Es gibt dort unten noch sehr viel mehr Öl, ungleich mehr, als die "Exxon Valdez" vor 21 Jahren an Bord hatte ...

Es gibt Menschen, die nennen das Erdöl "Schwarzes Gold".
Ich nenne es die "Schwarze Pest" des 20. Jahrhunderts.

Manche Menschen sagen jetzt, Mutter Erde wehre sich. Vielleicht tut sie das ja tatsächlich. Aber zu was für einen Preis! Zuerst sterben ihre Kinder im Ozean an der neuen schwarzen Pest. Der Ozean ist die Wiege des Lebens.

Die Menschen auf dem Festland werden die neue Katastrophe überleben. Es ist nicht ihr Leben, das bedroht ist - nur ihr Vermögen. Sie werden keine Fische mehr essen können, die sie bisher aus dem jetzt ölverseuchten Meer gefischt haben. Stattdessen werden sie dann eben Fische essen, die irgendwo anders aus dem Meer geholt, und mit Schiffen, mit dem Zug, mit dem Flugzeug oder mit Lkw's über weite Strecken zu ihnen hin transportiert werden. Die Fischer werden ihre Kutter verkaufen müssen, weil sie aufgrund der ausbleibenden Einnahmen aus der Fischerei die laufenden Kosten ihrer jetzt nutzlosen Fischereifahrzeuge nicht mehr bezahlen können. Sie werden sich neue Erwerbsquellen suchen müssen. Vielleicht finden sie ja irgendwo Arbeit in irgendeiner Fabrik. Zum Ruin der Existenz kommt dann noch der Verlust der Heimat hinzu. Den Menschen, die bisher von den Touristen lebten, die jeden Sommer an den jetzt ölverschmierten Stränden der Karibik und des Golfs von Mexiko ihren Urlaub verbrachten, wird es nicht anders ergehen. Sie alle werden zu Umwelt- und Wirtschaftsflüchtlingen im eigenen Land. Aber abgesehen von ein paar finanziellen Kratzern, wird auf dem Lack der Vereinigten Staaten von Nordamerika wohl kein wirklicher Schaden zurückbleiben.

Und wir? Wir füllen die Tanks unserer Autos, als sei nichts geschehen. Der Golf von Mexiko, die Karibik, das alles ist weit weg ... - bestenfalls steigende Kraftstoffpreise können uns hier in Europa gelegentlich noch etwas aus der Ruhe bringen. Aber wir fahren trotzdem wieder zur Tankstelle und füllen unsere Tanks - leise über die Preise murrend - mit der schwarzen Pest des 20. Jahrhunderts.

"Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde; was immer den Tieren geschieht - geschieht bald auch dem Menschen. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Was der Mensch der Erde antut, tut er sich selbst an."


Dieses Zitat wird einer Rede von Seattle, einem Häuptling des Volkes der Duwamish, das früher einmal im heutigen Bundesstaat Washington der USA lebte, zugeschrieben. Dass er diese Rede im Jahre 1855 gehalten hat ist historisch belegt. Dafür, dass er seine Worte genau so formuliert hat, gibt es jedoch keinen Beleg. Aber wenn er es auch nur sinngemäß so gesagt hat: Hätten die europäischen Einwanderer damals auf die Worte der seit Jahrtausenden mit dem Land verwurzelten "native Amerikans" gehört, und hätten sie von Seattle gelernt, dann wäre der Welt im letzten Jahrhundert viel erspart geblieben, und wir könnten heute etwas entspannter in die Zukunft blicken.

Ich weiß inzwischen: Viele Menschen lernen, und beginnen zu verstehen, dass wir unsere "Mutter Erde" schützen und pflegen müssen, wenn es noch eine Zukunft für unsere Nachkommen und unsere Mitgeschöpfe auf unserem gemeinsamen Heimatplaneten geben soll. Es müssen nur noch viel mehr werden, denen das bewusst wird. Und ihre Zahl muss schnell zunehmen, denn sonst läuft uns die Zeit davon, die der Menschheit noch zum Handeln bleibt. Aber noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben ...


Nach der Havarie der Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko unternahm der Erdölkonzern BP, dem die Bohranlage gehörte zwei Versuche mit Stahlglocken, die - über die sprudelnde Ölquelle am Meeresgrund gestülpt - den unkontrollierten Austritt des Öls ins Meer weitgehend verhindern sollten. Bis zu 85 Prozent der rund 800000 Liter Eröl, die täglich unkontrolliert aus dem Bohrloch ins Meer gelangen, sollten über eine Leitung aus der Glocke abgesaugt werden.

Gestern berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), im Kampf gegen das austretende Öl habe der BP-Konzern erstmals einen Teilerfolg erzielt. Fachleuten sei es gelungen, ein Rohr in die zerstörte Steigleitung zu setzen, um das hervorsprudelnde Öl in einen Tanker abzupumpen. Bis dahin waren alle Versuche, die Katastrophe zumindest einzudämmen, kläglich gescheitert. Die (FAZ) zitiert in ihrem Bericht von gestern eine Frau Joye (Meereswissenschaftlerin) mit den Worten: "Es könnte Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis sich das System von der Einleitung solch großer Mengen Öl und Gas erholt." - Nach den Erfahrungen mit den Folgen der "Exxon Valdez" würde ich eher von Jahrzehnten ausgehen, als von Jahren ... - von sehr vielen Jahrzehnten.


Die Katastrophe ...

Vor der Katastrophe kündigten US-Präsident Obama und Kongressabgeordnete zusätzliche Ölbohrungen in den Küstengebieten der USA an.

Nach der Katastrophe droht den Menschen und Tieren an der Küste jetzt eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes. Erste Ausläufer des gewaltigen Ölteppichs haben die Küste der USA erreicht und verseuchen das älteste Naturschutzgebiet der USA. Aus Angst vor den Auswirkungen wollen die Behörden mit allen Mitteln verhindern, dass noch mehr Öl die Küsten erreicht. Durch Abbrennen des auf der Oberfläche treibenden Öls und mit giftigen Chemikalien, die das Öl unter Wasser auflösen sollen wollen sie die Katastrophe beherrschen ... - mit unbekannten Folgen und Risiken für das empfindliche Ökosystem im Meer.

Inzwischen fahren die Öl-Konzerne weiterhin saftige Gewinne ein. Nach Angaben des Spiegel vom 27.04.2010 verdoppelte der BP-Konzern seinen Gewinn im ersten Quartal auf 5,6 Milliarden US-Dollar.


... nach der Katastrophe

Man mag es kaum glauben:
Auch nach der Explosion und dem Untergang der "Deepwater Horizon" und der sich gerade erst anbahnenden Katastrophe, deren verheerende Auswirkungen noch gar nicht absehbar sind, aber für die marine Umwelt bereits jetzt das schlimmste befürchten lassen, halten die dafür politisch Verantwortlichen in den Vereinigten Staaten von Nordamerika noch immer unbeirrt an ihren Plänen fest, die Ölbohrungen vor der Küste auszuweiten.

Und die Macht der Erdöl-Lobby scheint ungebrochen. Die FAZ berichtete am 16.05.2010 über ein Interview der BBC mit Herrn Hayward (BP-Chef). Dieser habe gesagt, trotz der Umweltkatastrophe werde es auch in Zukunft Ölbohrungen in großen Meerestiefen geben. Genauso wenig wie das Unglück von Apollo 13 zum Ende der Raumfahrt geführt habe oder schwere Flugzeugunglücke die Menschen abgehalten hätten, weiter zu fliegen, werde das Ölleck zum Ende der Suche nach Ölfeldern in tiefen Gewässern führen.

Beim Unglück der Apollo 13 kamen 3 Menschen ums Leben. Bei Flugzeug-Unglücken sterben oft hunderte von Menschen. Bei einer Ölpest vom Ausmaß der von BP zu verantwortenden Katastrophe kommt es jedoch zu nachhaltigen Schäden, die für Millionen von Küstenbewohnern den Verlust der wirtschaftlichen Existenz bedeuten, und die wertvolle marine Ökosysteme vernichten. Angesichts der weltweiten Überfischung der Meere durch die Fangflotten der Industrienationen, bedeutet jeder einzelne Verlust weiterer Fischfanggebiete letztlich auch den Verlust einer wichtigen Nahrungsquelle für die Ernähung der Weltbevölkerung.

DAS sind die eigentlichen Katastrophen:

Die neue Ölpest stellt die Energiepolitik der USA jedoch erneut ernsthaft in Frage. Das erkennen inzwischen nicht nur die Küstenbewohner in den Staaten am Golf von Mexiko. Auch dem historisch größten Klimasünder der Welt müsste es jetzt so langsam eigentlich selbst dämmern, dass es dringend notwändig ist, seinen Energiehunger auf Energiequellen umzustellen, die unschädlich für das Klima sind und die keine Risiken für Zukunft seiner nachfolgenden Generationen in sich bergen. Seit Jahren fordert die Welt von den USA, dass sie den Klimaschutz endlich ernst nehmen. Doch bisher halten nicht nur die Ölkonzerne, sondern die gesamte US-amerikanische "CO2-Lobby" die Politiker in Washington fest im Griff, und anstelle von Investitionen in erneuerbare Energien, steht weiterhin die Ausweitung der Ölbohrungen auf deren Programm.


Das muss sich schnellstens ändern!

Herr Nelson (USA, Florida, Senator) hat jetzt ein neues Gesetz vorgestellt, dass den Ausbau der Bohrungen vor der Küste einschränkt. Das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ hat daraufhin eine Petition verfasst, um Herrn Nelson dabei mit einem weltweiten Proteststurm zu unterstützen.

Die Petition, die Herrn Obama (USA, Präsident) und die Abgeordneten im Kongress auffordert auf Ölbohrungen zu verzichten und stattdessen die USA und die Welt in eine saubere Zukunft zu führen, kann auf der Internetseite von AVAAZ online unterzeichnet werden.

Sobald 500000 Unterschriften zusammengekommen sind, wird AVAAZ die Petition an das Weisse Haus in Washington übergeben.


(Quellen: Frankfurter Allgemeine vom 16.05.2010, Süddeutsche Zeitung vom 03.05.2010, Die Zeit vom 06.05.2010, Der Spiegel vom 07.05.2010, vom 27.04.2010, und vom 31.03.2010)

1 Kommentar:

Heni hat gesagt…

ja juwi
was haben die menschen gelernt?

in den letzen 24 std les ich soooo viele dinge die mir gänsehaut machen

neues künstliches gen
neue ölbohrungen
neue kräuter-verrückheit

was haben die menschen gelernt?
nix
traurigbin

Heni

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