Montag, 2. September 2013

Höhere Radioaktivität dank genauerer Messgeräte?

Atomkraft? Nein Danke!Mehrere Medien berichten seit vorgestern, die Radioaktivität an einem Wassertank in der Atomkraftanlage "Fukushima-I" sei binnen kurzer Zeit um das 18-fache angestiegen. Dort seien jetzt 1800 Millisievert pro Stunde (mSv/h) gemessen worden.

Wenn ein Sprecher des Betreibers der havarierten Atomkraftanlage (Tepco) dann versichert, der betreffende Tank, in dem kontaminiertes Kühlwasser aus den zerstörten Atomreaktoren aufgefangen wird, habe aber kein neues Leck, dann kann man das glauben - oder auch nicht.

Sein Versuch, die höhere Strahlung damit zu erklären, dass Experten jetzt genauere Messinstrumente eingesetzt hätten, und dass die Strahlung deshalb möglicherweise schon seit längerer Zeit deutlich höher gewesen sein könnte, als bisher angenommen wurde, zeugt jedenfalls von einer haarsträubenden Inkompetenz. Entweder wäre die Strahlung tatsächlich schon seit längerem so hoch gewesen - dann hätten die eingesetzten, ungenaueren Messgeräte permanent das Messbereichsende anzeigen müssen - oder sie ist erst jetzt drastisch angestiegen, womit der Erklärungsversuch mit den "genaueren Messgeräten" absolut überflüssig gewesen wäre.

Wenn hierzulande die Feuerwehren mit Dosisleistungsmessgeräten (DLM) ausgerüstet sind, die üblicherweise einen Messbereich von 0,5 µSv/h bis 10 Sv/h abdecken, dann frage ich mich allerdings ernsthaft, wieso an einem Ort wie der Atomkraftanlage "Fukushima-I", an dem seit dem dreifachen Super-GAU vom 11.03.2011 ständig mit sehr hoher Radioaktivität zu rechnen ist, Messgeräte eingesetzt worden sein sollen, die angeblich nicht in der Lage sind, eine Dosisleistung von 1,8 Sievert pro Stunde (Sv/h) zu erfassen.


18.10.2013, Nachtrag:
Um nicht möglicherweise unrichtige Informationen zu verbreiten, hatte ich den dritten Absatz Aufgrund des Kommentars am 04.09.2013 von "Manfred" erst einmal wieder herausgenommen. Die Informationen und die Angaben zum Messbereich hatte ich einem Artikel in Wikipedia entnommen.

Da ich inzwischen selbst etwas irritiert war, habe ich mich mit der Bitte um Aufklärung bezüglich des Messbereichs der bei den Feuerwehren in Deutschland üblichen DLM an die Feuerwehr Bremerhaven gewandt. Von dort erhielt ich die Antwort (Zitat): "Die Feuerwehr Bremerhaven verfügt zwar nicht über Strahlenmessgeräte der Fa. automess jedoch sind unsere Geräte im annähernd gleichen Messbereich wie im Artikel beschrieben."

Zu der ersten Abbildung im Wikipedia-Artikel erhielt ich die Erklärung, dass es sich dabei um eine sogenannte Teletectorsonde "automess 6150 ADT" mit einem Dosisleistungsmessgerät als Auswerteeinheit handelt. Die Teletectorsonde 6150 ADT sei eine externe Sonde die ohne DLM keine eigenständige Messung durchführen könne.

Als Zubehör gebe es verschiedene Sonden mit denen sich der Messbereich eines DLM verändern lässt - Zitat: "Die Teletectorsonde hat an ihrer teleskopierbaren Spitze zwei Zählrohre mit einem eigenem, erweiterten Messbereich (z.B. Basisgerät 6150 AD5 mit Teletectorsonde 0,1 μSv/h bis 9,99 Sv/h). D.h. sobald die Teletectorsonde mit einem DLM verbunden wird, können Sie die Sonde im DLM außer Kraft setzen und haben den Messbereich aus den Zählrohren an der Teletectorspitze zur Verfügung." Die Aussage, dass eine Teletectorsonde einen Messbereich von bis zu 9,99 Sv/h haben kann, sei dahingehend richtig.

Ich bedanke mich auf diesem Wege bei der Feuerwehr Bremerhaven für die umfassende Auskunft.


(Quellen: taz vom 01.09.2013, Die Zeit vom 01.09.2013, Frankfurter Rundschau vom 01.09.2013, Spiegel vom 01.09.2013, ARD-Tagesschau vom 01.09.2013, Süddeutsche Zeitung vom 01.09.2013, Der Standard vom 01.09.2013, Neue Züricher Zeitung vom 28.08.2013, Spiegel vom 28.08.2013, Der Standard vom 28.08.2013, Die Zeit vom 28.08.2013, Wikipedia)

Kommentare:

juwi hat gesagt…

@Anonym:
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Ich bin aber dankbar für deinen Hinweis. Ich habe einmal auf der Internetseite des Herstellers des bei Wikipedia abgebildeten Gerätes nachgesehen. Die Dosisleistungsmessgeräte 6150AD1/E und 6150AD5/E des Herstellers des bei Wikipedia abgebildeten Gerätes haben jeweils einen Messbereich bis 9,99 Sv/h. Wenn in dem Wikipedia-Eintrag die Rede davon ist, dass die Feuerwehren mit Messgeräten ausgerüstet sind, die derart hohe Dosisleistungen erfassen können, dann vermute ich, dass diese damit gemeint sein könnten. Falls ich damit richtig liegen sollte, wäre es allerdings "etwas ungeschickt" gewesen, ein Foto mit einem Messgerät zu zeigen, das einen erheblich kleineren Messbereich aufweist. Andererseits könnte es natürlich auch angehen, dass es bei Wikipedia antelle von "10 Sv/h" eigenlich "10 mSv/h" hätte heißen sollen. Das wäre dann allerdings wieder deutlich niedriger als die von dir genannten 1 Sv/h. Ich werde mal versuchen herauszufinden, was ein Fachmann dazu sagt ...

Anonym hat gesagt…

Hallo Jürgen,

selbstverständlich habe ich dafür Verständnis. Ich hoffe, das Du selbiges auch dafür aufbringst, wenn ich in der Öffentlichkeit eines Blogs nicht meine Email-Adresse angeben möchte, da ich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit der Vermüllung meines Postfachs gemacht habe (Spamming).

Ich habe nochmals in die Datenblätter der von Dir genannten Messgeräte 6150AD1/E, 6150AD5/E bzw. 6150AD2/E, 6150AD6/E gesehen: auch dort ist für die Dosisleistung bei den beiden erstgenannten 1 Sv/h bzw. bei den letztgenannten sogar nur 10 mSV/h genannt. Ich nehme an, dass Du nicht die Dosisleistung meintest sondern die Dosis, diese wird im Datenblatt mit 10 Sv bzw. 100 mSv angegeben.

Sämtliche auf der Seite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe angegebenen Dosisleistungsmessgeräte haben einen maximalen Bereich bis 1 Sv/h (http://www.bbk.bund.de/DE/AufgabenundAusstattung/CBRNSchutz/Physik/MundNwtechnik/DLM/DLM.html).

Viele Grüße,
Manfred

juwi hat gesagt…

@Manfred: Danke für die Antwort und den Link. Und du hast natürlich recht: Bei den Angaben handelt es sich um die Messbereiche für die Dosis, nicht für die Dosisleistung. Ich habe gestern noch eine Anfrage an die Feuerwehr Bremerhaven geschrieben und warte derzeit auf eine Antwort. Bevor ich möglicherweise eine falsche Aukunft gebe, nehme ich den letzten Absatz erst einmal heraus ...

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