Samstag, 14. September 2013

Spaziergang an einem verschwundenen Fluss

Herr Janßen erläutert den ehemaligen Verlauf der Aue durch das Goethe-Quartier
Es war einmal ein kleiner Fluss, der durch den Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe floss ... - Nachdem es während des ganzen Tages geregnet hatte, trafen sich einige wetterfeste Bremerhavener zu einem Spaziergang entlang der heute aus dem Stadtbild verschwundenen Aue.

Pünktlich zum Start hörte es auf zu regnen und die Sonne kam durch. Unter der Leitung von Herrn Janßen (ESG-Lehe, Vorsitzender) begann der Spaziergang an der Lutherstraße, mitten im Leher Gründerzeit-Quartier "Goethestraße".


Die Auepiraten erinnern sich: Hier unterquerte die Aue einmal die Potsdamer Straße
Erkennbar ist der ehemalige Verlauf der Aue dort an den Lücken in der ansonsten geschlossenen Blockrandbebauung mit Häusern aus der Gründerzeit. An diesen Stellen unterquerte der Fluss einmal die Straßen im Viertel. Dass es sich bei den Lücken nicht um Narben aus dem Zweiten Weltkrieg oder um Abrisslücken handelt, erkennt man an den Fenstern und Balkons an den Giebelwänden der Gründerzeithäuser.

Unter den Teilnehmern des Spaziergangs befanden sich auch einige der "Auepiraten" die an und auf der Aue gemeinsam ihre Kindheit verbracht haben und die sich bis heute noch regelmäßig treffen.


Weiter floss die Aue dann entlang des ehemaligen Schulhofs der heutigen "Theo" ...

Auf dem ehemaligen Schulhof der früheren Theodor-Storm-Schule - heute "Die Theo" - erzählten die "Auepiraten" aus der Zeit, als sie dort als Kinder Fußball gespielt hatten. Einer von ihnen meinte, würde man die Farbe an der Giebelwand eines der an den damaligen Schulhof grenzenden Häuser abkratzen, dann käme wohl das aufgemalte Fußballtor wieder zum Vorschein.

Von der Brücke über die Potsdamer Straße floss die Aue entlang des Schulhofs zur Eupener Straße. So kam es, dass der Fußball des öfteren auch mal in der Aue landete. So etwas wie einen Kescher besaßen die Kinder damals nicht. Gerettet wurde das gute Stück, indem sie hinter dem Fußball Steine in die Aue warfen. Die dabei entstandenen Wellen trieben ihn dann Stein für Stein zurück in Richtung Ufer.


... zum "Schloss am Meer" an der Eupener Straße.
Das wohl auffälligste Gebäude an der Eupener Straße ist das "Schloss am Meer". Der Grundriss des Hauses ist nicht rechteckig: Am östlichen Ende läuft er spitz zu ...

Vom Schulhof der damaligen Schule verlief die Aue in einem leichten Bogen nach rechts zur Eupener Straße. Unter der Brücke hindurch floss sie dann mit einem weiteren Bogen in Richtung Hafenstraße ...

Die Architekten Wöhlken und -Loosen hatten das kostspielige Meisterwerk ihrer Baukunst im Jahre 1909 errichtet. Den Grundriss passten sie dem Verlauf der Aue an. Nach der Fertigstellung des Bauwerks konnten sie aufgrund der hohen Preise für die Wohnungen keine Käufer finden.

Um doch noch Kapital aus der Fehlkalkulation zu schlagen, vermieteten sie die Räume zunächst für Ausstellungen. Auf einem alten Foto ist am Haus ein Schild mit der Aufschrift "Kunstgewerbeausstellung Schloss am Meer" zu sehen. Vermutlich geht der heute noch geläufige Name des Hauses auf diese Zeit zurück.

Später konnte ein Seefahrer namens Teichmann sich das Haus auf Grund glücklicher Dollar-Spekulationen leisten und die Bauherren "erlösen". Er kaufte das "Schloss am Meer" und bezog die feudale Wohnung im Erdgeschoss.


Am "Ufer" der Aue zwischen der Eupener- und der Hafenstraße
Zwischen der Eupener- und der Hafenstraße spiegelten sich nicht nur die Spaziergänger in der großen, vom Regen des Tages übriggebliebenen Pfütze. Sie stellt gleichsam ein Spiegelbild aus der Zeit dar, als die Aue hier noch mit einem Bogen nach links in Richtung Hafenstraße vorüberfloss.


Blick von der Regenpfütze zur ehemaligen Brücke unter der Hafenstraße ...

... von wo aus die Aue durch den Saarpark zu ihrer Mündung in die Geeste floss.
Von der Hafenstraße aus schlug der kleine Fluss einer leichte Biegung nach rechts ein und mündete nach wenigen hundert Metern in die Geeste. An seinem linken Ufer gab es auch damals schon den heutigen Saarpark, der zu Beginn des letzten Jahrhunderts noch Invalidenpark hieß. Am rechten Ufer entand damals das östlich der Hafenstraße gelegene Aueviertel.


Austausch von Erinnerungen im Saal des Seniorentreffpunkts "Kogge"

Seinen Abschluss fand der äußerst interessante und informative Spaziergang im großen Saal des Seniorentreffpunks "Kogge" in der Goethestraße. Dort zeigten die Auepiraten alte Fotos aus dem Goethe-Quartier, die zu der Zeit entstanden sind, als die Aue noch ein prägendes Element des Stadbildes im Süden Lehes war. Ihre Erzählungen aus ihrer gemeinsamen Kindheit, in Verbindung mit den Eindrücken vom Spaziergang entlang des verschwundenen Flusses zeichneten ein lebendiges Bild dieser Zeit.

Nicht alle Spaziergänger haben die Aue noch selbst kennengelernt. Wenn sie aber das nächste Mal auf ihrem Weg durch das Goethe-Quartier oder den Saarpark kommen, dann werden sie vielleicht in Gedanken am Ufer der Aue entlanggehen.

Kommentare:

Weserkrabbe hat gesagt…

Lieber Jürgen, der Bericht über den Auespaziergang mit den Auepiraten ist Dir richtig gut gelungen. Beim Lesen und virtuellem Mitwandern sind auch bei mir wieder die Kindheitserinnerungen verbunden mit dem Spielen an der Aue wieder hochgekommen. Dankeschön dafür.

liebe Grüße
Brigitte

Anonym hat gesagt…

Moin,

ich bin in der Batteriestr. Nr. 21 groß geworden und statte juwi öfters einen Besuch ab. Die Aue wurde damals vonne Badderiestr. bis hin zu den überschwemmten Wiesen "erforscht" Das war um 1950.

Grüße
Ronald Meyer

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