Donnerstag, 29. August 2013

Durch die Nacht mit "Moby Dick"

Zu Besuch bei den Pottwalen vor der Küste im Norden Norwegens

Von der amerikanischen Walfangstadt Nantucket segelt das Walfangschiff "Pequod" in den Pazifik. Viele tausend Meilen auf See liegen vor der Mannschaft. Doch diese Reise ist nicht allein dem Walfang gewidmet, sondern vor allem der irrationalen Rache des Kapitäns Ahab an dem weißen Wal namens "Moby Dick", der ihn zum einbeinigen Krüppel gemacht hat.

Herman Melville gibt in seinem 1851 veröffentlichten Roman, der zahlreiche philosophische, wissenschaftliche, kunstgeschichtliche und mythologische Elemente enthält, auch einen detailierten Einblick in die Welt des Walfangs im 18. und 19. Jahrhundert.

In der Ankündigung zu dieser Veranstaltung heißt es (Zitat): "Der vierzehnstündige Lesemarathon und der sprachgewaltige Text Herman Melvilles ist eine Einladung zur Auseinandersetzung mit den Fragen des Lebens - aber auch eine ganz besondere kulturelle Erfahrung."

Nachtlesung: "Moby Dick"
  • 31. August bis 1. September 2013
  • 18:00 bis 8:00 Uhr
    Capitol / Fernsehstudio Radio Weser.TV
    (Hafenstraße 156) und im Radio

    Eintritt und Zuhören frei
    gemeinsames Frühstück am Sonntag
In Zusammenarbeit mit Radio Weser.TV.
Unterstützt vom Kulturtopf Bremerhaven.


Aus heutiger Sicht wissen wir, dass schon zur Zeit Herman Melvilles - als die Jagd auf die großen Wale durchaus auch unter den Jägern noch ihre Opfer forderte - die Grundlagen gelegt wurden, die diese an sich friedfertigen Wesen, unter ihnen die größten Wesen, die je auf unserem Planeten gelebt haben, später an den Rand der Ausrottung brachte.

Aus meiner Sicht hat diese Jagd schon immer etwas irrationales an sich gehabt. Solange sie dazu in der Lage sind, suchen die Riesen der Meere ihr Heil in der Flucht. Zur Gefahr für die Jäger werden sie erst dann, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen - und wenn sie dann nicht schon zu geschwächt sind, um sich noch wehren zu können. Aber ihre Peiniger haben sich schon immer damit gerühmt, dass sie den Mut gehabt hätten, diesen großen Geschöpfen nachzustellen. Daran hat sich bis heute leider nicht viel geändert.

  • „… damals begab es sich, dass sein [Anm.: Kapitän Ahabs] zerstückelter Leib und die zerrüttete Seele ineinanderbluteten und diese Verquickung seinen Geist zerstörte.“

    (aus Herman Melville, "Moby Dick")

  • Vom Weltraum aus gesehen,
    ist der Planet ein blauer.
    Vom Weltraum aus gesehen,
    ist der Planet die Welt des Wals.
    Und nicht des Menschen.
Blaue Meere bedecken sieben Zehntel der Erdoberfläche
und sind das angestammte Reich des größten Geschöpfes,
das je geschaffen wurde.


(aus Heathcote Williams, "Kontinent der Wale")


Nachtrag

Erpho Bell liest einen Abschnitt aus "Moby Dick"
Irgendwann gegen Mitternacht hatte es einfach keinen Zweck mehr, weiterhin gegen die Müdigkeit anzukämpfen. Im Gegensatz zu Kapitän Ahab, der aufgrund seines irrationalen Hasses gegen den von ihm verfolgten weißen Wal den Zeitpunkt zur Einsicht und Umkehr verpasst hatte, kann ich den Zeitpunkt ziemlich genau abschätzen, ab dem ich diesen - ebenfalls nicht zu gewinnenden - Kampf verloren habe.

"Moby Dick" stand immer im Bücherschrank meines Vaters. Ich muss wohl so fünfzehn oder sechzehn Jahre alt gewesen sein, als ich das Buch dort herausgenommen hatte um darin zu lesen. Die Geschichte, die Herman Melville in seinem Roman erzählt, hatte mich damals derart in den Bann gezogen, dass ich sie innerhalb kürzester Zeit zu Ende gelesen hatte.

Aus heutiger Sicht - nicht zuletzt auch nach der Lesenacht im Capitiol - bin ich darüber eigentlich etwas verwundert. Der Stil, in dem Hermann Melville seine Geschichte erzählt und die eher ungewöhnliche Zusammensetzung der Sätze, die oftmals mit dem heute gebräuchlichen "Sprachfluss" kollidiert, würden vermutlich so manchen Jugendlichen in dem Alter dazu veranlassen, den Roman schnell wieder beiseite zu legen ...

Inzwischen steht das Buch meines Vaters in meinem eigenen Bücherregal. Ich habe es seit damals nicht wieder gelesen. Wenn mir aber demnächst einmal der Lesestoff ausgehen sollte, ohne dass "Nachschub in Sicht" ist, werde ich "Moby Dick" ab der Stelle, an der ich die Lesung unterbrechen musste, zu Ende lesen.

 
(Quelle: Wikipedia - Moby Dick)

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