Mittwoch, 31. Juli 2013

Die Erinnerung an das Land der Freien verblasst ...

Foto: © Bradley Manning Support Network
Wer seinem Gewissen folgt, indem er schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen öffentlich macht, die im Namen der Regierung seines Landes begangen und vertuscht werden, der riskiert sein Leben ... - zumindest muss er aber damit rechnen, bis an sein Lebensende weggesperrt zu werden.
Die Kriegsverbrecher und diejenigen Politiker, die sich zumnindest zu Mittätern von Foltererknechten und Mördern machen, bleiben unbehelligt und können weiter heimlich foltern und morden beziehungsweise foltern und morden lassen. An denjenigen aber, die sich mit friedlichen Mitteln gegen das skrupellose und feige Morden auflehnen, statuiert das System ein Exempel.
  • Nichts anderes drückt der gestern verkündete Schuldspruch der US-Militärjustitz gegen Herrn Bradley Mannings aus.

Wer sich nicht mehr genau erinnern kann, welche menschenverachtende Mordserie in Bagdad Herr Mannings aufgedeckt hat: In meinem Artikel "Kriegsverbrechen: Aufklärer in Haft, Täter frei" habe ich darüber berichtet. Außerdem ist dort ein Filmbeitrag des ARD-Politmagazins "Panorama" zu sehen, das den hinterhältigen Angriff einer Hubschrauberbesatzung am 12.07.2007 mit ihren automatischen Bordfeuerwaffen auf einen Familienvater, dessen Kinder, zwei Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters sowie etliche andere Zivilisten belegt.

Unbestreitbar hat Herr Mannings sich nach den Gesetzen der USA eines Geheimnisverrats schuldig gemacht. Das Urteil kann deshalb kaum jemanden wirklich überrascht haben. Trotzdem ist es in meinen Augen in haarsträubender Weise ungerecht. Wie denn sonst hätte Herr Mannings seine Anschuldigungen gegen die Verantwortlichen in der Regierung und der Armee der USA wohl glaubhaft belegen können? Ohne diese Beweise hätte man ihn für verrückt erklärt und möglicherweise wäre er in der Psychatrie verschwunden, ohne dass er etwas bewirkt hätte. Abwegig sind solche Überlegungen nicht. So etwas passiert selbst hierzulande, mitten in Deutschland!


... und die Tapferen fliehen aus ihrer Heimat

Nicht Whistleblower wie Herr Mannings oder Herr Snowden gehören auf die Anklagebank, sondern die Mörder und ihre Hintermänner in der US-Regierung. Gäbe es die Whistleblower nicht, dann könnten die Herren in den ehemals weißen Westen auch weiterhin unbehelligt mit ihren Fingern auf die Menschenrechtsverletzungen der Machhaber in China, Russland, Nordkorea und anderen repressiven Regimen zeigen. Jetzt aber kann jeder sehen, dass sie sich ihre Finger schmutzig gemacht haben und ihre Empörung wirkt unglaubwürdig.
"'Tis the star-spangled banner, O! long may it wave o’er the land of the free and the home of the brave." (Es ist das Sternenbanner! O möge es lange wehen über dem Land der Freien und der Heimat der Tapferen!), heißt es in der zweiten Strophe des US-Nationalhymne.
  • Spätestens aber seit den Terroranschlägen auf das World-Trade-Center in New York verblasst die Erinnerung an das Land der Freien mehr und mehr von Jahr zu Jahr und die Tapferen fliehen aus ihrer Heimat, um nicht in den Gefängnissen der Systems zu verkommen oder als Opfer der Henker zu enden.

Free Bradley Manning



(Quellen: Neue Züricher Zeitung vom 30.07.2013, Spiegel vom 24.07.2013, Free Bradley Manning, Wikipedia)

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