Freitag, 11. Juni 2010

Mr. Smith ist Mr. Miller

... und eine Trompete ist keine Trompete

FriedenstaubeEs ist nicht immer drin, was draufsteht - nicht einmal mehr auf dem US-Soldatenfriedhof Arlington. Auf dem riesigen uniformen Gräberfeld, auf dem eine Grabstelle wie die andere aussieht, wurden Leichen übereinander beerdigt, Grabsteine vertauscht, ...

Jetzt sei das Entsetzen in den USA groß, berichtete die ARD-Tagesschau am 11.06.2010. Nicht etwa wegen der großen Zahl der in Kriegen in aller Welt umgekommenen Soldaten, sondern weil ja vielleicht noch viel mehr sterbliche Überreste vermeintlicher Helden unter falschen Steinen herumliegen könnten. An den Problemen sei ein antiquiertes Papier-Register schuld, bei dem die Verwaltung den Überblick verloren habe. Vielleicht liegt es aber ja auch gar nicht nur an dem guten alten Karteikastensystem, das sich ja wohl immerhin seit 1864 bewährt hat:
  • Bei 300000 toten Soldaten,
    kann man ja schon mal den Überblick verlieren.

Eigentlich wäre es an der Zeit, dass auch in den USA einmal darüber nachgedacht wird, ob die vielen, mitten aus dem Leben gerissenen Toten zahlreicher Kriege nicht langsam mal genug sind. Das Entsetzen könnte nämlich sonst irgendwann die menschliche Vorstellungskraft bei weitem übersteigen wenn noch weitere Tote hinzu kommen.

Für technisch immer aufwändigere Waffensysteme mit immer größerem Zerstörungspotential machen die USA immer wieder Unsummen ihrer Dollars locker. Für die Umerziehung zivilisierter Menschen zu Killern werden weder Mühen noch Kosten gescheut. Für einen einfachen Computer mit einer simplen Datenbank zur Verwaltung des Totenackers fehlt jedoch das Geld. Aber selbst der aufwändigste Computer wäre machtlos gegen schlampige Totengräber die auch schon mal Leichen in Stapel-Massengräbern beisetzen, aber - um den Schein zu wahren - nur den Namen eines Mr. Miller auf den Grabstein schreiben.

Selbst bei der Bestattungszeremonie wird gespart. So spart man zum Beispiel bei Probesalutschüssen die Patronen. Auf das Kommando: "Legt an, Feuer!" antworten die Ehrenschützen statt dessen im Chor mit: "Peng!". Im Hintergrund hört man dazu das leise Klicken der Mechanik ihrer Gewehre. Auch die Zeiten richtiger Trompeter mit richtigen Trompeten sind vorbei. Scheinbare Trompeter blasen scheinbar mit dicken Backen die Todesfanfare auf einer Trompete mit elektronischem Innenleben - Made in China. Auf Knopfdruck kommt die traurige Musik aus der Konserve einer scheinbar richtigen Trompete. Da müssten sich die Menschen in den USA eigentlich entsetzt fragen, ob das Entsetzen über die logistischen Pannen auf dem Friedhof Arlington ebenfalls nur der Wahrung des Scheins gilt.

Die Notwendigkeit von Kriegen um die Sicherung des Zugangs zu den letzten Resourcen der Erde - immer unter dem Deckmantel der Verteidigung von Freiheit und Demokratie - wurde in den USA bisher nie lange in Frage gestellt. Im Zweifel wurde notfalls auf politischer Ebene auch schon mal mit gefälschten Beweisen nachgeholfen (Golfkriege). Allerdings ist die Erkenntnis, dass die Resourcen der Welt endlich sind, in den Köpfen der Menschen noch nicht angekommen. Die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes um die Zukunft des Planeten Erde - im Schulterschluss mit allen Nationen der Welt - wurde bis vor einem Jahr noch nicht einmal in Erwägung gezogen. Die Erziehung der US-Gesellschaft zu hemmungslosen Konsum-Robotern und Resourcen-Verschwendern ist bis ins kleinste Detail perfektioniert worden - auf Kosten des Rests der Welt.

Die Menschen sind zu wertvoll, um sie in sinnlosen in Kriegen sinnlose Tode sterben zu lassen. Ihre Kraft, ihr Mut und ihre Kreativität werden dringend benötigt, um die wirklichen Probleme der Menschheit in den Griff zu bekommen. In Anbetracht der drohenden Klimakatastrophe trifft dies insbesondere auf die Vereinigten Staaten von Amerika zu, die zu einem großen Teil für die globale Klimaerwärmung verantwortlich sind.

Falls auf dem Friedhof von Arlington in absehbarer Zukunft einmal diejenigen Menschen ihre letzte Ruhestätte finden sollten, von denen ihre Nachfahren sagen werden, sie hätten sich in beispielhafter Weise um die Zukunft der Menschheit und um die Rettung der Erde vor dem Hitzekollaps verdient gemacht, dann würden dort wirkliche Helden unter hoffentlich den richtigen Grabsteinen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben - und die Grabsteine von Mr. Smith, Mr. Miller und all der anderen Opfer der Kriege wären eine ewige Mahnung an die kommenden Generationen, die Fehler ihrer Vorfahren nicht zu wiederholen.


(Quelle: ARD-Tagesschau vom 11.06.2010, Reutlinger Generalanzeiger vom 11.06.2010, Weltspiegel vom 15.11.2009)

Die Geeste - Von der Alten Geestebrücke zur Kennedybrücke


An der Wiege des Bremerhavener Schiffbaus

Im sechsten Teil meines Pfingstspaziergangs könnt ihr mich auf einem Rundgang zwischen der Alten Geestebrücke und der flussabwärts in Sichtweite liegenden Kennedybrücke begleiten. Auch wenn die Wegstrecke dieses Mal nur kurz ist, gibt es dort einige interessante Dinge zu sehen.

Zur Geschichte der Alten Geestebrücke von 1904 hatte ich ja am Ende der vorhergehenden Etappe schon etwas erzählt. Das Drachenboot, das am Anfang des Videos zu sehen ist, gehört dem Kanuverein Unterweser, dessen Steganlagen am linken Geesteufer direkt vor der Alten Geestebrücke liegen. Obwohl man die für Europa eigentlich immer noch sehr exotischen Drachenboote seit einigen Jahren während des ganzen Sommers auf der Geeste beobachten kann, werden die Teams jetzt wohl für den Drachenboot-Cup trainieren, der am 12. und 13. Juni 2010 zum zehnten Mal im Bremerhafener Fischereihafen ausgetragen wird. Große Beachtung finden dabei immer wieder die sogenannten Fun-Teams und die Schüler-Mannschaften, die nur einmal im Jahr beim Drachenboot-Cup gemeinsam zum Steckpaddel greifen. Mit ihren oft phantasievollen, eigenwilligen Team-Outfits und Mannschaftsnamen wie zum Beispiel "Narcotic Dragons" (ein Krankenhaus-Team), Schneewittchen und die 18 Zwerge (die 18 bezieht sich auf die Anzahl der Ruderer des Teams), "Zollmöpse" (Team des Bremerhavener Zolls) oder "Die heißen Nijsen" (gesprochen wir das wie "Neissen", eine Praxisgemeinschaft) treten sie aus reiner Spaß an der Freud gegeneinander an.


Wir wechseln von der rechten zur linken Seite der Geeste. Von der Alten Geestebrücke gleitet der Blick nach links entlang des gegenüberliegenden rechten Geesteufers. Das erste Haus hinter der Alten Geestebrücke zwischen dem Ufer und der Deichstraße, hinter den Bäumen am Ufer fast verborgen, ist die Seebeck Villa von 1908.

1871 war der Kupferschmied Georg Dietrich Seebeck aus Brake nach Geestemünde gekommen, wo er sich 1876 mit einer kleinen Schmiedewerkstatt selbstständig machte. Bald darauf begann er mit dem Bau kleinerer eiserner Boote und Barkassen. 1886 kaufte er er ein Grundstück am Geestemünder Querkanal und ab 1891 mehrere Werften in Geestemünde und Bremerhaven, deren Anlagen er für seine Zwecke weiternutzte. Eine dieser Werften war die Wencke Werft, auf deren Gelände seine mit Neubarock- und Jugendstil-Elementen geschmückte Villa entstand. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa stark beschädigt. Nach dem Wiederaufbau ist von ihrer ehemaligen Pracht leider nicht mehr sehr viel übrig geblieben.

Um seine auf viele kleine Standorte verteilten Aktivitäten zu bündeln errichtete Herr Seebeck zwischen 1906 und 1910 eine moderne Anlage am Geestemünder Handelshafen. 1988 fusionierte die ehemalige Seebeckwerft AG mit der Schichau Unterweser AG zur Schichau Seebeckwerft AG (SSW).


Von der Seebeck Villa blicken wir weiter nach links bis zur Einfahrt des ehemaligen Wencke Docks. Im Hintergrund ist der Richtfunkturm des Wasser- und Schiffahrtsamts zu sehen. Zwischen der Alten Geestebrücke und der Kennedybrücke lagen die Wurzeln der großen Zeit des Schiffbaus im heutigen Bremerhaven, die mit der Werftenkrise in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts zu Ende ging.

Mit dem zunehmenden internationalen Schiffsverkehr wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Reparatur von Schiffen zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Aus diesem Grunde entstanden in diesem Bereich an der Geeste die ersten Trockendocks. Nachdem ein Schiff in das Dock gefahren war, wurden die Einfahrtstore geschlossen und das Wasser aus dem Dock abgepumpt. Somit wurden Reparaturen an Schiffen unterhalb der Wasserlinie möglich. Das am besten erhaltene Dock aus dieser Zeit ist das Dock der ehemaligen Werft des Herrn Friedrich Wilhelm Wencke, die er im Jahre 1833 gegründet hatte. Die Anfänge des Docks gehen auf eine relativ einfache Holzkonstruktion aus der Zeit um 1845 zurück. Der Umbau zu einem gemauerten Dock wurde 1860 abgeschlossen.

Von der flussaufwärts liegenden Seite der Dockeinfahrt geht es einmal im Uhrzeigersinn um das Dock herum, das im hinteren Bereich nach dem Zweiten Weltkrieg mit Trümmern der ausgebombten Häuser verfüllt worden ist. Zwischen 1977 und 1979 hat man die oberen Lagen der Kaimauern wieder frei gelegt, so dass die Dimensionen der 86 Meter langen Anlage mit ihrer 15 Meter breiten Einfahrt heute wieder gut zu erkennen sind.


Nach der Umrundung des Wencke Docks stehen wir auf der flussaufwärts liegenden Seite der Dockeinfahrt und blicken entlang des linken Geesteufers von der Alten Geestebrücke bis zur Kennedybrücke. Das Bild am Ufer der Geeste wird hier vom Gebäude des Historischen Museums Bremerhaven geprägt, dessen eigene Geschichte mit der Gründung des "Städtischen Morgenstern-Museums" von 1906 begann. Dieses bestand Anfangs hauptsächlich aus der Sammlung des Heimatvereins "Männer vom Morgenstern", die im Jahre 1902 von der Stadt Geestemünde erworben worden war. Seit dem Umzug in den Neubau am Geesteufer im Jahre 1991 trägt das Museum den Namen "Historisches Museum Bremerhaven/Morgenstern-Museum". Der Name "Morgenstern" geht auf eine Burg des Erzbischofs von Bremen bei Weddewarden zurück. In Weddewarden befand sich damals der Tagungsort des Heimatvereins der "Männer vom Morgenstern".

Zwischen dem Wencke Dock und der Kennedybrücke ist jetzt auf der rechten Seite des Flusses die Einfahrt eines weiteren ehemaligen Docks zu sehen, die von der linken Geesteseite aus noch besser zu erkennen ist. Dabei handelt es sich um die Reste des Docks des Herrn Johann Lange, das in der Zeit um 1860 bis 1865 enstand. Es ist leider nicht mehr so gut zu erkennen wie das Wencke-Dock. Erhalten geblieben ist davon im wesentlichen nur der ehemalige Torbereich. Die roten Backsteingebäude mit den blauen Fensterrahmen, die vom linken Geesteufer aus hinter den Bäumen am gegenüberliegenden Ufer zu sehen sind, gehören zur Hochschule Bremerhaven.


Weiter geht es hinauf auf die Kennedybrücke. Von dort geht der Blick noch einmal flussabwärts entlang des linken Geestufers, wobei der lange, durchgehender Schwimmsteg auffällt, der für Gäste angelegt wurde, die Bremerhaven mit dem Motorboot besuchen. Von dort aus kann man unter der Kennedybrücke hindurch die auf der anderen Seite der Brücke vor dem Tonnenhof liegenden Schiffe sehen. Bei ablaufendem Wasser ist anhand des Algenbewuchses am Brückensockel sehr gut der Unterschied des Tidepegels zwischen Ebbe und Flut zu erkennen. Bei Sturmflut läuft das Hochwasser jedoch oft noch erheblich höher auf.

Neben den Deichen an der Weser ist das im September 1961 fertiggestellte Sturmflutsperrwerk unter der Kennedybrücke, dessen zurückgeklappte schwarze Stahltore an den Wänden unter der Brücke zu erkennen sind, der wichtigste Sturmflutschutz Bremerhavens. Wenn erwartet wird, dass die Flut einen Pegel vom mehr als einem Meter über dem mittlerem Hochwasser erreichen wird, werden die Stemmtore geschlossen.

Bereits 5 Monate später bestand das neue Sturmflutsperrwerk seinen Härtetest. Am Abend des 16. Februar 1962 erlebte die Stadt Bremerhaven die höchste Sturmflut ihrer Geschichte. Der Sturmflutpegel lag 5,35 Meter über Normalnull. Ohne das Sperrwerk wäre das in die Geeste auflaufende Wasser über die Geestedeiche hinweg ins Stadtgebiet eingedrungen und hätte 80 Prozent des Stadtgebiets überschwemmt. Die Stadtmitte hätte ohne das gerade fertig gestellte Sperrwerk ungefähr drei Meter hoch unter Wasser gestanden.

Die Geeste

(Quellen: Seebeck Villa, Wencke Dock, Historisches Museum, Strumflusperrwerk)

Mittwoch, 9. Juni 2010

Von Sparern und von Selbstbedienern

Alle reden von der Notwendigkeit, Geld einzusparen. Die Bundesregierung redet nicht nur davon. Sie hat auch gleich ein Sparpaket geschnürt, wobei sie wieder einmal kräftig bei denen zulangt, die sich bald nicht einmal mehr ein Hungertuch leisten können, an dem sie noch nagen könnten: Hartz-IV-Abhängigen wird das Elterngeld und die Beiträge für die Altersvorsorge gestrichen. Außerdem werden die Zuschläge abgeschafft, die den Übergang vom Arbeitslosengeld-I abfedern sollen. Weg damit: Die wehren sich ja nicht. Wie denn auch ...

Und was machen die Abgeordneten des Landtags in Niedersachsen? Die sparen beim Sparen und langen noch mal ordentlich zu! Gestern beschlossen sie - bevor es ernst wird mit dem Sparen - schnell noch mal eben, ihre Diäten zum 1. Januar 2011 um 405 Euro auf 6000 Euro monatlich anzuheben.

Die Hannoversche Allgemeine vom 08.06.2010 zitierte Herrn Wulff (CDU, Niedersachsen, Ministerpräsident sowie Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten) dazu mit den Worten: "Die Abgeordneten sind wichtiger denn je, vor allem in der Vermittlung schwieriger Entscheidungen. Vor dem Hintergrund der Arbeitsbelastung sollte der Beruf nicht immer unattraktiver werden." Auch den Abgeordneten stehe regelmäßig eine angemessene Erhöhung zu.

Na, da sollte der Herr Wulff mal die Mitarbeiter in den Pflegeberufen, im Einzelhandel, in den Krankenhäusern, im Öffentlichen Dienst etc. fragen, ob die denn auch alle regelmäßig eine "angemessene Erhöhung" erhalten. Das sind nämlich auch alles Berufe, die vor dem Hintergrund der Arbeitsbelastung, unchristlicher Arbeitszeiten und einer miesen Bezahlung immer unattraktiver werden, ohne die aber in unserem Lande so einiges zusammenbrechen würde. Auf alle diese Menschen kommen angesichts der finanziellen Lage Deutschlands harte Zeiten zu. Ich könnte mir deshalb gut vorstellen, dass Herrn Wulff die Antworten nicht gefallen würden, die er von diesen und vielen anderen Menschen zu hören bekäme. Er sollte sich und seine Kollegen also lieber nicht für wichtiger halten, als sie es sind.
  • Nebenbei bemerkt:
    Auch Landtagsabgeordnete können von ihrem Arbeitgeber, dem Volkssouverän "Bundesbürger", bei der Landtagswahl entlassen werden, wenn dieser mit der Arbeit seiner "Volksvertreter" nicht mehr zufrieden ist. Im Gegensatz zu normalsterblichen Arbeitslosen brauchen ehemalige Abgeordnete sich allerdings in der Regel (bisher jedenfalls) keine Gedanken über die anschließende Finanzierung ihres Lebensunterhalts zu machen. Dafür sorgen sie - ebenso wie für die Erhöhung ihrer Diäten - schon selbst.

Nachtrag:

Es gibt sie noch, die kritischen Journalisten, die über das schreiben, was unsere Gesellschaft unter Umständen zerreißen könnte, wenn niemand etwas dagegen sagt. Diesen Kommentar, den Monika Kappus von der Frankfurter Rundschau gestern zum Sparpaket der Bundesregierung geschrieben hat, wollte ich euch auf keinen Fall vorenthalten!


(Quellen: Hannoversche Allgemeine vom 08.06.2010 - Bericht 1 und Bericht 2)

Dienstag, 8. Juni 2010

Es wird kalt in Deutschland

Es ist schon erstaunlich, das die Wespenkoalition weiterhin der Meinung ist, sie könne sich auf Dauer aus den leeren Portemonais der Arbeitslosen und Hartz-IV-Abhängigen bedienen, um den deutschen Schuldenberg abzubauen, die EU-Stabilitätskriterien zu erfüllen und nebenbei auch noch Atomkraftwerke, Abwrackprämien-Schulden sowie viele weitere Subventionen für die Industrie, sowie Bundeswehr-Auslandsabenteuer etc. zu finanzieren.

Bevor jetzt jemand mit einem "ja, aber ..." auf die genannte sogenannte Brennelementesteuer verweist: Die ist in meinen Augen nichts weiter, als ein Deckmäntelchen zur Legitimation der von den Wespen angestrebten Laufzeitverlängerungen der ältesten Atommeiler. Für die Sicherheit vor einem Super-GAU oder die notwendige jahrmillionenlange sichere Lagerung des Atommülls ist damit überhaupt nichts gewonnen - und das finanzielle Risiko liegt im Falle eines Super-GAUs aufgrund der fehlenden Versicherung der Atomkraftwerksbetreiber weiterhin bei den dann ohnehin schon geschädigten Bundesbürgern. Unter dem Gesichtspunkt "Steuereinnahmen" ist eine "Brennelementesteuer" für die Bundesregierung eher ein Grund, die Laufzeitverlängerung "jetzt erst recht" gegen den Willen der Mehrheit der Bundesbürger durchzusetzen.


Mit einer moderaten, zweckgebundenen "Steuererhöhung für alle" hätte sich das Finanzloch der Bundesrepublik unter Mithilfe aller Bundesbürger vermutlich effektiver stopfen lassen. Es ist wirklich nicht so, dass ich davon begeistert gewesen wäre, aber jeder von uns wäre damit seinen Kräften entsprechend am Schuldenabbau und an der Haushaltskonsolidierung beteiligt worden. Wenn eine solche zweckgebundene Steuererhöhung von Beginn an auf den Zeitraum begrenzt worden wäre, in dem das Sparziel erreicht werden muss, dann wäre auch der Zwang gegeben gewesen, die zusätzlichen Einnahmen genau dafür aufzuwenden.

Statt dessen wird denen, die oft ohnehin schon nicht mehr wissen wo sie noch sparen sollen, damit das Geld für ihren Lebensunterhalt bis zum Monatsende reicht, auch noch das Elterngeld gestrichen. Diejenigen, die wenigstens noch einen Arbeitsplatz haben, sollen hingegen von einer solchen Amputation verschont bleiben. Denjenigen Beziehern von Elterngeld, deren anzurechnendes Nettoeinkommen 1240 Euro im Monat übersteigt steht lediglich eine Kürzung um zwei Prozent - von 67 auf 65 Prozent - ins Haus. Das Elterngeld ist schließlich ein fester Betrag, und den muss man in diesem Fall ja wohl in Relation zum Gesamteinkommen sehen!

In Relation zum abzubauenden zig-Milliarden Schuldenberg und den Auswirkungen auf das tägliche Leben der Arbeitslosen und Hartz-IV-Abhängigen sind die sozialen Enschnitte der blanke Hohn. Die TAZ schrieb am 08.06.2010, die Abschaffung des Elterngelds für Hartz-IV-Abhängige schlage mit lediglich 0,4 Milliarden Euro zu Buche. Die Abschaffung der Zuschläge, die den Übergang vom Arbeitslosengeld-I abfedern sollen, spare sogar nur 0,2 Milliarden Euro ein. Die geplante Streichung der Beiträge für die Altersvorsorge dieser Personengruppe entlaste zwar den Etat des Arbeitsministeriums kurzfristig um 1,8 Milliarden Euro, das Geld fehle dann aber in der Kasse der Rentenversicherung, und vielen Langzeitarbeitslosen müsse der Staat später ohnehin Grundsicherung bezahlen. Da frage ich mich nach dem Sinn dieser sozialen Einschnitte, wenn anschließend doch wieder alle draufzahlen müssen. Tröstend, aber insgesamt wohl nicht sehr hilfreich, ist es, dass das auch viele CDU-Mitglieder so sehen.


Aus meiner Sicht zündelt die schwarz-gelbe Bundesregierung mit ihrem fortgesetzten schamlosen Griff in die leeren Portemonais der Schwächsten in unserer Gesellschaft am sozialen Frieden - und das alles nur, damit die FDP nicht zugeben muss, dass der aus den Schlagworten "Steuersenkung" und "Mehr Geld für alle" zusammengesetzte Leim an ihrem Stimmenfänger zur Bundestagswahl 2009 von Beginn an nichts anderes als heiße Luft war.

Ich frage mich, wie lange sich die Menschen in diesem Lande das alles noch gefallen lassen, bevor sie gegen die sich häufenden offensichtlichen Ungerechtigkeiten bei der Verteilung der Lasten auf die Straße gehen ... - Oder gewinnt etwa so langsam das Motto "Lieber Gott: Verschon mein Haus. Zünd' das des Nachbarn an." die Oberhand? Sollte es der Bundesregierung am Ende gelingen, uns mit ihrem Streichkonzert so einzulullen, dass wir erst beim Aufwachen merken werden, dass unsere Gesellschaft endgültig von einer friedlichen Solidargemeinschaft zu einer spannungsgeladenen Ellenbogengesellschafft mutiert ist?

Es wird kalt in diesem Land:
Die um sich greifende soziale Kälte lässt mich frösteln ...



(Quellen: TAZ vom 08.06.2010, ARD Tagesschau Bericht 1 und Bericht 2vom 07.06.2010 sowie vom 08.06.2010, Süddeutsche Zeitung vom 08.06.2010, Berliner Morgenpost vom 08.06.2010, Hamburger Abendblatt vom 08.06.2010, Spiegel online vom 08.06.2010)

Lange Nacht der Kultur 2010


Impressionen

Dieses kurze Video mit Impressionen von der Kulturveranstaltung in der Pauluskirche und von der Besuchergallerie am Kirchturm ist sozusagen eine Zugabe zu meinem Artikel "Nachtflug" vom 05.06.2010. Ich kann es erst heute zeigen, da darin die Musik von Bernd Schlott und Ute Janßen-Vogt zu hören ist: Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.

Montag, 7. Juni 2010

Die Geeste - Von der Achgelisbrücke zur Geestebrücke


Von der Achgelisbrücke entlang der Geeste bis zur alten Geestebrücke


Die fünfte Etappe meines Pfingstspaziergangs beginnt auf dem Geestedeich an der Stresemannstraße. Auf dem Deich stehend schweift der Blick vom Stadtteil Lehe mit der Pauluskirche und dem Schwoonschen Wasserturm über Schilffelder, und die Gärten am gegenüberliegenden Ufer bis zur Achgelisbrücke. Von dort geht es entlang des rechten Geesteufers zur alten Geestbrücke.

Beim Gang über die Achgelisbrücke kommen links am gegenüberliegenden Geesteufer die Reihenhäuser des Kapitänsviertels in Sicht. Rechterhand erstreckt sich das Kleingartengebiet Geesthelle. Die Achgelisbrücke ist eine ehemalige Eisenbahnbrücke, über die bis zum Konkurs der Rickmers Werft im Jahre 1986 noch Versorgungsgüter für den Schiffbau transportiert wurden. Über die ursprüngliche Brücke an dieser Stelle führte die Stichbahn vom Ende der Bahnstrecke zwischen der Stadt Bremen und der Ortschaft Geestemünde in das alte Bremerhaven, das damals nur aus dem Alten Hafen mit einigen Häusern darum herum bestand.


Das Gelände der ehemaligen Rickmers-Werft

Das Kapitänsviertel ist ein Neubaugebiet auf dem ehemaligen Gelände der Rickmers-Werft, dessen Straßen nach Namen von Kapitänen benannt sind, die einmal die Großsegler führten, die bei Rickmers gebaut worden waren. Am Kapitänsviertel vorbei geht es weiter auf dem Wanderweg entlang des rechten Geesteufers. Die Gebäude auf dem Gelände zwischen der Stresemannstraße und dem gegenüberliegenden Ufer bis kurz vor der alten Geestebrücke gehören zur Marineschule.

Rechts voraus sind jetzt die ehemalige Ausrüstungskaje und in der Kurve des Geestebogens die Reste des Längshelgens der Rickmers-Werft zu erkennen. Das weiße Hochhaus links im Bild steht am Freigebiet. Das 1956 fertiggestellt Gebäude ist das erste Hochhaus, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Bremerhaven gebaut wurde. Das roten Backsteingebäude rechts davon ist der Neubau des Arbeitsamtes - heutzutage, wo wir ja alle scheinbar etwas vornehmer geworden sind, heißt es "Arbeistagentur". Am Schicksal der Arbeitslosen hat sich damit allerdings gar nichts geändert. Bremerhavener, die angesichts der mit dem Werftensterben und dem Niedergang der Hochseefischerei sprunghaft angestiegenen, und seitdem auf hohem Niveau stagnierenden Arbeitslosenzahl zum Sarkasmus neigten, meinten damals, der Standort für den Neubau des Arbeitsamtes auf dem Gelände der ehemaligen Werft sei gut gewählt: Die arbeitslos gewordenen Werftarbeiter bräuchten sich nicht erst an neue Wege gewöhnen ...

Nach einer kurzen Wegstrecke kommt rechts im Geestebogen der ehemalige Werftkran der Rickmers Werft in Sicht. Er ist neben der ehemaligen Ausrüstungskaje, den Resten der Helgenanlage und dem historischen Werfttor am Freigebiet einer der letzten Zeugen aus der Blütezeit der Bremerhavener Werftindustrie. Die bauhistorisch wertvolle Schiffbauhalle des Heidelberger Architekts Egon Eiermann fiel dem Neubau des Arbeitsamtes zum Opfer - und mit ihm ein Stahbaubetrieb samt seinen 140 Arbeitsplätzen, der bis dahin in der ehemaligen Werfthalle untergebracht war. Der Architekt hatte im Jahre 1942 mit der Planung für Bau der Schiffbauhalle begonnen. Bekannt wurde er unter anderem durch den Bau der deutschen Botschaft in Washington und der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche neben der Ruine der bei den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche am Kurfürstendamm in Berlin.


Nach dem Passieren des Werftkrans liegen die Steganlagen eines Kanuvereins und eines Sportbootvereins am Weg. Rechts des Weges sind die drei Hochhäuser an der Deichstraße zu sehen. Am gegenüberliegenden Geesteufer erstreckt sich weiterhin das Gelände der Marineschule.


Das Gelände der ehemaligen Tecklenborg Werft

Früher gab es dort auf Geestemünder Gebiet einmal eine weitere, in weiten Teilen der Welt bekannte Werft: Die Tecklenborg-Werft, deren Gründung auf den Bau einer Schiffswerft im Jahre 1841 auf Bremer Gebiet in der Nachbarschaft der dort bereits existierenden Rickmers-Werft zurückging.

1843 übernahm Herr Franz Tecklenborg den Betrieb und holte seinen Bruder Johann Carl als Schiffszimmerbaas in das Unternehmen. Dieser übernahm zwei Jahre darauf den Mietvertrag und führte den Betrieb unter dem Namen "Joh. C. Tecklenborg" weiter. Als die auf der Werft "Joh. C. Tecklenborg" gebauten Schiffe größer wurden, begann die Suche nach einem Gelände für den Bau eines großen Trockendocks. Da es auf der Bremer Seite der Geeste dafür nicht mehr genug Platz gab, pachtete Herr Tecklenborg 1852 ein passendes Gelände in Geestemünde. Ein Jahr später nahm die Tecklenborg-Werft links der Geeste ihren Betrieb auf.

Berühmte auf der Werft entstandene Viermastbarken und Fünfmaster, wie die "Padua" oder die 1895 vom Stapel gelaufene "Preußen", trugen den Namen der Werft um die Welt. Damals warb der Slogan: "Kaptein, si ohne Sorg’, din Schip is baut bi Tecklenborg." für die Zuverlässigkeit und Schnelligkeit der bei Tecklenborg gebauten Großsegler.

Ende 1926 fusionierten die Vulcan-Werke in Hamburg, die "Joh. C. Tecklenborg A.G." in Wesermünde die Actien-Gesellschaft „Weser“ in Bremen zur "Deutschen Schiff- und Maschinenbau Aktiengesellschaft" (Deschimag), deren Verwaltung in Bremen angesiedelt war. Die Deschimag war der erste Großkonzern der deutschen Schiffbauindustrie. Unter ihrem Dach bestanden mit der Actien-Gesellschaft „Weser“ und der Tecklenborg-Werft zwei Unternehmen, vergleichbarer Größe die beide vergleichbare Schiffe bauten. Außerdem gab es mit Seebeck in Wesermünde und Tecklenborg in Geestemünde zwei Werften am gleichen Standort. Daher beschloss der Vorstand der Deschimag, die Schließung der Tecklenborg-Werft.

Im Juni 1926 lief bei Tecklenborg als letzte frachtfahrende Viermastbark die "Padua" vom Stapel. Die "Padua" ist noch immer im Dienst und fährt heute unter dem Namen "Krusenstern" unter russischer Flagge. Das letzte auf der ehemaligen Tecklenborg Werft gebaute Schiff war ein Jahr später das Schulschiff "Deutschland", das im Bremer Ortsteil Vegesack seinen letzten Liegeplatz gefunden hat.

1934 ging das Gelände der ehemaligen Tecklenborg-Werft in den Besitz der Marine über. Die verbliebenen Werftanlagen wurden demontiert und 1935 begann der Bau der Marineschule. Das ehemalige Verwaltungsgebäude der "Joh. C. Tecklenborg A.G." auf dem Gelände der Marineschule hatte sowohl das Ende der Werft wie auch den Zweiten Weltkrieg überstanden. 1971 wurde es abgerissen. Bis vor wenigen Jahren war der Name der ehemaligen Tecklenborg-Werft noch an einem der Marinegebäude am Ufer der Geeste zu lesen, das dann aber ebenfalls abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde.


Auf dem weiteren Weg folgt nach kurzer Zeit am rechten Geesteufer die Bootshalle des "City Port". Sportbootbesitzer nutzen die Halle als Winterlager für ihre Boote, die im Herbst mit einem Gabelstapler aus dem Wasser gehoben und in einem Regalsystem in der Halle eingelagert werden. Auf dem Gelände des "City Port" gibt es außerdem einen Waschplatz für die Reinigung des Unterwasserbereichs der Boote sowie am Ufer der Geeste eine Tankstelle.

Im Anschluss an das Gelände der Marineschule folgt zwischen dem gegenüberliegenden Ufer der Geeste und der Claussenstraße das Grundstück einer siebenstöckigen, langgestreckten Wohnanlage mit dem Namen "Haus Tecklenborg", deren Name an den ehemaligen Werftstandort an dieser Stelle erinnert. Am Ufer vor dem Gebäude ist noch eine alte Dockeinfahrt der Werft erhalten geblieben.

Voraus überquert die Fährstraße die Geeste auf der alten Geestebrücke. Der Name der Straße erinnert daran, dass hier bis 1857 eine Prahmfähre die einzige Verbindung zwischen den Gemeinden Geestemünde auf hannoverschem Gebiet links der Geeste und Bremerhaven auf der rechten Seite des Flusses auf Bremer Gebiet war. Seit dem erleichterte an dieser Stelle eine zweiflügelige Drehbrücke den wachsenden Verkehr zwischen Geestemünde und Bremerhaven. Die erste Geestebrücke besaß noch keine Gitterkonstruktion. Sie erwies sich bereits nach 47 Jahren als zu klein und ihre Tragfähigkeit war angesichts größer werdender Fahrzeuge nicht mehr ausreichend. Im Jahre 1904 wurde sie durch die heutige einflügelige Drehbrücke mit Gitterkonstruktion ersetzt.

Die Geeste

(Quellen: Zeit Online vom 18.08.1989, Wikipedia, Harry Gabcke - "Bremerhaven in zwei Jahrhunderten 1827-1918")

Sonntag, 6. Juni 2010

Endlich Sommer


Weserdeich vor dem Deutschen Schiffahrtsmuseum...


... und Strandbad



Am Holzhafen (Stadtteil Geestemünde)


Französische Anlage im Bürgerpark (Geestemünde)

Sonntag, und der erste wirklich warme Tag mit sommerlichen Temperaturen in Bremerhaven. Der Weserdeich und der Strand waren waren voller sonnenhungriger Menschen. Am Holzhafen saßen Alt und Jung auf den Bänken und auf dem Rasen im Schatten der Bäume, und auch im Bürgerpark waren viele Leute unterwegs - und ich habe mir nachmittags den Fahrtwind bei einer kleinen Rundtour mit dem Rad um die Nase wehen lassen.

Diejenigen, die gestern nicht draußen waren, haben selbst Schuld: Heute ist der Sommer nämlich schon wieder vorbei.