Samstag, 11. April 2020

Corona, die Wirtschaft und der Wert des Lebens

Seit Wochen lähmt die globale Corona-Pandemie auch das Leben in Deutschland. Während die Mehrheit der Bürger die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung der Neuinfektionen befürwortet, können sich Politiker anderer Parteien nicht damit abfinden, dass die damit einhergehenden Einschränkungen noch über einen längeren Zeitraum hinweg aufrechterhalten werden müssen, damit die bisher erreichten Erfolge nicht gefährdet werden.

Dem ZDF-Politbarometer vom 09.04.2020 zufolge erteilen die meisten Befragten einer schnellen Lockerung der Maßnahmen, die das tägliche Leben stark einschränken, eine Absage: Die Ausgangsbeschränkungen und das Kontaktverbot von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit werden von 90 Prozent als angemessen bezeichnet.

74 Prozent der Befragten halten die Maßnahmen, die zum Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus angeordnet wurden, für gerade richtig. 16 Prozent denken, dass diese härter ausfallen müssten. Neun Prozent halten sie für übertrieben.

55 Prozent sprechen sich für eine Aufrechterhaltung der Einschränkungen, sowie der Hygiene- und Kontaktregeln über Ostern hinaus aus. 29 Prozent der Befragten halten eine Lockerung der Maßnahmen nach Ostern für richtig. Für ein früheres Ende plädiert eine Minderheit von fünf Prozent.

Wenn es irgendwann möglich sein wird, einzelne Maßnahmen Schritt für Schritt aufzuheben, hätte der Bereich Schule und Kinderbetreuung für 45 Prozent der Befragten die höchste Priorität. 37 Prozent sind der Ansicht, dass zuerst die Geschäfte wieder öffnen sollten. Für 14 Prozent stünde eine Lockerung des allgemeinen Kontaktverbots an erster Stelle. Die Öffnung von Sport- und Freizeiteinrichtungen hätte für nur zwei Prozent der Befragten den höchsten Stellenwert.

69 Prozent halten die finanziellen Hilfen, welche die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abfedern sollen, für gerade richtig. Während nur drei Prozent der Ansicht sind, die Bundesregierung gebe dafür zu viel Geld aus, meinen 23 Prozent sie müsse dafür noch mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

In einer Pressekonferenz am 09.04.2020 stellte Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) klar, dass die Beschränkungen weiterhin in Kraft bleiben müssen. Viel sei inzwischen erreicht worden. Es komme jetzt darauf an, dass wir jetzt angesichts der aufkommenden Hoffnung auf eine weitere positive Entwicklung bei den Neuinfektionen nicht leichtsinnig werden. Sie appelliert an die Bürger, Ostern zu Hause zu bleiben. Es sei nötig, die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten. Nur so sei der Schutz für besonders gefährdete Menschen vor einer tödlichen Gefahr aufrecht zu erhalten.

Herr Spahn (CDU, Bundesgesundheitsminister) stellte Erleichterungen in Aussicht, sofern der positive Trend sich weiter so fortsetzt wie bisher (die Verdoppelung der Neuinfektionen liegt derzeit bei einem zeitlichen Abstand von 15,5 Tagen). Ostern werde eine Weggabelung sein, an der sich das entscheide. Aber Herr Spahn stellte aber auch klar, dass wir nach Ostern noch über viele Wochen und Monate hinweg auf vieles verzichten müssen, bevor die Rückkehr zu einem normalen Leben möglich sein wird ...


Prioritäten: Wirtschaft vs. Menschenleben?

Andere wollen das nicht wahrhaben. Wenn es nach der AfD ginge, dann würde das Land direkt nach Ostern wieder hochgefahren werden. Herr Gauland (AFD) sagte in den "Heute" Nachrichten des ZDF vom 09.04.2020, in der AfD sei man der Meinung (Zitat), ".. dass inzwischen die finanziellen, wirtschaftlichen, psychischen Kolateralschäden größer sind, als die Gesundheitsschäden."
Im Klartext heißt das:
Kolateralschäden unter den Bürgern - in letzter Konsequenz eine höhere Zahl der Corona-Todesfälle infolge einer Überlastung des Gesundheitssystems - würden zugunsten finanzieller, wirtschaftlicher Interessen billigend in Kauf genommen werden. Unter diesem Gesichtspunkt sagt die Verwendung des militärisch belasteten Begriffs "Kolateralschaden" seitens Herrn Gauland so einiges über den Wert von Menschenleben in der Gedankenwelt der AfD aus.

Die FDP fordert ebenfalls, dass die Wirtschaft und das öffentliche Leben schnellstmöglich wiederhergestellt werden. Insbesondere Herr Lindner drängt sich dabei immer wieder mit den immer gleichlautenden - vorsichtig ausgedrückt - "populistisch angehauchten" Statements in den Vordergrund. Trotz alledem wirkt das zwar erst einmal weitaus weniger radikal, als die Forderungen und die Wortwahl der AfD. In der Konsequenz liefen die Forderungen der FDP aber unter Umständen auf das gleiche Ergebnis hinaus.


Auch in meiner Familie und unter meinen Freunden und Bekannten gibt es Menschen, deren wirtschaftliche Grundlagen infolge des Corona-Pandemie bedingten Shutdowns der Wirtschaft bedroht sind. Daher kann ich die finanziellen Sorgen und Nöte vieler meiner Mitbürger gut nachvollziehen - auch wenn ich das Glück habe, dass ich zu denjenigen unter uns gehöre, deren Arbeitsplatz noch nicht gefährdet ist. Wenn ich aber die Wahl hätte, mich entweder für meine wirtschaftliche Sicherheit oder für das Leben und die Gesundheit meiner Mitmenschen zu entscheiden, stünden für mich immer das Leben und die Gesundheit an erster Stelle.

Wirtschaftliche und materielle Verluste kann man ersetzen - der Tod hingegen lässt sich nicht wieder rückgängig machen:
  • Der Verlust eines geliebten Menschen ist endgültig. Die Wortwahl Herrn Gaulands und die politischen Absichten der AfD im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie empfinde ich daher als unerträglich.


(Quellen: ZDF Politbarometer vom 09.04.2020, ZDF Heute vom 09.04.2020, Die Zeit vom 09.04.2020, Wikipedia - Kolateralschaden )

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