Samstag, 5. Juni 2010

"Nachtflug"


Blick am Abend vom Turm der Pauluskirche ...


... entlang der Hafenstraße in Richtung Mitte

Von der Lesung aus dem kleinen Prinzen habe ich leider - ebenso wie von der musikalischen Begleitung - nur bruchstückhaft etwas mitbekommen. Es gab sehr viele Besucher der Veranstaltung zur der Langen Nacht der Kultur in der Pauluskirche, die eigentlich nur die Aussicht vom Turm genießen wollten. Daher waren wir drei ehrenamtlichen Turmführer eigentlich ständig mit kleineren Gruppen auf dem Weg nach oben und wieder zurück unterwegs. Aufgrund der auch für uns ungewöhnlichen Tageszeit und einer phantastischen Fernsicht wurden wir dafür jedoch reichlich belohnt.



Blick vom Turm der Pauluskirche ...


... in Richtung Kaiserhafen ...


... und Containerterminal ...


... bei Sonnenuntergang

Ich hatte während einer der Führungen das Glück, gerade zu der Zeit auf der Besuchergallerie zu sein, als die Sonne unterging. Es herrschte eine unbeschreibliche Stimmung, dort oben über den Dächern Bremerhavens vor dem Panorama des flammenden Himmelsschauspiels.



"Nachtflug": Autotransporter im Kaiserhafen, ...


... die Lessingschule, ...


... ein Blick entlang der Hafenstraße in Richtung Mitte ...


... und zum Containerterminal.

Wirkliche "virtuelle Nachtflüge"waren allerdings nur die Aufstiege mit den beiden letzten Gruppen, die nach den vorangegengenen Lesungen aus dem Kleinen Prinzen, zur Einstimmung auf dem Weg nach oben auf einer der Turmebenen mit einer Lesung bei Kerzenlicht aus den Erinnerungen "Wind, Sand und Sterne" von Antoine de Saint-Exupéry unterbrochen wurden. Die Fotos über der nächltlichen, erleuchteten Stadt, die ich leider nur ohne Stativ aufnehmen konnte, vermitteln einen ungefähren Eindruck davon.

Freitag, 4. Juni 2010

Nachtflug - Und alle Sterne lachen leise


Die Pauluskirche in der Morgendämmerung

Morgen, am Samstag dem 5. Juni 2010 steigt in Bremerhaven wieder die "Lange Nacht der Kultur" des Kulturamts Bremerhaven. An dieser Kulturveranstaltung, die in diesem Jahr an 35 über das gesamte Stadtgebiet verteilten Veranstaltungsorten stattfindet, beteiligt sich auch die Pauluskirche in der Hafenstraße 124. Unter dem Motto


"Und alle Sterne lachen leise"

lesen Susanne Schwan, Gertrud Schwan und Dirk Böttger anlässlich des 110. Geburtstags von Antoine de Saint-Exupéry aus seinem Welterfolg "Der kleine Prinz" vor. Der Philosoph, Poet und Pionier der Luftfahrt Graf Antoine de Saint-Exupéry starb am 31. Juli 1944 bei einem Flugzeugabsturz. Sein poetisches Zwiegespräch mit dem „Kleinen Prinzen“, das er im letzten Jahr vor seinem Tode schrieb, machte ihn unsterblich. "Le petit prince", der weise Junge vom anderen Stern, und seine Philosophie "Man sieht nur mit dem Herzen gut" gehören zur Weltliteratur.

Musikalisch illustriert wird die Lesung von Bernd Schlott (Saxophon, Klarinette, ...) und Ute Janßen-Vogt (Orgel). Die beiden Musiker arrangieren Pop– und Jazzmusik für Orgel und Saxofon. Frau Janßen-Vogt schreibt in einer Pressemappe, sie sei immer wieder erstaunt, wie viele Stücke es gibt, die sich gut für die beiden Instrumente übertragen lassen.


Nachtflug

Zwar nicht vom Flugzeug aus, aber immerhin von der Besuchergallerie des Kirchturms aus 35 Metern Höhe, gehört auch der Blick über die nächtliche Stadt zum Programm der Kulturveranstaltung der Pauluskirche. Als einer von drei ehrenamtlichen Turmführern werde ich am Samstag Abend auf dem einen oder anderen "Nachtflug" sozusagen die Rolle des Piloten übernehmen. Auf dem Weg nach oben liest Susanne Schwan auf der zweiten Turmebene aus den Erinnerungen "Wind, Sand und Sterne" von Antoine de Saint-Exupéry.

Die Pauluskirche ist ab 18:30 Uhr geöffnet. Wer sich den Ausblick vom Turm nicht entgehen lassen möchte, ansonsten aber lieber eine der vielen anderen Kulturveranstaltungen dieser "Langen Nacht" besuchen möchte, den begleiten wir gerne auch zu diesem Zeitpunkt schon auf den Turm.


Kultur im Dock

Im letzten Jahr hatte ich während der "Langen Nacht der Kultur " das Glück, einen der knapp bemessenen Flätze auf der Weserfähre zu ergattern. Unter dem Motto "Kunst am Kran, Drums im Dock - Hommage an die verborgene Schönheit einer Werft" verwandelten die Künstler der Gruppe "Big Drums" und die Artistinen "Tanja & Frida" das Rickmers-Lloyd Dock im Kaiserhafen in eine beeindruckende Bühne. Dafür wurden sie vom Publikum auf der als Zuschauertribühne zweckentfremdeten Fähre ausgiebig mit Applaus bedacht. Falls jemand von euch beabsichtigen sollte, sich das diesjährige Programm bei Rickmers-Lloyd anzusehen, kann ich nur empfehlen, lange vor Abfahrt der Weserfähre an der Anlegestelle zu sein. Auch wenn die Fähre sehr viel Platz auf dem Fahrzeugdeck bietet, darf sie nur eine begrenzte Anzahl von Personen befördern. Bei der ersten Abfahrt musste ich im letzten Jahr zusammen mit einer großen Anzahl weiterer Menschen zurückbleiben. Das lange Anstehen für die zweite Abfahrt durch den nächtlichen Hafen zum Rickmers-Lloyd Dock habe ich jedoch nicht bereut.


Der Eintritt zu allen Veranstaltungen der Langen Nacht der Kultur ist frei.

Da ich hier unmöglich auch noch über die anderen 33 Veranstaltungen schreiben kann, informiert euch bitte auf der Internetseite der "Langen Nacht der Kultur" über das weitere Programm.


(Quellen: Lange Nacht der Kultur, Wikipedia)

Denen ist wohl nicht mehr zu helfen

FriedenstaubeDa enterte die israelische Marine in internationalen Gewässern die Schiffe eines internationalen Konvois der Hilfsorganisation "Free Gaza" mit Hilfsgütern für die Menschen im von Israel blockierten Gaza Streifen und geht dabei mit brutaler Gewalt gegen die Besatzungen und die Aktivisten der Hilfsorganisation vor. Bei der Erstürmung des größten der sechs Schiffe kamen neun Menschen ums Leben - zahlreiche weitere wurden verletzt. Die Weltgemeinschaft protestierte zu Recht dagegen, und Israel wurde für den Angriff seiner Armee auf die unbewaffneten Menschen an Bord der Schiffe vom UN-Sicherheitsrat verurteilt.

Der größte Teil der von den israelischen Soldaten auf den Schiffen festgenommenen "Free Gaza" Aktivisten sowie die meisten der erschossenen Aktivisten waren nach Angaben der ARD-Tagesschau türkische Staatsbürger. Entsprechend hart fiel die Reaktion der Türkei auf den Angriff Israels aus. Herr Erdogan (Türkei, Ministerpräsident) warf der israelischen Regierung "Staatsterrorismus" vor. Die Tagesschau zitiert aus seiner Rede vom 01.06.2010: "Der heutige Tag ist ein Meilenstein. Es ist offensichtlich, dass ab heute nichts mehr wie früher sein wird. Ein aggressiver Staat, der vor den Augen der Öffentlichkeit auf offener See Morde begeht, kann der internationalen Öffentlichkeit nicht mehr ohne Scham ins Gesicht sehen, bevor er nicht Reue zeigt und sich entschuldigt."
  • Und was macht die israelische Regierung?

    Anstatt sich für das offensichtliche "Fehlverhalten" ihrer Soldaten zu entschuldigen, versucht sie die Opfer als Aggressoren und die Angreifer als Opfer darzustellen. Die Aktivisten von "Free Gaza" seien keine Friedens- oder Menschenrechtsaktivisten, sondern Extremisten. Die israelischen Soldaten hätten in Notwehr gehandelt, nachdem sie angegriffen worden seien.
Da es nicht die Menschen auf den Schiffen des Hilfskonvois waren, welche die israelischen Marineschiffe überfallen haben, sondern die israelischen Marinesoldaten, welche gewaltsam das Kommando über die Schiffe des Hilfskonvois übernommen haben, müssen die Verantwortlichen in Israel da wohl etwas falsch verstanden haben. Während Israel mit eigenen Filmaufnahmen die Welt von der Gewalt bewaffneter Aktivisten gegen seine Marinesoldaten zu überzeugen versucht, hält es jegliches beschlagnahmte Videomaterial der "Free Gaza" Aktivisten unter Verschluss. Forderungen nach einer internationalen Untersuchung des Angriffs auf die Schiffe wies die israelische Regierung zurück. Freigelassene Augenzeugen berichteten inzwischen, die angegriffenen Aktivisten hätten sich gegen das brutale Vorgehen der israelischen Soldaten mit Gegenständen zur Wehr gesetzt, die sich zufällig gerade in ihrer Reichweite befanden. Waffen seien nicht unter diesen Gegenständen gewesen. Im folgenden Video schildert ein deutscher Augenzeuge den israelischen Angriff aus seiner Sicht:


Tagesschau: Norman Paech, Bericht eines Augenzeugen

Ein Schnappschuss bekannter Namen aus der langen Liste der von Israel als Extremisten bezeichneten Aktivisten liest sich folgendermaßen:
  • Annette Groth (Deutschland, Die Linken, Bundestagsabgeordnete)
  • Inge Höger (Deutschland, Die Linken, Bundestagsabgeordnete)
  • Henning Mankell (Schweden, Schriftsteller)
  • Norman Paech (Deutschland, Die Linken, ehem. Parlamentsabgeordneter)
  • ...
632 festgenommene Personen des Konvois, darunter auch 6 Deutsche, wurden erst aufgrund des anhaltenden weltweiten Drucks freigelassen.

Alle internationalen Bemühungen mit dem Ziel, im Nahen Osten Frieden zu schaffen, wurden von den Terroristen, der Hamas und den Hardlinern unter den israelischen Politikern immer wieder zunichte gemacht. Auch wenn Israel nicht der Alleinschuldige an diesem Dauerkonflikt ist, so trägt es doch mit seiner gegen frühere Vereinbarungen gerichteten Siedlungspolitik in den besetzten palästinensischen Gebieten, und dadurch, dass es sich immer wieder dazu hinreißen lässt, nach Provokationen der Terroristen "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen", einen großen Anteil der Schuld an den seit vielen Jahren immer wieder ausbrechenden kriegerischen Auseinandersetzungen.

Der tödliche Anschlag auf Jitzchak Rabin im November 1995 bedeutete das Ende aller bis dahin mühsam erreichten Friedensbemühungen zwischen Jassir Arafat als Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde und dem Staat Israel. Hätte Israel damals besonnen reagiert, und die Verhandlungen mit der palästinensischen Autonomiebehörde unbeachtet aller terroristischen Störversuche fortgesetzt, dann sähe es im Nahen Osten heute wohl anders aus. Ohne die Hardliner in den israelischen Regierungen der letzten Jahrzehnte, die sich immer wieder über die Bedingungen unzähliger Friedensabkommen hinwegsetzten, hätte es die radikal islamistische Hamas nie gegeben, und sie wäre nie so stark geworden wie sie es jetzt ist.


Politik Israels hinterfragen

Ich fürchte, denen ist wohl nicht mehr zu helfen. Nach meiner Einschätzung ist es so langsam an der Zeit, die stets freigiebige Unterstützung für die Regierung Israels durch die Regierungen der Staaten Europas und Amerikas davon abhängig zu machen, ob Israel seinen Verpflichtungen aus den bisherigen Friedensverhandlungen nachzukommt, und davon, ob es konstruktiv an der Gründung eines Staates Palästina mitarbeitet.

Der Dauerbrandherd im Nahen Osten ist das beste Beispiel dafür, dass sich Terrorismus nicht mit militärischen Mitteln einer hochgerüsteten Armee bekämpfen lässt. Das geht nur, indem man die Ursachen beseitigt, mit denen die Terroristen ihre Angriffe begründen. Die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts und der Terrorismus von heute haben ihre Ursachen im "Mandat des Völkerbundes für Palästina", das der Völkerbund nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches nach dem Ersten Weltkrieg in der Konferenz von Sanremo im Jahre 1920 an Großbritannien übertrug. Das Mandatsgebiet bestand aus den Gebieten des heutigen Israel und Jordanien, dem Gazastreifen, dem Westjordanland sowie aus Teilen der Golanhöhen.

Es ist natürlich müßig, heute noch über das Existenzrecht Israels nachzudenken. Jeder der ernsthaft mit dem Gedanken spielt, Israel von der Landkarte zu entfernen und die Bürger Israels zu vertreiben oder umzubringen, falls sie sich dagegen zur Wehr setzen würden, würde nur neues Unrecht schaffen und die Wurzel für neues Leid und neuen Terrorismus legen. Entsprechende Äußerungen des Herrn Ahmadinedschad (Iran, Präsident) oder von Anhängern der Hamas werden deshalb von der internationalen Gemeinschaft zu Recht als unverhohlene Kriegsdrohungen gewertet.

Unstrittig ist es aber wohl auch, dass mit der massenhaften Einwanderung von Menschen jüdischen Glaubens in das heutige Israel die Vertreibung der vorher dort ansässigen Menschen verbunden war. Einen großen Teil an diesem Unrecht trägt auch Deutschland aufgrund der systematischen Verfolgung und Ermordung der Juden in Deutschland und Europa während der Zeit der Herrschaft des Nazi-Regimes und der dadurch verursachten erneuten Einwanderungswelle nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Mit der Gründung eines Staates Palästina ließe sich ein kleiner Teil des geschehenen Unrechts wieder gut machen. Deutschland täte heute gut daran, die Rechte der Bürger in den von Israel besetzten Gebieten ebenso anzuerkennen und einzufordern, wie diejenigen der Bürger Israels.


Jedes Unrecht beim Namen nennen

Israels Politik, auf jeden terroristischen Bombenanschlag mit der kollektiven Bestrafung aller Bewohner der palästinensischen Autonomiegebiete zu reagieren, hat die Gründung eines solchen Staates bisher immer erfolgreich verhindert. Auch die seit 2007 anhaltende Isolation des Gaza Streifens durch Israel ist Unrecht.

Diesen Standpunkt vertritt auch Herr Ban Ki Moon (UNO, Generalsekretär). Er hat Israel auf gefordert, die seit Jahren anhaltende Blockade unverzüglich aufzuheben. Damit strafe Israel unschuldige Bürger. Er habe Israels Regierung seit Monaten auf höchster Ebene zum Einlenken gedrängt. Wäre sie seinem Ruf gefolgt, hätte der blutige Zwischenfall im Mittelmeer nie stattgefunden. Die Tragödie unterstreiche nur die Schwere des ihm zugrunde liegenden Problems.

Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft dieses ständig wiederholte Unrecht endlich ebenso beim Namen nennt, wie die Drohungen der Hamas oder die des Herrn Ahmadinedschad, und Israel dazu drängt, endlich damit aufzuhören, ständig "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen".


(Quellen: ARD-Tagesschau Bericht 1 und Bericht 2 vom 31.05.2010, ARD-Tagesschau vom 01.06.2010, 02.06.2010, 03.06.2010 und vom 04.06.2010, Wikipedia)

Donnerstag, 3. Juni 2010

Wilfried for President


Wilfried Schmickler: "Neues von Horst Köhler"

Mir ist doch noch ein Präsidentschaftskandidat eingefallen.
Das heißt, eigentlich hat Frank mich darauf gebracht:
  • Wie wär's mit Wilfried Schmickler?
    Der hat nämlich auch immer wieder was zu sagen, und wie er am 31.05.2010 kurz vor dem Rücktritt von Herrn Köhler im WDR2 erläuterte, auch Ahnung davon, welche Qualitäten ein Bundespräsident heutzutage mitbringen sollte. Mit Sicherheit wäre er problemlos in der Lage, die von Herrn Köhler begonnene Tradition des unbequemen Bundespräsidenten nahtlos fortzusetzen und seinen Vorgänger auf diesem Gebiet auch noch zu toppen. Als überparteilicher Quereinsteiger wäre er, wie vor ihm schon Herr Köhler, dabei auch frei von irgendwelchen hinderlichen, parteipolitischen Befindlichkeiten.

Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass sich der jährliche Pflicht-Programmpunkt "Neujahrsansprache des Bundespräsidenten" im öffentlich rechtlichen Fernsehen - an den sich in der Regel nach durchzechter Sylvesternacht schon am Neujahrstag niemand mehr erinnern kann - bei Einschaltquoten in nie dagewesener, astronomischer Höhe zum Straßenfeger der Nation mausern könnte.

Falls aber doch Zensursula Bundespräsidentin werden sollte, dann steht am Jahresende mit Sicherheit automatisch ein Stopp-Schild vor der nächsten Folge der nationalen Traditionssendung und die Chance auf die Wahl eines volksnahen Bundespräsidenten wäre sinnlos vertan worden.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Wäre er doch nur geblieben!

Wer nach den Ereignissen seit dem 21. Mai 2010 meinte, jetzt könne es wohl nicht mehr sehr viel schlimmer kommen, der muss jetzt leider feststellen, dass er sich wohl schwer geirrt hat. Wenn sich kein herausragender Favorit für die Nachfolge Herrn Köhlers im Amt des Bundespräsidenten finden lässt, dann muss eben die zweite Riege ran. Ist auch dort nichts zu finden, dann bleibt nur das gute alte Hausmittelchen, diejenigen Parteifreunde "wegzuloben", die man noch am ehesten entbehren kann.

Anders kann ich es mir kaum vorstellen, dass Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) ihre Arbeitsministerin und Parteikollegin Frau von der Leyen zu ihrer Wunschkandidatin für das Amt des Bundespräsidenten - sorry: Der Bundespräsidentin - auserkoren hat. Auf Platz zwei der Wunschliste der CDU steht angeblich Herr Schäuble (CDU, Bundesfinanzminister), der wohl auch auf viele Stimmen aus der FDP hoffen könnte. Schließlich wäre das für die gelben Terminatoren des Bundeshaushalts die Gelegenheit, die pingelige, lästige Sparbremse in Sachen Steuersenkungen loszuwerden. Folgerichtig hat die FDP denn wohl auch darauf verzichtet, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Das wäre doch zu dumm, wenn ausgerechnet der dann der nächste Bundespräsident würde, und die FDP sich weiter mit Herrn Schäuble herumschlagen müsste.

Herr Böhrnsen (SPD, Bremen, Bürgermeister, seit vorgestern plötzlich Bundespräsident) plädiert für einen überparteilichen Kandidaten: Das Amt des Bundespräsidenten dürfe nicht das Ergebnis parteipolitischer Festlegungen sein, meint er. Da hat Herr Böhrnsen meine uneingeschränkte Zustimmung, und weil das die vernünftigste Äußerung war, die ich bisher zu diesem Thema gelesen habe, würde ich ihn dafür glatt zum Bundespräsidenten wählen. Das geht aber ja leider nicht. Erstens darf ich den Bundespräsidenten nicht wählen (warum eigentlich nicht? Die Amerikaner dürfen das doch auch), und zweitens wäre Herr Böhrnsen als SPD-Mitglied und Bürgermeister von Bremen ja alles andere als überparteilich.

Herr Huber (CSU) sieht einen "gewissen Anspruch der CSU" auf einen Bundespräsidenten aus den Reihen seiner Partei. Nach 60 Jahren sei es auch einmal Zeit für einen CSU Kandidaten. Er nennt allerdings keine Namen. So einfach ist das wohl auch nicht, dass ihm da so spontan einer einfällt ...

Dafür ist auf einer Liste der ARD-Tagesschau mit Namen derjenigen Personen, die in der Diskussion über die Nachfolge Herrn Köhlers genannt worden sind, unter anderem auch Herr Stoiber (CSU, Bayern, ehemals Ministerpräsident) zu finden.

Also - äh - ich würde - äh - sagen, und darauf weise ich - ähm - insbesondere hin, möchte ich hinweisen darauf, dass das - Ähhh - überhaupt das - ähm - unvorstellbarste wäre, was ich diesem - äh - unserem Lande wünschen würde.

Nee, also wirklich: Der geht ja wohl überhaupt gar nicht!

Bleibt die Frage: Wer DANN ??


Da mir dazu so spontan auch nichts einfällt, würde ich euch zur Beantwortung dieser Frage gerne an Dr. No überweisen. Der hat zwar auch keine befriedigende Antwort auf die zur Zeit drängendste Frage Deutschlands, aber er hat die Frage immerhin zum Gegenstand seiner monatlichen Umfrage gemacht. Nach einer kurzen Einführung in die Problematik schreibt Dr. No abschließend: "... Da habe ich bessere Vorschläge. Bitte klicken Sie jetzt - das vermutlich einzige Mal in Ihrem Leben, dass Sie als niederer, erbärmlicher Urnenpöbelwurm auch mal über einen Bundespräsidenten abstimmen dürfen." Na, wäre das nichts? Hier geht's zur Umfrage eures Lebens in's Universum von Dr. No.


(Quelle: Tagesschau vom 02.06.2010)

Der Super-GAU der Ölindustrie

Alle "genialen Ideen" zur Versiegelung des Bohrlochs haben sich bisher als Misserfolge und vorschnelle Erfolgsmeldungen entpuppt. BP erklärte jetzt die "Operation Top Kill", auf der zuletzt alle Hoffnungen ruhten, ebenfalls für gescheitert. Der Untergang der Bohrinsel "Deep Water Horizon" ist bereits jetzt zum Super-GAU der Ölindustrie geworden.

Der nächste Versuch, einen "Deckel" über dem Bohrloch anzubringen, soll in den nächsten Tagen unternommen werden, nachdem der Stumpf der Steigleitung abgetrennt worden ist. Dann werden ca. 20 Prozent mehr Öl aus dem Bohrloch strömen, als bisher. In der Tagesschau ist heute von 1,9 bis 3,6 Millionen Liter täglich die Rede, bzw. zwischen 1600 und 3400 Tonnen, wie der Spiegel am 30.05.2010 berichtete. Aus der mit 163000 Tonnen Rohöl beladen "Exxon Valdez" flossen 1989 "nur" 40000 Tonnen in das Meer vor der Küste Alaskas - bis vor kurzen die katastrophalste Ölpest in den USA. 12 bis 25 Tage wird es dauern, bis die gleiche Menge wie damals zusätzlich zum bereits aus dem Bohrloch ausgetretenen Öl ins Meer gelangt sein wird. Die US-Regierung schätzt, dass seit der Explosion auf der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" am 20. April bereits jetzt zwischen 68 Millionen und 151 Million Liter Öl ins Meer geflossen sind.

Wenn der Versuch mit dem "Deckel" ebenfalls zu keinem Erfolg führen sollte, dann versiegt der Ölstrom aus dem unkontrollierbaren Bohrlach er dann, wenn sich der Druck in der Öllagerstätte weit genug abgebaut hat. Zur Beschleunigung des Druckabbaus sollen Entlastungsbohrungen in die Öllagerstätte eingebracht werden. Die Bohrungen werden aber frühestens in 60 Tagen beginnen können. Aber selbst dann wird der Ölstrom nicht sofort versiegen. Bis der Druck soweit abgenommen hat, dass die Ünglücksquelle versiegt, wird weitere Zeit verstreichen.

Ob das Krisenmanagement des verantwortlichen Ölkonzerns BP dilletantisch ist, vermag ich nicht wirklich zu beurteilen. Möglicherweise zeigt die unendliche Serie der Misserfolge nur, dass solche Unglücksfälle bei Tiefseebohrungen technisch schlicht und einfach nicht beherrschbar sind. Die Informationspolitik des Konzerns lässt jedoch sehr zu wünschen übrig. Selbst als es schon längst nichts mehr zu verstecken gab, versuchte BP die Folgen der Havarie seiner Bohrinsel herunterzuspielen. Das zeigt einmal mehr, dass menschliches Fehlverhalten immer eine unvermeidliche Begleiterscheinung technischer Gigantomanie ist. Solange, wie alles läuft, werden immer kühnere Pläne in die Tat umgesetzt - bis dann zwangsläufig "doch etwas passiert". Dann wird in der Hoffnung, die Situation schon irgendwie schnell genug in den Griff zu bekommen, solange versucht, die Sache herunterzuspielen, bis sich nichts mehr vertuschen lässt.

Auf "Spiegel online" ist heute zu lesen, die "New York Times" habe berichtet, BP habe schon Monate vor der Explosion der "Deepwater Horizon" Sorge um die Sicherheit der Bohrinsel gehabt. Unter Berufung auf interne Dokumente des Unternehmens habe die "New York Times" geschrieben, BP-Ingenieure hätten bereits am 22. Juni 2009 ihre Bedenken darüber geäußert, dass eine Metallverschalung, die am Bohrloch installiert werden sollte, unter großem Druck kollabieren könnte. Entgegen den eigenen Sicherheitsbestimmungen habe BP jedoch an der Verwendung festgehalten.

In den Orten an der Küste von Louisiana fürchten die Menschen inzwischen um ihre wirtschaftliche Existenz. Der Spiegel zitiert einen Manager einer Marina in Venice mit den Worten: "Jetzt wird jedem klar, dass dieser Sommer verloren ist. Unsere ganze Lebensgrundlage ist womöglich verloren.". Ein Mitarbeiter der Gemeinde Plaquemines habe die Verzweiflung der Küstenbewohner noch drastischer ausgedrückt: "Sie zerstören den Süden von Louisiana. Wir sterben hier einen langsamen Tod." Das ist natürlich bildlich gesprochen. Den wirklichen, qualvollen Tod sterben die Tiere und Pflanzen im Meer, sowie unzählige Vögel, die auf eine intakte Natur in den Küstengewässern angewiesen sind.

Und noch etwas zeigt diese menschengemachte Umweltkatastrophe: Weitere Genehmigungen für Ölbohrungen im Meer sind in höchster Weise unverantwortlich. Niemand kann garantieren, das die Welt von einem weiteren Desaster diesen Ausmaßes verschont bleiben wird. Und das Öl, das in der Erde bleibt, wird nicht verbrannt. Das CO2 das dabei entstanden wäre kann nicht zur Klimakatastrophe beitragen.
  • Herr Nelson (USA, Florida, Senator) hat vor gut zwei Wochen ein neues Gesetz vorgestellt, dass den Ausbau der Bohrungen vor der Küste einschränkt. Das internationale demokratische Netzwerk AVAAZ hat daraufhin eine Petition verfasst, um Herrn Nelson dabei mit einem weltweiten Proteststurm zu unterstützen.

    Die Petition, die Herrn Obama (USA, Präsident) und die Abgeordneten im Kongress der USA auffordert, auf Ölbohrungen zu verzichten und stattdessen die USA und die Welt in eine saubere Zukunft zu führen, kann auf der Internetseite von AVAAZ online unterzeichnet werden.

    Sobald 500000 Unterschriften zusammengekommen sind, wird AVAAZ die Petition an das Weisse Haus in Washington übergeben - bis dahin fehlen noch ca. 20000 Unterzeichner.

(Quellen: Tagesschau vom 02.06.2010, Spiegel online vom 30.05.2010 und vom 02.06.2010)

Dienstag, 1. Juni 2010

Plötzlich Bundespräsident

FriedenstaubeDass Herr Böhrnsen (SPD, Bremen, Bürgermeister) einmal der höchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland sein würde, dass hätte er gestern Morgen, als er wie an jedem Tag ins Rathaus ging, sicher noch nicht für möglich gehalten. Zu verdanken hat er das dem sofortigen Rücktritt Herrn Köhlers (ehemaliger Bundespräsident), den dieser gestern am frühen Nachmittag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz verkündet hatte, sowie dem Zufall, dass er zur Zeit das Amt des Bundesratspräsidenten innehat.

Der Bundesratspräsident ist gleichzeitig der Stellvertreter des Bundespräsidenten. Im Falle eines Ausfalls der Bundespräsidenten übernimmt der Bundesratspräsident kommissarisch dessen Aufgaben. Herr Köhler hatte Herrn Böhrnsen gestern vormittag telefonisch über seinen bevorstehenden Rücktritt informiert. Entsprechend der Verfassung muss jetzt innerhalb einer Frist von 30 Tagen ein neuer Bundespräsident gewählt werden.

Herr Köhler reagierte mit seinem Rücktritt auf die Kritik an seiner Einschätzung, Deutschland sei insgesamt in der Breite der Gesellschaft auf dem Wege zu verstehen, dass ein Land von der Größe der Bundesrepublik mit ihrer Außenhandelsabhängigkeit wissen müsse, dass manchmal auch militärische Mittel notwendig seien, um seine wirtschaftlichen Interessen zu wahren, und seine Handelswege zu sichern. Das hatte er am 21. Mai 2010 nach einem Besuch bei den deutschen Truppen in Afghanistan auf dem Rückflug nach Berlin in einem Interview gegenüber einem Deutschlandradio-Reporter geäußert.

Aus den Reihen der Politiker und in den Kommentaren der Fernsehnachrichten hörte man gestern starke Worte: Der Rücktritt von Herrn Köhler in diesen Zeiten wirtschaftlicher Krisen sei Verrat am Deutschen Volk. Diejenigen, die Herrn Köhler jetzt Verrat vorwerfen, machen es sich aus meiner Sicht etwas zu leicht.

Herr Köhler galt immer als volksnaher Bundespräsident. Er scheute auch nicht davor zurück, die Politiker der Bundesregierung hin und wieder an die Stimmung in der Bevölkerung zu erinnern. Dafür ist er von hochrangigen Politikern des öfteren angegriffen worden. Das alles hat er ausgehalten und hat sich den Diskussionen gestellt. Statt sich beleidigt in den Schmollwinkel zurückzuziehen, hat er für eine weitere Amtszeit als Bundespräsident kandidiert und ist für seine - gelegentlich auch unbequeme - Art und Weise, mit der er in der Öffentlichkeit auftrat, wiedergewählt worden.

Ich denke, er hätte auch gute Chancen auf eine Wiederwahl für eine weitere Amtsperiode gehabt, wenn die Bevölkerung darüber abgestimmt hätte. Jetzt hat er wohl erkennen müssen, dass sein Standpunkt in einer der zur Zeit drängendsten gesellschaftlichen Fragen nicht mit dem der Mehrheit der deutschen Bevölkerung vereinbar ist. Begründet hat er seinen Rücktritt in der Pressekonferenz allerdings mit dem - seiner Ansicht nach - mangelnden Respekt gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten. Wenn es zur Rechtmäßigkeit der Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan oder anderer Auslandseinsätze der Bundeswehr gegensätzliche Standpunkte gibt, dann kann aus meiner Sicht jedoch nicht von mangelndem Respekt gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten die Rede sein, wenn dieser für seine Meinungsäußerungen kritisiert wird.

Der monatlichen repräsentativen Meinungsumfrage des ARD-Deutschlandtrends zufolge, nach der auch im Mai 2010 weiterhin 70 Prozent der Befragten die schnellstmögliche Rückkehr der deutschen Soldaten aus Afghanistan fordern, war sein Schritt eigentlich nur konsequent. Auch wenn ich die Meinung Herrn Köhlers kritisiere, Deutschland müsse seine Wirtschafts- und Handelsinteressen auch mit militärischen Mitteln wahren, so hat er doch meine Hochachtung für seine konsequente Reaktion auf die massive Kritik aus Politik und Gesellschaft an seinem Standpunkt. Er hätte seinen Standpunkt aufgrund der Argumente seiner Kritiker überdenken und revidieren können. Offensichtlich ist er bei seinen Überlegungen zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kritik daran unberechtigt ist, und hat deshalb die persönlichen Konsequenzen gezogen.

Eigentlich müssten auch alle diejenigen Politiker dem Schritt Herrn Köhlers folgen, die ihn jetzt beschimpfen, nachdem sie ihn wegen seiner Meinungsäußerung vorher scharf kritisiert hatten und die statt dessen weiterhin gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung an der Beteiligung Deutschlands am Krieg in Afghanistan festhalten und sich dabei hinter der Behauptung verstecken, neben der Entwicklungshilfe für das afghanische Volk würden unsere "Wiederaufbauhelfer in Uniform", die inzwischen unaffällig zu ganz normalen Soldaten mutiert sind, und die in "kriegsähnlichen Situationen" neben afghanischen Widerstandskämpfern auch schon mal eine größere Anzahl Zivilisten umbringen, in Afghanistan unsere Freiheit verteidigen.


(Quellen: ARD-Tagesschau vom 01.06.2010, Spiegel Online von 27.05.2010)