Mittwoch, 10. Dezember 2014

Ein Brief kann Leben retten

Die damals siebenundzwanzigjährige Mariam Yahia Ibrahim Ishag (abweichende Schreibweisen: Maryam, Meriam - Yahya, Yahia, Jahia - Ibrahim - Ishaq, Ishag, Ishak) war hochschwanger, als sie Mitte Mai dieses Jahres von einem sudanesischen Gericht zum Tode verurteilt wurde.

Die Anklage lautete: "Abkehr vom islamischen Glauben". Als Mariam sechs Jahre alt war verließ ihr Vater, ein Moslem, ihre christliche Mutter, bei der sie in der Tradition des äthiopisch-orthodoxen Glaubens aufwuchs.

Mariam Yahia Ibrahim Ishag ist mit einem Christen verheiratet. Ende Mai brachte sie im Gefängnis angekettet ihr Baby zur Welt. Mehr als eine Million Amnesty-Mitglieder weltweit setzten sich für die Freilassung der 27-Jährigen ein.

Allein aus Deutschland wurden mehr als 24.000 Appelle verschickt. Am 23. Juni 2014 wurde Mariam Yahya Ibrahim aus der Haft entlassen. Weil ihr die sudanesischen Behörden jedoch verboten, das Land zu verlassen, flüchtete sie mit ihrer Familie in die US-Botschaft in Khartum. Ende Juli 2014 konnte sie schließlich in die USA ausreisen.


Ein Brief kann Leben retten

Heute ist der Tag der Menschenrechte. An den Tagen um diesen Tag herum veranstaltet die internationale Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" (AI) einen Briefmaraton. Mit geringem Aufwand kann man sich mithilfe eines vorgefertigten E-Mail Textes, der sich aber auch individuell ändern lässt, für das Schicksal von fünf Menschen aus China, Nigeria, Saudi-Arabien, Griechenland und den USA einsetzen.

Darunter befindet sich auch Chelsea Manning, die sich als Soldatin der US-Army unter anderem um die Aufklärung der menschenverachtenden Ermordung von Zivilisten und Journalisten im Irak durch eine Hubschrauberbesatzung verdient gemacht hat. Das von Frau Manning an Wikileaks weitergeleitete Video, das mit der Bordkamera des Kampfhubschraubers aufgenommen wurde, ist später unter dem Titel "Collateral Murder" bekannt geworden.

Einer der fünf Gefangenen wurde in Nigeria zum Tode verurteilt. Der bei seiner Festnahme vor zehn Jahren sechzehnjährige Moses Akatugba wurde gefoltert und unterschrieb daraufhin zwei vorformulierte "Geständnisse" ...

Es gibt niemals eine Gewähr dafür, dass der Einsatz für Opfer von Menschenrechtsverletzungen zum Erfolg führt. Ich denke jedoch, dass man zumindest versuchen muss, etwas zu bewirken. Das Schicksal der Mariam Yahia Ibrahim Ishag zeigt: Ein Brief kann leben retten.


Wer sich am Briefmarathon von Amnesty International beteiligen möchte, findet dafür auf der Internetseite von Amnesty International die Gelegenheit ...



Zum Weiterlesen:
  • Glaube, Wissen, Wahrheit ... - Mariam Yehya Ibrahim
    juwi's welt vom 23.05.2014
  • Kriegsverbrechen: Aufklärer in Haft, Täter frei
    juwi's welt vom 27.03.2013
  • Die Erinnerung an das Land der Freien verblasst ...
    juwi's welt vom 31.07.2013


(Quellen: Der Standard vom 01.08.2014, Gesellschaft für bedrohte Völker vom 25.07.2014, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) vom 24.07.2014, Amnesty International vom 23.07.2014 und vom 16.05.2014, Neue Züricher Zeitung vom 26.06.2014, Tagesanzeiger vom 02.06.2014, Frankfurter Rundschau vom 01.06.2014, Deutsche Welle vom 19.05.2014, Change.org, Wikipedia )

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