Montag, 21. Juli 2014

Auf den Standpunkt kommt es an

Alter Gewölbekeller: Musiker Willy Schwarz und Geschichtenerzählerin Julia Klein

Geschichtenerzähler Thomas Hoffmeister-Höfener und Musiker Willy Schwarz

Marco Holmer erzählt in der Kräuterkammer der "Alten priviligierten Apotheke"

Der Mond hatte gehört, dass die Bewohner der Erde ihren Planeten für "das größte Werk Gottes im Universum" halten. Lächerlich dachte er. Die Erde und alle Sterne sind doch kleiner als ich und er rief: "Ich bin der Größte im Universum."

Das hörte ein kleiner See auf der Erde. So ein Blödsinn sagte er: "Ich bin der Größte im Universum, denn schließlich spiegele ich den Mond, der auf meiner Oberfläche nur ein winziger Fleck ist."

Das hörte eine Maus, die gerade am Ufer des Sees ihren Durst löschte und piepste: "Die haben ja alle keine Ahnung. Ich bin die Größte im Universum. In meinem Auge finden alle Platz: Der See mit dem Mond und der Erde im Auge des Mondes."

Kaum, dass sie es gedacht hatte, kam eine Eule vorbeigeflogen und verspeiste die Maus als Abendmalzeit. "Ha!", sagte sie. "Ich bin ja wohl die Allergrößte im Universum, denn in meinem Magen ist Platz für die Maus, den See mit dem Mond und die Erde."

"Aber eigentlich bin ich doch die Größte im Universum.", meinte die Erzählerin Julia Klein, die diese Geschichte zur Einstimmung auf den Abend in der Dionysiuskirche vorgetragen hatte. "In meine Geschichte passen die Eule, die Maus, der See der Mond und die ganze Erde hinein. - Allerdings", gab sie zu bedenken: "Was wäre eine Gesichtenerzählerin ohne ihr Publikum? Somit ist das Publikum der Geschichtenerzäher das Größte im Universum, denn in den Ohren der Zuhörer ist Platz für die Eule, die Maus, den See, den Mond, die Erde und alle Geschichten aller Erzähler dieser Welt."


Wenn jemand eine Geschichte erzählt oder hört, wenn jemand etwas sieht oder erlebt und anderen davon erzählt, dann kommt es eben immer auch auf den Standpunkt der Erzähler und ihrer Zuhörer an, welche Geschichten am Ende dabei heraus kommen, die vielleicht von anderen Menschen weitererzählt werden und so im Laufe der Zeit um zahlreiche Varianten bereichert werden.

Die weiteren Geschichten, die das "wandernde Publikum" an drei verschiedenen Orten zu hören bekam, sowie die kurzweiligen Einlagen, mit denen die "Reiseleiter" von der Impro-Theatergruppe Theater Montage" ihre drei Gruppen unterwegs unterhielten, ließen die drei Stunden wie im Fluge vergehen.

Und, nur mal so nebenbei bemerkt: Wann hat man sonst schon die Gelegenheit, ein uriges, aus Backstein gemauertes Gewölbe in einem alten Haus in der Langen Straße, dem alten Zentrum Lehes, von innen zu sehen? Oder die Kräuterkammer einer mehr als 320 Jahre alten Apotheke? ...


Morgen geht es - sozusagen mit einem Kulturexport - weiter im Programm des "Leher Kultursommers 2014". Im "Passage" Kino in Bremerhaven Mitte wird dann der Film "11 Leher – 11 Fragen" des Dokumentarfilmers Reinhard Büsching (dokument@r) aus dem Jahre 2011 zu sehen sein.

Im Programmheft zum Leher Kultursommer findet sich ein Zitat aus der Presse: "Nicht versäumen sollte man Reinhard Büschings Dokumentarfilm ‚11 Leher – 11 Fragen’. Der Filmemacher entwirft ein ebenso sehenswertes wie anregendes Porträt des Quartiers und seiner Bewohner. Zu Wort kommen sehr unterschiedliche Menschen, die Fragen nach ihrer Herkunft oder ihren Wünschen, nach ihrer Kindheit oder ihren Lieblingsorten in Lehe beantworten. Die Palette reicht dabei von der jungen Mutter bis zum Rentner, von der Hausfrau bis zum Assistenten der Geschäftsleitung. Befragt wurden Alteingesessene und Neubewohner, Menschen mit Migrationshintergrund, mit beruflichem Erfolg und ohne. Ein großes Porträt, das sich aus lauter kleinen Porträts zusammensetzt."

Auch in diesem Film wird deutlich: Auf den Standpunkt kommt es an!


11 Leher – 11 Fragen
Ein Film von Reinhard Büsching nach einer Idee von Erpho Bell
  • Am: 22.07.2014 und am 30.07.2014
  • Um: jeweils 20:15 Uhr

    Im "Passage"-Kino
    (Bürgermeister-Smidt-Str. 20)
    Eintritt: 4,– Euro


Kommentare:

Helge hat gesagt…

Hallo Herr Winkler,
ich bin durch Zufall auf Ihre Seite gestoßen und wohne erst seit kurzer Zeit in Bremerhaven. Können Sie mir bitte sagen, in welchem Gebäude die ersten beiden Bilder (diejenigen mit dem Gewölbe) entstanden sind?
Viele Grüße
Helge Müller

juwi hat gesagt…

@Helge: Moin und willkommen in juwi's welt. Das Gewölbe ist im Keller des Bettenhauses Aissen in der Langen Straße. Ab und zu nutzt der Inhaber seinen Gewölbekeller für kulturelle Veranstaltungen.

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für die Info!

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