Mittwoch, 7. Mai 2014

In Berlin gegen die Energiewende-Wende

Energiewende nicht kentern lassen!" title="Energiewende nicht kentern lassen!

Das Bundeskabinett hat die Reform des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Jetzt geht die Auseinandersetzung um die Energiewende in die entscheidende Runde. Am kommenden Samstag werden deshalb tausende Menschen ihren Protest gegen das Ausbremsen der Energiewende von der Spree durch die Straßen Berlins bis vor die Bundesparteizentrale der CDU tragen.

In diesem Monat beraten Bundestag und Bundesrat, ob der Ausbau der Windkraft  und auch der Photovoltaik der letzte Strohhalm genommen wird:
  • Eigentümer neuer Solaranlagen sollen auf den von ihnen selbst verbrauchten Strom EEG-Umlage zahlen.
  • Die Industrie soll davon weitgehend ausgenommen bleiben - selbst wenn sie ihren Strom mit klimaschädigenden Gas- oder Kohlekraftwerken erzeugt.

Damit würde der Ausbau der Photovoltaik, der maßgeblich zum bisherigen Erfolg der Energiewende beigetragen hat, zum Erliegen kommen. - Letztlich wäre das der Anfang vom Ende der Energiewende in Bürgerhand, ohne die es den bisherigen - auch international beachteten - Erfolg der Energiewende in Deutschland nicht gegeben hätte.



Braunkohletagebau: Zuerst sterben Wälder, Felder, Dörfer und Städte ...

Wer Strom aus Braunkohlekraftwerken bezieht, fördert solche Mondlandschaften:

Betreten der Mondlandschaft verboten - Lebensgefahr!

Zugleich drohen neue Subventionen für Kohlekraftwerke. Für den Betrieb der besonders klimaschädigenden Braunkohlekraftwerke würden sich die Braunkohlebagger durch weitere, bisher intakte Landschaften fressen und dabei Wälder, Felder, Dörfer und Städte in Mondlandschaften verwandeln.


Rote Energiewendehälse ...

... und dann die ganze Welt!
Die verbliebenen Reste einer sogenannten "Energiewende" würden dann vielleicht noch für eine gewisse Zeit von den Lippen der Politiker tröpfeln. Aus deren Köpfen hat sich die Energiewende, ohne die Deutschland seinen Beitrag zum Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel nicht leisten können wird, offenbar ohnehin schon längst verabschiedet.

Wenn ich die energie- und klimapolitischen Ankündigungen im Wahlkampfprogramm der SPD mit ihren jetzt verfolgten Zielen vergleiche, dann kommen mir die verantwortlichen Politiker eher wie Marionetten vor, an deren Fäden diverse Lobbys der der fossilen Industrie, der Energiekonzerne und anderer Verbände ziehen, denen die Zukunft unserer Kinder, Enkel und aller weiteren Generationen völlig egal ist.


... in der Tradition der Wespen-Koalition ...

Die CDU, die CSU und die FDP haben immerhin schon vor der letzten Bundestagswahl keinen Hehl daraus gemacht, dass sie den Klimaschutz auch weiterhin den Interessen diverser Lobbys aus Wirtschaft und Industrie unterordnen würden. Die damalige Rolle der FDP (in persona die Herren Rösler und Brüderle, ehemalige Bundeswirtschaftsminister) als Erfüllungsgehilfe der Konzerne - unter anderem auch dafür wurde sie abgewählt - hat jetzt die SPD (in persona Herr Gabriel, Bundeswirtschaftsminister) übernommen. Zugunsten der Profite der Konzerne und gegen den Willen der deutlichen Mehrheit der Bürger verfolgt somit jetzt auch die schwarz-rote Große Koalation den Weg in die Klimakatastrophe.

Einer repräsentativen Umfrage des ZDF-Politbarometers vom 11.04.2014 zufolge befürworten 57 Prozent der Befragten einen schnelleren Ausbau der regenerativen Energien, 23 Prozent sind dafür, dass der Umbau der Energieversorgung im bisherigen Tempo fortgesetzt wird und nur 14 Prozent erklären sich mit einer langsameren Umsetzung der Energiewende einverstanden. Sechs Prozent der Befragten haben keine Meinung zu diesem Thema.


... gegen die Bürgerenergiewende

Das Interesse der Energiekonzerne gilt einzig der Aufrechterhaltung des Betriebs ihrer Atomkraftwerke und ihrer mit fossilen Energieträgern befeuerten Großkraftwerke. Ihre teuren Offshore-Windparks tragen zwar auch ihren Teil zum Mix der regenerativen Energien bei, dienen aber bei genauerem Hinsehen eigentlich nur ihren Greenwashing-Strategien zur Verbesserung ihres "Konzern-Images".



Im Jahre 2012 wurde in Deutschland 24,2 Prozent des Stroms mit Anlagen auf Grundlage regenerativer Energien erzeugt. Während die privaten Bürger-Kraftwerke vor zwei Jahren bereits 35 Prozent der bundesweit installierten Leistung zur Stromerzeugung auf Grundlage regenerativer Energiequellen beitrugen, brachte es das deutsche Energie-Oligopol (Vattenfall, E.ON, EnBW, RWE) gerade einmal auf fünf Prozent. Dafür sorgten diese Konzerne mit ihren Atomkraftwerken (17,1 Prozent der Stromerzeugung) für das weitere Anwachsen des Atommüllberges und trieben mit ihren fossil befeuerten Großkraftwerken (58,6 Prozent der Stromerzeugung) den Anstieg der globalen Erwärmung voran.

Wenn man annimmt, dass der größte Teil der landwirtschaftlichen Betriebe reine Familienunternehmen sind, dann erreichte der Anteil der Erneuerbaren Energien in Bürgerhand mit 46 Prozent sogar knapp die Hälfte der installierten Leistung. Leider ist nicht nachvollziehbar, welche Energieversorger sich in der Grafik hinter dem Anteil der "anderen EVUs" (7 Prozent) verbergen. Vermutlich fallen jedoch auch die vier Versorger darunter, die ausschließlich Strom vermarkten, der auf Grundlage regenerativer Energiequellen erzeugt wird (EWS, Greenpeace Energy, Lichtblick, Naturstrom).


Atom- und Kohleausstieg selber machen

Wer seine Stromrechnung bei einem dieser echten "Ökostrom"-Anbieter bezahlt, bekommt zwar physikalisch weiterhin den oben genannten bundesweiten Strommix aus Erneuerbaren Energien, fossilen Energieträgern und Atomkraft in die Steckdose geliefert, kann sicher aber sein, dass sein Geld nicht in der Kasse eines Atom- oder Kohlestrom-Konzerns landet. Wenn genügend Menschen sich zu einem Wechsel von ihrem Stromanbieter zu einem echten "Ökostrom"-Anbieter entscheiden könnten, dann würden die Konzerne bald aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen sein, ihre veralteten, schmutzigen Kraftwerke stillzulegen.

Ich habe keine Möglichkeit, eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach des Hauses zu bauen, in dem ich wohne. Mithilfe meines "Ökostrom"-Anbieters trage ich dafür aber beim Begleichen meiner Stromrechnung auch zum Bau neuer dezentraler Kleinanlagen zur Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen bei. Das ist mein Beitrag zur Bürgerenergiewende ...


"Wir wollen ..
  • den Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Umsetzung von Maßnahmen für höhere Energieeffizienz vorantreiben, indem wir 40 bis 45 Prozent Stromanteil durch Erneuerbare Energien und 25 Prozent durch Kraft-Wärme-Kopplung, insbesondere durch den Ausbau der Fernwärme bis zum Jahr 2020, anstreben und bis 2030 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen gewinnen wollen ..
  • .. die Stärkung dezentraler Strukturen mit einem wesentlichen Gestaltungsauftrag für die Kommunen und ihre Unternehmen."

    (aus dem Wahlprogramm der SPD zur Bundestagswahl im September 2013)
Anstelle der dezentralen Strukturen stärkt die SPD unter Federführung Herrn Gabriels zur Zeit gerade die Machtposition des Oligopols der vier Energiekonzerne in Deutschland. Die im Wahlprogramm versprochenen "75 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen bis 2030" sind angesichts der derzeitigen politischen Realtäten reine Illusion.

Die Welt schaut mit großem Interesse auf die deutsche Energiewende. Nur wenn der Umbau der Energieversorgung gelingt, wird sie international ein Vorbild sein und viele Nachahmer finden. Mit ihren durchsichtigen Bremsmanövern gefährdet die Große Koalition deshalb auch den notwendigen Durchbruch im weltweiten Kampf zur Verhinderung der schlimmsten zu befürchtenden Folgen des menschengemachten Klimawandels.


Es gibt allen Grund, am kommenden Samstag
in Berlin auf die Straße zu gehen:
  
Energiewende nicht kentern lassen!" title="Energiewende nicht kentern lassen!




(Quellen: ZDF-Politbarometer vom 11.04.2014, Initiative "Erneuerbare Energiewende Jetzt" - Umfrage veröffentlicht am 18.09.2013, energynet.de, Die Bürgerenergiewende, Bürger-Kraftwerke, Wahlprogramm der SPD zur Bundestagswahl 2013, Campact, Wikipedia - Fotos [Wikimedia Commons]: © Friedrich Gahlbeck - April 1990 [Bundesarchiv, Bild 183-1990-0406-020, CC BY-SA], © JaySef - 16.06.2005 [CC: BY-SA], © Stefan Fussan - 24.05.2010 [CC: BY-SA], © SPBer - 24.06.2007 [CC: BY-SA], © K. Reichert - 12.10.2012 [CC: BY-SA], © J.-H. Janßen - 06.06.2010 [CC: BY-SA] - Fotomontage: Email-Schild "Phoenix Brikett" gesehen im Deutschen Bergbau Museum [Bochum], Foto und Montage "CO2 - Wie Phoenix aus der Asche": © J. Winkler [CC: BY-NC-ND] )

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