Montag, 3. Februar 2014

Zulassung des Gentech-"Mais 1507" verhindern

Mitte dieser Woche wird die Bundesregierung mit darüber entscheiden, ob der getechnisch veränderte "Mais 1507" des "DuPont-Pioneer"-Konzerns in Europa zugelassen wird - und ob damit gentechnisch veränderte Pflanzen wieder auf unsere Felder zurückkehren können.

Einer aktuellen repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (Dezember 2013, im Auftrag der Umweltschutzorganisation "Greenpeace") zufolge sind 88,1 Prozent der Bundesbürger gegen die Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland und 88,4 Prozent fordern, dass Deutschland bei der Abstimmung über die Zulassung für den Anbau des gentechnisch veränderten Mais 1507 von "DuPont-Pioneer" in der EU gegen die Zulassung stimmt.
Das ist ein eindeutiges Votum gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und damit auch in unseren Lebensmitteln!

Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition heißt es auf Seite 123 (Zitat): "Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an."
Punkt!

Am 16. Januar hatte sich das EU-Parlament gegen den Gen-Mais ausgesprochen. Vom Ausgang der Abstimmung der Minister der EU-Staaten wird es jedoch letztlich abhängen, ob der "Mais 1507" in Europa zugelassen wird.

Einem Brief der "Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft e.V." (ABL) an die zuständigen Politiker der Bundesregierung zufolge wird Herr Borg (EU, Gesundheitskommissar) dem Anbau im Falle von Enthaltungen zustimmen. Das habe er der Presse gegenüber eindeutig zum Ausdruck gebracht.

Trotz der bezüglich der "Gentechnik" eindeutigen Aussage im Koalitionsvertrag - und gegen die Große Mehrheit der Bundesbürger(!) - besteht die Gefahr, dass Deutschland de facto für die Zulassung des gentechnisch veränderten Saatguts von "DuPont-Pioneer" stimmt:
Herr Friedrich (CSU, Agrarminister), Frau Hendricks (SPD, Umweltministerin) und Herr Gabriel (SPD, Wirtschaftsminister) wollen gegen, Frau Wanka (CDU, Forschungsministerin) und Herr Gröhe (CDU, Gesundheitsminister) jedoch für die Zulassung des "Mais 1507" stimmen.
  • Als fauler Kompromiss droht eine Enthaltung,
    welche Herr Borg dann als "Zustimmung" werten würde. Deshalb muss sich die Bundesregierung bei der Abstimmung in Brüssel mit einem klaren "Nein" eindeutig gegen die Zulassung aussprechen. Alles andere wäre eine Entscheidung gegen die Mehrheit der Bürger, deren Interessen sie zu vertreten hat!

Der gentechnisch veränderte "Mais 1507" produziert ein Insektengift, das für den Maiszünsler - eine Schmetterlingsart - tödlich ist. Das Mais-Gift stellt darüber hinaus aber auch eine Gefahr für andere Schmetterlinge, Bienen und weitere Insekten dar. Die Konzentration des abgesonderten Gifts ist weitaus höher als die des seit 2010 in Deutschland verbotenen "Mais MON810" des Monsanto-Konzerns. Zudem ist der "DuPont-Pioneer"-Mais resistent gegen das Totalherbizid Glufosinat des Bayer-Konzerns, welches Einfluss auf die embryonale Entwicklung hat. Über Fleisch, Milch und Eier landen die giftigen Rückstände des Futtermaises und des Glufosinats dann auch auf unseren Tellern - mit ungeklärten Risiken.

Greenpeace zufolge hat die EU-Kommission versäumt, den europäischen Mitgliedsstaaten aktualisierte Gutachten zur Sicherheitsbewertung zur weiteren Prüfung vorzulegen. Wie bei der gentechnisch veränderten Kartoffel "Amflora", deren Zulassung im Dezember 2013 vom Europäischen Gerichtshof für nichtig erklärt wurde, sind der Kommission damit auch im Fall des "Mais 1507"gravierende Fehler im Zulassungsverfahren unterlaufen. Eine Zulassung würde somit nicht nur gegen den Willen der Menschen erfolgen: Sie wäre darüberhinaus auch auch illegal.


Appell

Das demokratische Netzwerk "Campact" hat eine Appell an die Vorsitzenden der in der Großen Koalition vertretenen Parteien verfasst, mit dem sie aufgefordert werden, keinen Wortbruch zu begehen. Dieser soll am kommenden Mittwoch im Rahmen einer Aktion vor dem Kanzleramt präsentiert werden. Der Appell lautet (Zitat):
In Kürze entscheiden Sie mit, ob künftig wieder Gentechnik auf unseren Feldern wächst: Sorgen Sie dafür, dass Deutschland in der EU gegen die Zulassung des Gentech-Mais 1507 stimmt. Sie wissen: Eine Enthaltung wirkt wie eine Ja-Stimme. Nur ein Nein ist ein Nein!
88 Prozent der Bürger/innen sind laut einer aktuellen Umfrage gegen die Zulassung des Gentech-Mais 1507 von "DuPont-Pioneer". Im Koalitionsvertrag haben Sie sich darauf geeinigt, „die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik anzuerkennen“. Stehen Sie zu Ihrem Wort!

Mit freundlichen Grüßen

Jeder, der sich daran beteiligen möchte, hat dazu auf der Internetseite von Campact die Gelegenheit.



Zum Weiterlesen:


"Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an. .."

(Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU
 und SPD, 18. Legislaturperiode, Seite 123)


(Quellen: Greenpeace vom 23.01.2014, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) - Pressemitteilung vom 21.01.2014, Greenpeace - Factsheet Gen-Mais 1507 vom 16.01.2014, Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft e.V. (ABL) - Brief an die zuständigen Politiker der neuen Bundesregierung vom 06.01.2014, Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag von Greenpeace vom Dezember 2013, Campact, Wikipedia)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Tja, das sind sehr gute Informationen, die ich von dir erhalten habe, lieber Jürgen. Wenn etwas illegal ist, dann sollte man auch vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Ich werde weitere Informationen sammeln und dann gegen den Beschluß klagen.
Salut
Helmut

Leuchtturm hat gesagt…

Hier ist für alle Interessierten eine aktuelle Chronik zum Kampf für/gegen Gentechnik-Produkte:

http://lt-news.com/gentechnik-produkte/

juwi hat gesagt…

@Helmut:
Wäre toll, wenn du erfolgreich wärst ...

@Leuchtturm:
Danke für den Link. Ich habe mir deine Chronik gerade mal angeschaut. Es scheint so, als würden "die da oben" es geradezu darauf anlegen, die Bürger mit ihrem Protest auf die Straßen der Städte zu treiben.

Werner hat gesagt…

Unglaublich mit welchem Mist man uns zuschütten möchte. Irgenwann rächt es sich, das Chemiekonzerne unser Essen produzieren und sich immer mehr in die Natur einmischen.

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