Dienstag, 21. Mai 2013

MOX-Atomtransport zum AKW-Brokdorf

Transport und Einsatz plutoniumhaltiger MOX-Brennelemente verbieten!
Der Brand, der am 01.05.2013 auf dem Frachtschiff "Atlantic Cartier" im Hamburger Hafen ausgebrochen war, hat deutlich gezeigt, welche Gefahren von Atomtransporten ausgehen. Knapp drei Wochen später wurde nun bekannt, dass ein weiterer Atomtransport durch Hamburg geplant ist, dessen Inhalt - sollte er infolge eines Unfalls in die Umwelt gelangen - weitaus gefährlicher ist, als das Uranhexafluorid, das gerade noch rechtzeitig von dem brennenden Frachter geborgen werden konnte.

Diesmal handelt es sich nicht um einen See-, sondern um einen Straßentransport. Zwei mit insgesamt zwölf Plutonium-Mischoxid-Brennelementen (Pu-MOX-BE) beladene Lkw sollen in den kommenden Tagen von Dessel (Belgien) aus quer durch Belgien, Holland und Deutschland zum Atomkraftwerk "Brokdorf" (Schleswig Holstein, Elbe) fahren. Das hat die Anti-Atom-Organisation ".ausgestrahlt" am 18.05.2013 in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Auch die Route dieses Transports wird wieder über Hamburger Gebiet führen.

Anders als bei herkömmlichen Brennelementen wird dem Urandioxid in MOX-Brennelementen ein weiteres radioaktives Oxid, in diesem Falle Plutoniumdioxid zugemischt. Die für das Atomkraftwerk "Brokdorf" bestimmten MOX-Brennelemente sollen laut Herrn Stay (.ausgestrahlt, Sprecher) 200 Kilogramm Plutonium enthalten (Herr Stay, Zitat): ".. eine Menge, mit der sich 25 Atombomben vom Nagasaki-Typ bauen ließen und das schon in allerkleinsten Mengen tödlich ist." Die insbesondere von Plutonium-Mischoxid-Brennelementen ausgehenden Gefahren hatte ich schon im September und im November des vergangenen Jahres im Zusammenhang mit den MOX Atomtransporten von Sellafield (England) über den Hafen von Nordenham (Weser) zum Atomkraftwerk "Grohnde" thematisiert.


Atomkraftwerk "Brokdorf": 222 meldepflichtige Ereignisse (8,2/Jahr)
Bezüglich des ohnehin höheren Risikos beim Einsatz von Plutonium-Mischoxid-Brennelementen in Atomkraftwerken kommt im Falle des Atomkraftwerks "Brokdorf" noch verschärfend hinzu, dass es ohnehin schon nicht gerade eines der sichersten Atomkraftwerke ist. Mit 222 meldepflichtigen Ereignissen liegt es nach den Atomkraftwerken "Grohnde" (231) und "Grafenrheinfeld" an dritter Stelle der Rangliste der neun noch betriebenen Atomkraftwerke. Statistisch ist es im Mittel mit 8,2 meldepflichtigen Ereignissen pro Jahr seit der Inbetriebnahme sogar der Spitzenreiter, gefolgt von den Atomkraftwerken "Grohnde" (8,0) und "Grafenrheinfeld" (7,2). Darüberhinaus wäre das direkt hinter dem Elbedeich gelegene Atomkraftwerk im Falle eines Deichbruchs bei einer schweren Sturmflut aufs höchste gefährdet.

Die taz berichtete am 19.05.2013, die Genehmigung für den MOX-Atomtransport gelte noch bis Freitag. Das wäre dann der 24.05.2013. Demnach müsste der Transport kurz bevorstehen. Die Anti-Atom-Initiative "Brockdorf Akut" geht davon aus, dass der Transport voraussichtlich in der Zeit von 21. bis 23. Mai 2013 erfolgen wird: Die Polizei Itzehoe habe sich für diesen Zeitraum quasi abgemeldet - vermutlich zu einem "Betriebsausflug" nach Brokdorf. In der .ausgestrahlt-Pressemitteilung sagt Herr Stay über die Risiken des geplanten Atomtransports (Zitat):
Wurde bei der Debatte über das brennende Schiff mit Uranhexafluorid noch darauf hingewiesen, dass solche Gefahrguttransporte quasi eine Alltäglichkeit für Hamburg darstellen, so lässt sich jetzt feststellen: Der Transport von Material, mit dem sich 25 Atombomben vom Nagasaki-Typ bauen ließen und das schon in allerkleinsten Mengen tödlich ist, ist eine absolute Extremsituation.

Würde bei einem Unfall ein MOX-Behälter undicht und das Plutonium durch Brandeinwirkung über eine größere Fläche verteilt, dann hätte das in der dichtbesiedelten Millionenstadt Hamburg fatale Folgen.  Denn schon wer wenige Millionstel Gramm dieses Ultragiftes einatmet, ist akuter Krebsgefahr ausgesetzt. ..

MOX-Brennelemente sind nicht nur bei Verkehrsunfällen ein unverantwortbares Risiko. Auch ihr Einsatz im Reaktor birgt zusätzliche Gefahren. Das wurde der Weltöffentlichkeit durch die Ereignisse im Reaktorblock 3 von Fukushima besonders deutlich. Atommüll aus MOX strahlt etwa doppelt so stark wie der aus herkömmlichen Uran-Brennelementen.
Auch wenn wir den Weiterbetrieb des Atomkraftwerks Brokdorf grundsätzlich ablehnen, sei gesagt: Das AKW könnte auch ohne MOX betrieben werden – und zwar deutlich sicherer.

Wir fordern die Behörden auf, den unnötigen Transport abzusagen und ein Konzept zu entwickeln, wie Unfälle mit diesem extremen Gefahrgut gehandhabt werden können, ohne dass Menschen zu Schaden kommen. Sollte der Transport nicht abgesagt werden, muss die Bevölkerung genau über Routen und Zeitpläne informiert werden, damit sie sich selbst schützen kann.

Den Landesregierungen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein sei gesagt: Der MOX-Transport enthält deutlich mehr Plutonium als die geplanten Castor-Transporte aus Sellafield, über die gerade die halbe Republik diskutiert. Die Innenminister der betroffenen Bundesländer, also auch Hamburg, können den Transport verhindern, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, kurzfristig genügend Kräfte zu seiner Sicherung bereitzustellen. Dann muss das Bundesamt für Strahlenschutz die Transportgenehmigung zurückziehen.

Auf der Internetseite von ".ausgestrahlt" gibt es eine Online-Petition, die sich gegen MOX Atomtransporte und den Einsatz von Plutonium-Mischoxid-Brennelementen in Atomkraftwerken richtet. Sie lautet (Zitat):
"Transporte von plutoniumhaltigen MOX-Brennelementen sind ein nicht hinnehmbares Risiko. Bei einem Unfall auf der Strecke könnte hochgiftiges und wegen seiner Radioaktivität schon in kleinsten Mengen tödliches Plutonium freigesetzt werden – eine Katastrophe. 

Der Einsatz von MOX-Brennelementen in Atomkraftwerken macht diese noch gefährlicher, als sie sowieso schon sind. In Fukushima etwa erwies sich das dort eingesetzte MOX als enorme Zusatz-Gefahr, das Plutonium verschlimmerte die radioaktive Verseuchung der Umgebung. 

Plutonium lässt sich auch durch die Verarbeitung zu MOX-Brennelementen nicht aus der Welt schaffen. MOX ist ein hochgefährlicher Taschenspielertrick der Atomwirtschaft. 

Wir fordern: Stoppt die MOX-Transporte! Stoppt die Verarbeitung und den Transport von Plutonium! Kein weiterer Einsatz von MOX-Brennelementen in Atomkraftwerken! Und schließlich: Beendet die Produktion von immer neuem Plutonium durch Stilllegung der AKW – nicht in zehn Jahren, sondern jetzt!"


Der geplante MOX-Atomtransport von Dessel zum Atomkraftwerk "Brockdorf", der eigentlich wie üblich verheimlicht werden sollte, und der Einsatz der Plutonium-MOX-Brennelemente im Atomkraftwerk "Brokdorf", stellt - wie alle anderen MOX-Transporte auch - ein grundsätzliches Problem dar: Neben der nicht realisierbaren Atommüll-"End"-Lagerung ist die Plutonium-Zumischung ("Wieder"-Aufbereitung) zu Uran-Brennelementen ein weiteres Element der "Atommüll-Entsogung", auf die sich die Genehmigungen für den Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland stützen.

Ebenso wie die Tatsache, dass es niemals ein Atommüll-"End"-Lager geben wird, in dem sich der Atommüll über Millionen von Jahren hinweg sicher von der Biosphäre abgeschlossen lagern ließe, ist es eine Tatsache, dass das beim Betrieb der Atomkraftwerke entstehende Plutonium durch den Einsatz von MOX-Brennelementen nicht weniger wird. Das Gegenteil ist der Fall: Nach dem Einsatz von MOX-Brennelementen enthalten diese mehr Plutonium, als bei der Herrstellung zugemischt wurde.
  • Allein schon aus diesen Gründen hätte der Betrieb der Atomkraftwerke in Deutschland niemals genehmigt werden dürfen. Die Maßnahmen zur Umsetzung der Energiewende müssen deshalb beschleunigt und die Atomkraftwerke schnellstens - und zwar deutlich vor 2022! - stillgelegt werden.


(Quellen: Die Welt vom 21.05.2013, Bundespresseportal vom 21.05.2013, BBU - Pressemitteilung vom 21.05.2013, Kein Castor nach Ahaus - Pressemitteilung vom 21.05.2013, taz vom 19.05.2013, .ausgestrahlt - Pressemitteilung vom 18.05.2013, shz.de vom 18.05.2013, umweltFAIRändern vom 18.05.2013)

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