Montag, 13. Mai 2013

Das ist eine kannibalische Weltordnung

"Der Raubtierkapitalismus muss gefüttert werden. Die fünfhundert größten transnationalen Konzerne haben voriges Jahr 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes kontrolliert. Die haben eine Macht, wie kein König oder Kaiser sie je genossen hat. Wir leben unter der Weltdiktatur des globalisierten Finanzkapitals. Die Oligarchen scheffeln Reichtum, während sich in der dritten Welt die Leichenberge türmen. Das ist eine kannibalische Weltordnung, die müssen wir brechen."

(Jean Ziegler in einem Interview mit "The European" am 09.05.2013)


Herr Ziegler war von 2000 bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Seit 2008 ist er Vizepräsident des beratenden Ausschusses des UNO-Menschenrats. Er ist einer der bekanntesten Befürworter für das Menschenrecht auf Nahrung.

Bereits 2005 hatte Herr Ziegler in Erwin Wagenhofers Dokumentafilm "We feed the World" (Wir ernähren die Welt) gesagt (Zitat): "Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet." Den weltweit operierenden Nahrungsmittel- Agrarchemie- und Gentechnik-Konzernen geht es nicht um die "Ernährung der Welt". Das einzige, was sie interessiert ist die Maximierung ihrer Profite. Dafür verkaufen sie ihre Produkte an diejenigen, die sie sich leisten können. Der größte Teil der Bevölkerung in den Entwicklungsländern ist dazu nicht in der Lage. Diese Menschen sind bereits heute die Verlierer des globalen Spiels der Weltkonzerne und der Spekulanten um Macht und Einfluss.


Alle 20 Sekunden
stirbt ein Kind an verunreinigtem Wasser


Herr Ziegler sagt dazu im Interview (Zitat): "In den 122 Entwicklungsländern – in denen 4, 9 Milliarden Menschen leben – ist die Außenverschuldung erdrückend. Deshalb ist die Versuchung sehr groß, das Gemeinwesen, also zum Beispiel die Wasserversorgung, der Privatwirtschaft zu verkaufen. Dann setzt die Logik des Kapitalismus ein: Die Konzerne setzen durch Reparaturen die Wasserversorgung in Stand und verkaufen das Wasser anschließend zu Höchstpreisen an den kaufkräftigen Teil der Bevölkerung. Wer nicht zahlen kann – und das ist die Mehrheit – muss sich vom Wasser der dreckigen Tümpel und der verseuchten Flüsse am Leben erhalten. Das hat verheerende Folgen: Typhus, Bilharziose, Ruhr, blutige Diarrhö etc. Alle zwanzig Sekunden stirbt laut UNO ein Kind unter zehn Jahren an den Folgen von verunreinigtem Wasser. Dabei würde das verfügbare Süßwasser unseres Planeten für die Versorgung jedes Menschen reichen."

  • Das komplette Interview kann man hier lesen.


(Quellen: The European vom 09.05.2013, Wikipedia)

Kommentare:

Grey Owl Calluna hat gesagt…

Ich hab' Deinen Beitrag bei fb verlinkt.
Das ist doch okay. Oder?
LG Rosi

juwi hat gesagt…

@Rosi: Klar geht das in Ordnung. Ich finde, über diese Zusammenhänge müssten so viele Menschen wie möglich Bescheid wissen. Ich bin zwar kein Fan von Facebook, aber trotz meiner Vorbehalte ist das als Informationsplattform wohl nicht zu unterschätzen.

Wasserfrau hat gesagt…

Früher galt Herr Ziegler ja als Nestbeschmutzer in seiner Heimat (Schweiz). Er wurde damals sogar verklagt, als er ein Buch über die Banken schrieb. Heute hat er in allem recht bekommen.

Mir macht es ehrlich gesagt Angst, wie diese Konzerne anscheinend die Weltherrschaft anstreben, auch das mit dem Saatgut ist doch einfach empörend, dass das von den Regierungen goutiert wird.

Wie das wohl noch herauskommt?! Manchmal bin ich froh, bin ich nicht mehr jung. Bei uns können wir mit der direkten Demokratie zwar noch über vieles abstimmen, doch wie lange noch?

Diese Konzerne kennen keine Landesgrenzen und von Mitgefühl und Respekt vor den Lebewesen haben sie noch nie etwas gehört, oder wischen es unter den Tisch.

Das Interview werde ich gleich noch lesen. Dein Artikel über Saatgut habe ich bei mir im Layout unter "Gut zu wissen" verlinkt.
Trotzdem frohe Pfingsten
Winke Elfe

juwi hat gesagt…

@Elfe: Es ist schon immer so gewesen, dass die Menschen, die sich nicht scheuen die Wahrheit zu sagen, belächelt, verspottet, beleidigt verfolgt oder gar umgebracht wurden. Oft war es dann zu spät, wenn den Gleichgültigen, Zaghaften oder Spöttern endlich bewusst wurde, was sie mit ihrer Untätigkeit oder mit ihrem Handeln angerichtet haben. | Auch der Kampf gegen den Hunger in der Welt, gegen die Privatisierung des Trinkwassers, Patente auf lebende Organismen, das Machtstreben einiger Multinationler Konzerne etc. wird sich nur gewinnen dann lassen, wenn möglichst viele Menschen über diese Machenschaften Bescheid wissen, und sich öffentlich dagegen zur Wehr setzen.

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