Mittwoch, 20. Juli 2011

Kapitulation vor den Arbeitslosenquoten

Gestern berichtete die Nordsee-Zeitung, die Bundesagentur plane eine bundesweite Reform der Arbeitsagenturen. Diesen Reformplänen solle unter anderem auch die Bremerhavener Arbeitsagentur zum Opfer fallen.

Der Plan würde vorsehen, die Agentur in Bremerhaven aufzulösen. Ihre Aufgaben würden dann von den Arbeitsagenturen in Bremen und Stade übernommen werden müssen. Herr Grantz (SPD, Oberbürgermeister) habe sich darüber empört gezeigt. Die Nordsee-Zeitung zitiert ihn in ihrem gestrigen Bericht mit den Worten: "Auf die besonderen Gegebenheiten der Region wird in Nürnberg keine Rücksicht genommen."

Mit den "besonderen Gegebenheiten der Region" meint Herr Granz sicherlich die Arbeitslosenqoute in Bremerhaven, die sich, was ihre Dimension betrifft, durchaus mit denen so mancher ostdeutschen Gemeinde messen kann. Die ein Jahr zurückliegenden "neuesten" Zahlen des Statistischen Landesamts Bremen (Juli 2010) bescheinigen Bremerhaven eine Arbeitslosenquote in Höhe von knapp 17 Prozent:
  • Land Bremen
    Arbeitslose: 39619
    Quote: 12,3 Prozent
  • Stadt Bremen
    Arbeitslose: 30273
    Quote: 11,3 Prozent
  • Bremerhaven
    Arbeitslose: 9346
    Quote: 16,9 Prozent

Das Land Bremen ist das einzige Bundesland in Westdeutschland mit einer Arbeitslosenquote im zweistelligen Bereich. Nach den Daten des Statistischen Bundesamts lag es mit seiner Arbeitslosenquote von 11,6 Prozent im Juni 2011 um 0,7 Prozent über der mittleren Arbeitslosenquote in den ostdeutschen Bundesländern (Juni 2011: 10,9 Prozent). Verglichen mit der mittleren Arbeitslosenquote der westdeutschen Bundesländer (Juni 2011: 5,8 Prozent) war die Arbeitslosenquote im Land Bremen im Juni 2011 doppelt so hoch.


Arbeitslosen Quoten der Bundesländer im Juni 2011

Land Bremen 11,6 Prozent

Ostdeutschland
Mecklenburg-Vorpommern

 
11,9 Prozent
Brandenburg 10,3 Prozent
Sachsen Anhalt 11,2 Prozent
Berlin 13,3 Prozent
Thüringen 8,4 Prozent
Sachsen 10,3 Prozent

Westdeutschland
Schleswig-Holstein

 
7,0 Prozent
Hamburg 7,7 Prozent
Niedersachsen 6,7 Prozent
Nordrhein-Westfahlen 8,0 Prozent
Hessen 5,8 Prozent
Rheinland-Pfalz 5,1 Prozent
Saarland 6,6 Prozent
Baden-Würtemberg 3,9 Prozent
Bayern 3,5 Prozent


Wer die Arbeitsagentur in einer Stadt mit einer Arbeitslosenqoute von knapp 17 Prozent schließt, der hat offenbar längst kapituliert. Anders kann ich diesen Schritt nicht verstehen. Also wird bei den Arbeitslosen und Hartz-IV Abhängigen, den schwächsten Mitgliedern unserer Gesellschaft, feste weitergespart - egal wie teuer der Stadt und unserer Gesellschaft das eines Tages einmal zu stehen kommen wird.

Zu der Zeit, als ich mich um einen Ausbildungsplatz beworben hatte und sich die Arbeitsagentur noch "Arbeitsamt" nannte, hieß es: "Verlass dich auf's Arbeitsamt, und du bist verlassen". So wie es aussieht, hat sich daran - abgesehen vielleicht vom Namen - bis heute offenbar nichts geändert.


(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 19.07. und vom 20.07.2011, Statistisches Landesamt Bremen Stadt Bremen - Bremerhaven - Land Bremen, Statistisches Bundesamt, Spiegel)

Kommentare:

Frau Momo hat gesagt…

Das heißt ja dann, das diese Arbeitslosen noch mehr nur noch verwaltet werden, denn von weit weg kann kaum ein Amt wirklich aktiv helfen. Da fehlen dann Kontakte vor Ort etc. pp.
Diese Arbeitslosenzahlen sind übrigens ja auch derbe geschönt. Kein 1 Euro Jobber, keiner der nur so wenig verdient, das er ergänzende Leistungen erhält, keiner der eine Umschulung macht, fällt da mit rein.

juwi hat gesagt…

@Frau Momo: Da hast du natürlich recht: Das kommt noch hinzu. Ich kenne die genauen Zahlen für Bremerhaven nicht. aber wenn man die Leute hier so reden hört, dann werden Bremen und Bremerhaven wohl auch bei den 1-Euro-Jobs und bei den mit 400,-Euro "geringfügig Beschäftigten" bundesweit im Spitzenfeld mitmischen. Würden alle diese Leute ihr Brot in vollwertigen, Steuer & Sozialabgabenpflichtigen Arbeitsverhältnissen verdienen, dann bräuchten wir uns auch um die Finanzierung des Gesundheitswesens und der Renten weitaus weniger Gedanken machen.

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