Mittwoch, 22. Dezember 2010

Jahreskreis

Frühling

Baum Ast
Ast Knospe
Knospe Blättchen
Blättchen Blatt
Blatt grün
grün Baum

- Sommer
helle Tage
lichte Wälder, Fichtenwälder
Birkenmoor
weites Watt und nahes Meer
Herbst

grün gelb
gelb Blatt
Blatt braun
braun kraftlos
Kraft los
los lassen

- Winter ...
dunkle Tage
Lichtermeer, Weihnachtszeit
Besinnung ...
stille Zeit und Erwachen
Frühling ...

© Jürgen Winkler

Heute, am Tag der Wintersonnenwende, schließt sich der Jahreskreis. Auch wenn wir zu Beginn des Winters manchmal meinen, die dunkle Zeit würde noch ewig andauern, so gibt es doch nach jedem Winter einen neuen Frühling. Ab jetzt werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Das Licht kommt zurück in den Norden der Welt ...

Dienstag, 21. Dezember 2010

Heute bei Ebay ...

Heute Morgen habe ich einen interessanten Brief von einer guten Blog-Bekanntschaft in meinem E-Mail Postfach gefunden. Darin geht es um einen Artikel, der gerade in einer Auktion bei Ebay angeboten wird. Versteigert werden insgesamt vier Stück "Castor KNK Behälter" aus Cadarache (Frankreich) die vor kurzem im Lager eines Zwischenhändlers in der Nähe von Greifswald eingetroffen sind.

Das wäre ein perfektes Schnäppchen gewesen (derzeitiges Gebot: 11,61 Euro). Wir müssen uns nämlich so langsam Gedanken über einen Ersatz für unsere alte Ölheizung machen. Wenn wir den Castor irgendwie in den Keller bekommen hätten - in den Raum, in dem jetzt die Heizung steht, oder auch in den mit dem Öltank - dann hätte ich mich glatt zur Abgabe eines Gebotes hinreißen lassen können. Man hätte dann ja einfach nur einen Wärmetauscher an der Außenseite des Castors anbringen und den Heizungskreislauf daran anschließen müssen. Das muss man sich einmal vorstellen: Nie mehr für teures Geld Heizöl, Erdgas oder sonstige fossile Brennstoffe kaufen müssen, die nicht nur die Wohnung, sondern nebenbei gleich das Klima dermaßen aufheizen, dass den Eisbären schon die Eisschollen unter den Tatzen wegschmelzen.

Leider sind die Abmessungen des Castors "etwas" zu groß. Außerdem bin ich mir nicht ganz sicher, ob die Bodenplatte und die Gründungspfeiler unseres Hauses seinem Gewicht auf Dauer standhalten würden. Ich habe mich erkundigt: Diese Castoren bringen deutlich mehr als 100 Tonnen auf die Waage und "auf Dauer" umfasst im Falle von Atommüll ja immerhin einen Zeitraum von mehreren 100-Millionen bis zu was-weiß-ich-wie-viele-Milliarden Jahren. Die Erfahrungen mit unserem Haus beschränken sich derzeit jedoch gerade einmal auf 82 Jahre.

Nach dem Statistiker, der auf der Grundlage eines derart lächerlich kurzen Zeitraumes eine Prognose bezüglich der Statik unseres Hauses für mehrere Milliarden Jahre abgeben würde, nach dem müsste man wahrscheinlich sehr lange suchen. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter von den Vattenfällern und Co. oder diejenigen, die für die Statik der sogenannten Atommüll-Endlager verantwortlich zeichnen, hätten mir für ein oder zwei Euro sicherlich gerne eine entsprechende Expertise ausgestellt. Aber denen traue ich nach den ganzen Krümmelpannen und dem Asseschlamassel ehrlich gesagt nicht mehr so ganz über den Weg, und im Falle des Atommeilers von Tschernobyl hatte sich weltweit ja auch schon mal eine ganze Schar von Statistikern ziemlich verhauen. Wenn man sich einmal vorstellt, dass vor nicht ganz 2000 Jahren ein Statiker eine Standzeit von auch nur einer einzigen Million Jahre für das Kolosseum in Rom garantiert hätte, dann hätte man diesen armen Scharlatan inzwischen wahrscheinlich im Innenhof des genannten Gebäudes längst den Löwen zum Fraß vorgeworfen. - Und das obwohl ein großer Teil des Kolosseums heute immer noch steht, was man nach Stand der Dinge von den Kammern mit dem Atommüll im ehemaligen Salzbergwerk Asse-II in 2000 Jahren ja nun wirklich nicht mehr behaupten können wird.

Außerdem hätte ich für die Ersteigerung des Castors natürlich auch noch die Zustimmung der anderen Wohnungseigentümer einholen müssen. Schließlich hätte ich das strahlende Teil ja nicht allein finanzieren wollen. Wie auch immer: Da die Zeit in der man ein Gebot abgeben kann, bereits heute um 12:26:39 MEZ endet, ist es auf alle Fälle zu spät für mich, um noch ein Gebot abgeben zu können.
Außerdem, nur mal so nebenbei bemerkt: Wie hätte das auch ausgesehen, wenn ich, als erklärter Atomkraftgegner, mir eine Atomheizung in den Keller gestellt hätte ;)

Aber falls jemand aus meiner geschätzten Leserschaft Interesse an einem Castor haben sollte ... - hier geht's zur Auktion. Ich weise allerdings vorsorglich schon einmal darauf hin, dass ich mir den Inhalt des Angebots bei Ebay nicht zu eigen mache, und keinerlei Haftung - auch nicht anteilig! - für eventuelle Spätschäden durch Radioaktivität übernehme.


(Quellen: Ebay, Wikipedia)

Montag, 20. Dezember 2010

Schöne Momente im Winter ...

... gab es am Samstag an vielen Stellen in "meinem Viertel" im Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe. Man brauchte nur kurz stehen zu bleiben, und die Szenerie einen Moment auf sich wirken zu lassen.


Verschneite Kogge (Skulptur aus Eisen, Pausenhof Lehe) ...
... und Eis auf der Geeste (Blick in Richtung Hafenstraße)
Winter an der Leher Wasserseite. Dafür, dass das Eis auf der Geeste in ihrem tideabhängigen Bereich ständig wechselnden Pegelständen ausgesetzt ist, bildet es im Uferbereich schon erstaunlich große zusammenhängende Flächen. Die verschneite Kogge ist eine kleine Skulptur aus rohem Eisen auf einem Torpfeiler am Eingang zum Pausenhof Lehe.



Villen in der Goethestraße
Die beiden Villen in der Goethestraße sind geschützte Baudenkmäler. Sie stammen aus der Zeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts.


"Schloss am Meer" (Eupener Straße)
Weihnachtsdeko am Eckhaus ...
... Goethestraße, Ecke Kistnerstraße
Das "Schloss am Meer" in der Eupener Straße mit seiner Fassade im Jugendstil wurde im Jahre 1909 von den Architekten Wöhlken und -Loosen errichtet. Auch im Inneren, wie zum Beispiel im Treppenhaus, sind noch sehr viele Elemente im Originalzustand erhalten geblieben. Das Haus mit dem Weihnachtsmann stammt aus dem Jahre 1897 und steht heute - ebenso wie die beiden Villen - unter Denkmalschutz. .


Saarpark, Wochenmarkt auf dem Ernst-Reuter-Platz und Pauluskirche
Melchior-Schwoon-Wasserturm im Stadtpark Lehe
Der Stadtpark Lehe an der Hafenstraße und der Saarpark sind sozusagen die grüne Lunge des Leher Gründerzeitviertels. Zur Zeit sind die beiden Parks allerdings traumhaft schöne Wintermärchen. Durch den Saarpark verlief früher einmal der ehemalige Unterlauf des kleinen Flüsschens "Aue". Heute fließt die Aue in die entgegengesetzte Richtung und mündet im Norden Bremerhavens bei Weddewarden in den Grauwallkanal. Von dort gelangt ihr Wasser, zusammen mit dem des Kanals, bei Weddewarden in die Weser.

Zum Weiterlesen und -träumen:

Sonntag, 19. Dezember 2010

Lehe - Ein Wintermärchen

Goethestraße, Ecke Heinrichstraße
Nachdem es zu Beginn der Woche nur einen Tag, nachdem alles weggetaut war, wieder kräftig geschneit hatte, schien es anfangs so, als würde sich die Stadt in eine Matschwüste verwandeln. Da es eigentlich noch viel zu warm war, ist der nasse Schnee an den Ästen der Bäume kleben geblieben.


Straßenbäume an der Goethestraße
Dann war auch noch Nebel hinzugekommen, der sich als Rauhreif auf den Dächern und den Bäumen abgesetzt hatte. Anschließend ist es dann aber glücklicherweise wieder so kalt geworden, dass uns der große Matsch vorerst erspart geblieben ist. Nachdem ich das ganze immer nur im Dunkeln auf dem Weg zur Arbeit und zurück zu sehen bekommen hatte, konnte ich gestern die Gelegenheit nutzen, die weiße Pracht mit der Kamera im Bild festzuhalten.


Goethestraße, Ecke Adolfstraße
Die Giebel der Schmuckfassaden der alten Gründerzeithäuser in "meinem Viertel" ragen wie Märchenschlösser aus den weißen Baumkronen heraus.


Stadtpark Lehe
Die tiefstehende Wintersonne malte Mittags ein phantastischen Wechselspiel aus Licht und Schatten auf die weiße Parklandschaft des Leher Stadtparks.


Ernst-Reuter-Platz, Lessingschule
Die inzwischen 105 Jahre alte Lessingschule ist vor einigen Jahren aufwändig renoviert worden. Dabei wurden auch die Türmchen auf dem Dach wiederhergestellt, die bei den Bombenangriffen im Sommer 1944 zerstört worden waren. Unter dem "verspielten", weiß gepuderten Dach und hinter den weißen Bäumen am Rande des Ernst-Reuter-Platzes kommt das dunkle Ziegelmauerwerk des Gebäudes besonders gut zur Geltung.


An der Geeste, Kistner-Kaje
Einen ähnlichen Effekt haben auch das Eis und die weißen Bäume am Ufer der Geeste auf die alten Verladekajen des ehemaligen Kalksandsteinwerks von Kistner. Von mir aus könnte das jetzt erst einmal bis zum neuen Jahr so bleiben. Aber ob wir "weiße Weihnachten" haben werden, scheint ja noch nicht wirklich sicher zu sein. Für einige Gegenden Deutschlands ja schon wieder Regen angesagt worden.

Ich wünsche euch ein schönes viertes Adventswochenende. Genießt das weiße Wintermärchen, solange es noch anhält.

Samstag, 18. Dezember 2010

Nach dem Castor ...

Atomkraft? Nein Danke!... ist vor dem Castor. Diese tiefsitzende Erkenntnis trieb im ausgehenden Jahr 2010 mehr Menschen als je zuvor dazu, ihren Protest gegen die Atompolitik auf die Straße zu tragen. Hunderttausende Demonstranten in der Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel, bei der Großkundgebung in Berlin, beim Castortransport von La Hague (Nordwestfrankreich) nach Gorleben, bei der Demonstration in Ahaus und jetzt an der Ostseeküste stehen damit stellvertretend für die Mehrheit der Bundesbürger, die sich in repräsentativen Meinungsumfragen genen die weitere Nutzung der Atomkraft ausgesprochen haben.

Solange diese Bundesregierung in der Lage sein wird, ihre Macht einzig und allein zugunsten der Atomkonzerne und  gegen den mehrheitlichen Willen der Bevölkerung zu missbrauchenmissbrauchen, wird sich daran auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Den nächsten Transport von hochradioaktivem Atommüll in das Atommülllager in der Lubminer Heide erwartet das "Anti-Atom Bündnis NordOst" bereits in der Zeit zwischen Januar und März des nächsten Jahres.

In einer gestern veröffentlichten Presseerklärung fordert das Bündnis der Rücktritt von Herrn Caffier (CDU, Mecklenburg-Vorpommern, Landesinnenminister) und begründet die Forderung mit dessen Anforderungen an die völlig überlasteten Polizeibeamten, denen diese angesichts der Witterungsverhältnisse während des zweitägigen Castortransports von Cadarache (Frankreich) in das Atommülllager Nord und der Proteste an den vorhergehenden Tagen nicht gewachsen waren.

Infolge der von ihm provozierten katastrophalen Überforderung der Polizei bei der Sicherung des Atommüll-Transports sei es im Raum Greifswald/Lubmin zu einer Reihe von Verstößen gegen bürgerliche Rechte wie das Recht auf Bewegungsfreiheit, das Versammlungsrecht, die Pressefreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit gekommen.

Mit Berufung auf das Atomgesetz hätte Herr Caffier die Möglichkeit gehabt, den Transport - trotz der Genehmigung durch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) - zu verhindern. Aufgrund seines Verzichts auf die ihm zur Verfügung stehenden Rechtsmittel stehe er allein in der Verantwortung für die Verstöße gegen geltendes Recht sowie der Gefährdung seiner Einsatzkräfte, der Bevölkerung und der Protestierenden.


Presseerklärung des "Anti-Atom Bündnis NordOst" im Wortlaut:
Angesichts der aktuellen Überlastung der Polizei hatte der Innenminister Caffier die Möglichkeit, den Transport zu stoppen. Paragraph 4, Absatz 2, Satz 5 Atomgesetz regelt, dass ein Atomtransport nur dann genehmigt werden darf, wenn "der erforderliche Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter gewährleistet ist." Zwar war der Transport nach Lubmin durch das Bundesamt für Strahlenschutz genehmigt worden, aber das Amt muss diese Genehmigung sofort widerrufen, wenn ein Bundesland, durch das der Atommüll-Zug rollen soll, nicht genügend Polizeikräfte zur Verfügung hat, um den Transport zu sichern. Nach Aussagen der Polizeilandesgewerkschaft gibt es Beamte mit über 1000 Überstunden und eine Belastungsgrenze, die längst überschritten ist. Der Innenminister hat aufgrund dieser Situation auf ausreichend Personal verzichtet und so eine katastrophale Polizeiüberforderung bei der Sicherung des Transportes provoziert. Es sind im Raum Greifswald/Lubmin das Recht auf Bewegungsfreiheit, das Versammlungsrecht, die Pressefreiheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit außer Kraft gesetzt worden.
  • Die Ortschaften Vierow, Stilow und Kemnitzerhagen waren über Stunden abgesperrt. Außerdem waren AnwohnerInnen gezwungen 4 Stunden am Straßenrand der Bundesstraße anzuhalten, da die Straße für den Verkehr gesperrt wurde.
  • Trotz der noch frischen Erinnerungen an die Freiluft-Gefangenensammelstelle bei Harlingen (Wendland) im November dieses Jahres, gab es erneut einen Polizeikessel auf offenem Feld, in dem festgenommene SitzblockiererInnen über Stunden festgehalten wurden. Die Möglichkeit einer richterlichen Überprüfung der Rechtmäßigkeit der Ingewahrsamnahme war nicht gegeben. Die Polizei war nicht in der Lage, die Gefangenen zu versorgen, ihnen Zugang zu sanitären Einrichtungen zu gewährleisten und für einen schnellen Abtransport zu sorgen.
  • SanitäterInnen wurden nicht zur Robin-Wood-Blockade und anderen Aktionen durchgelassen, sie wurden immer wieder durchsucht und am Weiterfahren gehindert.
  • Behördlich genehmigte Mahnwachen waren nicht frei zugänglich für Versammlungsteilnehmer. Die Essensversorgung der sich in Zelten aufhaltenden Mahnwachenbesetzung in Stilow wurde über 24 Stunden unmöglich gemacht.
  • Journalisten wurden immer wieder in ihrer Arbeit behindert und konnten Informationen nicht rechtzeitig weiter geben
  • Die Landespolizei NRW drohte Demonstranten mit Foltergriffen, wenn sie sich nicht freiwillig entfernten.

Wenn der Landesinnenminister Caffier den Transport bei schwersten Schneesturm, unter in Kaufnahme der Gefährdung seiner Einsatzkräfte, der Bevölkerung und der Protestierenden mit einer Genehmigung begründet, für die er über das Bundesamt für Strahlenschutz selbst eine Verlängerung ermöglichen könnte, schwört er eine Katastrophensituation herauf und disqualifiziert sich für das verantwortungsvolle Amt eines Innenministers, welches Ordnung und Sicherheit garantieren müsste.

Lubmin niX da!

(Quelle: Pressemitteilung, 17.12.2010)

Freitag, 17. Dezember 2010

Radioaktives Weihnachtsgeschenk zugestellt

Atomkraft? Nein Danke!Das unerwünschte radioaktive Weihnachtsgeschenk, über dessen Zustellung sich in Mecklenburg-Vorpommern niemand so richtig freuen kann - abgesehen vielleicht von der wespenfarbenen Bundesregierung und ihrer "Energiewerke Nord" (EWN) - wurde zu später Stunde dann doch noch an der Ostseeküste abgeliefert.

Nachdem gegen 19 Uhr einer der beiden Robin Wood Aktivisten bei Diedrichshagen von den Polizisten aus dem Betonblock befreit werden konnte, machten sie sich daran, auch die zweite Aktivistin aus dem Betonblock zu lösen, was ihnen aber erst nach mehr als einer Stunde gelang. Zusätzlich zu den Ketten, mit denen sie sich an den Gleisen festgekettet hatten, waren ihre Unterarme in dem Betonblock eingeschlossen gewesen. Gegen 23 Uhr meldete der Castor-Ticker, die beiden Aktivisten von Robin Wood seien aus dem Krankenhaus direkt in die Gefangenen Sammelstelle (GeSa) in Wolgast gebracht worden.

Als das Gleis wieder passierbar gemacht worden war, setzte sich der Zug mit den Castoren nach einer sechs Stunden währenden Zwangspause um 21:16 Uhr wieder in Bewegung. Eine halbe Stunde später wurde er ein letztes Mal für einen Moment aufgehalten: Bei Kräpelin befanden sich Menschen auf den Gleisen. Gegen 22 Uhr erreichte der Atommüll-Transport dann das Atommülllager und eine weitere Stunde später wurden die Castoren in die Lagerhalle gefahren.

Die für 24 Uhr in der Presselounge in Greifswald angekündigte Pressekonferenz der "Anti-Atom-Initiative Nord-Ost" wurde in den späten Abendstunden auf heute Mittag um 12 Uhr verschoben.

Um 18:30 Uhr hatte der Castor-Ticker gemeldet, erste Gefangene würden aus der GeSa in Wolgast entlassen. Gegen 20 Uhr formierte sich in Kräpelin eine spontane Solidaritätsdemonstration mit allen Gefangenen. Etwa um die gleiche Zeit wurden Demonstranten aus zwei Polizei-Bussen überraschend und ohne Personalienkontrolle freigelassen. Um 20:30 Uhr waren, bis auf die Aktivisten von Robin Wood, Greenpeace und einigen weiteren Demonstranten, die meisten Gefangenen freigekommen. Nach Auskuft des Ermittlungsausschusses (EA) befanden sich unter den weiterhin in der GeSa festgehaltenen Demonstranten auch zwei Schweden und ein Däne, die ohne Dolmetscher-Hilfe zurechtkommen mussten.

Nach Auskunft des Castor-Tickers wurden die freigelassenen Demonstranten von einem Empfangskommitee begrüßt.

Allen Demonstranten und Aktivisten, die bei Schnee, Dunkelheit und Eiseskälte über mehrere Tage und Nächte hinweg ihren Protest gegen die verlogene Atompolitik der wortbrüchigen Bundesregierung auf die Straße und die Gleise gebracht haben - stellvertretend für die Mehrheit der Bundesbürger! - gilt meine volle Hochachtung. Es ist aber noch nicht zu Ende. Für das Frühjahr 2010 ist der nächste Castor-Transport mit hochradioaktivem Atommüll, der ebenfalls aus Karlsruhe stammt, nach Lubmin angekündigt.


Lubmin niX da!


(Quellen: Castor Ticker, Frankfurter Allgemeine vom 17.12.2010, Die Presse vom 16.10.2010, Stern vom 16.12.2010, Hamburger Abendblatt vom 16.12.2010, Welt vom 16.12.2010, MDR-Nachrichten vom 16.12.2010, NDR-Nachrichten vom 16.12.2010, Tagesschau des Schweizer Fernsehens vom 16.12.2010Robin Wood) ,

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Castor-Transport kurz vor dem Ziel gestoppt


Foto: © Chris G.: Robin Wood Blockade - direkt nach Aktionsstart!

Heute Nacht musste der Zug in den frühen Morgenstunden bei Halle wegen einer defekten Weiche eine halbstündige Zwangspause einlegen und traf kurz nach halb fünf in Magdeburg ein. Zuvor hatte die Polizei am Bahnhof Buckau eine Sitzblockade aufgelöst und fünf Personen, darunter einen Magdeburger Stadtrat, in Gewahrsam genommen. Nachdem der Castor Magdeburg gegen 8 Uhr verlassen hatte, wurden sie wieder freigelassen.

Gut eine Stunde später musste der Castor-Transport kurz vor Ludwigslust erneut eine Pause einlegen, weil sich dort viele Menschen auf den Gleisen befanden. Davon war dann allerdings auch ein ICE betroffen, der kurz hinter dem Castor Transport anhielt. Nach dem die Blockade, die unter dem Motto "Euer Nonsens ist kein Konsens" stand, nach ca. 30 Minuten aufgelöst worden war, setzte sich der Atommüllzug gegen 10 Uhr wieder in Bewegung.

Die Tagesschau berichtete heute Morgen auf ihrer Internetseite, zwischen Rostock und Stralsund seien auf einer Länge von rund 30 Metern Steine bis auf eine Tiefe von zehn Zentimetern aus dem Gleisbett entfernt worden. Der Zugverkehr habe deshalb kurzzeitig unterbrochen werden müssen. Der Schaden sei aber inzwischen von der Bundespolizei behoben worden.

Gegen Mittag häuften sich dann die Mitteilungen des Castor-Tickers. Um 11 Uhr saßen zwischen Vierow und Krepelin etwa 200 Menschen auf den Schienen. Die Sitzblockade, die sich weiterhin stetig vergrößerte wuchs innerhalb einer halben Stunde auf ungefähr 300 Menschen an.

Bei Stilow hatten währenddessen drei Aktivisten von Robin Wood versucht, es sich mit Seilen über der Bahnstrecke gemütlich zu machen. Der Polizei gelang es jedoch, zwei von ihnen davon abzuhalten. Nachdem eine Polizeikette in Brünzow aufgelöst worden war, waren auch dort Demonstranten auf die Schienen gelangt.

Während der Castor kurz nach Mittag an Rostock vorbeifuhr, waren dort zahlreiche Demonstraten zur "Schieneninspektion" an den Gleisen unterwegs. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass drei Greenpeaceaktivisten etwas mehr Glück hatten, als diejenigen von Robin Wood. Sie hatten sich bei Diedrichshagen (Greifswald) erfolgreich - zusammen mit ihrem Banner - über den Gleisen "aufhängen" können.

Kurz vor 13 Uhr sorgten mehrere Hundertschaften der Polizei und ein Wasserwerfer bei der Blockade in Höhe von Brünzow dafür, dass niemand mehr in Richtung Vierow durchkam. Etwa um die gleiche Zeit gingen vier Gruppen à 20 Personen von Kräpelin aus auf die Schienen, und meldeten, sie kämen noch "gut durch", und im Raum Greifswald waren zahlreiche Kleingruppen unterwegs. Kurz darauf drohte die Polizei den Teilnehmern an der Sitzblockade bei Brünzow für den Fall, dass sie nicht freiwillig aufstehen würden, Gewalt an.

Irgendwann hatten dann aber auch die Aktivisten von Robin Wood Glück. Um 13:20 Uhr meldete der Castor Ticker, zwei von ihnen hätten sich in einem Betonblock zwischen Diedrichshagen und Kemnitz an den Gleisen befestigt. Die Bundespolizei sei vor Ort und vertreibe die Presse. Derweil hingen die drei Greenpeace Aktivisten weiterhin über den Gleisen, und am Bahnhof in Greifswald hielten sich auf einer Strecke von ca. einem Kilometer Demonstranten an den Gleisen auf. Vier Demonstranten die hinter dem Greifswalder Bahnhof auf die Gleise gelangt waren, wurden von der Polizei weggetragen.

Um 13:45 Uhr wurde damit begonnen, das Banner von Greenpeace samt der dazugehörigen Aktivisten mit Hilfe eines Kranwagens von ihrem luftigen Aufenthaltsort über den Gleisen bei Diedrichshagen abzuhängen. Inzwischen stellte sich heraus, dass der Betonblock "Modell Süschendorf" von Robin Wood sich unter den Schienen befindet.

Gegen 14 Uhr begann die Polizei mit der Räumung der Sitzblockade zwischen Brünzow und Kräpelin/Vierow und an den Landstraßen aus Greifswald heraus werden Straßensperren errichtet. Kurze Zeit später verbreitete sich das Gerücht, in Greifswald sei offenbar mehreren Polizeiautoreifen die Luft ausgegangen.

Gegen 15:30 Uhr wurde die Blockade bei Brünzow innerhalb kurzer Zeit geräumt. 120 Demonstranten wurden in einem Polizeikessel festgehalten. Decken gegen die Kälte waren vorhanden - Toiletten aber nicht. Nach und nach wurden Menschen aus dem Kessel zur Gefangenen Sammelstelle (GeSa) in Wolgast gebracht: Es gabt nicht genug Polizeifahrzeuge für so viele Demonstranten. Der Abtransport der Demonstranten nach Wolgast zog sich über eine längere Zeit hin. Kurz nach 17 Uhr waren drei Gefangenenbusse in Wolgast eingetroffen. Es hieß, die Gefangenen würden bis zur Einfahrt der Castoren in das Zwischenlager in der GeSa festgehalten werden. Nach Auskunft von "Lubmin niX da!" dürfe die Polizei die Gefangenen jedoch nicht länger als acht Stunden in Gewahrsam behalten. Diejenigen Blockierer, die nicht in den Kessel geraten waren, hatten sich direkt im Anschluss an die Auflösung der Blockade auf den Weg nach Vierow und Brünzow gemacht. Um die gleiche Zeit traf ein technischer Zug der Polizei bei der Blockade von Robin Wood ein und untersuchte den Betonblock.

Kurz nachdem der Castor-Zug die Brücke bei Diedrichshagen passiert hatte, bei der vorher die Greenpeace-AktivistInnen hingen, kam er etwa 200 Meter vor der noch existierenden Blockade von Robin Wood bei Diedrichshagen zum stehen und wenig später verhängte die Polizei Platzwerweise gegen die Betreuer der Aktivisten von Robin Wood.

Um 16 Uhr meldete der Castor-Ticker, die Robin Wood Aktivisten der Blockade bei Diedrichshagen würden unter einem Zelt mit Decken und Tee versorgt und deren Betreuer seien in Gewahrsam genommen worden. Zeitgleich begannen in Kräpelin etwa 20 Menschen spontan mit einer Demonstration und die Polizei war damit beschäftigt, Schneewehen neben der Schienenstrecke zu räumen. Eine Stunde später hieß es, die Polizei habe Schwierigkeiten Material zur Blockadestelle zu bringen, habe aber damit begonnen, den Betonblock der Robin Wood Blockade zu bearbeiten. Es könne sich nur noch um Stunden handeln. Von "Lubmin niX da!" war zu hören, die Presse sei an der Blockade zugelassen.

Gegen 17:30 wurde bekannt, dass die Sanitäter von der Polizei in ihrer Arbeit behindert würden. Sie würden häufig durchsucht und ihnen werde der Zugang zu den Aktionen verweigert, wo die Menschen im Notfall auf ihre Hilfe angewiesen seien. Um die Mittagszeit herum war schon bekannt geworden, dass die Polizei gegen die Sanitäter aus Guest ein Platzverweis für die gesamte Schienenstrecke ausgesprochen hatte ...

Allen Unkenrufen einiger Zeitungen und der ZDF-Nachrichten zum Trotz scheint den Atomkraftgegnern und den Polizisten - Robin Wood sei Dank! - wohl eine weitere, kalte Nacht bevorzustehen. Auch wenn es anfangs nicht unbedingt danach ausgesehen hatte: Bis "heute Nachmittag" wird es mit Sicherheit nicht mehr gelingen, die Castoren im Atommülllager Nord abzuliefern.

(Stand 18:00 Uhr)


Lubmin niX da!

Quellen: TAZ-Live Ticker, Süddeutsche Zeitung vom 16.10.2010, Neue Züricher Zeitung vom 16.12.2010, Der Standard vom 16.12.2010, Focus vom 16.10.2010, Tagesschau vom 16.12.2010, NDR vom 16.12.2010, Spiegel vom 15.12.2010, Greenpeace Nachrichten und Presseerklärung, Robin Wood, LAgA-Presseerklärung zur Mahnwache am 15.12.2010, Subkontur)