Donnerstag, 22. Juli 2010

Digitalwetter


Bremerhaven: Stoppelsteppe (Rasen am Deich beim Neuen Hafen)

Nach der langen Trockenperiode, nur unterbrochen durch gelegentliche kurze Gewitter, verwandeln sich die ehemals grünen Rasenflächen in der Stadt nach und nach in gelbbraune Stoppelsteppen. Es knistert und staubt, wenn der Fuß darauf tritt. Während meiner Radtour am letzten Sonntag habe ich Blaubeersträucher gesehen, an denen winzige vertrocknete blaue Beeren hingen. Im Speckenbütteler Park sind die Teiche an der Parkstraße beim Geestbauernhaus ausgetrocknet.

Digitalwetter:
  • eisige Kälte - knips: glühende Hitze
  • nasser Winter - knips: trockener Sommer

Nachdem man gerade noch eine warme Jacke brauchte, schwitzte man in der Woche darauf bei an die 30 °C Hitze. Unsere Freunde im Frankenwald beneiden uns derzeit wegen der "kühlen Temperaturen" an der Nordseeküste. In anderen Gegenden Deutschlands ist es 38 °C warm. Ich kann mich noch an Jahre erinnern, in denen es einen koninuierlichen Temperaturanstieg im Frühling und einen ebenso kontinuierlichen Rückgang der Temperaturen im Herbst gab. Ich kann nur nicht mehr mit Gewissheit sagen, wann ich das zum letzten Mal erlebt habe. Auf jeden Fall fehlt dem Wetter in diesem Jahr irgendwie das richtige Mittelmaß mit der richtigen Mischung von Sonne und Regen. Früher habe ich immer gesagt: "Was soll's. Das Wetter müssen wir so nehmen, wie es kommt. Ändern tun wir eh nichts daran."

Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so ganz sicher. Jedenfalls ist es wohl nicht nur in unseren Regionen extrem heiß, sondern auch global gesehen bleibt es bei der steigenden Tendenz der letzten fünf Jahzehnte. In der Klima Lounge gibt es dazu einen interessanten Artikel, den Stefan Ramstorf am 14. Juli 2010 veröffentlicht hat: Heiß!

Am 23. Juni erschien dort auch ein lesenswerter Artikel über fehlerhafte Anschuldigungen gegen den IPCC-Klimareport von 2007, die über Pressberichte veröffenlicht worden waren, die sogenannten "Klimaskeptiker" beflügelt hatten, und starke Irritationen in der am Klimaschutz interessierten Öffentlichkeit verursacht hatten. Der Artikel "Sunday Times zieht 'Amazongate' zurück" berichtet über die Hintergründe, und darüber, dass bisher nur die von Forschern reklamierten und mit wissenschaftlichen Fakten widerlegten Anschuldigen zurückgezogen wurden. Daher kursieren noch genug Hirngespinnste in den Köpfen, um dringend notwendige Maßnahmen gegen die globale Klimaerwärmung in die Wege zu leiten.


(Quellen: Klimalounge)

Mittwoch, 21. Juli 2010

Ökologisches Altbau-Quartier Lehe/Mitte?

Unter dem Titel "Lehe soll Vorzeige-Stadtteil werden" schrieb die Nordsee-Zeitung am 20.07.2010 in ihrer Serie "Wo liegt Klimastadt?" über die Idee von einem Öko-Altbauviertel. Die Konzeptstudie "Klimastadt Bremerhaven" schlage vor, in Teilen der Stadtteile Lehe und Mitte einen ökologischen Altbaustadtteil zu entwickeln. Zentrale Themen dafür seien Energie, Wasser, Abfall und Mobilität.

So weit, so gut. Das war es dann aber auch schon. In dem Artikel steht irgendwie nicht wirklich das drin, was man anhand der Schlagzeile hätte erwarten können.

Gut die Hälfte des Textes ist nämlich ausschließlich den Skeptikern gewidmet, die wahrscheinlich wieder einmal viel Geld für die Studie ausgegeben haben - man will ja schließlich zeigen, dass man etwas dafür tut, um dem angestrebten Titel "Klimastadt" gerecht zu werden - aber die Ergebnisse am liebsten gleich in irgendeiner Schublade verschwinden lassen würden. Die Probleme im Leher Gründerzeitquartier sind aus einer Vielzahl aufreißerischer Negativ-Schlagzeilen der Boulevardpresse hinreichend bekannt. Wenn man es allerdings dabei belässt, oder wie mit dem Artikel in der Nordsee-Zeitung noch einmal kräftig in der eigenen Wunde bohrt, dann hat das mit Stadtentwicklung nicht viel zu tun. Wer die Probleme nicht offensiv angeht, der nimmt billigend in Kauf, dass ein bisheriges Problemviertel endgültig zu einem zukünftigen Slum-Viertel verkommt. Mit dem den in der Titelzeile des Artikels der Nordsee-Zeitung vollmundig angekündigten "Vorzeige-Stadtteil Lehe" wird es so jedenfalls nie etwas werden. Unter diesem Titel hätte ich eigentlich jede Menge gute Ideen und Lösungsansätze erwartet, mit denen aus Lehe in vielleicht 10 Jahren tatsächlich ein Vorzeige-Stadtteil entstehen könnte.

Abgesehen von der technischen Umsetzung, für die es aber Lösungen gibt, sowie dem Mangel an finanziellen Mitteln, beziehen sich die Bedenken im Kern auf die hohe Anzahl einzelner Eigentümer. Es sei sei schwierig, so viele Beteiligte für eine Idee zu gewinnen. Mit einer großen Eigentümer- oder Wohnungsbaugesellschaft sei so etwas leichter umsetzbar.

Dieser Einschätzung schließt sich Herr Bruns (Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven - Stäwog, Geschäftsführer) gerne an. Die Nordsee-Zeitung zitiert ihn mit den Worten: "Die Idee ist in Lehe unrealistisch. Das kriegt man nicht hin." Es fehle das Kapital zur ökologischen Sanierung. Bereits jetzt können oder wollen Eigentümer nicht investieren.

Klar: Das wird wohl schon so sein. Es hat aber auch niemand behauptet, dass "Stadtteilentwicklung in Lehe" der leichte Weg ist. Aber im Sinne der Zukunft Bremerhavens und der Bestandspflege in den Stadtteilen ist es ein notwendiger, wenn auch steiniger Weg.

Weitere Bedenken kommen aus dem Stadtplanungsamt:
  • Lehe ist ein Problemstadtteil
  • Hoher Immobilien Leerstand
  • Schlechte Gebäudesubstanz
  • Problematische Mieterstruktur
  • Geringe Investitionsbereitschaft
  • Vielfalt der Fassaden ist prägend für Leher Grunderzeitviertel
    • d.h., Schmuckfassaden dürfen nicht "kaputtgedämmt" werden
      Möglichkeiten gibt es aber bei Keller, Dach, Fenster, Heizung
In dem Artikel der Nordsee-Zeitung werden bezüglich der Dämmung von Gründerzeithäusern beispielhaft erfolgreich umgesetzte Maßnahmen der Stäwog in Geestemünde und Wulsdorf genannt. Außerdem ist dem Artikel ein Foto des Vorzeige-Gründerzeithauses in der Goethestraße 43 abgebildet, das sich ebenfalls im Besitz der Stäwog befindet, und im Rahmen eines Wohnprojektes saniert wurde. Ökologische Sanierung von Gründerzeithäusern ist also machbar. Damit finanzschwache Immobilieneigentümer sich daran beteiligen können, fehlt es also nur noch am politischem Willen, ihnen dabei hilfreich unter die Arme zu greifen

Wer mit offenen Augen durch den Leher Ortsteil Goethestraße geht, der sieht sowohl die genannten Schattenseiten wie auch die vielen von ihren Eigentümern liebevoll instand gehaltenen Gründerzeithäuser. Diese großen, privaten finanziellen Anstrengungen sind in Anbetracht der überwiegend negativen und damit abschreckenden Berichterstattung in der Presse, die neben anderen Faktoren ebenfalls zu den geringen Miteinnahmen beiträgt, besonders hervorzuheben.

Die in Bremerhaven tätigen Wohnungsbaugesellschaften wurden in der Vergangenheit mit finanziellen Mitteln unterstützt, die aus öffentlichen Töpfen akquiriert wurden (z.B. für Rückbaumaßnahmen in Leherheide, Grünhöfe etc.).
  • Könnten solche Mittel nicht auch zur Unterstützung für die ökologische Sanierung privater Immobilien in einem ausgeweisenen "Öko-Altbau-Quartier Lehe/Mitte" akquiriert werden?

Den großen Wohnungsbaugesellschaften, die es bei der großen Anzahl ihrer Mieter auch schon mal verschmerzen können, wenn sich einige säumige Zahler darunter befinden, ist schon sehr mit öffentlichen Geldern geholfen worden. Das Gebäude eines privaten Immobilieneigentümers kann jedoch leicht zur Ruine verkommen, wenn es auch nur einen säumigen Zahler unter den Mietern gibt, oder wenn sich darunter ein Mietnomade befindet, der plötzlich verschwindet, und die Wohnung in total verwahrlostem Zusatend hinterlässt. Auch den einen oder anderen Leerstand können die Wohnungsbaugesellschaften leichter verkraften, als ein privater Immobilieneigentümer, in dessen Haus die Hälfte der Wohnungen nicht belegt ist.

"Eigentum verpflichtet", heißt es. Geschädigten Eigentümern fehlt aber schlicht und einfach das Geld aus den Miet-Einnahmen, um ihre Häuser auch nur notdürfig instandzuhalten oder gar zu sanieren. Ihnen pauschal vorzuwerfen, sie würden ihre Häuser aus reinem Desinteresse verkommen lassen, ist zu kurz gegriffen. Fortschreitende Verwahrlosung führt dann irgendwann zum Auszug der noch verbliebenen Mieter, die mit den sich verschlechternden Zuständen immer unzufriedener werden. Die Immobilie verkommt immer mehr. An eine Neuvermietung ist dann irgendwann gar nicht zu denken. Ein gesundes Quartier lebt von der Vielfalt seiner Bewohner aus allen sozialen Schichten unserer Gesellschaft. Wer aber unter dem beschriebenen Druck "billig" vermietet, der trägt damit dazu bei, die Basis für die vom Stadtplanungsamt genannte "Problematische Mieterstruktur" zu legen und zu fördern. Darunter leidet dann auch das Umfeld des verfallenden Gebäudes. Wer - abgesehen von denen, die keine andere Wahl mehr haben - wohnt schon gerne in direkter Nachbarschaft zu einer verwahrlosten Ruine?

Wenn private Immobilienbesitzer aufgrund derartiger Probleme in finanzielle Schieflage geraten, dann wäre es unter dem Gesichtspunkt der Gleichberechtigung fair, wenn diese, ebenso wie die Wohnungsbaugesellschaften, auf öffentliche finanzielle Unterstützung zurückgreifen könnten. Die Immobilien würden nicht verwahrlosen, und sanierte Wohnungen, die in gutem Zustand sind, lassen sich auch für angemessene Mietpreise wieder vermieten. Das würde sich dann auf die Dauer auch in einer höheren Wohnqualität niederschlagen. So manches Gründerzeithaus, das aufgrund von Schädigungen der Eigentümer durch zahlungsunwillige bzw. zahlungsunfähige Mieter oder durch Immobilienspekulationen inzwischen auf der "roten Liste" des Stadtplanungsamtes steht, und das jetzt nicht mehr zu retten ist, wäre erhalten geblieben, wenn die Immobilieneigentümer mit den unverschuldeten Problemen nicht jahrelang allein gelassen worden wären.

Die Probleme vor Augen zu haben, aber die Hände in den Schoß zu legen, und zu sagen: "Lehe ist eh nicht mehr zu helfen.", löst die Probleme nicht! Ebenso kontraproduktiv ist es, wenn ständig nur die Schattenseiten des Quartiers in der Öffentlichkeit breitgetreten werden. Trotz nicht zu übersehender Probleme ist das Leben im Leher Ortsteil "Goethestraße" lebenswert!


Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe

Seit dem 1. September 2009 gibt es im Leher Ortsteil "Goethestraße" die "Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe" (ESG-Lehe). Diese wird über die Idee "Öko-Altbau-Quartier" mit Sicherheit diskutieren. In den zehn Monaten ihres Bestehens haben die Mitglieder der ESG-Lehe schon einige öffentliche Veranstaltungen zu Themen rund um die Instandhaltung und Sanierung von Altbauten abgehalten. Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit verschiedenen Themen, die irgendwann einmal zur Aufwertung des Viertels beitragen sollen.

Eines der am weitesten gediehenen Starter-Projekte der ESG-Lehe ist die Einrichtung eines Altstadtrundweges, der dabei helfen soll, nicht im Ortsteil ansässigen Mitbürgern und Gästen aus anderen Gegenden Deutschlands auch die schönen und die interessanten Seiten des Quartiers nahezubringen. Für die Entwicklung des Viertels ist es wichtig, dass die Leute wissen, was von den Negativ-Schlagzeilen in der Presse zu halten ist.

Am 17. September wird die ESG-Lehe zur Einführung ein Auftaktfest entlang des zukünftigen Altstadtrundweges veranstalten.

Nach dem baldigen Abschluss der Planungsphase werden die vorgesehenen Installationen nach und nach verwirklicht werden.


Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel

Ebenso, wie die ESG-Lehe ihre Projekte aufgrund beschränkter Resourcen nur Schritt für Schritt voranbringen kann, könnte auch die Stadt Bremerhaven mit kleinen Schritten nach und nach die ökologische Sanierung der bisherigen Problemstadtteile hin zu einem intakten und angesagten "Öko-Altbau-Quartier Lehe/Mitte" unterstützen und fördern. Wenn sich der Erfolg erster Maßnahmen herumsprechen würde, ehemals leerstehende, hochwertig sanierte Wohnungen wieder vermietet würden und wieder Geld ins Quartier flösse, dann würde die öffentliche finanzielle Unterstützung mit Sicherheit irgendwann nicht mehr notwendig sein.

Dass Bedarf für hochwertigen Wohnraum in Altbauquartieren vorhanden ist, wird in dem Artikel der Nordsee-Zeitung als positiver Aspekt für die Entwicklung der Altbauquartiere hervorgehoben.

Vor allem höhere Bildungsschichten würden Altbauten bevorzugen, die deren ökologischen Bewusstsein entsprächen. Wenn allerdings die Windenergiebranche, die Hochschule, das Alfred-Wegener-Institut und andere wissenschaftlich/technische Institutionen weiter wüchsen dann hätte Bremerhaven dafür kein entsprechendes Wohnungsangebot vorzuweisen. Allein aus diesem Grund wäre es unvernünftig, das Leher Gründerzeitviertel weiterhin dem Siechtum preiszugeben.


(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 20.07.2010)

Dienstag, 20. Juli 2010

Das wilde Moor meiner Kindheit


Weg ins Fehrmoor auf der Leherheider Seite

Am westlichen Stadtrand Bremerhavens gibt es einige Moorgebiete, die allerdings aufgrund der Urbarmachung durch den Menschen, durch den Torfabbau und die damit einhergehende Trockenlegung teilweise kaum noch als solche zu erkennen sind. Interessant zu wissen ist es diesem Zusammenhang vielleicht, dass man auf der Autobahn A27 im Abschnitt zwischen den Abfahrten Bremerhaven Mitte und Bremerhaven Überseehäfen auf einer Brücke, der Moorbrücke, fährt. Diese steht auf Brückenpfeilern, die im Sandboden unter dem Moor gegründet sind. Auch im Süden Bremerhavens gibt es einen auf Pfählen gegründeten Abschnitt der A27.



Der Weg durch das Fehrmoor ...


Das überwiegend von Birken bewachsene Moorgebiet zwischen dem Bremerhavener Stadtteil Leherheide und Spaden war der Spielplatz meiner Kindheit. Zwischen den Birken hatten in der Vergangenheit Landwirte immer wieder mal Bäume für die eine oder andere Wiese gerodet. Als meine Eltern mit uns Kindern von der Hafenstraße in Lehe aus einer Zwei-"Zimmer" Dachmansarde in die geräumige Dreizimmer-Wohnung eines gerade fertiggestellten Neubaus nach Leherheide in den Surhörenweg zogen, gab es dort neben den drei ersten Wohnblocks der Gewoba im Surhörenweg (der heutigen Kurt-Schumacher-Straße) und drei baugleichen Wohnblocks in der Louise-Schröder-Straße nur Wiesen, das Moor, eine Abdeckerei (dort, wo heute das Einkaufszentrum ist) und die Siedlungshäuser der alteingesessenen Leherheider.



... wird von einer großen Vielfalt an Wildblumen gesäumt ...

Einkaufsmöglichkeiten gab es - zumindest in meiner kindlichen Wahrnehmung der damals immer noch ziemlich großen Welt der Erwachsenen - erst "eine Weltreise entfernt" an der Einmündung des Debstedter Wegs in die Langener Landstraße. Ansonsten kam in regelmäßigen Abständen ein zu einem rollenden Lebensmittelladen umgebauter ehemaliger Reisebus vorbei. Wenn wir seine Glocke läuten hörten, schickte mich meine Mutter manchmal mit einem Einkaufszettel und unserer Milchkanne nach unten. Im Bus gab es ein Milchfass mit einer Handpumpe darauf, mit der die fahrenden Lebensmittelhändler die Milchkannen ihrer damals noch am Rande der Zivilisation hausenden Kunden füllten. Die Milchkannen sind inzwischen ausgestorben. Heutzutage einen Liter Milch zu kaufen, ohne dabei den üblichen Beitrag zur Versorgung der heimischen Müllverbrennungsanlage mit Brennmaterial zu leisten, ist schier undenkbar. Mit Zivilisation hat das aus meiner Sicht allerdings auch nichts zu tun ...



... die ihrerseits von einer großen Anzahl an Insekten bevölkert werden

Ich muss damals so ungefähr 6 Jahre alt gewesen sein, als ein älterer Spielkammerad meinte, wir könnten ja einmal ins Moor gehen. Ich, das Leher "Großstadtkind", war augenblicklich fasziniert von der neuen Welt, die sich da vor meinen Augen ausbreitete. Wir Kinder haben aus getrockneten Grasbüscheln und herumliegenden Zweigen und Ästen Heuhütten gebaut, oder Blindschleichen, Kaninchen, Ringelnattern, Schnecken, Eidechsen oder Rehe beobachtet.


Mikrokosmos im Moor: Biene und Spinne auf der Suche nach Nahrung

Neben "Mutter und Kind", vorzugsweise wenn die Mädchen mitspielten, war "Cowboy und Indianer" ein beliebtes Spiel - ihr wisst schon: Das Spiel, bei dem sich die friedliebenden Cowboys immer gegen die fiesen Rothäute zur Wehr setzen müssen, und bei dem die Indianer immer den kürzeren ziehen. Da ich noch nie Interesse daran hatte, anderen zu beweisen, was für ein starker Kerl ich bin, war ich meistens der "Dok", der in der Strohütte, die als Saloon ausgeguckt worden war, die imaginären Pfeile aus den realen Armen und Beinen der "nur so als ob" verwundeten Cowboys herauszog. Wenn der rothäutige Medizinmann, der es allerdings eher mit imaginären Bleikugeln zu tun hatte, und ich einen guten Tag hatten, dann konnte das Spiel ewig dauern. - Mein Interesse an "Cowboy und Indianer" erlosch allerdings ziemlich bald, nachdem ich den ersten Band von Karl May's "Winnetou" Trilogie verschlungen hatte: Mein bis dahin gefestigtes Bild von der fiesen Rothaut bekam Risse und begann sich zu wandeln.



Die Birke mit ihrer weißen Rinde: Ein typischer Baum im Hochmoor

Großen Respekt hatten wir vor der heimlichen Anwesenheit der giftigen Kreuzottern. Wir haben nur selten eine von ihnen zu Gesicht bekommen. Meistens machten sie sich rechtzeitig aus den Staub, wenn wir den weichen Torfboden mit unseren Schritten zum Schwanken brachten. Kreuzottern sind da sehr sensibel und gegenüber dem Menschen äußerst scheu. Dafür musste so mancher Frosch unfreiwillig als unser Spielgefährte herhalten (es ist aber nie einer dabei ernsthaft zu Schaden gekommen). Nachdem meine Schwester und ich "zur Freude unserer Mutter" die Laichballen unserer unfreiwilligen Spielgefährten zu Hause in einem improvisierten Aquaruim gehütet und gepflegt hatten, schwammen kurz darauf süße, winzige Kaulquappen darin herum, die bald darauf zu richtigen kleinen Fröschen mutierten. Angesichts der freundlichen, aber unmissverständlichen Aufforderung unserer Mutter, hieß es dann aber tränenreichen Abschied nehmen von unseren zahlreichen kleinen Lieblingen, die irgendwann begonnen hatten über den Rand des "Aquaruims" zu springen, und sich daran machten die große, weite Welt unserer Wohnung zu entdecken. Im Alter von fünfzehn oder sechzehn Jahren, in dem die Kinder heutzutage eher an "Spielkonsole", "Jugenddisko" oder "Shoppen" denken, als an aufregende Abenteuer in der Natur, habe ich noch immer gelegentliche Streifzüge durch das Moor unternommen. Erst in dieser Zeit begannen wir uns so nach und nach auch für andere Freizeitaktivitäten zu intressieren.



Fehrmoor: Moorwiesenlandschaft in der Nähe von Debstedterbüttel

Meine ersten Schritte auf dem Weg zum Naturschützer machte ich übrigens so mit ungefähr 12 Jahren, als Bauarbeiter damit begannen, zur Vorbereitung für den Bau einer Straße, eine Schneise durch "mein Moor" zu schlagen. Ich war deswegen damals ziemlich sauer auf diese Blödmänner, die offensichtlich keinen blassen Schimmer davon hatten, welchen Schaden sie da anrichteten. Selbstgemalte Holzschilder, mit Bindedraht an den Bäumen befestigt, sollten ihnen ins Gewissen reden und sie von ihren üblen Machenschaften abhalten. Allerdings waren diese Bauarbeiter entweder des Lesens nicht mächtig, oder es handelte sich bei ihnen tatsächlich um gewissenlose, skrupellose Strolche ... - Das kurze Stück Straße, das in Verlängerung der Hans-Böckler-Straße zum heutigen Gewerbegebiet an der Fritz-Erler Straße führt war allerdings erst der Anfang vom Ende. Heute durchqueren die Autobahn und der Autobahnzubringer Cherbourger Straße mit der Anschlussstelle Freihäfen "das Wilde Moor meiner Kindheit". Auf dem letzten Rest des Moor-Geländes zwischen der Kurt-Schumacher-Straße und dem Zubringer entstand später ein nett angelegter "Abenteuer-Spielplatz" für die Kinder des Stadtteils Leherheide.



Sandweg am Rande des Fehrmoors bei Debstedterbüttel

Es hat danach aber nicht mehr sehr lange gedauert, bis ich mir darüber klar wurde, dass man schon öffentlichkeitswirksam als Gruppe auftreten muss, wenn man etwas für den Umweltschutz erreichen will. David McTaggert's "Segeltörns zum Moruroa-Atoll", auf dem die Franzosen damals oberirdisch Atombomben testeten, und die ersten Versuche der aus diesen Aktionen hervorgegangenen, damals noch kaum bekannten Umweltschutzgruppe "Greenpeace", Wale vor den Harpunen ihrer Henker zu retten, wurden wenige Jahre später zu meinen Vorbildern. In den Augen der meisten Menschen in meiner Umgebung waren diese Versuche damals mindestens ebenso naiv, wie meine einige Jahre zuvor mit Bindedraht an Bäumen befestigten Holzschilder. Aber die Franzosen haben aufgrund weltweiter Proteste damit aufgehört, auf Moruroa ihre Atombomben zu testen. Und irgendwann wird auch der Kampf um das Überleben der großen Wale endgültig gewonnen sein ...


Durch das Fehrmoor


Zwischen Leherheide & Debstedt: Gesperrte Brücke über die Große Beek ...

Das erste Etappenziel meiner Radtour am letzten Wochenende war das zwischen Leherheide und Debstedt gelegene Fehrmoor. Es war unter anderem durch die in der Lokalpresse bekanntgegebene Vollsperrung der Brücke über die Große Beek in den Blickpunkt meines Interesses gerückt. Seit der Sperrung ist der von Fußgängern und Radfahrern genutzte Weg von Leherheide nach Debstedt blockiert. Ich bin zwar kein Brückenfachmann, aber im Gegensatz zu anderen gesperrten Brücken in Bremerhaven kann ich nicht erkennen, warum diese Brücke für Fußgänger oder Radfahrer eine Gefahr darstellen sollte. Wäre die Gitterkonstruktion der Brücke bei der Alten Luneschleuse in der gleichen Verfassung, wie die fünf stählernen Doppel-T-Träger unter den Planken der Brücke über die Große Beek, dann würde sie meines Erachtens noch einmal 100 Jahre überstehen.



... mit 5 Doppel-T-Trägern: Gefahr für Fußgänger und Radfahrer?

Während ich mir die Brücke ansah, kam aus Richtung Leherheide ein Ehepaar mittleren Alters auf Fahrrädern angefahren. Die beiden hielten vor der Absperrung an, hoben ihre Fahrräder darüber hinweg, überquerten die Brücke, wiederholten die Prozedur mit den Rädern an der gegenüberliegenden Absperrung, und fuhren weiter ihres Weges in Richtung Debstedt. Die Brücke hat dabei übrigens keinen sichtbaren Schaden davongetragen. Wir drei haben kurz über die Vollsperrung der Brücke gesprochen. Die beiden meinten, es sei beschämend, dass die Stadt Millionen für eine gläserne Brücke über den Alten Hafen ausgibt, aber angeblich kein Geld für die Instandsetzung der im Vergleich damit geradezu primitiven Brücke über die Große Beek vorhanden sei.



Brücke Marke Eigenbau über die Große Beek im Fehrmoor

Ich bin dann aber ein paar Meter zurückgefahren, und wie geplant in den Weg durch das Fehrmoor abgebogen. Auch auf diesem Weg gab es früher einmal eine Brücke über die Große Beek, die aber wohl irgendwann einmal abgerissen worden sein muss. Bis auf den asphaltierten Weg, der zu beiden Seiten des Baches quasi im Nirgendwo endet, erinnert nicht mehr sehr viel daran. Irgend jemand hat später aus aufeinandergestapelten Gehwegplatten als Brückenpfeiler und ein paar darauf gelegten Holzplanken eine ziemlich abenteuerliche Brücke Marke Eigenbau gebastelt, die ich mühelos mit meinem Fahrrad überqueren konnte. Allerdings habe ich das Fahrad dabei geschoben. Fahren erschien mir aufgrund der äußerst geringen Breite der Brücke und des scharfen Knicks vor dem anderen Ufer dann doch "etwas" zu gewagt.



Im Fehrmoor: Die Große Beek

Entlang des Weges durch das Moor sind im Laufe vieler Jahre immer mehr Wochenendgrundstücke angelegt worden, Gartenpflanzen und moorfremde Bäume, wie z.B. Nadelbäume, die von den Grundstückseigentümern angepflanzt wurden, haben die für ein Hochmoor eher typischen Birken aber noch nicht ganz verdrängen können. Einige der Wochenendgrundstücke wurden offensichtlich irgendwann aufgegeben und werden jetzt von der Natur zurückerobert. Der Wegrand wird von einer großen Vielfalt an Wildblumen gesäumt, die wiederum von einer mindestens ebenso großen Anzahl an Insekten bevölkert werden. Auch wenn die wilde Blütenpracht nicht zu übersehen ist, entdeckt man diesen Mikrokosmos jedoch nicht im Vorüberfahren. Dazu muss man schon einmal anhalten und die Umgebung auf sich und seine Sinne wirken lassen. Vom Weg aus betrachtet sieht es im Fehrmoor zwar nicht im geringsten so aus, wie in der Wildnis meiner Jugend, aber die typische Mischung sommerlicher Düfte aus Torf, feuchtwarmen Gräsern, Kräutern und vermoderndernden Pflanzenresten, die summenden und zirpenden Geräusche der Insekten, der Gesang der Vögel und der Anblick in der Sonne tanzender Schmetterlinge weckten doch wieder die Erinnerungen an meine Kindheit im Moor.



Verwilderte Einfahrt zu einem ehemaligen Wochenendgrundstück

Am Ende des Weges durch das Fehrmoor findet man sich auf der Debstedter Seite dann plötzlich auf dem Sandboden der Ausläufer der Hohen Lieth wieder. Die "Hohe Lieth" ist die Seitenmoräne eines Gletschers aus der Eiszeit, die sich östlich der Weser in Richtung Norden bis nach Cuxhaven hinzieht. Auch der größte Teil des "alten" Leherheide liegt auf Ausläufern der Hohen Lieth. Mit ca. 11 Metern über n.N. liegt dort auf dieser eiszeitlichen Hinterlassenschaft auch die höchste Erhebung Bremerhavens.


(Quelle: Wikipedia)

Montag, 19. Juli 2010

Auto, Auto






Bremerhaven: Zahlreiche Autozüge warten auf die Entladung ...

Überraschender Weise boomt es im Hafen auf dem Bremerhavener Auto-Terminal plötzlich wie schon seit langem nicht mehr. Gestern war ich den ganzen Tag bei - trotz überwiegend sonnigem Wetter - angenehmen, sommerlichen Temperaturen mit dem Fahrrad unterwegs. Auf dem Rückweg bin ich durch das Freihafengebiet gefahren, und konnte mich selbst vom Autostau im Hafen überzeugen. Dort, wo vor kurzem noch mehr Asphalt als Blech zu sehen war, stehen die Autos wieder dicht an dicht und die Richtung Bremerhaven rollenden Autozüge sorgen derzeit unablässig für Nachschub.

Der Grund dafür sei, dass die Autohersteller kurz vor den Werksferien die Produktion noch einmal hochgefahren hätten, war am 15.07.2010 in der Nordsee-Zeitung zu lesen. Allein in dieser Woche seien 47000 Autos zu entladen und auf die Schiffe zu fahren. Schon zu normalen Zeiten vor Beginn der Weltwirtschaftskrise war der Platz auf den Abstellflächen und in den "Parkhäusern" manchmal knapp. Wenn unsere Freunde aus dem Frankenwald bei uns zu Besuch sind, dann sind sie jedesmal auf neue tief beeindruckt von der unübersehbaren Menge von Neuwagen, und jedes Mal stellen sie die gleiche Frage: "Wer soll die ganzen Autos nur alle kaufen?"







... und haushohe Autofrachter warten auf die rollende Fracht

Der Umschlagsanstieg sei in dieser Form nicht absehbar gewesen, berichtete die Nordsee-Zeitung, da die Autohersteller in ihren Ankündigungen bisher eher vorsichtig gewesen seien. Jetzt könne es ihnen gar nicht schnell genug gehen. Falls die Verladung in Bremerhaven nicht schnell genug abgewickelt werden könne, hätten einige von ihnen schon gedroht, in Konkurrenzhäfen auszuweichen. Die Bremer Lagerhaus Gesellschaft (BLG) gehe davon aus, dass auch in den kommenden Wochen und Monaten mehr Fahrer gebraucht werden würden. Die Autobranche sei – auch über die Werksferien hinaus - wieder optimistischer. Der positive Trend verfestige sich.

Auch beim Gesamthafenbetriebsverein (GHB) wird die Lage laut Nordsee-Zeitung ähnlich eingeschätzt. Der GHB ist eine Art "Leiharbeitsfirma", die Hafenarbeiter jeweils dort einsetzt, wo sie gerade gebraucht werden. Als der Autoumschlag im Verlauf der Weltwirtschaftskrise immer weiter zusammenbrach, hatte der GHB im vergangenen Jahr knapp 100 Hafenarbeiter entlassen und 200 tariflich vom Hafen- zum Lagerarbeiter herabgestuft. Jetzt würden ungefähr 150 weitere Hafenarbeiter benötigt, die der GHB aber nicht kurzfristig zur Verfügung stellen könne. Der GHB gehe davon aus, dass 100 Fahrer wieder fest eingestellt werden könnten. Dazu wolle der GHB bevorzugt die entlassenen Mitarbeiter mit den meisten Punkten gemäß Sozialauswahl wieder eingestellen. Dabei könnte es jedoch noch zu Problemen kommen: Wegen des umstrittenen Sozialplans hatten zahlreiche GHB-Mitarbeiter haben gegen ihre Kündigung geklagt und in erster Instanz vor den Arbeitsgerichten gewonnen. Das Landesarbeitsgericht wird darüber aber erst im nächsten Frühjahr entscheiden.


(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 15.07.2010)

Sonntag, 18. Juli 2010

Happy Birthday, Rolihlahla


Die Nationalhymne Südafrikas *)

Mgdala Mandela aus dem Königshaus der Thembu, die dem Volk der Xhosa angehören war ein stellvertretender Führer des Thembulands. Am 18. Juli 1918 brachte seine Frau im Dorf Mvezo einen Sohn zur Welt. Mvezo liegt am Ufer des Mbashe in der Nähe von Umtata (Südafrika). Der Vater gab seinem Sohn den Namen Rolihlahla. Wörtlich bedeutet der Name "Am Ast eines Baumes ziehen". Frei übersetzt würde man den Begriff auf liebevolle Art für einen "Unruhestifter" verwenden.

An seinem ersten Schultag erhielt der junge Rolihlahla von seinen Lehrern den britischen Namen "Nelson". Unter diesem Namen, Nelson Mandela, wurde er später in der ganzen Welt bekannt. Dabei hat er dem Namen, den sein Vater ihm gegeben hatte, alle Ehre gemacht. Die Unruhe, die er stiftete, brachte sie im Laufe vieler Jahrzehnte das unmenschliche politische System des Apartheid-Regimes in seinem Heimatland Südafrika ins Wanken und später zum Einsturz.

Für seine Aktivitäten klagte man ihn des Hochverrats an und verurteilte ihn später zu lebenslanger Haft. Im Gefängnis wurde Nelson Mandela, der vorher eine führende Persönlichkeit im ANC gewesen war, zur Symbolfigur des Widerstands der unterdrückten Schwarzen Bevölkerung gegen die herrschende weiße Minderheit Südafrikas. Das änderte sich erst unter der Regierung Frederik Willem de Klerks, der 1990 bei der Eröffnungsrede des Parlaments verküdete, dass alle politischen Gefangenen freigelassen werden sollen, und dass das Verbot des ANC, sowie 32 weiterer politischer Organisationen aufgehoben werde. Am 11. Februar 1990 kam so auch Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft aus dem Gefängnis frei.

Nach seiner Haftentlassung setzte sich Nelson Mandela unermüdlich für die Aussöhnung und die rechtliche Gleichstellung aller weißen und Schwarzen Südafrikaner ein.

Unter widrigen Umständen erreichten der ANC und die National Party unter der Führung von Nelson Mandela und Frederik Willem de Klerk einen Kompromiss für eine Übergangsverfassung, die vorerst für eine begrenzte Zeit die Teilnahme aller Rassen an der Regierung festlegte. Für ihren Mut, unter schwierigen Bedingungen einen neuen, gemeinsamen Weg zu gehen, wurden Frederik Willem de Klerk und Nelson Mandela im Jahre 1993 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Im April des folgenden Jahres fanden die ersten demokratischen Wahlen statt, an der alle Südafrikaner teilnehmen konnten. Der ANC ging als klarer Sieger aus den Wahlen hervor, und am 10. Mai 1994 wurde Nelson Mandela als Präsident der Republik Südafrika vereidigt ...
  • Heute feiert Nelson Rolihlahla Mandela seinen 92. Geburtstag. Ich wünsche dem "Unruhestifter", der den größten Teil seines Lebens dem Kampf gegen die Rassentrennung und für die rechtliche Gleichstellung aller Menschen in seinem Land geopfert hat, von Herzen, dass ihm noch einige Jahre der Ruhe und des Friedens vergönnt sein werden.


Zum Weiterlesen:

Medien:
  • Nelson Mandela - Eine Jahrhundert-Legende
    • Filmdokumentation über das Leben Nelson Mandelas



*) "Nkosi Sikelel’ iAfrika (Gott segne Afrika)" ist ein südafrikanisches Kirchenlied, das auch auf politischen Versammlungen gesungen und zu einem Zeichen des Widerstandes gegen die Apartheid wurde. Die ersten beiden Strophen der heutigen Nationalhymne Südafrikas sind ein Teil aus "Nkosi Sikelel’ iAfrika". Der zweite Teil beinhaltet Teile der alten Nationalhymne "Die Stem van Suid-Afrika". Es bleibt zu hoffen, dass die Gesellschaft Südafrikas die Wunden der Vergangenheit überwinden und ebenso zusammenwachsen wird, wie die Teile ihrer Nationalhymne.


(Quellen: Deutsche Schule Kapstadt, Wikipedia - Nelson Mandela, Wikipedia - Nkosi Sikelel’ iAfrika, Wikipedia - ANC)

Samstag, 17. Juli 2010

Die Windmühlenflügel sind besiegt

Don Quixote
Nachdem der fast aussichtslose Kampf der Bremerhavener Bürger gegen die Windmühlenflügel der (Nicht)Zuständigkeiten der Ämter, Behörden und der Politik bezüglich der vergessenen Möblierung der "Guten Stube" Bremerhavens bis an den Urlaubsort von Herrn Schulz (SPD, Oberbürgermeister) vorgedrungen ist, hat dieser aus dem Urlaub ein Machtwort gesprochen.


Don Quixote
© Public Domain

Darüber berichtete die Nordsee-Zeitung in ihrer Ausgabe von gestern. Dass die Bürger Bremerhavens die Fundamente der Bänke am Lohmanndeich mit privaten Spenden finanzieren wollten, war ihm - im Gegensatz zur Mehrheit seiner Kollegen in der Großen Koalition - dann wohl doch zu peinlich. Auch wenn er für vieles, was während seiner Amtszeit infolge seines persönlichen Engagements in dieser Stadt veranlasst wurde heftige Kritik einstecken musste, wird ihm der Dank der Bremerhavener in diesem Fall sicher sein. Meinen hat er: Danke, Herr Schulz.

Jetzt kommt die Stadt ihren Verpflichtungen nach und stellt die für die Bankfundamente benötigten 16800 Euro als Soforthilfe zur Verfügung. Die Nordsee-Zeitung zitiert Herrn Schulz mit den Worten: "Die Bänke gehören da hin, das ist kein Thema für das Sommerloch. Da wir das sowieso machen werden, können wir auch in Vorleistung gehen." Niemand wolle den Bürgern und den Besuchern der Stadt die Bänke am Weserdeich verweigern.


Mir zeigt der Verlauf dieser Provinzposse wieder einmal, dass hin und wieder auch ein aussichtslos erscheinenender Feldzug gegen einen erscheinbar unveränderbaren Zustand durchaus von Erfolg gekrönt sein kann. Ein einzelner "Don Quixote" kann den Kampf gegen die Windmühlenflügel bekanntermaßen nicht gewinnen - der öffentliche Protest einer ausreichend großen Zahl von Bürgern aber offenbar schon. Also, immer schön am Ball bleiben:

Da die privaten Spenden jetzt nicht mehr gebraucht werden, wird die Nordsee-Zeitung das auf dem von ihr eingerichteten Spendenkonto für die Finanzierung der Fundamente eingegangene Geld an die Spender zurück überwiesen.


(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 16.07.2010, TAZ vom 31.05.2010, Landesamt für Denkmalpflege Bremen, Bürgerinitiative Keine Erweiterung Grauer Wall)

Freitag, 16. Juli 2010

Spender für Bänke gesucht


Der Lohmanndeich nach der Deicherhöhung

Im Zusammenhang mit den Deichbaumaßnahmen am Lohmanndeich waren die Bänke entfernt, aber anschließend nicht wieder aufgestellt worden. Dafür sei kein Geld vorhanden hieß es anfangs ganz allgemein. Der Protest der Bremerhavener Bürger ließ daraufhin nicht lange auf sich warten: Es hagelte erboste Leserbriefe in der Nordsee-Zeitung.

Inzwischen wurde bekannt, dass die Betonfundamente für die eingelagerten Bänke nicht von dem Geld bezahlt werden dürfen, das Bund und Land für die dem Küstenschutz dienende Deicherhöhung bereitgestellt haben. Die Nordsee-Zeitung schrieb am 15.07.2010, die Stadt habe versäumt sich rechtzeitig um die Beantragung der finanziellen Mittel für die Bänke, Papierkörbe etc. zu kümmern, und die Politik habe das nötige Geld aus dem Haushalt für neue Fundamente der Bänke nicht rechtzeitig freigegeben. Aufgrund der hartnäckigen Proteste und eines Startbetrags für eine von der Nordsee-Zeitung initiierten Spendenaktion seien die Behörden jetzt doch noch "aus den Puschen gekommen". Mit Chance sei es jetzt doch noch möglich, dass die Bänke bis zum Beginn der Sail 2010 wieder aufgestellt werden.

Weitere Informationen zum Spendenkonto gibt es auf der Internetseite der Nordsee-Zeitung. Schön wäre es, wenn bei der Erhöhung des Deichabschnitts zwischen der Strandhalle und der Geestemole etwas mehr Rücksicht auf die Wünsche der Bürger Bremerhavens genommen würde, und solche "Nebensächlichkeiten", wie die Wiederaufstellung der Bänke, von vornherein in der zeitlichen Planung berücksichtigt würden.

Nachtrag:
  • Da die privaten Spenden nach dem "Machtwort" von Herrn Schulz (SPD, Oberbürgermeister) nicht mehr gebraucht werden, wird die Nordsee-Zeitung das auf dem von ihr eingerichteten Spendenkonto für die Finanzierung der Fundamente eingegangene Geld an die Spender zurück überwiesen.

(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 15.07.2010)