Donnerstag, 7. August 2008

Neu im Juwiversum

Die Rickmersstraße zwischen Hafenstraße und Fritz-Reuter-Platz.
  • Bremerhaven, Lehe, Wohngebiete im Bereich der Hafenstraße, Rickmersstraße
Der Name der Straße erinnert an die Familie Rickmers, deren Mitglieder einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung Bremerhavens geleistet und die Stadt mit ihren Aktivitäten weltweit bekannt gemacht haben.



Tor der ehemaligen Rickmers Werft, dahinter das Arbeitsamt

R. C. Rickmers und die Rickmers Werft

Der am 6. Januar 1807 auf Helgoland geborene Rickmer Clasen Rickmers erwarb 1834 ein Grundstück an der Geeste in Bremerhaven und gründete die Rickmers Werft.

Nachdem er auf Helgoland eine Lehre als Schiffszimmermann beendet hatte fuhr er auf Hamburger Schiffen zur See. 1831 heiratete er in Esens (Ostfriesland) Etha Reimers. 1932 zog er mit ihr nach Bremerhaven.

Zusätzlich zum Schiffbau engagierte sich R. C. Rickmers als Reeder. Gemeinsam mit mit J. H. C. Winkler und Blasius & Imhoff aus Bremen kaufte er 1842 die Schoner "Weser" und "Athene" für die Beförderung von Auswanderern nach Nordamerika.

1847 arbeiteten bereits mehr als 100 Menschen auf der Rickmers Werft. Da der Platz auf dem Werftgelände nicht mehr ausreichte, wurden die Helgen, auf denen die Schiffe gebaut wurden, in die Geeste hineingebaut .

Nach den Wirren der Kriegsjahre 1848/49 erlebten die Reedereien in Hamburg, Bremen und Bremerhaven aufgrund der verstärkten Auswanderung nach Amerika einen enormen Aufschwung. 1866 wurde die Rickmers Reederei gegründet.

Auch der Werftbetrieb florierte. Anfang der 1850er Jahre beschäftigte die Rickmers Werft über 300 Zimmerleute. Als der Platz für die wachsende Werft erneut nicht mehr ausreichte, und ein Antrag auf die Erweiterung der Werftanlagen von der bremischen Regierung abgelehnt wurde, zog die Rickmers Werft 1857 auf ein flussaufwärts gelegenenes Grundstück auf dem zum hannoverschen Staatsgebiet gehörenden "Geesthelle" um.

Da R. C. Rickmers den Bau von Stahlschiffen ablehnte, wurden bis zu seinem Tod am 27. November 1886 auf der Rickmers Werft nur Holzschiffe gebaut.

1890 wurde auf der Rickmerswerft der erste Neubau mit Stahlrumpf fertiggestellt. Weltweit bekannt wurde die Werft unter anderem durch den Bau erfolgreicher Großsegler. Dazu gehörte unter anderem auch der Fünfmast-Auxiliarsegler "R. C. Rickmers", der mit einer Tragfähigkeit von 8000 Tonnen, und seiner 1000 PS starken Dampfmaschine auch die beiden in der Zwischenzeit bei Tecklenborg erbauten P-Liner "Potosi" und "Preußen" an Größe und Geschwindigkeit übertraf.

Nachdem es aufgrund von Problemen mit der Finanzierung von zwei Neubauten und der Stornierung durch einen Auftraggeber zu Zahlungsschwierigkeiten gekommen war, musste die Rickmerswerft nach der Übergabe des Containerfrachters "Britta Thien" im Jahre 1986 ihren Betrieb einstellen.


Helgen (rechts vorne), Kran und Arbeitsamt (rotes Gebäude rechts hinten)

Dort, wo über 150 Jahre lang Schiffe gebaut wurden, und nach dem Konkurs 1200 Menschen ihren Arbeitsplatz verloren, steht heute ironischerweise das Arbeitsamt. An die ehemalige Rickmerswerft erinnern heut noch das erhalten gebliebene Werfttor, ein Drehkran sowie die Reste der Helgenanlagen und der Ausrüstungskaje an der Geeste.

(Quellen: Wikipedia, Peter Müller "Die Rickmers Werft 1834-1986"

Mittwoch, 6. August 2008

Mein privates Atommüll Endlager

Atomstrom ist billig. Wenn nur das ungelöste Problem mit dem Atommüll nicht wäre. Aber auch dafür gibt es jetzt eine überraschend geniale Lösung: Pfiffige Bürger lagern einfach ein Fässchen Plutonium in ihrem Keller.



In einer Fußgängerzone in Pinneberg kommt eine Frau mit einem Kinderwagen am Stand eines Atommüllentsorgers vorbei. Ein Vertreter in schwarzem Anzug, mit weißem Hemd und Krawatte, braucht nicht viele Worte. Sein Angebot: Einfach ein Fass Atommüll im Haushalt einlagern, dafür gibt's dann den Strom um die Hälfte billiger. Der Vertrag läuft 250000 Jahre. Ach ja, das Zeug sollte nicht im Schlaf- oder Kinderzimmer stehen, vorsichtshalber. Aber der Vertreter beschwichtigt: "Das ist vollkommen ungefährlich, ..." - die junge Mutter unterschreibt; die Dose mit 120 Gramm Plutonium kriegt der Nachwuchs gleich zum Spielen - "... und keine Sorge, wenn die Haare ausfallen".

Das Formular zum ausfüllen des Einlagerungsantrags gibt es hier bei "Extra 3"

(Quellen: YouTube, Extra 3, Schenefelder Tageblatt vom 24.07.2008)

Dienstag, 5. August 2008

Eine illustere Gesellschaft

  • In Deutschland ist der Ausstieg aus der Energieerzeugung durch Atomkraft beschlossene Sache?
  • Die Versuche, die Laufzeiten der vorhandenen Atomkraftwerke zu verlängern könnte möglicherweise am Widerstand der Bevölkerung scheitern?
Kein Problem für die international operierenden Strom-Multies.
Die sind jetzt schon international größer im Geschäft, als sie es in Deutschland je waren!


Eon
Schweden:
  • Mehrheitliche Beteiligung an Oskarshamn
  • Minderheitsgesellschafter bei Forsmark & Ringhals
Finnland:
  • Ab 2016 soll neuer Atomreaktor gebaut werden
Interesse an Beteiligungen in:
  • Großbritanien
  • Osteuropa
  • Frankreich
  • Italien
Partner:
Eon, Kraftwerksbauer Areva und Siemens unterzeichneten Ende April Absichtserklärung beim Bau von Atomkraftwerken in Großbritanien zusammenzuarbeiten; im Gespräch ist ein 1600 MW Druckwasserreaktor.


RWE
Außer 5 Reaktoren in Deutschland betreibt der Konzern bisher keine Atomkraftwerke im Ausland und ist an keinem Atomkraftwerk im Ausland beteiligt.

Rumänien:
  • RWE will sich am Bau von 2 Atomreaktoren beteiligen: Die Atomkraftwerke sollen 2014/15 fertig sein.
Bulgarien:
  • Ende Juni 2008 wurde verbindliches Angebot für 49%-Beteiligung an Atomkraftwerkabgegeben, das 2015 in Betrieb gehen soll.
Großbritanien:
  • Erfolglose Bemühungen um British Energy
  • British Energy: Betreibt 8 Atomkraftwerke in Großbritanien

EnBW
(Energie Baden-Würtemberg)
  • Betreibt 4 Kraftwerksblöcke in Deutschland
  • Besitzt 45% an französichem Staatskonzern EDF; weltgrößter Anbieter von Atomstrom
  • EDF: Betreibt 58 Atomreaktoren in Frankreich

Vattenfall (Schweden)
  • Will Kapazitäten in Forsmark und Ringhals erhöhen:
Das sei ganz im Sinne der Kunden.
Vattenfall Konzernchef Lars G. Josefson:

"Kernenergie leistet durch CO2-Vermeidung einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und ist eine vergleichsweise kostengünstige Stromproduktion."


Weltweit
  • 439 AKWs in Betrieb (Juni 2008)
  • 40 Neubauten in konkreter Projektierungs- und Planungsphase.
Teils sind Aufträge schon vergeben.
  • Über den Bau von weiteren 100
    neuen Atomkraftwerken wird zur Zeit verhandelt.

Das, was die Stromkonzerne da international alles so treiben, mag juristisch ja erst einmal alles in trockenen Tüchern sein. Die Behauptung des Vattenfall Konzernchefs , die Atompolitik der Konzerne sei "im Sinne der Kunden", weil billig und CO2-frei, und damit klimafreundlich, ist nur solange haltbar, wie seine Kunden keine Kenntnis darüber haben, dass bei Betrachtung des gesamten Prozesses der Erzeugung von Atomstrom, sehr wohl CO2 emittiert wird. Außerdem wird gerne verschwiegen, dass Atomstrom nur deshalb "billig" ist, weil hier von Kosten pro Kilowattstunde gesprochen wird, in denen z.B. Bau- und Entsorgungskosten der Atomkraftwerke, fehlende Deckung bei der Versicherung für den Fall eines GAU und vieles mehr nicht berücksichtigt wird.

Wenn Atomkraftwerke in die Diskussion um den Klimaschutz eingebracht werden, dann muss auf jeden Fall auch die Effizienz der Atomkraftwerke bezüglich des CO2-Einsparpotentials betrachtet werden. Im Vergleich mit konventionellen, auf fossilen Brennstoffen basierenden Kraftwerken, fällt die CO2-Ersparnis durch Energieeffizienz deutlich zugunsten der fossilen Energieträger aus - trotz deren aufgrund der CO2-Bilanz inzwischen international anerkanntem klimaschädigendem Potential!

Die als atomkraftfreundlich bekannte internationale Energieagentur "International Energy Agency" (IEA) untersuchte in einem Szenario, wieweit durch rigorose Maßnahmen der Politik der CO2-Ausstoß verringert werden könnte. Zu diesen Maßnahmen zählte die IEA auch die massive Förderung des Baus von Atomkraftwerken. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist, dass der Anteil zur Vermeidung von CO2-Emissionen durch andere Maßnahmen, als durch die Förderung von Atomkraftwerken, bei 90% liegt (36% durch verbesserte Effizienz beim Einsatz von fossiler Energie, 29% durch Erhöhung der Energieeffizienz von Elektrogeräten, 13% durch Erhöhung der Effizienz bei der Stromerzeugung, 12% durch starke Förderung erneuerbarer Energien):
  • Fast 80% des gewünschten Effektes wird durch Erhöhung der Energieeffizienz erzielt
  • 12% der gewünschten CO2-Reduktion entfallen auf die starke Förderung von erneuerbaren Energien
  • Nur 10% der gewünschten CO2-Reduktionen lassen sich durch den massiven Ausbau der Atomkraft erreichen
Wenn jemand, der durch sein Verhalten zum Klimaschutz beitragen will, seinen Strom von einem Energieversorger beziehen würde, der damit wirbt, seine Stromerzeugung sei klimafreundlich weil er auf Atomkraft setze, bei der kein CO2 emittiert werde, und er nachher herausfindet, dass er durch diese Werbung mit einer Falschaussage (bzw. Halbwahrheit) getäuscht wurde, dann wäre er zurecht darüber verärgert. Wenn das Vertrauen in seinen Geschäftspartner mit Halbwahrheiten und Falschinformationen untergraben wurde, würde er sich normalerweise von einem solchen Partner trennen. Jemand, der um die Gefährlichkeit der Atomkraft und die unlösbare "Sichere Entsorgung" des Atommülls weiß, würde ohnehin keinen Vertrag mit einem Atomkraft-Versorger abschließen, wenn ihm der Schutz der Umwelt am Herzen läge.


Was man dagegen tun kann?

Zum Beispiel könnte man Verträge mit Energieversorgern, die elektrische Energie von der illusteren Gesellschaft der Atomkraftkonzerne beziehen, kündigen, und zu Versorgern wechseln, die Alternativen zu Atomstrom anbieten.

Update: 06.08.2008

(Quellen: Nordsee-Zeitung vom 05.08.2008, Wendezeit)

Montag, 4. August 2008

Das Ende einer Ära

Am 31.03.2000 ging in Bremer- haven eine Ära zu Ende. Das 1904 eröffnete Kalksandsteinwerk der Firma Kistner an der Hafenstraße stellte die Produktion ein. Noch in den 1990er Jahren investierte die Firma zwei Millionen Mark für die Herstellung neuer Steinformate, für die unter anderem neue Pressfor- men angeschafft werden mussten. Um am Markt bestehen zu können wären erneut erhebliche Investitionen erforderlich gewesen. Die mögliche Kapazität von 30 Millionen Steinen pro Jahr wurde jedoch aufgrund rück- gehender Nachfrage im letzten Jahr vor der Stilllegung mit nur noch fünf Millionen produzierten Steinen deutlich unterschritten.

Anfang 2002 schloss Kistner's "Bau- und Hobbymarkt" an der Hafenstraße seine Tore. Gegen die Konkurenz der Billigbaumärkte auf der grünen Wiese am Stadtrand, deren Zahl im Laufe der Jahre immer mehr zugenommen hatte konnte er nicht mehr bestehen. Daran hatte letztendlich auch die Änderung des Konzepts von einem "klassischen Baumarkt" in einen Markt für "Bau und Hobby" mit einem höherwertigen Warenangebot nichts ändern können. Hinzu kam die immer schlechter werdende Lage im Baugeschäft. Die Konzentration auf diese traditionelle Säule des Unternehmens konnte jedoch nicht verhindern, dass die alteingesessene Baugesellschaft Kistner im November 2005 Insolvenz anmelden und schließlich ihren Betrieb in Bremerhaven aufgeben musste.

Seitdem führt das ehemalige Gelände der Firma Kistner einen Dornröschen- schlaf. An den ehemaligen Betriebsgebäuden ist der langsame Verfall nicht mehr zu übersehen. Nachdem das leerstehende ehemalige Baumarktge- bäude an der Hafenstraße gelegentlich für vorübergehende Ausstellungen etc. genutzt wurde, ist dort jetzt ein Möbelhaus eingezogen, das Möbel im skandinavischen Stil anbietet. Für die Verbesserung der Situation in der Hafenstraße bezüglich des Leerstands von Ladenräumen wurde damit aber nichts gewonnen. Die ehemaligen Geschäftsräume des Möbelhauses an der Hafenstraße gegenüber der Kistnerstraße stehen dafür jetzt leer.

Die Große Koalition hatte auf der Kistnerbrache für vier Millionen Euro ein Gebäude für die Sammlung des Nordsee-Museums bauen wollen. Aufgrund der knappen Kassen des Landes Bremen wurden diese Pläne Anfang des Jahres 2008 jedoch beerdigt. Das letzte, was aus der Politik zu diesem Thema zu hören war: Dort passiert mindestens während der nächsten fünf Jahre lang erst mal nichts ...

Sonntag, 3. August 2008

Muss di nich argern

Muss di nich argern, hett keenen Wert,
muss di blos wunnern, wat all'ns paseert,
muss jümmers denken de Lüüd sind nich kloog,
jeder hett Grappen un du hest se ock.

Muss di nich argern, is Unrecht di doon,
hau op'n Disch mol un glicks is vergoohn.
Koort is dat Leeven un lang is de Dood,
muss di nich argern, denn geiht di dat good.


Diese weisen Verse habe ich einmal handschriftlich erhalten, nachdem sie von jemanden als Beitrag zu einer Veranstaltung vorgelesen worden waren. Leider habe ich keine Informationen über ihre Herkunft. Für alle die nicht an der Nordseeküste wohnen ist hier die Übersetzung in's Hochdeutsche - hört sich allerdings "etwas holperig" an; richtig "geiht dat blos op Platt" :o)

Musst dich nicht ärgern

Musst dich nicht ärgern, (das) hat keinen Wert,
musst dich nur wundern, was alles (so) passiert,
musst immer nur denken, die Leute sich nicht klug,
jeder hat seine kleinen Fehler, und du hast sie auch.

Musst dich nicht ärgern, wenn dir Unrecht getan wurde,
Hau mal (mit der Faust) auf den Tisch, und gleich ist es vergangen.
Kurz ist das Leben, und lang ist der Tod,
musst dich nicht ärgern, dann geht es dir gut.


Samstag, 2. August 2008

Sommer in der Goethestraße

Da gibt es doch dieses Lied aus den 1920er Jahren mit dem Titel "Aus grauer Städte Mauern". Es beschreibt die Flucht aus den grauen Steinwüsten der Städte während der Zeiten der Industrialisierung, hinaus in die Natur mit Licht, Luft, Weite und dem damit verbundenen Gefühl der Freiheit ...




(zum Vergrößern auf die Fotos klicken)

Zwar fehlt aufgrund der dichten Wohnbebauung auch der Goethestraße die Weite von Feld und Flur, aber gerade in dieser Jahreszeit ist sie alles andere als als "graue Mauern".

Aus der Erinnerung meiner Kindheit hätte dieses Prädikat vielleicht in den 1950er/1960er Jahren auf die zentrale, in nord-südlicher Richtung verlaufende Straße im Wohngebiet des gleichnamigen Ortsteils im Bremerhavener Stadtteil Lehe zugetroffen. Zu dieser Zeit war sie noch eine Durchgangsstraße mit Kopfsteinpflaster und Fußwegen vom Bordstein bis an die Wände der Häuser.

Vor einigen Jahren wurde die Goethestraße zum größten Teil in eine verkehrsberuhigte Zone umgewandelt. Dabei wurden auch die Vorgärten mit ihren schmiedeeisernen Zäunen angelegt und die Straßenbäume gepflanzt. Zusammen mit den stuckverzierten Gründerzeitfassaden der Wohnhäuser ist daraus etwas ganz besonderes entstanden. Die Atmosphäre der Goethestraße bietet heute keinen Anlass mehr zur Flucht aus der grauen Stadt ins "Grüne": In diesem Fall ist das "Grüne" zurück in die Stadt geholt worden.

Freitag, 1. August 2008

Asse-II: Grüne fordern Probenahme

Die Grünen aus dem niedersächsischen Landtag wollen es jetzt wissen. Sie sind mit ihrer Geduld am Ende und wollen, dass eine Stichprobe aus je 20 Atommüllfässern aus zwei Kammern des "Versuchsendlagers" Asse-II untersucht werden.

Auf die Frage nach dem tatsächlichen Inhalt der 126000 Atommüllfässer gebe es keine klaren Antworten. Nach mühsamen Aktenstudium gehe man davon aus, dass offenbar auch die Einlagerung hochradioaktiver Abfälle in Einzelfällen genehmigt worden sei. Das Bundesumweltministerium vermutet lt. Herrn Wenzel (Grüne, Fraktionsvorsitzender), dass die Grenzwerte für Uran 235 in einigen Fässern überschritten würden.

Es ist wichtig, alles zu unternehmen was Licht ins Dunkel der Vorgänge in der Schachtanlage Asse-II bringen und zur Aufklärung der Sachlage beitragen könnte. Eine Stichprobe von 40 aus insgesamt 126000 eingelagerten Atommüllfässern enstpricht jedoch nur einem Anteil von 0,03%. Aus den Ergebnissen einer solchen Stichprobe kann man meiner Meinung nach nicht auf die wirkliche Lage im Bergwerk schließen. Es wäre reiner Zufall, wenn dabei eines der "richtigen" aus der Menge der eingelagerten Fässer herausgepickt werden würde. Wenn diese Stichprobe den Verdacht auf hochradioaktiven Atommüll nicht bestätigten würde, dann könnte man daraus jedoch noch lange nicht den Schluss ziehen, es sei kein derartiger Atommüll eingelagert worden. Deshalb kann diese erste Probenahme nur der Beginn für eine systematische Untersuchung und Beprobung des gesamten eingelagerten Atommülls sein.


Nach Meinung von Frau Heinen-Kljajic (Grüne) sei das Projekt "Versuchsendlager Asse-II" auch ein forschungspolitischer Skandal. Obwohl das Bergwerk als Versuchsendlager dienen sollte, gebe es keine Liste über Forschungsvorhaben, Ergebnisse, Auftraggeber o.ä. Sie hält zwei Szenarien für möglich:
  • Es hat niemanden interessiert, nach dem Motto "was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß"
  • Der Öffentlichkeit wurde ein "Versuchsendlager" nur vorgegaukelt und in Wirklichkeit sollte ein Endlager geschaffen werden.
Für die zweite Variante spreche, dass sämtliche Abfälle aus der damaligen Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe in das Salzbergwerk Asse-II geschafft wurden.

Die Regierungsfraktionen der CDU und der FDP sehen keinen Grund an der Aussage des Bundesumweltministeriums, in Asse-II sei kein hochradioaktiver Atommüll eingelagert worden, zu zweifeln. Einer solchen Auffassung der Aussage des Bundesumweltministeriums widerspricht die Darstellung von Herrn Wenzel, dieses gehe von einer Grenzwertüberschreitung des Atommülls in einigen Fässern aus. Die Grünen werfen Herrn Sander (FDP, Umweltminister in Niedersachsen) und Frau Schavan (CDU, Bundesforschungsministerin) hinhaltendes Taktieren vor. Von den Betreibern des "Versuchsendlagers" gebe es widersprüchliche Angaben.

Die Grünen in Niedersachsen wollen, ebenso wie die Linke, einen Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Sachlage einrichten. Dafür wären jedoch auch die Stimmen der SPD notwendig, die sich jedoch noch zögerlich verhält. Herr Wenzel fordert deshalb, die SPD müsse sich endlich bewegen.

Wenn bei den Vorgängen um das "Versuchsendlager" alles mit rechten Dingen zugegangen wäre, dann gäbe es keinen Grund dafür, warum das ganze Ausmaß der Probleme mit der Asse-II erst nach unermüdlichem "bohren" der Kritiker des "Versuchsendlagers" häppchenweise an das Licht der Öffentlichkeit gelangt. Die offensichtlichen Vertuschungsversuche und Hinhaltemanöver lassen allerdings nur den Schluss zu, dass einigen der Beteiligten daran gelegen ist, auch in Zukunft nicht alle Details bekannt werden zu lassen. Wenn niemand etwas zu verbergen hätte, lägen bereits seit langer Zeit alle Fakten auf dem Tisch, und alle könnten sich gemeinsam an einer Lösung für die offensichtlich immer drängender werdenden Probleme beteiligen.


(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 30.07.2008)