Dienstag, 11. März 2014

Fukushima: Alles unter Kontrolle?


Die Lüge: Wie gefährlich Fukushima noch immer ist
Täuschen, tricksen, drohen (© ZDFzoom vom 26.02.2014)

Als es heute vor drei Jahren in drei Atomreaktoren der Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Dai-ichi) zu Super-GAUs kam, begann eine Atomkatastrophe, die bis heute andauert.

Der Betreiber Tepco und die verantwortlichen Politiker spielten das Ausmaß der Katastrophe von Beginn an herunter. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auf welcher Grundlage Herr Abe (Japan, Premierminister) im September 2013 bei der Vergabezeremonie für die Olympischen Spiele 2020 vor laufenden Kameras sagte (Zitat): "Lassen sie mich Ihnen versichern, die Lage ist unter Kontrolle.", bleibt sein ganz persönliches Geheimnis.

Dass diese Behauptung mit der Realität in der zerstörten Atomkraft-Ablage absolut nichts zu tun hat, zeigen unter anderem auch die Recherchen des ZDF-Magazins "Zoom":
  • Täglich strömen mehr als 200.000 Liter radioaktiv kontaminiertes Grundwasser in den Pazifik. Um das Grundwasser aus dem Bereich der zerstörten Atomanlage fernzuhalten sollte eigentlich darum herum im Erdreich ein "Schutzwall" aus Ton gebaut werden. Den Recherchen des ZDF zufolge wurde der Plan jedoch verworfen, weil Tepco die Kosten für nicht tragbar hielt.

    Da die Kühlsysteme der Atomreaktoren 1 bis 3 zerstört wurden, werden die geschmolzenen Reaktorkerne, über deren Zustand und genaue Lage niemand Auskunft geben kann, seit drei Jahren provisorisch von außen gekühlt. Das heißt, es werden große Mengen Wasser über die zerstörten Atomreaktoren gekippt, die an anderen Stellen wieder heraus fließen. Das dann radioaktiv kontaminierte Wasser wird aufgefangen und in Tanks neben der havarierten Atomkraftanlage gelagert - angeblich, um dekontamiert und wieder für die Kühlung verwendet zu werden.

    Meine Zweifel sind unter anderem auch durch die Recherchen des ZDF bestätigt worden, denen zufolge die Versuche, das Wasser zu dekontaminieren bisher "nicht wirklich funktioniert haben". Immer wieder komme es zu Leckagen an den Tanks, bei denen dann schon mal hunderte von Tonnen radiaktiv kontaminierten Wassers in den Pazifik fließen. Inzwischen lagern in den Tanks 400 Millionen Liter radioaktiv kontaminiertes Wasser.

    Eine Simulation des Kieler Meeresforschungsinstituts "Geomar" zeigt, dass allein die bisher aus "Fukushima Dai-ichi" ins Meer gelangte Radioaktivität, bis 2020 den gesammten nördlichen Pazifikraum betreffen wird - mit nicht absehbaren Folgen für das Leben im Meer und die Fischerei der Anliegerstaaten. Sollten die Tanks bei einem weiteren schweren Erdbeben zerstört werden, dann würde das weit über die bisher absehbare Kontaminierung hinausgehende Folgen haben.
  • Vor kurzem war das Kühlsystem im Reaktorblock 4 ausgefallen, so dass die im Abklingbecken lagernden Brennstäbe wieder einmal zu überhitzen drohten.

    Aufgrund der beschädigten Statik des Reaktorgebäudes 4 könnte ein Erdbeben oder eine weitere Knallgas-Explosion das oben im Reaktorgebäude untergebrachte Abklingbecken mit den darin befindlichen Brennstäben endgültig zum Einsturz bringen. Infolge der dann ungekühlten Brennstäbe käme es zu einer weiteren Kernschmelze - unter freiem Himmel!

    Ebenso wie andere Fachleute, bezweifelt auch Herr Strohm, dass die von Tepco angekündigte Bergung der Brennstäbe aus dem Abklingbecken des Reaktorgebäudes 4 gelingen kann. Infolge der beschädigten Brennstäbe und des schwer beschädigten Lagerbeckens sei die Gefahr sehr groß, dass die Brennstäbe bei Bergungsversuchen mit Robotern abbrechen, so dass es dadurch zu weiteren Explosionen kommen kann.

    Dabei würden große Mengen Plutonium freigesetzt werden, was zur Ausweitung der Katastrophe mit unabsehbaren Folgen führen würde. Herr Strohm bezeichnet deshalb Tepko's Versuch, die Brennelemente zu bergen, als eine "Verzweiflungstat mit ungewissem Ausgang".

    Aber selbst wenn die Bergung irgendwann gelingen sollte, werden sich sich die Arbeiten noch über viele Jahre hinziehen. Zusätzlich zu den durch die Schäden am Gebäude verursachten Prolemen kommt erschwerend hinzu, dass seit den Explosionen Schrott und Trümmer im Abklingbecken liegen.

Und was haben die für die Energieversorgung verantwortlichen Polikter Europas aus dem japanischen Atom-Desaster gelernt? Abgesehen davon, wie man den Bürgern weiterhin weismachen kann, dass die Atomkraftwerke trotzdem weiter laufen müssen, und dass Neubauten unbedingt erforderlich sind, allem Anschein nach nichts. Das Umweltinstitut München schreibt dazu in einer Pressemitteilung (Zitat):
".. Die Situation in Fukushima ist drei Jahre nach der Katastrophe noch immer kritisch. Weitere Unfälle mit radioaktiver Freisetzung sind nicht ausgeschlossen. Als einzige Lehre kann daraus gezogen werden, dass der Atomausstieg schnellstens vollzogen und die Energiewende zügig vorangetrieben werden muss. Dennoch fordern einige EU-Länder wie Großbritannien, Polen oder Tschechien von der Europäischen Kommission, eine Förderung der Atomkraft zu erlauben, damit neue Atomkraftwerke gebaut werden können. Denn ohne Förderung wird kein Investor gefunden, da Neubauten nicht wirtschaftlich sind.

Subventionen für die Atomkraft darf es nicht geben! Tschechien hat ein Energiekonzept neu aufgelegt, nach dem die Atomkraft mit von der EU legitimierten Beihilfen massiv ausgebaut werden soll. Das Umweltinstitut München hat gegen das tschechische Atomprogramm eine Muster-Einwendung verfasst, die online noch bis zum 18. März an das tschechische Ministerium geschickt werden kann."

Atomkraft hat mit Fortschritt nichts zu tun. Das Gegenteil ist der Fall: Die strahlenden Hinterlassenschaften des Atomzeitalters stellen eine unkalkulierbare Gefahrenquelle für die nachfolgenden Generationen dar, die mit dem Betrieb jedes einzelnen Atomkraftwerks von Tag zu Tag weiter zunimmt.

Fortschrittlich wäre hingegen der zügige Umbau der Energieversorgung in Europa. Deutschland hat diesbezüglich immerhin einen Anfang gemacht, dessen Umsetzung von den Atomkonzernen und ihren politischen Handlangern jedoch nach wie vor massiv behindert wird. Im Rest der europäischen Staaten, in denen Atomkraftwerke betrieben werden, gibt es statt Fortschritt bestenfalls Stillstand oder gar - wie im Falle Tschechiens, Großbritaniens oder Polens - Rückschritt.

  • Atomkraftwerke und klimaschädigende Großkraftwerke, die mit fossilen Energieträgern befeuert werden, blockieren die aus Gründen des Klimaschutzes dringend notwendige Umsetzung der Energiewende. Die für diese Kraftwerke aufgewendeten Subventionen müssen deshalb umgehend eingestellt werden und stattdessen dem Ausbau der regenerativen Energiequellen zugute kommen.

    Die Energieversorgung der Zukunft gehört in die Hände der Bürger und nicht in diejenigen des bisherigen Energie-Oligopols, das während der vergangenen Jahrzehnte seine Machtposition zum Schaden der nachfolgenden Generationen schamlos missbraucht hat.

Um diesen Forderungen erneut Nachdruck zu verleihen, werden am 22.03.2014 in sieben deutschen Landeshauptstädten wieder tausende Menschen auf die Straße gehen:




(Quellen: ZDF zoom vom 26.03.2014, Umweltinstitut München - Pressemitteilung vom 07.03.2014, Extrem News vom 23.12.2013, ZDF Heute vom 26.02.2014, Geomar, .ausgestrahlt )

1 Kommentar:

Rafael hat gesagt…

Diese Menschen können irgendwie kein Gewissen haben. Wie kann man in der heutigen Zeit noch auf Atomkraft setzen? Es gibt doch genügend andere Energiequellen! Vor allem der Satz: "weil Tepco die Kosten für nicht tragbar hielt" ist das letzte!

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