Donnerstag, 6. März 2014

Eine kleine Eisbärin


Bremerhaven: Eisbär-Baby auf Entdeckungstour (© Zoo am Meer)

Während sich der kleine, im Dezember 2013 geborene Eisbär hinten in der Wurfhöhle aufhielt, hatte sich seine Mutter Valeska am Dienstag von der Wurfhöhle entfernt und war vorne bei den Pflegern. Die Tierpfleger nutzten die Gelegenheit, um nach dem Jungtier zu sehen.

Der Gang zur Wurfhöhle wurde abgesperrt, so dass das der Kleine Bär gefahrlos vom Tierarzt untersucht werden konnte. Nach dem er geimpft und gewogen worden war, steht jetzt fest, dass "er" ein inzwischen 8,5 kg schweres Eisbär-Mädchen ist.

Auf der Internetseite des Zoos heißt es, die Freude darüber, dass es sich bei dem kleinen Eisbären um ein Weibchen handelt sei "vielleicht noch ein kleines bisschen größer", als es bei einem Männchen der Fall gewesen wäre, da in den Zoos insgesamt mehr männliche als weibliche Eisbären zur Welt kommen. Eisbärinnen seien daher überall heiß begehrt.


Die Kehrseite

Allerdings gibt es auch Menschen, die keine Freude empfinden, wenn ein Eisbär in einem Zoo geboren wird. Ende Januar hatten Mitglieder der Tierschutzorganisation "PETA" vor dem Zoo am Meer gegen die Haltung und die Nachzucht von Eisbären in Zoos demonstriert. Angesichts der unermesslichen Weiten, in denen frei lebende Eisbären sich bewegen, stimme ich den Peta-Aktivisten zu, wenn sie sagen, dass kein Zoo der Welt in der Lage ist, Eisbären artgerecht zu halten.

Angesichts der Folgen des Klimawandels in der Arktis, wird allerdings vom natürlichen Lebensraum der Eisbären bald nicht mehr viel übrig sein. Aufgrund der dramatischen Eisschmelze wird den Bären, die auf dem zugefrorenen Polarmeer jagen, oft der Weg zurück zum Festland abgeschnitten. Sie müssen immer weiteren Strecken schwimmen und finde immer weniger Beute. Viele der Tiere ertrinken oder sterben an Entkräftung.

Zoos haben sich in einigen Fällen schon als rettende "Archen" erwiesen. Arten, die in ihren natürlichen Lebensräumen ausgestorben waren, konnten durch Auswilderung wieder heimisch werden. Im Falle der Eisbären, deren arktischer Lebensraum unter dem Einfluss der globalen Erwärmung im wahrsten Sinne des Wortes rapide dahinschmilzt, wird die Hoffnung auf eine mögliche spätere Auswilderung allerdings wohl kaum in Erfüllung gehen. - Wer weiß: Vielleicht werden die Eisbären in Zoos einmal die letzten Überlebenden ihrer Art sein.


Eine Vision

Angaangaq, ein Schamane aus Kallaalit Nunaq (Grönland) und geistiger Repräsentant seines Volkes, der während des "Kirchentages am Meer" im Mai 2009 zu Gast in Bremerhaven war, vertrat die Ansicht, dass die Menschen sich viel zu sehr um die Eisbären sorgen: Wenn das Meer nicht mehr zufriert, würden die Eisbären schon lernen, an Land zu jagen. Angesichts der zu erwartenden Folgen des fortschreitenden Klimawandels sollten sich die Menschen viel mehr um die Zukunft ihrer eigenen Art Gedanken machen.

Ein Argument, dass im Zusammenhang mit der Existenzberechtigung für Zoos immer wieder genannt wird, sagt, dass die Menschen nur das zu schützen bereit sind, was sie kennen. Wenn die Vision Angaangaq's bezüglich der Zukunft der Eisbären sich erfüllen soll, dann müssen die Menschen dafür sorgen, dass die Bären sich zukünftig - unbehelligt von Menschen - frei an Land bewegen können. Dafür müssten weite Teile der Arktis rund um das Polarmeer unter Schutz gestellt werden. In einem Artikel der taz vom 25.04.2012 heißt es, die durchschnittliche Reviergröße eines Eisbären betrage 149.000 km² ...

Wären die Menschen bereit, den verbleibenden Lebensraum der Eisbären, die ihnen aus Zoos bekannt sind, zu schützen, indem sie sich dafür einsetzen, dass die arktischen Gebiete unter Schutz gestellt werden und würden sie endlich weltweit nachhaltige Maßnahmen gegen die drohende Klimakatastrophe einleiten, dann käme ihnen das - nebenbei bemerkt - letztlich auch selbst zugute.


Zum Weiterlesen:
Greenpeace Petition:
  • Save the Arctic
    Informationen zur Lage in der Arktis
    und Online Unterschriften-Aktion


(Quellen: Zoo am Meer vom 05.03.2014, Berliner Zeitung vom 31.01.2014, taz vom 25.04.2012, juwi's welt vom 24.05.2009 Greenpeace "Save the Arctic")

1 Kommentar:

mathilda murray hat gesagt…

ja, ein riesen fan bin ich auch nicht von zoos. irgendwie sollten tiere, wie z.B. eisbären nicht in fremden, wärmeren klimazonen leben, denk ich - oder ?? vllt müssen wir uns vom alten klassischen zoo konzept verabschieden und neue zzos entwickeln, wo es womoglich gar keine eingesperrten tiere gibt, wie hier beschrieben: http://betterymagazine.com/conversations/
das fänd ich super !!!!

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