Freitag, 19. Juli 2013

Young Visions In Motion - Kunst im Goethe-Quartier

Yong Visions In Motion - eine Kunstaustellung im Leher "Goethe-Quartier"
Seid dem Ende der Apartheid in Südafrika entwickelt sich die junge Künstlerszene dort frei und ungezwungen. Zwei ihrer bekannten Vertreter im Raum Kapstadt sind Atang Tshikare und Kent Lingeveldt. In der Ausstellung "Young Visions In Motion" im Erdgeschoss eines Wohnhauses im Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe sind heute und morgen noch einige ihrer Arbeiten zu sehen.

Die beiden Künstler sind sozial stark engagiert, genießen ein hohes Ansehen in der Jugendkultur und sind auch künstlerisch sehr erfolgreich. Ihr Wirken wird auch international anerkannt. Der Fotograf Kent Lingeveldt wurde beispielsweise mit dem ersten Preis im internationalen Fotowettbewerb "Social Landscape" ausgezeichnet und im Mai dieses Jahres wurden die beiden zum Design Forum nach Dubai eingeladen.



Designs von Kent Lingeveldt und Atang Tshikare (Fotos: © J. Winkler)

Die Ideen der beiden Künstler enstehen im Spannungsfeld ihres ständigen Wechsels zwischen Alltag und Kunst. So widmet Atang Tshikare sich vor allem der Gestaltung von Gebrauchsgegenständen. Ein schönes Beispiel dafür ist das von ihm entworfene Design der Sportschuhe, die in der Austellung zu sehen sind.

Auch Skateboards sind bekanntlich Gebrauchsobjekte, mit denen im allgemeinen wenig pfleglich umgegangen wird. Wenn Kent Lingeveldt sich ihrer annimmt, dann entstehen aus Alpha-Longboards Kunstwerke, für die er auch schon so prominente Abnehmer wie Nelson Mandela und Desmond Tutu gefunden hat.

In dem Krokodil haben sich sich übrigens die Besucher der Ausstellung mit jeweils einem Strich "verewigen" können. Die Grundlage dafür - nach dem Prinzip "Malen nach Zahlen" - stammte von den Künstlern.


Arbeiten von Sven "sifoe rock" Willms und Peter "sir monk" Domke (Fotos: © J. Winkler)

Auch die beiden Bremerhavener Künstler Sven "sifoe rock" Willms und Peter "sir monk" Domke, die eine der beiden Giebelwände an der Ecke Potsdamer-/Eupener Straße gestaltet haben, sind mit eingen Arbeiten in der Ausstellung vertreten.


Lehe aus der Perspektive von Schülern und Studenten (Foto: © J. Winkler)
Neben der Ausstellung in den Projektwohnungen wurden auch eine Reihe von Workshops an Schulen in des Stadtteils veranstaltet. Schülerinnen und Schüler hielten „ihren“ Stadtteil in Fotografien fest. Interessant ist auch die individuellen Perspektiven, aus denen Studenten aus Spanien, Polen, Estland, Österreich, der Türkei die Schönheiten des Leher Goethe-Quartiers gesehen und fotografiert haben. Mit den dabei entstandenen Fotografien, Zeichnungen etc. haben sie ihre eigenen Räume in der Austellung gestaltet.

Da ich, kurz vor Feierabend, der einzige Besucher war, hatte ich Glück, dass die Betreuerin der Ausstellung ausgiebig Zeit hatte, mir einiges zu den Hintergründen der verschiedenen Künstler zu erzählen: Danke dafür! Überrascht - und vielleicht auch etwas enttäuscht - zeigte sie sich darüber, dass so wenige Jugendliche und jüngere Leute zu den Besuchern der Ausstellung, die morgen zu Ende geht, zählten. Sie meinte: "Die schauen sich die Fotos auf Facebook an und meinen dann, sie hätten ja alles gesehen."

Ich freue mich immer, wenn ich im Internet etwas über Orte, Ereignisse oder Veranstaltungen lesen und sehen kann. Wenn ich keine Möglichkeit habe selbst dort zu sein, dann bekomme ich zumindest einen Eindruck davon. Wirklich "gesehen" habe ich das alles aber erst dann, wenn ich es "mit eigenen Augen" gesehen habe. Außerdem gehört zum "Erlebnis" eines Konzerts oder einer Kunstausstellung für mich immer auch der Gedankenaustausch mit Menschen dazu, die das gleiche gesehen und erlebt haben.


Young Visions In Motion
Kunstausstellung
  • 19. und 20.07.2013
  • Bremerhaven-Lehe, Goethestraße 45


(Quellen: Flyer zur Ausstellung, zabalazaa com, 200 Young South Africans - Kent Lingeveldt, Bremerhaven de)

Donnerstag, 18. Juli 2013

Ein Heringsschwarm in Orange

Da hatte aber jemand Mut zur Farbe: ...
Dieses Eckhaus im Leher Goethe-Quartier wird zukünftig nicht mehr zu übersehen sein. Wenn ein Bewohner des Hauses sagt: "Ich wohne in dem orangefarbenen Haus.", dann braucht niemand mehr lange nach der Hausnummer zu suchen.

Als das Gerüst am Haus aufgebaut worden war und die ersten Teile des neuen Fassadenanstrichs zu sehen waren, hatte ich unwillkürlich das Bild einer quietschbunten Kasperbude vor Augen. Jetzt, nachdem die Arbeiten an der Fassade abgeschlossen sind, nehme ich - fast - alles zurück und behaupte - in etwa - das Gegenteil: Auf den zweiten Blick fällt die sehr gut gelungene, dezente Fassadenbemalung mit den Fischen, dem Leher Wappen und dem Leher Logo auf (das orangefarbene "L" wird sonst allerdings auf schwarzem Grund dargestellt). Auf den ersten Blick finde die Grundfarbe aber immer noch etwas gewöhnungsbedürftig.


... Leher Motive mit Heringsschwarm in Orange

Nach dem Weltraum-Motiv an der Ecke Potsdamer-/Eupener Straße gibt es mit der neuen Fassadengestaltung an diesem Haus jetzt ein zweites, großflächiges Kunstwerk im Leher Gründerzeitviertel - und über Kunst kann man ja eigentlich nicht streiten. Der Heringsschwarm mit den Leher Motiven ist auf dem Foto oben links in der Collage zu sehen (zum Vergrößern bitte auf die Fotos klicken). Unten rechts sind einige verirrte Nachzügler zu sehen, die vom rechten Rand der Fassade in der Kistnerstraße ins Bild schwimmen. Sie scheinen wohl den Anschluss an ihren Schwarm in der Körnerstraße verloren zu haben.

Die Jugendstil Ornamente aus der Gründerzeit an der Fassade sind mit einem blasseren Orangeton ebenfalls dezent hervorgehoben worden. Mein Fazit: Insgesamt ist das Haus ein echter "Hingucker" - auf neudeutsch sagt man wohl "Eye Catcher" - geworden.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Lehe - Galaktische Dimensionen II

Universum Lehe
Surfen, durch die unendlichen Weiten der Galaxis? Im Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe kann man seit neuestem erahnen, wie das - mit etwas Fantasie - gelingen könnte.

Auf dem leeren Grundstück stand einmal ein Eckhaus aus der Gründerzeit, dessen Fassade und Erker mit Jugendstil-Ornamenten geschmückt waren. Erst nachdem eine im Osten und im Süden Deutschlands ansässige Wohnungsgesellschaft sieben der acht Wohnungen in dem Haus gekauft hatte, stellten deren Verantwortliche fest, dass sie einen viel zu überteuerten Preis dafür gezahlt hatten. Bald darauf muss ihnen wohl klar geworden sein, dass es ein schlechtes Geschäftsmodell wäre, wenn sie die Wohnungen im damaligen Zustand zur ortsüblichen Miete abgegeben und dabei laufend rote Zahlen geschrieben hätten. So standen die Wohnungen bald leer und das Haus begann zu verwahrlosen ... - im Frühjahr 2012 musste es dann abgerissen werden.

Beim Abriss des Eckhauses waren an der Giebelwand des Nachbarhauses in der Eupener Straße Schäden zutage getreten, die Anfangs die Befürchtung aufkommen ließen, dass auch dieses Gründerzeithaus dem Abrissbagger zum Opfer fallen könnte. Glücklicherweise konnte es aber gerettet werden.

Nachdem die Arbeiten an der Giebelwand des Hauses in der Eupenerstraße abgeschlossen waren und das Gerüst verschwunden ist, wurde jetzt der Blick auf das "galaktische Gesamtwerk" sichtbar, dass während der letzten Wochen von den beiden Bremerhavener Künstlern Sven "sifoe rock" Willms und Peter "sir monk" Domke vervollständigt worden war. Die Giebelwand des Nachbarhauses in der Potsdamer Straße war bereits im letzten Jahr von dem in der Nachbarschaft wohnenden Künstler Christian Aretz gestaltet worden.

Major Tom würde das Graffiti-Kunstwerk vielleicht so beschreiben: "Völlig losgelöst von der Erde" eröffnet sich jetzt der Blick aus dem Universum in einen Hinterhof im Leher Goethe-Quartier :)
  • Dank an alle Beteiligten, die mit ihrer Initiative dafür gesorgt haben, dass die durch den Abriss des Eckhauses entstandene Lücke nicht auch noch einen hässlichen Anblick hinterlassen hat.


Zum Weiterlesen:


(Quellen: Sifoe.de, Wikipedia, Chris Hadfield 's YouTube-Channel, Nancy Thuleen )

Dienstag, 16. Juli 2013

Antarktiskonferenz in Bremerhaven gescheitert


Antarktiskonferenz in Bremerhaven (ARD-Mittagsmagazin vom 15.07.2013)

Seit dem 11.07.2013 verhandelten in Bremerhaven 120 Wissenschaftler und Politiker aus über 25 Ländern im Rahmen der Anarktiskonferenz der "Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze in der Antarktis" (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Resources, CCAMLR) über die Einrichtung eines Meeresschutzgebiets. Da einige der beteiligten Staaten aber offenbar primär wirtschaftliche Interessen verfolgten, müsste es wohl wieder einmal treffender heißen, dass darum geschachert und gefeilscht wurde.

Die CCAMLR wurde im Jahre 1982 gegründet, um angesichts des wachsenden Interesses an den Krillvorkommen der Antarktis, eine Überfischung der Bestände zu verhindern. Nebenbeibemerkt dient der Schutz für den Krill auch dem Schutz der Nahrungsgrundlage der großen Bartenwale.

Die internationale Staatengemeinschaft hat sich verpflichtet, bis 2020 zehn Prozent der Küsten- und Meeresgewässer als Schutzgebiete auszuweisen. Dafür sollte unter anderem an den Küstenregionen der östlichen Antarktis und im Rossmeer das größte Meeresschutzgebiet der Welt geschaffen werden, dass dann etwa halb so groß wie Europa gewesen wäre. Wie das "Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz" (BMELV) auf seiner Internetseite schreibt, sollten einem Beschluss des Weltnachhaltigkeitsgipfels von 2002 in Johannesburg zufolge bis zum Jahre 2012 repräsentative Netzwerke von Meeresschutzgebieten ausgeweisen worden sein.

Der Beitrag der Bundesrepublik dazu sei ein Projekt im Weddellmeer, das eine von insgesamt neun Planungsregionen im CCAMLR-Vertragsgebiet des Antarktischen Ozeans ist und eine Fläche von rund 2,8 Millionen Quadratkilometern umfasst. Mit den wissenschaftlichen Vorarbeiten  für die Errichtung eines Schutzgebietes, die vom AWI in Bremerhaven federführend koordiniert werden, sei bereits begonnen worden.


Ein Indikator für den Klimawandel

Bereits am 10.07.2013 hatte die Nordsee-Zeitung auf ihrer Internetseite geschrieben, internationale Umweltorganisationen würden die Einrichtung von zwei Schutzgebieten in der Ost-Antarktis und im Rossmeer mit einer Fläche von mehr als drei Millionen Quadratkilometer fordern. Das hätten sie bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Atlantic Sail City Hotel unterstrichen.

Herrn Campbell (Antarctic Ocean Alliance) zufolge gehört das Rossmeer in der Süd-Antarktis bisher zu den am wenigsten von Umweltverschmutzung, Klimawandel, und Überfischung betroffenen Ozeanen. Trotzdem ist der der antarktische Ozean, eines der letzten intakten Ökosysteme der Erde, aber unter anderem auch durch die Fischerei bedroht. Er beheimatet mehr als 10000 Tierarten. Pinguine, Seelöwen, Robben, Wale und zahlreiche weitere Tierarten bewohnen diesen einzigartigen Lebensraum.

Darüberhinaus ist die nahezu vom Menschen unberührte Region von großem Interesse für die Wissenschaft: An ihr können Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels ablesen. Herr Groß (Deepwave) hatte wohl auch deshalb die besondere Rolle der Antarktis in der globalen Klimastruktur hervorgehoben.


Chance vertan!

Nachdem die Einrichtung der Meeresschutzgebiete im Herbst 2012 schon einmal aufgrund des Widerstands von Russland, China, Japan, Südkorea und Norwegen nicht zustande kam, ist die Antarktiskonferenz heute an ihrem letzten Tag erneut gescheitert. Da die Konferenz nur einstimmige Beschlüsse fassen kann, kam aufgrund "rechtlicher Bedenken" Russlands und der Ukraine kein einstimmiger Beschluss zustande.

Herr Campbell, der sich mit Film-Projekten seit vielen Jahren für den Schutz der Antarktis einsetzt, schreibt in seinem Blog (Zitat):
"Seeing the politics unfold in a hot conference room in Germany was surreal. I couldn’t help but think back to those fledgling Emporer penguin chicks I filmed years ago in the Ross Sea. They would now be sitting out in some blizzard huddling together to survive the cold, while  25 people at the opposite end of the world decide the fate of their home – the world’s last great ocean wilderness."

"Zu sehen, wie die Politik sich in einem heißen Konferenzraum in Deutschland entwickelte, erschien mir unwirklich. Ich konnte mir nicht helfen, aber ich musste an diese Kaiserpinguin Küken denken, die ich Jahre zuvor im Rossmeer gefilmt hatte. Sie werden jetzt gerade draußen dicht zusammengedrängt, sich gegenseitig wärmend, in irgendeinem Schneesturm sitzen um die Kälte zu überleben, während 25 Menschen am gegenüberliegenden Ende der Welt über das Schicksal ihrer Heimat - der letzten großen Meereswildnis der Welt - entscheiden."


Vermutlich werden die "rechtlichen Bedenken" der Vertreter der beiden Blockade-Staaten wohl eher Bedenken wirtschaftlicher Natur gewesen sein. Sie sprachen der Konferenz die Zuständigkeit ab, ein so großes Schutzgebiet in der Antarktis ausweisen zu können.

Dafür werden sie dann aber für sich ganz selbstverständlich das Recht in Anspruch nehmen, die letzten Resourcen der Erde zu plündern. Sie gefährden damit nicht nur kaltblütig die Lebensgrundlage von 10000 heute in der Antarktis lebenden Tierarten, sondern auch die zukünftige Nahrungsgrundlage ihrer eigenen Kinder und Kindeskinder.

Aber wie meistens wenn es darum geht, die Lebensgrundlagen und die natürlichen Resourcen unseres Planeten für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, gibt es immer wieder auch diejenigen, die solchen Bestrebungen aus kurzsichtiger Profitgier entgegen stehen.


(Quellen: Stern vom 16.07.2013, Radio Bremen vom 16.07.2013, Tagesschau vom 16.07.2013, Nordsee-Zeitung vom 16.07.2013, taz vom 15.07.2013, Berliner Tagesspiegel vom 15.07.2013, WDR vom 15.07.2013, Nordsee-Zeitung vom 15.07.2013, Der Spiegel vom 13.07.2013, Nordsee-Zeitung vom 12.07.2013, vom 11.07.2013 und vom 10.07.2013, Greenpeace vom 21.05.2013, Antarctiv Oceans Aliance, BMELV )

Terra incognita - unbekannte Orte in der Stadt

Produktion von "Tripods", den Fundamenten für Offshore-Windenergieanlagen
Zu ihrem Geburtstag hatten wir meiner Mutter unter anderem einen Gutschein für eine Stadtrundfahrt geschenkt; "Ist ja mal was anderes" - erst recht dann, wenn die Stadtrundfahrt durch einem Teil der Stadt führt, in der man seit seiner Geburt gelebt hat. Am Sonntag hat sie ihren Gutschein eingelöst und ich habe sie dabei begleitet.

Mit diesen Stadtrundfahrten ist es irgendwie das gleiche, wie mit Museumsbesuchen: Wenn man fremde Städte besucht, dann geht man an regnerischen Tagen ins Museum - oder unternimmt bei schönem Wetter eine Stadtrundfahrt. Dabei kann man vieles von dem über die fremde Stadt erfahren, was einem sonst verborgen bliebe.

Aber eine Stadtrundfahrt in der eigenen Stadt? Die kennt man doch. Oder zumindest glaubt man das ... - und ist dann erstaunt, wieviel man eigentlich bisher nicht gewusst hat. Und man kommt dabei in Gegenden, in denen man noch nie zuvor gewesen ist. So ist es auch meiner Mutter ergangen.

Vom "Schaufenster Fischereihafen" ging es zuerst durch Bremerhavens Zentrum der Fischverarbeitung und der Lebensmittelindustrie. Zwar wird heute der geringste Teil der Seefische noch direkt von den Trawlern angelandet - der größte Teil kommt tiefgefroren in Containern nach Bremerhaven - aber immernoch sind im Fischereihafen einige der bedeutendsten Lebensmittelproduzenten angesiedelt, die in bereits den Vorgängergemeinden der heutigen Stadt Bremerhaven ihren Ursprung hatten.

Auf dem weiteren Weg durch den Fischereihafen ging es vorbei an den Hallenkomplexen eines Keramik-Herstellers, an metallverarbeitenden Betrieben - in einem davon wurde zum Beispiel die "Neumayer-Station III" des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in der Antarktis gebaut - und an den weitläufigen Betriebsgeländen mehrer Hersteller und Forschungseinrichtungen der Windkraft-Branche. Angesichts der Planungsunsicherheiten aufgrund falscher Signale seitens der Bundesregierung frage ich mich allerdings, in welche Richtung es dort einmal weitergehen wird.


Ein winziger Bildausschnitt aus dem Gelände des Bremerhavener Autoterminals
Auf dem Weg vom Fischereihafen durch die Stadtteile Geestemünde, Mitte und Lehe informierte die Reisebegleiterin über viele weitere Details, beispielsweise zur Geschichte der Geestemünder Häfen in der Zeit, in der auf dem gegenüberliegenden Ufer der Geeste gerade die Erfolgsgeschichte der neugegründeten Stadt Bremerhaven - damals nur einige Häuser rund um den heutigen Alten Hafen - ihren Anfang nahm. Kaum ein Bremerhavener wird heute wohl noch wissen, dass ein Teil des Hafens im heutigen Stadtteil Geestemünde einmal der größte Petroleumhafen Europas war, oder dass das Wasser im Holzhafen, der heute eigentlich gar nicht mehr als Hafen zu erkennen ist, nie so tief war, dass größere Schiffe darin hätten festmachen konnten.

Über die Kaiserschleuse ging es weiter durch die stadtbremischen Freihäfen, vorbei am Kreuzfahrtterminal "Columbuskaje", dem Fruchtterminal, Bergen von Containern auf dem Containerterminal an der Stromkaje und an scheinbar enlosen Flächen voller Neuwagen, die sich mangels ausreichender Flächen mehr und mehr in Hochregalen stapeln. Hier liegt heute die Bedeutung der Häfen, die früher einmal dem Geestemünder Petroleumhafen und Fischereihafen, sowie dem Alten Hafen als Keimzelle der späteren Stadt Wesermünde - dem heutigen Bremerhaven - zukamen.

Durch das Zolltor "Roter Sand" und die "Alte Bürger" ging die zweistündige Fahrt in Richtung "Schaufenster Fischereihafen" ihrem Ende zu. Von meiner Mutter hatte ich unterwegs immer wieder die Worte: "Hier bin ich ja noch nie gewesen.", gehört. Für sie war es also eine echte Entdeckungsreise an bisher unbekannte Orte der Stadt, in der sie geboren wurde, als Bremerhaven noch Wesermünde hieß.

Da ich oft mit dem Rad unterwegs bin, kannte ich zwar die Gegenden, die für meine Mutter Neuland waren. Einige der Details aus den Beschreibungen der Reisebegleiterin haben mich allerdings neugierig gemacht. Ich denke, da wird es wohl auch für mich noch mehr zu entdecken geben.

Meine Mutter war begeistert und auch mir hat die Fahrt sehr gut gefallen. Für den Fall, dass ihr mal nach Bremerhaven kommen solltet, oder dass ihr vielleicht - abgesehen von eurem Viertel und der Stadtmitte - noch nicht viel von Bremerhaven gesehen haben solltet, kann ich die Rundfahrt mit dem roten "Cuxliner" wärmstens empfehlen.

Samstag, 13. Juli 2013

Galgenvögel

Galgenvögel (gesehen in Kiel an der Hörn)
Galgenvögel, diese schwarzen,
deren Stimmen krächzend knarzen,
gibt's nicht sehr oft am Ostseemeer.
So blieb der Galgen lange leer.
Auch drunter hängt längst niemand mehr.

Statt für todbestrafte Tote

nutzt man Galgen jetzt für Boote.
Und wo Raben einst gesessen
sitzen Möwen sinnvergessen,
die des Fischers Fische fressen.

© Jürgen Winkler


"Galgenvogel" wurden im Mittelalter die Raben genannt, weil sich die Vögel, die sich auch von Aas ernähren, gerne in der Nähe der Hinrichtungsstätten aufhielten. Später übertrug sich dieser Begriff umgangssprachlich auch auf die zum Tod durch Erhängen Verurteilten.

Eigentlich hat man den Raben mit dem Bild, dass im allgemeinen mit dem Begriff "Galgenvogel" assoziiert wird, aber immer unrecht getan. Inzwischen wurde nachgewiesen, dass Rabenvögel und Krähen äußerst intelligente Tiere sind. Sie sind in der Lage, Werkzeuge herzustellen, Handlungen im Voraus zu planen, von ihren Artgenossen zu lernen und erlerntes Wissen weiterzugeben und komplexe Zusammenhänge zu erkennen und das so gewonnene Wissen zu nutzen.

Ich wünsche allen Besuchern meiner Seiten ein schönes Wochenende mit sehr viel Sonnenschein ...


(Quelle: Wikipedia)

Donnerstag, 11. Juli 2013

Im Land der Schatten ist die Wahrheit eine Lüge

Man hätte es sich ja eigentlich denken können - und man dachte es wohl auch, dass die Geheimdienste Deutschlands und anderer Staaten, ebenso daran interessiert sind, zu wissen, was die Bürger so treiben, wie diejenigen der USA (NSA) und Großbritaniens (GCHQ).

Einem Bericht des Spiegel vom 07.07.2013, der auf ein Interview mit Herrn Snowden Bezug nimmt, ist zu entnehmen, dass die Zusammenarbeit zwischen der NSA und dem Bundesnachrichtendienst (BND) offenbar deutlich intensiver ist, als bis dahin bekannt war. Herrn Snowden zufolge habe die NSA die Analyse-Tools für den Lauschangriff des BND auf ausländische, durch Deutschland führende Datenströme zur Verfügung gestellt. Im Fokus des BND stünde dabei unter anderem die Nahost-Strecke mit den darüber gesendeten Datenpaketen aus den Krisenregionen. Herr Schindler (BND, Präsident) habe die Zusammenarbeit mit der NSA den Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums gegenüber bestätigt.


Nichts gewusst?

Angesichts des dank Herrn Snowden inzwischen bekannt gewordenen Umfangs der Schüffelei in der Privatsphäre der Bürger und in den politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten der "lieben Freunde" stellt sich mir die Frage, wie tief die Politiker und die jeweiligen Bundesregierungen in diesen Skandal verwickelt sind oder waren, beziehungsweise, welchen Einfluss sie überhaupt darauf haben, dass die Geheimdieste sich zumindest innerhalb des von der Politik gesetzten "rechtmäßigen Rahmens" bewegen - wobei Recht und Moral in diesem Metier wohl ohnehin wenig miteinander zu tun haben werden.

Diese Annahme bestätigt unter anderem auch der Bericht des Spiegels (Zitat):
.. Dabei enthüllt er (Anm.: Herr Snowden) ein bemerkenswertes Detail zum Schutz von Entscheidungsträgern: Die Zusammenarbeit werde so organisiert, dass Behörden anderer Länder "ihr politisches Führungspersonal vor dem 'Backlash' schützen" können, falls herauskommen sollte, wie "massiv die Privatsphäre von Menschen missachtet wird." ..
Eine umfangreiche Aufklärung bezüglich der Verantwortung einzelner Politiker wird daher wohl kaum zu erwarten sein. Allerdings ziehen Fachleute, wie beispielsweise Herr Polli (Österreich, Verfassungsschutz, ehemaliger Präsident) die Ahnungslosigkeit deutscher Politiker und ihrer Behörden generell in Zweifel. Ihm sei das Spionageprogramm "Prism" der NSA unter anderem Namen bekannt gewesen (im Fall der Veröffentlichungen des US-amerikanischen Whistleblowers Tom Drake war von einem "Projekt Trailblazer"  zur umfassenden weltweiten Überwachung die Rede). Darum wäre es "widersinnig und unnatürlich", wenn die deutschen Behörden nichts gewusst hätten.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb am 07.07.2013 auf ihrer Internetseite, unter Hackern gelte es schon lange als sicher, dass ausländische Geheimdienste in Deutschland große Netzknoten wie De-Cix in Frankfurt anzapfen würden. Dafür würden sie sich an große amerikanische und deutsche Netzprovider, Hoster oder Dienste wenden, die Breitbandnetze zur Verfügung stellen". Die Süddeutsche Zeitung bezieht sich dabei auf eine Aussage von Frau Kurz (Chaos Computer Club).

Herr Snowden beantwortet die Frage, ob deutsche Behörden oder deutsche Politiker in das Überwachungssystem der USA verwickelt sind, mit einem klaren "ja" (ZDF-Heute vom 07.07.2013, Zitat):
.. Ja natürlich. Die (NSA-Leute) stecken unter einer Decke mit den Deutschen, genauso wie mit den meisten anderen westlichen Staaten. Wir warnen die anderen, wenn jemand, den wir packen wollen, einen ihrer Flughäfen benutzt – und die liefern ihn uns dann aus. Die Informationen dafür können wir zum Beispiel aus dem überwachten Handy der Freundin eines verdächtigen Hackers gezogen haben, die es in einem ganz anderen Land benutzt hat, das mit der Sache nichts zu tun hat. Die anderen Behörden fragen uns nicht, woher wir die Hinweise haben, und wir fragen sie nach nichts. So können sie ihr politisches Führungspersonal vor dem Backlash (deutsch etwa: Rückschlag) schützen, falls herauskommen sollte, wie massiv weltweit die Privatsphäre von Menschen missachtet wird. ..

Auch Herr Drake weiß wovon er spricht, wenn er die Ahnungslosigkeit hierzulande bezweifelt. Bis er das, was bei der NSA geschah, nicht mehr vertreten konnte, war er einer ihrer Führungskräfte und hat die Macht des Überwachungsapparats am eigenen Leib erfahren müssen. In einem Filmbeitrag des ARD Weltspiegels vom 07.07.2013 sagte er (Zitat):
"Ich kann Ihnen nichts über die aktuellen Operationen sagen. Aber ich weiß persönlich von geheimen Absprachen zwischen der NSA und dem BND. Die haben zusammengearbeitet und sich Zugang zu ihren Systemen ermöglicht. Ich glaube, auch beim BND kocht bald ein Skandal hoch. Ich halte es für Wahrscheinlich, dass auch der BND eigene Vereinbarungen mit Internetanbietern hat. Natürlich geheim. Und dass dies vielleicht von hochrangigen Politikern gedeckt wird."
Beweise könne er dafür nicht liefern. Als das FBI seine Wohnung durchsucht habe, seien seine Computer beschlagnahmt und alles mitgenommen worden.


Freiheit gibt es nicht umsonst

Herr Drake meint, dass Herr Snowden die Kopien an sicheren Orten deponiert habe, könne seine Lebensversicherung sein. Er ist davon überzeugt, dass die Regierung alles versuchen werde, um Herrn Snowden mundtot zu machen (Zitat):
"Sein Leben ist in Gefahr. Es gibt Elemente in der Regierung, die ihn unter allen Umständen ausschalten wollen. Die können das. Das ist die dunkelste der dunklen Seiten der Macht."
Er selbst habe das Schlimmste hinter sich. Doch der Preis, dafür sei hoch gewesen (Zitat).
"Ich hätte nie gedacht, dass ich zu einem Kriminellen würde, nur weil ich die Wahrheit gesagt habe, die meine Regierung nicht hören will. Freiheit gibt es nicht umsonst. Wenn Bürger jetzt nicht ihre Rechte verteidigen, wird alles noch schlimmer."
Die Staatsanwaltschaft hatte ihre Spionage-Vorwürfe gegen Herrn Drake nicht aufrecht erhalten können. Er wurde lediglich zu einem Jahr auf Bewährung wegen "Missbrauch eines Computersystems" verurteilt. Fast alles, was Herr Snowden jetzt enthüllt, hatte Herr Drake bereits öffentlich gemacht.


Misstrauen gegen Freundschaft

Als gesichert kann anhand eines weiteren Berichts des Spiegels (ebenfalls vom 07.07.2013) wohl angenommen werden, dass "deutsche Behörden" gerne mal ihr Einverständnis zu den Aktivitäten der USA auf deutschen Boden geben, dann aber in solchen Angelegenheiten nicht mehr viel zu sagen haben.
  • So sei ein neuer Stützpunkt der US-Armee, den auch die NSA nutzen soll, mit den deutschen Behörden abgesprochen. In Wiesbaden werde derzeit ein neues "Consolidated Intelligence Center" errichtet, in dem für 124 Millionen Dollar abhörsichere Büros und ein Hightech-Kontrollzentrum entstehen. Bei dem Neubau würden die Amerikaner nur auf Landsleute vertrauen!

Das scheint mir doch ein "etwas merkwürdiges Freundschafts- und Vertrauensverhältnis" zu sein, wenn unsere sogenannten "amerikanischen Freunde" sich für "unsere Freundschaft" mit Misstrauen bedanken! Was dort in Wiesbaden - wie "Heise Telepolis" es auf seiner Internetseite in einem Artikel 07.07.2013 formuliert - 'mit Tolerierung durch den BND' entsteht, wird in meinen Augen so etwas wie eine Exclave der USA mitten in Deutschland mit einer Geheimdienstzentrale der NSA werden. Auf Inhalt und Umfang der dortigen Aktivitäten wird die deutsche Politik später aber wohl kaum noch Einfluss nehmen können - selbst dann nicht wenn von dem neuen "Consolidated Intelligence Center" Verstöße gegen deutsches oder europäisches Recht ausgehen sollten.

Da stellt sich dann die Frage, ob die Zustimmung des BND für den Bau des "Consolidated Intelligence Centers" ausreicht, oder ob die Aktivitäten der USA in Wiesbaden durch die Bundesregierung abgesegnet sind. Möglicherweise haben unsere Behörden die Amerikaner aber auch in diesem Fall mal wieder 'nicht gefragt, was genau sie dort vorhaben, und die Amerikaner haben unsere Behörden nach nichts gefragt'. Diese Methode scheint ja ganz gut zu funktionieren, entbindet die Politik und deren Behörden aber nicht von ihrer Verantwortung denen gegenüber, deren demokratische Interessen sie zu vertreten haben!


Zurück zur guten alten Briefpost?

Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, die meinen, sie könnten der Bespitzelung durch die Geheimdienste entgehen, indem sie statt E-Mails wieder Briefe auf Papier schreiben, haben inzwischen zur Kenntnis nehmen müssen, das sie sich damit wohl geirrt haben. Dem Artikel der Süddeutschen Zeitung zufolge überwachen die Sicherheitsbehörden in den USA nicht nur weltweit im großen Stil die Telefon- und Internet-Kommunikation, sondern fotografieren auch die Adressdaten der Sender und Empfänger von Postsendungen. Auch diese Daten würden gespeichert und den Sicherheitsbehörden zugänglich gemacht.

Inzwischen wurde bekannt, dass auch die Deutsche Post jede Briefadresse abfotografiert. Nach Aussage eines Sprechers der Deutschen Post würden die Adressen jedoch nicht weitergegeben, sondern für interne Zwecke wie dem korrekten Briefversand verwendet und anschließend automatisch gelöscht werden. Da kann man nur hoffen, dass es sich damit tatächlich so verhält. Ansonsten könnte ich mich schon verdächtig machen, indem ich infolge einer nostalgischen Anwandlung ausnahmsweise einmal einen Brief auf Papier an einen Freund schicke, mit dem ich sonst nur per E-Mail oder Telefon kommuniziere. Einer der Herren mit dem Schlapphut könnte sich ja die Frage stellen: "Warum schreibt der jetzt einen Brief? Hat der etwa etwas zu verbergen?"


  • "Im Land der Schatten ist die Wahrheit eine Lüge"
    Tom Drake



(Quellen: Spiegel vom 07.07.2013 - Bericht 1 und Bericht 2, Frankfurter Rundschau vom 07.07.2013, Süddeutsche Zeitung vom 07.07.2013, Heise online vom 07.07.2013, Weltspiegel vom 07.07.2013, Tagesschau vom 07.07.2013, ZDF-heute vom 07.07.2013, Deutsche Welle vom 07.07.2013, Wikipedia)