Mittwoch, 22. August 2012

Atom-Umschlagsplatz Nordenham?

Atomkraft? Nein Danke!Am 25.07.2012 hatte die "Oceanic Pintail" der "International Nuclear Services" (INS) mit ihrer aus deutschem Atommüll bestehenden Fracht den Hafen von Nordenham verlassen und war weserabwärts in Richtung ihres Zielhafens Charleston (USA) ausgelaufen. Seit die Bremer Seehäfen für Atom-"Brennstoffe" und den dabei anfallenden hochradioaktiven Atommüll gesperrt sind, droht jetzt der von der "Rhenus Midgard GmbH und Co. KG" privat betriebene Hafen in Nordenham zum primären Atommüll-Umschlagsplatz Deutschlands zu werden.

Bereits Mitte bis Ende September sowie im November werden Atomtransporte aus der englischen Aufbereitungsanlage "Sellafield" (früher "Windscale") in Nordenham erwartet, die dort entladen und weiter zum Atomkraftwerk "Grohnde" transportiert werden sollen. Die Fracht wird dieses Mal aus "wiederaufbereiteten" atomaren Brennelementen bestehen. Während der Atommülltransport vom Juli 2012 in die USA klammheimlich organisiert und durchgeführt wurde und erst bekannt wurde, als sich die hochradioaktive Fracht bereits im Hafen befand, liegen über die neuen Atomtransporte bereits jetzt Informationen vor.

Für Dienstag, den 28.08.2012, 20 Uhr, laden die "Aktion Z" und der "Arbeitskreis Wesermarsch" zum Informationsaustausch und zu Diskussionen um Aktionsformen, Anträge, Veranstaltungen etc. gegen den Brennelement-Umschlag nach Nordenham in das "Haus Weserstrand" ein. Die beiden Initiativen haben darum gebeten, die Einladung weiterzugeben.

Diesem Wunsch komme ich hiermit gerne nach und gebe die Einladung im Folgenden im Wortlaut wieder:
Aktion Z
Hinrich Brader,
Jürgen Janssen
kuik-janssen-janssen@t-online.de

Arbeitskreis Wesermarsch
Werner Groß,
Hans-Otto Meyer-Ott
ott.meyer-ott@ewetel.net

Brake, den 15.08.12

E I N L A D U N G
Infoaustausch und Diskussion um Aktionsformen , Anträge, Veranstaltungen

MOX-Brennelemente 2.Hälfte September und November 2012
(je 8 bzw je 2 CASTOREN)
von WAA Sellafield zum Midgard-Hafen Nordenham.
Von dort wohl per LKW zum AKW Grohnde.
Soll dies der Einstieg in kontinuierlichen Atomumschlag sein?

Bitte kommt aus der gesamten Unterweser-Region und gebt Einladung weiter .

Wann: Dienstag , 28.08.12 , 20.00 Uhr
Wo: Nordenham, Haus Weserstrand
Strandallee 20, Großensieler Hafen
Zufahrt über B 212, Abfahrt Großensiel, bis Deichschaart


Liebe MitstreiterInnen gegen das Atomprogramm,
dieses erste Treffen soll den wohl nötigen Widerstand gegen den Brennelemente-Transport über den Nordenhamer Privathafen aufbauen helfen. Daher bitten wir um eine große Teilnahme.

Anträge hierzu (z.B. an Stadtrat, Kreistag, Landtag) und Anhörungen (z.B. mit BFS und „unserem Physiker“ Wolfgang Neumann) laufen positiverweise jetzt an ...
Die Aktionsform Straße (mit Straße, Schiene, Wasser)  muß hinzukommen. Hierzu sind Informationseinholung (z.B. RORO Anlage Einswarden oder/und Hafen neben Bahnhof) und Abstimmung wer was macht und wie schaffen wir eine große Beteiligung auf den Weg zu bringen. Die Forderung nach sofortiger und endgültiger Stillegung
(z.B. mit wirklicher Öffentlichkeitsbeteiligung zum Rückbau des AKW Esenshamm) aller Atomanlagen und Einstellung dieser Transporte (Hexafluorid – Gronau, Brennelemente aus/nach AKWs und von Forschungsreaktoren,..) gehört dazu.
Kommet zu Hauf.

i.A. Hinrich Brader, Werner Groß, Jürgen Janssen, Hans-Otto Meyer-Ott


Wenn es heißt, Deutschland sei aufgrund von Atomkraftwerken unabhängig von Kohle- und Ölimporten, dann ist das nicht einmal die halbe Wahrheit. Die Atomkonzerne und deren politische Handlanger "vergessen" nämlich allzu gerne zu erwähnen, dass auch der "Brennstoff" (Uran, Yellowcake), ohne den kein Atomkraftwerk in Deutschland Strom erzeugen könnte, aus dem Ausland importiert werden muss. Während die Transporte hochradioaktiven Atommülls in die Atommülllager bei Gorleben, Lubin etc. von Beginn an von heftigen Protesten der Bevölkerung begleitet wurden, erfolgte der Nachschub neuen atomaren "Brennmaterials" in der Regel still und heimlich, ohne großes Aufsehen  zu erregen - unter anderem immer wieder auch über die Bremer Seehäfen in Bremerhaven.

Wer einerseits vorgibt, er nähme den Schutz der Bürger vor den Auswirkungen eines jederzeit möglichen Super-GAUs in einem der verbliebenen Atomkraftwerke in Deutschland ernst, der macht sich unglaubwürdig, wenn er andererseits - unter Inkaufnahme der Gefährdung seiner Bevölkerung - den Transport des für den Betrieb der Atomkraftwerke notwendigen radioaktiven Nachschubs über sein Territorium unwidersprochen hinnimmt. Dem hat die grün-rote Bremer Landesregierung zu Beginn dieses Jahres mit der Sperrung ihrer Seehäfen für den Umschlag vom Atom-"Brennstoffen" und von Atommüll Rechnung getragen.

Unter dem Vorwand "freier Handel" wird sie dafür von den Oppositionsparteien CDU und FDP, die offenbar kein Problem damit haben, womit in den Bremer Häfen eigentlich Geld verdient wird, scharf kritisiert. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass insbesondere die CDU erfreut darüber ist, dass die EU jetzt prüfen will, ob das Land Bremen mit seinem Atom-Umschlagsverbot gegen EU-Recht verstößt. Auch der daraus möglicherweise folgende internationale Eingriff in die lokalen Sicherheitsinteressen Bremens und Bremerhavens ist auf den großen Einfluss der Atom-Lobby in Brüssel zurückzuführen.

Mit Herrn Oettinger (CDU, EU-Kommissar für Energie), einem der beiden politischen "Väter" der wespenfarbenen "Laufzeitverlängerung" und Mitverfasser des "Strategie- und Schrittfolgepapiers Kernenergie", hat diese dort außerdem einen wichtigen Fürsprecher. Beispielsweise heißt es in einer auf seiner Internetseite bei der EU verlinkten Pressemitteilung vom 15.12.2011, mit dem Titel "Energiefahrplan 2050: Ein sicherer, wettbewerbsfähiger und CO2-armer Energiesektor ist möglich", unter anderem (Zitat): ".. Die Szenarios zeigen ebenfalls, dass Strom eine größere Rolle als bisher spielen muss. Auch Gas, Erdöl, Kohle und die Kernenergie sind in allen Szenarios in unterschiedlichen Anteilen vorhanden, .."

Wie in der Einladung der beiden Initiativen "Aktion Z" und "Arbeitskreis Wesermarsch" bereits anklingt, wäre es schön, wenn sich Menschen aus der gesamten Küstenregion an Protesten gegen den Atom-"Brennstoff" und -Müll Umschlag in Nordenham beteiligen würden. Die Befürworter der Nutzung der Atomkraft aus Politik und Wirtschaft verstehen es hervorragend, Keile zwischen die verschiedenen Kommunal- und Landesregierungen der Hafenstädte sowie deren Bevölkerung zu treiben. Deshalb ist es wichtig zu zeigen, dass der Umschlag aufbereiteter "Brennelemente" bzw. des für die Produktion neuer "Brennelemente" benötigten Materials, sowie des nach deren Gebrauch anfallenden hochradioaktiven Atommülls von der Bevölkerung aller Hafenstädte an der deutschen Nord- und Ostseeküste gleichermaßen abgelehnt wird.


(Quellen: Weser-Kurier vom 18.08.2012, contrAtom vom 17.08.2012, Radio Bremen vom 17.08.2012, taz vom 16.08.2012, contrAtom vom 11.08.2012, INS, Rhenus Midgard, EU-Kommissar für Energie, Greenpeace, Aktion Z, Arbeitskreis Wesermarsch, Wikipedia)

1 Kommentar:

Anno Nym hat gesagt…

die bremer häfen sind, wie oben richtig beschrieben, für transporte von stoffen gesperrt, die nach dem atomgesetz als "kernbrennstoffe" klassifiziert werden. leider fällt atommüll jedoch nicht in diese kategorie und kann weiterhin, wie alle nicht als "kernbrennstoff" klassifizierten stoffe über die bremer häfen transportiert werden! ausserdem kann die bremische bürgerschaft ausnahmen genehmigen, sodass das ganze gesetz ein hintertürchen hat...

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