Samstag, 12. Mai 2012

Die Wolga, die Geeste und die Vandalen

In Bremerhaven liegt die Wolga auf der Geeste
Die Vandalen waren ein germanisches Volk, dessen Reich im sechsten Jahrhundert von römischen Truppen zerschlagen wurde. Die Geeste ist der letzte Nebenfluss der Weser vor deren Mündung in die Nordsee und die Wolga ist einer der längsten Flüsse der Welt.

Von der Quelle der Wolga in den Waldaihöhen (Russland) bis zu ihrer Mündung in das Kaspische Meer sind es 3530 Kilometer. Damit ist die sie der längste Fluss in Europa. Die Quelle der Wolga liegt bei 228 Meter über dem Meeresspiegel. Die Höhendifferenz zwischen ihrer Quelle und der Mündung beträgt 256 Meter. Wer gerade mitgerechtet haben sollte, dem wird aufgefallen sein, dass die Mündung des Flusses 28 Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt.

Sollten da gerade Fragezeichen in einigen der auf die Computermonitore gerichteten Augen aufblitzen? Wäre es vielleicht möglich, dass die Wassermassen von Europas wasserreichstem Fluss, kurz bevor er das Meer erreicht, über einen Wasserfall in ein 28 Meter tiefes Höhlensystem stürzen, das einen unterirdischen Ausgang zum Kaspischen Meer hat? Des Rätsels Lösung: Die Bezeichnung "Meer" ist ist schlicht und einfach irreführend, denn das "Kaspische Meer" ist gar kein Meer, sondern vielmehr der größte See der Erde.

Man könnte sagen, die Wolga sei ein Fluss der Superlative, denn sie stellt gleich mehrere Rekorde auf:
  • Sie ist einer der längsten Flüsse der Welt
  • Sie ist der längste Fluss Europas
  • Sie ist der wasserreichste Fluss Europas
  • Ihre Mündung liegt deutlich unterhalb des Meeresspiegels
  • Sie mündet in den größten See der Erde


Die Geeste kann da bei weitem nicht mithalten. Ihre Quelle liegt bei der Ortschaft Hipstedt im Landkreis Rotenburg (Wümme). Auf ihrem Weg zu ihrer Mündung in die Weser bei Bremerhaven entwässert die Geeste einen großen Teil des Landkreises Cuxhaven. Ihre schiffbare Länge beträgt laut Wikipedia 25 Kilometer. Über die letzten Kilometer des kleinen Flusses, von der Schiffdorfer Stauschleuse bis zur Mündung in Bremerhaven, hatte ich vor einiger Zeit schon einmal anhand einer kleinen Videoreihe etwas geschrieben.

Bei Wikipedia ist zu lesen, dass das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Vandalen den Angaben von Plinius dem Älteren (23-79, römischer Gelehrter) und Tacitus (58-120, römischer Historiker) zufolge in den ersten Jahrhunderten nach Beginn der christlichen Zeitrechnung östlich der Oder im nordöstlichen "Germanien" lag. Später erweiterten die Vandalen ihr Siedlungsgebiet und wanderten im Zuge der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert zuerst nach Spanien und dann nach Nordafrika aus. Gemeinsam mit den Alanen plünderten die Vandalen im Jahre 455 die Stadt Rom.

Auf dieses Ereignis ist der erst zwölf Jahrhunderte darauf entstandene Begriff "Vandalismus" zurückzuführen. Er steht für die bewusste Beschädigung oder Zerstörung fremden Eigentums aus reiner Lust am Zerstören. Historisch gesehen ist diese Eigenschaft den Vandalen allerdings nicht zuzuschreiben. Das heißt jedoch nicht, dass die Römer den Vandalen die Plünderung Roms verziehen hätten. Im sechsten Jahrhundert zerschlugen oströmische Truppen das Reich der Vandalen, deren Spuren sich daraufhin im Dunkel der Geschichte verloren ...


Vandalismus auf der Wolga

Wenn ich es nicht besonders eilig habe und die Sonne scheint, dann führt mich mein Weg von der Arbeit nach Hause gelegentlich am Ufer der Geeste entlang.
Abseits des lärmenden Straßenverkehrs und der Abgase aus den Auspuffrohren der Autos gehen die Menschen dort spazieren, führen ihre Hunde aus oder sitzen auf einer der vielen Bänke. Ältere Menschen genießen die Ruhe und den Blick auf den Fluss mit den darauf vorbeifahrenden Kajaks und Ruderbooten der ansässigen Vereine. Verliebte Paare, deren Blicke allerdings in der Regel eher von ihrem jeweiligen Gegenüber in den Bann gezogen werden, sitzen Hand in Hand dicht beieinander. Gelegentlich ziehen auch die Drachenboote des Kanuvereins Unterweser (KVU) mit ihren charakteristischen Trommelschlägen die Aufmerksamkeit der Spaziergänger und Radfahrer, die auf dem Geestewanderweg unterwegs sind, auf sich.

Es ist schon ein besonderes Flair am Ufer der Geeste, das mir oft dabei hilft, den hinter mir liegenden Arbeitstag auszublenden und meine Gedanken auf die freien Abendstunden zu richten.

Auf meinem gelegentlichen Weg entlang der Geeste komme ich seit einigen Jahren immer wieder auch an der Wolga vorbei. Zwischen der "City Port"-Bootshalle und der Goetheschule liegt die nach dem großen Fluss benannte Segelyacht schon seit einigen Jahren ohne Mast und Rigg am Ufer der Geeste.

Das Schiff mit dem stolzen Namen hat sicher schon einmal bessere Zeiten gesehen. Heute bietet es eher einen trostlosen Anblick. In der ersten Zeit habe ich noch regelmäßig jemanden an Bord arbeiten gesehen. Inzwischen scheint die "Wolga" aber verwaist zu sein und anstelle des Eigners sind jetzt Algen oder Moose an Deck und an den Bordwänden zu sehen.

Gestern konnte ich beim Näherkommen aus der Ferne das erste Mal nach langer Zeit wieder beobachten, dass sich auf an Deck des Schiffes etwas bewegte. Ein Stück vor mir fuhr eine Frau auf ihrem Fahrrad. Als sie sich der "Wolga" näherte, hörte der Lärm der "Klopf- und Poltergeräusche", die bis dahin aus der Ferne zu hören gewesen waren auf und einige Jugendliche verließen auffallend eilig das Schiff um hinter der Bootshalle zu verschwinden. Als ich dort vorüberkam standen die ungefähr sieben oder acht Randalierer dort beieinander und riefen mir nach, ich solle mich in Acht nehmen: Das Boot würde gleich platzen.

Fast wäre mir stattdessen beinahe der Kragen geplatzt. Am Schulhof der Goetheschule hielt ich deshalb kurz an und überlegte schon die Polizei zu benachrichtigen, als ein junger Mann mich ansprach, dessen Kinder auf dem Spielplatz der Schule spielten.

Im folgenden Gespräch stellte sich heraus, dass er die Polizei schon benachrichtigt hatte. Ich erzählte ihm etwas über meine Beobachtungen bezüglich der "Wolga". Daraufhin meinte er, er habe auch schon beobachtet, wie Jugendliche Randalierer die anderen Sportboote an der nördlich des "City Port" gelegenen Schwimmsteganlage mit Steinen beworfen hätten. Mit dem traurigen Zustand der "Wolga" hätte das wohl eher nichts zu tun: Womit wir wieder bein Vandalismus angekommen wären.
  • Ich werde es nie begreifen können, was Menschen antreibt, die aus lauter Zerstörungswut das Eigentum anderer Menschen beschädigen. Im Fall der Randalierer auf der "Wolga" kommt noch hinzu, dass die Jugendlichen sich mit ihrerem unvorsichtigen Verhalten auf dem Schiff und bei ihrer hastigen Flucht zurück an Land auch noch selbst in Gefahr bringen. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand, dessen Aufmerksamkeit beim Verlassen eines Schiffes abgelenkt war, abrutscht und sich beim Sturz zwischen Bordwand und Kaje tödliche Verletzungen zuzieht. Da die Polizei jetzt ja über die Machenschaften der jugendlichen Randalierer informiert ist, wird sie die Steganlagen und die Boote am Ufer der Geeste hoffentlich verstärkt im Blick haben.


15.05.2012, Nachtrag:
Jugendliche schlagen Mann

Wie die Nordsee-Zeitung am 14.05.2012 berichtete, geht zusätzlich zu den Sachbeschädigungen an den Sportbooten auf der Geeste auch noch eine Körperverletzung auf das Konto der Straftäter.


(Quellen: Wikipedia)

Kommentare:

Wille hat gesagt…

Aber das war wirklich gut lesen fuer mich

margareta schweden

Weserkrabbe hat gesagt…

Zu wünschen wäre es, aber ich glaube nicht so richtig daran, dass die Polizei da ein Auge drauf wirft. Was hat sie denn an der Seebäderkaje getan? Ab und zu mal ein Ticket ausgestellt und anschließend den Platz gesperrt. Und ich befürchte sogar, das dasselbe bald an der Geestemole passiert, denn dort treffen sich jetzt auch die Randalierer und nehmen Null Rücksicht auf die Leute, die dort nur auf's Wasser gucken wollen. Aber, wenn Du irgendwo falsch parkst, dann sind sie ganz schnell dabei, Dich aufzuschreiben. Die Fahrraddiebe, die sie vor kurzem mit dem blauen Transporter geschnappt haben, laufen hier auch immer noch frei herum und der Transporter fährt auch noch durch die Straßen.

lieben Gruß
Brigitte

juwi hat gesagt…

@Margareta: Ich vermute, du wirst Deutsch lesen und verstehen können. Ich spreche und verstehe leider kein Schwedisch, so dass ich auf deiner Seite nur die Fotos betrachten kann.

@Brigitte: Deinen Pessimismus kann ich gut nachvollziehen. Aber wie heißt es immer so schön? "Die Hoffnung stirbt zuletzt." Ich hoffe, es müssen nicht erst Boote vom Grund der Geeste gehoben werden oder Menschen zu schaden kommen, bevor die für die Sicherheit verantwortlichen aktiv werden.

Anonym hat gesagt…

Die "Wolga" wurde am Donnerstag, 11. 10. 2012, abgeholt. Näheres weiß ich nicht - Peter

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