Freitag, 4. Mai 2012

Bienensterben: Nachtrag

Kurzfristige Profite sind den Aktionären wichtiger

Die inzwischen von knapp einer Million Menschen unterzeichnete Petition des internationalen demokratischen Netzwerks AVAAZ hat die Bayer Hauptaktionäre nicht zum Nachdenken bewegt. Sie stimmten dafür, an der Produktion und dem Verkauf der Produkte festzubehalten, deren weiterer Einsatz mehreren Studien zufolge zum Aussterben der Bienen führen könnten.

Die Petition war während der Bayer-Jahreshauptversammlung an die Aktionäre überreicht worden. AVAAZ wirbt auf seiner Internetseite dafür, den Druck aufrechtzuerhalten. Sobald eine Million Unterstützer für die Petition zusammengekommen seien, werde die Petition direkt an den Vorstand und den Aufsichtsrat von Bayer übergeben. Sollte das den Chemie- und Pharmakonzernebenfalls weiterhin kalt lassen, werde die Kampagne mit der Forderung nach "starken Gesetzen zur Rettung der Bienen" fortgesetzt.

Bevor irgendwann die "Ja Aber's" in Kommentaren auftauchen, weise ich darauf hin, dass die Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide nicht das einzige Problem sind, das den Bienenvölkern zusetzt. Die Rolle der natürlichen Feindin der Bienen (die Varroamilbe) hatte ich in diesem Zusammenhang Anfang 2011 schon einmal erwähnt. Einem Bericht der "Neuen Züricher Zeitung" (NZZ) vom 03.05.2012 ist zum Beispiel zu entnehmen, dass auch die Witterung den Bestand der Tiere gefährden kann. Der strenge Winter 2011/2012 habe die Bienen nach Auskunft der Schweizer Imker um ungefähr ein Drittel dezimiert hat.

Auch im Bericht der NZZ ist erneut von der Varroamilbe die Rede. Im Bestreben, der Milbe mit gängigen Schädlingsbekämpfungsmitteln zu Leibe zu rücken, haben die Imker aber wohl eher das Gegenteil erreicht: Die Milben sind dagegen inzwischen resistent. Alternative Mittel stünden jedoch erst in mehreren Jahren zur Verfügung. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Resistenz der Milben gegen die "gängigen Schädlingsbekämpfungsmittel" den Verantwortlichen eine Lehre gewesen ist.

Wenn zu den naturgegebenen Bedrohungen der Bienen - wider besseres Wissen(!) - noch der massive Einsatz der chemischen Keule zum Schutz landwirtschaftlicher Monokulturen hinzukommt, dann ist den Bienen - und damit auch den Menschen, sowie vielen anderen Pflanzen und Tieren - wohl bald nicht mehr zu helfen. Wenn die Bienen sich vielleicht auch gegen ein oder zwei schädigende Einflüsse noch zur Wehr setzen können, dann könnten die in den Studien beanstandeten Neonicotinoide genau das sein, was den ohnehin schon geschwächten Tieren den endgültigen Todesstoß versetzt.
  • Ein drastisches Bild dafür habe ich kürzlich in einem Online-Artikel irgendeiner Zeitung gefunden: Eine schwere Schussverletzung könne man unter Umständen gerade noch überstehen, hieß es da. Wenn jemand einem darüberhinaus aber noch gegen den Kopf trete, würde man sterben.

Aktuell fehlen heute Morgen noch genau 231 Unterzeichner für die AVAAZ-Petition an der "einen Million".  Für den millionsten Mitzeichner der Petition ist zwar kein Preis ausgelobt worden, aber alle zusammen können wir vielleicht als Gewinn verbuchen, dass auch unsere Kinder und Enkel nicht auf den Genuss von Honig, Äpfeln und vielen anderen Früchten verzichten müssen. Hintergrundinformationen findet ihr in meinem Beitrag vom 27.04.2012 und in den dort angegebenen Quellen.



Zum Weiterlesen:


(Quelle: NZZ vom 03.05.2012, AVAAZ vom 30.04.2012)

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