Mittwoch, 8. November 2017

Wenn man weiß, was man verlieren könnte ...


COP 23: Fernsehnachrichen vom Eröffnungstag

Am 6. November wurde die diesjahrige Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 23) in Bonn unter dem Vorsitz der Fidschi Inseln eröffnet. Die Nachrichten vom Tage markieren quasi den Status Quo, den Ausgangspunkt für die Verhandlungen der nächsten Tage.

Klar ist jetzt schon, dass über die Absichtserklärungen im Abkommen von Paris hinaus noch viel Arbeit zu erledigen ist, wenn der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe noch einigermaßen erfolgreich sein soll.

In den ZDF heute Nachrichten vom 06.11.2017 heißt es, das Jahr 2017 gehöre zu drei wärmsten Jahren, die jemals gemessen wurden. Die ganz junge Gemeration müsse die Folgen des Klimawandels ertragen

Zur Eröffnung der Klimakonferenz sagte Herr Bainimarama (Fidschi Inseln, Premierminister, Vorsitz der COP23), es sei unsere Verantwortung, Antworten auf das Leiden der Klimaopfer zu finden - mit allen Mitteln die uns zur Verfügung stehen. Das beinhalte auch, dass wir mehr zusammenarbeiten müssen, um Wege zu finden, den Klimawandel zu bewältigen.

Die Ziele der Klimakonferenz sind
  • die Erstellung eines verbindlichen Regelwerks für die einheitliche Erfassung der Klimagas Emissionen
  • die Bildung von Länderpartnerschaften für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien
  • die Sicherung der Finanzierung der Klimaschutzmaßnahmen

Unterstützung für die Opfer des Klimawandels

Die Unterstützung für die Entwicklingsländer ist eines der großen Themen der Klimakonferenz. Frau Hendricks (SPD, Bundesumweltministerin) verkündete den auch mit "großem Vergnügen", dass Deutschland den Anpassungfond mit zusätzlichen 50 Millionen Euro unterstützen wird.

Im Gegensatz dazu zieht sich die US-Regierung unter Herrn Trump auch hier aus der Verantwortung: Die USA haben die Unterstützung für die Bewältigung des Klimawandels in den Entwicklungsländern gestoppt.

Ich begrüße es, dass Deutschland zusätzliche Mittel für die Anpassung der bereits am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder bereitstellen will. Angesichts der ungenutzten Möglichkeiten, die wir gehabt hätten, um unsere CO2-Emissionen zu reduzieren - hier fällt insbesondere das Ausbremsen der Energiewende zugunsten der Braunkohle ins Gewicht - kommt mir das "Winken mit den Millionen" gleich zu Beginn der Klimakonferenz allerdings ein bischen so vor, als wolle die Bundesregierung sich mit Geld von ihrer Schuld freikaufen.

Aber wie auch immer:
Das Verhalten Herrn Trumps und seiner Republikaner in dieser Angelegenheit ist einfach nur schäbig! Aber eigentlich war ja auch nichts anderes von ihm zu erwarten.


Die Zeit zum Handeln ist jetzt

In einem Filmbeitrag des WDR-Magazins "Aktuelle Stunde" ist zu sehen, wie Kinder und Jugendliche in Bonn demonstrieren. Einige der Demonstranten kommen zu Wort. Ein junger Mann stellt fest (Zitat): "Alte Menschen entscheiden im Moment über unser Zukunft. Wir möchten gerne mitentscheiden." Eine junge Frau meint (Zitat): "Es muss endlich mal was gemacht werden. Man sagt immer, es kommt irgendwann. Aber jetzt muss was getan werden." und ein Junge sagt (Zitat): "Ich möchte eine schönere Zukunft haben, also bessere Energieerzeugung, Windräder und Solarenergie. Und die Kohlekraftwerkse sollen gestoppt werden."

In einem Interview des WDR Magazins "Aktuelle Stunde" antwortet Herrn Mojib Latif (Helmholtz-Zentrum Kiel, Klimaforscher) auf die Frage des Moderators, ob bei den Gesprächen in Bonn etwas herauskommen kann, es müsse etwas dabei herauskommen! Die Daten aus den letzten Wochen würden nichts Gutes zeigen. Der UNO zufolge seien wir im Moment auf dem Weg in eine um drei Grad wärmere Welt, obwohl in Paris deutlich gesagt worden ist, dass wir unter zwei Grad bleiben möchten. Gleichzeitig sei der CO2-Gehalt in der Atmosphäre noch nie so schnell gestiegen, wie heute.

Der Moderator der "Aktuellen Stunde" gibt zu bedenken, dass China und Japan bei der Klimakonferenz  nicht dabei sind. Die USA seien quasi unter Trump aus dem Klimaschutz ausgestiegen. Russland habe das Abkommen von Paris noch gar nicht ratifiziert: "Wird die Uhr beim Klimaschutz gerade zurückgedreht?"

Herr Latif verneint die Frage. China habe sich verpflichtet, den Höhepunkt seiner Treibhausgasemissionen 2030 zu erreichen. Es hat jedoch den Anschein, als sei der Peak bereits jetzt erreicht. Insofern sei China bezüglch der Verienbarung von Paris im Soll und Donald Trump sei nicht Amerika. In den USA gebe es viele fortschrittliche Kräfte. 2016 seien die Treibhausgasemissionen in den USA erneut gesunken. Herr Die Dynamik, die sich in den USA entwickelt, könne Herr Trump "gar nicht mehr aufhalten".

Ich denke allerdings, dass Herr Trump, der ja vollständig auf die fossilen Energieträger setzen will, schon eine Bremse für die "fortschrittlichen Kräfte" in den USA darstellt. Solange das so ist, können die USA ihre fossilen CO2-Emissionen nicht auf "Null" reduzieren - egal, wie sehr alle anderen dagegen halten.

Die Moderatoren der "Aktuelle Stunde" stellen fest, dass der Klimaschutz eine "Weltaufgabe" ist und stellen die Frage, was angesichts der bedenklichen Daten der UN jetzt weltweit passieren muss.

Herr Latif weist darauf hin, dass das Abkommen von Paris eine Absichtserklärung war. Jetzt müsse die Umsetzung folgen. Allein die Selbsterklärungen von Paris würden nicht ausreichen. In Bonn müsse nun das Regelwerk für die Umsetzung erstellt werden. Dabei gehe es auch um die Frage, wie man es hinbekommt, dass die einzelnen Länder mehr machen, als das, was sie in Paris vereinbart haben.

Die Moderatoren der "Aktuelle Stunde" lenken den Fokus auf Deutschland, das bei den CO2-Emissionen seit acht Jahren auf der Stelle trete. Deutschland werde seine Klimaziele für 2020 verfehlen.

Herr Latif betont, das Wichtigste sei jetzt erst einmal der Kohleausstieg. Die nächste Bundesregierung müsse ein klares Ziel dafür festlegen. Ohne einen schnellen Kohleausstieg werde Deutschland keines der langfristigen Ziele erreichen. Das 40 Prozent Ziel für 2020 werde dann verfehlt werden. Ohne Kohleausstieg werde auch das für 2030 vorgesehene 55 Prozent Ziel nicht zu halten sein. Auf der internationalen Ebene würde Deutschland dann auch noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren.
  • Mit seinen Ausführungen widerspricht Herr Latif klar der FDP, die erklärt hat, sie wolle sich mit dem Klimaschutz Zeit lassen.

Die Moderatoren der "Aktuelle Stunde" zitieren Herrn Laschet, der gesagt habe (Zitat): "Wir schaffen das auch ohne Kohleausstieg.", und fragen, ob er damit Unrecht hat. Die Antwort Herrn Latifs ist eindeutig: "Ja." Das sei nichts weiter als ein kleiner "Beruhigungsbonbon". Und: "Nein." Wir müssten an die Kohle ran. Diese sei einfach nicht zukunftsfähig. Das müsse man man auch im Rheinland, im Saarland und in Brandenburg begreifen.

Und die Zeit drängt:
  • In Sibirien tauen die Permafrost Böden. Pro Jahr rutschen heute schon jährlich bis zu 20 Meter Küstenlinie ins Meer. In den Bodenschichten unterhalb der Permafrost Böden gibt es große Mengen eingeschlossenes Methan. Sollten die freigesetzt werden, dann hätte das den Effekt eines Turboantriebs für den Klimawandel.
  • Um in Überschwemmungsgebieten in Bangladesh überhaupt noch ernten zu können, legen die Bauern dort schwimmende Gärten auf Wasserhyazinthen an.

Energie, Verkehr, Gebäude

Die Moderatorin der ZDF heute Nachrichten stellt dem aus Bonn zugeschalteten Korrespondenten Volker Angres die Frage, wo wir heute nach der nach Euphorie von Paris stehen. Er antwortete, dass wir ohne einschneidende Maßnahmen bis zum Ende des Jahrhunderts bei drei bis vier Grad globaler Erwärmung landen werden.

Es gebe noch jede Mege zu tun, um das Abkommen von Paris umzusetzen. Bei uns in Deutschland fange das unter anderem mit dem heftig diskutierten Kohleausstieg an. Eigentlich würden das ja auch alle wollen. Aber nicht nur in Deutschkland, auch weltweit fehle es am politischen Wille, einen Ausstiegsplan vorzulegen. Darüber hinaus dürfe man aber auch die anderen Sektoren nicht aus dem Auge verlieren. So habe der Verkehr bisher überhaupt noch keinenin Beitrag geleistet und auch im Gebäudebestand gebe es noch sehr viel zu tun.

Fakt sei: Die Weltwirtschaft muss so schnell wie möglich CO2-neutral werden. Die schnellsten Erfolge seien im Energiesektor zu erzielen, der völlig auf CO2-Emissionen verzichten müsse. Das funtioniere aber nur mit erneuerbaren Energien.

Ahnlich beschrieb das auch Frau Hendricks (SPD, Bundesumweltministerin) in den 20 Uhr Nachrichten der ARD Tagesschau. Auch Deutschland müsse handeln. Nur nach dem Kohleausstieg zu rufen reiche nicht aus. So habe der Verkehrssektor noch gar keinen Beitrag geleistet. Auch in der Landwirtschaft sei noch noch nichts geschehen. Wenn erwartet werde, dass im Umbau der Energiewirtschaft rascher vorangeschritten wird, weil es dort in er Tat am schnellsten geht, müsse deshalb jetzt ganz klar sein, dass sich niemand mehr hinter anderen verstecken darf. Alle hätten ihren Beitrag zu leisten.

Was den Beitrag des Verkehssektors angeht, üben Umweltschützer gerade scharfe Kritik an den Automobilherstellern. Eine Studie der unabhängigen "International Council on Clean Transportation" (ICCT, Internationaler Rat für sauberen Verkehr) deckt auf, dass der Treibstoffverbrauch heutiger Neuwagen auf der Straße im Mittel um plus 42 Prozent von den Angaben in den Prospekten abweicht, die für viele Menschen kaufentscheidend sind. Dabei falle besonders die zusätzliche, bisher unterschlagene Belastung für die Umwelt ins Gewicht. Darüberhinaus schlügen die falschen Angaben für die Besitzer der Autos im Mittel mit höheren Kosten in Höhe von 400 Euro zu Buche.


Drohende Verluste

Ebenfalls in den 20 Uhr Nachrichten der ARD Tagesschau sagte Frau Espinosa (UN-Klimasekretariat, Generalsekretärin), noch bei keinem UN-Klimagipfel sei die Lage so dringend gewesen, wie in diesem Jahr in Bonn. Bereits heute würden weltweit Millionen Menschen unter extremen Wetterbedingungen leiden.

Und Fidschi während Fidschi immer mehr Land an das steigende Meer verliert, droht Alaska der Verlust des Juneau Eisfelds, einem knapp 4000 km² großen Gletschergebiet in Alaska. Darüber berichtet der empfehlenswerte Film-Beitrag der ARD Tagesthemen mit atemberaubend schönen Bildern, der am Ende meines Nachrichten-Zusammenschnitts zu sehen ist.

In der Einleitung zum Film heißt es, zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien viele Expeditionen auf Suche nach der Nordwestpassage - einem Seeweg nördlich von Alaska zwischen dem Atlamtik und dem Pazifik - im scheinbar "ewigen Eis" katastrophal gescheitert. Heute sei das Eis dort jedoch nicht mehr so "ewig", wie damals.

Für Alan Gordon, einem Eiskletterer aus Alaska, sei das Gletscherfeld der schönste Ort der Welt. Allerdings sei die heute sehr zerklüftete Gletscherwelt eine vergängliche Schönheit: Das Eis schmilzt. Als er vor langer Zeit zum ersten Mal dort war, sei das Eis bestimmt 30 Meter höher und flach gewesen, sagt Alan Gordon (Zitat): "Ich konnte eine Skitour hierüber machen. Heute muss ich Eis klettern und es hat sich komplett verändert."

Auf seinen Exkursionen begegnet Alan Gordeon immer wieder Eran Hood, einem Wissenschaftler von der Universität Alaska.

Die Messungen Herrn Hoods zeigen, dass das Eis in jedem Jahr zehn Meter an Höhe verliert. Herr Trump wolle davon nichts hören und kürze stattdessen die finaziellen Mitte für die Klimaforschung. Der Präsident versuche nicht nur seine Forschung zu behindern. Er habe auch bei vielen Amerikanern erfolgreich Zweifel an Existenz des Klimawandels gesät (Zitat):
"Sie sind davon überzeugt, dass Donald Trump daherkommt, die Umweltverordnungen und die Klimawandelforschung beschneidet und damit irgendwie die Wirtschaft ankurbelt. Das zieht bei Leuten, die einen Job suchen und ihre Familie ernähren müssen."

Die Fakten sprächen jedoch für sich. Allein der Mendenhall-Gletscher habe sich zwischen 2007 und 2015 um 550 Meter zurückgezogen. Um diesen Trend zu stoppen, fehle der politische Wille, denn in anderen Teilen Alaskas hoffe man auf einen neuen Öl- und Gasboom. Herr Obama habe Offshorebohrungen in großen Teilen Alaskas verboten. Herr Trump sei gerade dabei, das zu ändern.


Im zweiten Teil des Films kommt ein weiterer Bewohner Alaskas zu Wort. Mead Treadwell (Republikanische Partei Alaska, ehemaliger Vize-Gouvermneur von Alaska) sei heute ein Berater großer Konzerne. Er sehe für Alska "goldene Zeiten" anbrechen (Zitat):
"Trump hat gegenüber Alaska seine Versprechen gehalten. Obamas Energiepolitik aufzuheben, Arbeit, Exporte und nationale Sicherheit voranzutreiben, Regulierungen zu reduzieren - all das passiert."

Bei sich zu Hause versucht er das Fernsehteam der ARD von den Vorteilen des Klimawandels zu überzeugen. Das sei eine gute Sache für die Schifffahrt (Zitat):
"Der Größte Vorteil ist, dass die Nordwestpassage plötzlich zugänglich ist, etwa für große Kreuzfahrtschiffe. China hat schon begonnen Containerschiffe hindurchzuschicken. Russland, das für sibirisches Erdgas nur einen europäischen Markt hatte, kann es nun nach Asien befördern."
Herr Treadwell findet, es müsse endlich etwas Ruhe in die ganze Umweltdebatte kommen.

Alan Gordon hat für solche Argumente kein Verständnis. Oben auf dem Gletscher frage er sich immer öfter, warum so viele Amerikaner die Augen vor dem offensichtlichen verschließen - darunter ausgerechnet der Mann im Weißem Haus.

  • Wenn man den Herrn Treadwell so hört, dann würde es mich nicht wundern, wenn er und seinesgleich es darauf anlegen, die mittlere globale Temperatur auf der Erde um mehr als zwei Grad Celsius steigen zu lassen. Wer weiß - wenn das bis zu 3400 Meter mächtige Eis auf Grönland erst geschmolzen ist, könnte man dort ja vielleicht riesige Rinderherden weiden lassen ...- Große Teile des Rests der Welt wären dann alledings in den um sieben Meter höheren Fluten der Meere versunken. Aber was soll's: Nach uns die Sintflut!


Mehr über Alan Gordon:
BLUE OBSESSION


ein preisgekrönter Film über den Eis-Kletterer Alan Gordon der auf seinen Kletter-Touren versucht das verschwindende Juneau Eisfeld im Südosten Alaskas zu dokumentieren.


Wenn man sich dessen bewusst wird,
was man verlieren könnte,
dann weiß man, worum es sich zu kämpfen lohnt.


(Quellen: Fernsehnachrichen des WDR, der ARD und des ZDF vom 06.11.2017, Wikipedia)

Dienstag, 7. November 2017

Klimaschutz? Bloß keine Eile ...

Je später begonnen wird, desto schneller müssen die CO2-Emissionen sinken!
(© Deutsche Welle: COP23: Neuer Rekord für Erdtemperatur 2017)

Die FDP will sich Zeit lassen beim Klimaschutz. Das Handelsblatt zitiert Frau Suding (FDP, stellvertretende Fraktionsvorsitzende) mit den Worten (Zitat):
"Wir haben da ja vorgeschlagen, .. uns mehr Zeit zu lassen, um Klimaziele zu erreichen. 2050 ist ja auch das Datum, um das es da eigentlich geht."
Mit Verlaub, Frau Suding:
Vielleicht haben Sie's ja noch nicht bemerkt, aber wir haben keine Zeit mehr, um uns noch lange Zeit lassen zu können mit dem Klimaschutz!
Je später damit begonnen wird, die CO2-Emissionen zu reduzieren, desto mehr davon reichert sich in der Atmosphäre an. Und wenn erst zu einem späteren Zeitpunkt mit der Reduzierung der dann immer noch hohen CO2-Emissionen begonnen wird, dann bleibt noch weniger Zeit, um damit auf "Null" zu kommen, als heute.

Aufgrund des zusätzlichen Kohlendioxids in der Luft steigt derweil die mittlere globale Temperatur immer schneller an. 2017 ist gerade dabei erneut den Temperatur-Rekord zu brechen. Nachlesen kann man das beispielsweise in einem Artikel auf der Internetseite der "Deutschen Welle" vom 06.11.2017. Dort ist auch noch mal ganz genau erklärt, was es mit der Grafik auf sich hat, die oben in meinem Artikel zu sehen ist.


(Quellen: Handelsblatt vom 06.11.2017, Deutsche Welle vom 06.07.2017, SWR auf Twitter am 06.11.2017)

Mit Hausfriedensbruch gegen die Klimakiller


Bonn vor dem Beginn der Klimakonferenz der Vereinten Nationen 2017 (COP 23)
(Zusammenstellung aus Fernsehnachrichten des 5. Novembers 2017)

Anlässlich der am 6. November beginnenden Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 23) demonstrierten auch am 5. November 2017 wieder tausende Menschen gegen die Kohleverstromung. Dieses Mal trugen sie ihren Protest direkt in den Braunkohletagebau im nahegelegenen Rheinischen Revier.

Rund 3000 "Ende Gelände"-Aktivisten zogen zum Hambacher Tagebau und vielen Hundert von ihnen gelang es, bis zum Ziel vorzudringen. Da sie ihren Protest lange im Voraus angekündigt hatten, war der Betreiber des Tagesbaus und der angeschlossenen Braunkohlekraftwerke (RWE) darauf vorbereitet und hatte die Braunkohlebagger durch Absperrungen gesichert. Der Betrieb stand - aus Sicherheitsgründen - jedoch trotzdem still.

Die Polizei hatte angekündigt, sie werde die Personalien der Demonstranten im Tagebau aufnehmen. Anders, als die Aktivisten, die ihre Form des Protests als zivilen Ungehorsam betrachten, betrachten die Polizei und RWE deren Vorgehen als Hausfriedensbruch, also als eine Straftat. Den Demonstranten war allerdings im Voraus bewusst, dass ihr Protest wohl strafrechtlichen Folgen haben würde.

Mit Blick auf die entsprechenden Gesetzestexte haben RWE und die Polizei sicher nicht unrecht. Mit Blick auf die Gesetze der Natur, gegen die ebenfalls niemand ungestraft verstoßen kann, stellt sich aber die Frage, welche Straftat schwerer wiegt:
  • Der Hausfriedensbruch der "Ende Gelände"-Demonstranten, der einen Tag lang den Betrieb im Tagebau lahm legte,
  • oder der fortgesetzte Betrieb der Braunkohlekraftwerke des RWE-Konzerns, dessen CO2-Emissionen eine existentielle Bedrohung für das Leben auf dem gesamten Planeten darstellen.


Selbst die regionalen Schäden an der Landschaft und der Natur, sowie die Zerstörung zahlreicher Dörfer und die Vertreibung tausender Menschen aus ihrer Heimat, sind angesichts der Dimensionen der Folgen der drohenden globalen Klimakatastrophe schon fast vernachlässigbar.


Ein Beispiel für ökologisches wirtschaften

Das Video ist ein Zusammenschnitt aus Fernsehnachrichten des Tages im Vorfeld des UN-Klimagipfels. Ein Filmbeitrag des WDR-Fernsehens zeigt am Beispiel einer Firma, die Kunststoffteile für die Kfz-Industrie herstellt, wie eine klimaneutrale Produktion in einem Industrieland wie Deutschland funktionieren kann.

Sicher sind die von ihm mit Erfolg umgesetzten Ideen keine universell gültigen Lösungsansätze für jeden Betrieb oder jede beliebige Industriebranche. Sie zeigen aber, dass man etwas zum Besseren verändern kann - wenn man die Notwendigkeit für eine ökologische Wirtschaft erkannt hat und sich darauf einlässt, die dafür geeigneten Maßnahmen auch umzusetzen.

Würden alle Unternehmen und Konzerne in Deutschland so denken und handeln, dann könnte sogar das Konzept der FDP funktionieren, die es "dem Markt" überlassen will, den Klimawandel und die globale Erwärmung unterhalb des "plus 2-Grad Ziels" zu stoppen. Leider wird das jedoch nicht funtionieren. Die fossile Industrie, die Energie-Konzerne und ihr Festhalten an den Kohlekraftwerken, sowie die Mauscheleien und Täuschungsversuche der Kfz-Industrie sind dafür die wohl bekanntesten Beispiele.


Demonstration zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Bonn: 04.11.2017


(Quellen: WDR, ARD Tagesschau, ARD Tagesthemen, ZDF heute Nachrichten und ZDF heute journals vom 5. November 2017, Ende Gelände, Beoplast, Wikipedia)

Montag, 6. November 2017

COP 23: Vor dem UN-Klimagipfel 2017 in Bonn


Bonn vor dem Beginn der Klimakonferenz der Vereinten Nationen 2017 (COP 23)
(Zusammenstellung aus Fernsehnachrichten des 4. Novembers 2017)

Anässlich der kurz bevorstehenden Klimakonferenz der Vereinten Nationen demonstrierten am 4. November 2017 rund 25000 Menschen gegen mangelhafte die Energie- und Klimapolitik der letzten Bundesregierung(en).

Der Protest richtete sich insbesondere gegen den weiteren Betrieb der Braunkohlekraftwerke im nahegelegenen Rheinischen Revier, in Brandenburg in der Lausitz und dem damit zusammenhängenden Braunkohletagebau. Auch das CO2 aus der deutschen Braunkohleverstromung trägt in hohem Maße zur beschleunigung des Klimawandels und der damit einhergehenden globalen Erwärmung bei.

In den Hochgebirgen schmelzen die Gletscher, der Rückgang des Eisbedeckung in der Arktis ist dramatisch und der mehrere Kilometer dicke Eisschild Grönlands verliert Jahr für Jahr große Mengen Eis. Das alles führt zum Anstieg des Meeresspiegels, der unter anderem die Existenz der Fidschi Inseln bedroht, deren Regierung in diesem Jahr den Vorsitz der Klimakonferenz inne hat. Da auf den Inseln nicht genug Platz ist, hat sich Deutschland bereit erklärt, die Rolle des Gastgebers zu übernehmen.

Das Video ist ein Zusammenschnitt aus Fernsehnachrichten des WDR, der ARD Tagesschau, der ARD Tagesthemen, der ZDF heute Nachrichten und des ZDF heute journals vom 4. November 2017 mit Informationen über den Veranstaltungsort in Bonn, sowie zu der Demonstration in Bonn.


Demonstration zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Bonn: 04.11.2017


(Quellen: WDR, ARD Tagesschau, ARD Tagesthemen, ZDF heute Nachrichten und ZDF heute journal vom 04.11.2017)

Samstag, 4. November 2017

Eisschmelze im bisher stabilen Nordosten Grönlands

Unwägbarkeiten im komplexen Zusammenspiel der Klimasysteme


ZDF-Heute vom 28.10.2017 (Ausschnitt, Filmbeitrag zum Thema Klimawandel)

Der Rückgang des grönländischen Eisschildes trägt in erheblichem Maße zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. Der "79°-Nord Gletscher" im Nordosten Grönlands steht in direktem Kontakt mit warmem, in der Framstraße rezirkulierendem Atlantikwasser.

Die Mitte Oktober 2017 beendete Forschungsexpedition "Greenland ice sheet/ocean interaction" (GRISO) führte den Forschungseisbrecher "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in diesem Jahr in den Nordosten Grönlands. Die Expedition setzte die Arbeiten fort, die dort im Sommer 2016 im Rahmen einer vorangegangenen Expedition mit der "Polarstern" begonnen worden waren.

In dieser Region hat sich das Atlantikwasser während der letzten Jahrzehnte beträchtlich erwärmt. Gleichzeitig zeigt der "79°-Nord Gletscher" Anzeichen eines Rückzugs seiner "schwimmenden" Gletscherzunge. Die Wissenschaftler untersuchten die achtzig Kilometer lange "schwimmende" Eiszunge des Gletschers. Die Ergebnisse der Expedition tragen zur Erforschung der komplexen Wechselwirkungen zwischen dem Ozean und dem Eisschild in Nordostgrönland bei.

Warmes Meerwasser unter der Gletscherzunge taut das Eis von unten an. Es wird von der Unterseite her dünner. Irgendwann fehlt der Auftrieb durch das weggetaute Eis. Infolge seines Eigengewichts bricht das Eis ab und treibt als Eisberg mit den Meeresströmungen in wärmere Gebiete des Atlantiks, wo es endgültig schmilzt.

Das geht aus einem Filmbeitrag der ZDF "Heute"-Nachrichten vom 28.10.2017 hervor. Herr Kanzow (AWI, Leiter der GRISO-Expedition) sagt im Film (Zitat): "Am Anfang waren eigentlich nur die Regionan des südlichen und westlichen Eisschildes betroffen. Mittlerweile beginnt auch der Nordosten Grönlands seinen Beitrag zu leisten."

Seiner Kollegin Frau Humbert (AWI) zufolge wird der Verlust der schwimmenden Gletscherzunge bis zum Jahr 2100 mindestens zu einem Anstieg des Meeresspiegels um 6 bis 10 Zentimeter führen. In dieser Prognose seien aber einige der Prozesse, die zu dieser Beschleunigung des Rückgangs der Gletscher führen, noch nicht berücksichtigt. Im Kommentar zu Film heißt es diesbezüglich weiter, dass der Meeresspiegel noch schneller ansteigen wird, als bisher angenommen wurde.


Unwägbarkeiten

Diese Entwicklung und ihre Ursachen sind gutes Beispiel dafür, dass die Prognosen zum Klimawandel, die gemeinhin als "die schlimmsten zu erwartenden Folgen" beschrieben werden, unter Umständen eher die minimalen zu erwartenden Folgen abbilden, als das, was der Menschheit tatsächlich noch bevorstehen könnte. Die Regierungen der Länder, welche die größte Schuld am beschleunigten Anstieg der mittleren globalen Temperatur tragen, handeln daher in höchstem Maße fahrlässig, wenn sie in der Annahme, man könne die Atmosphäre unbesorgt bis zur berechneten Schmerzgrenze mit CO2-auffüllen, weiterhin dem Drängen der Konzerne nachgeben, deren Profite die fortgesetzte Verbrennung fossiler Energieträger voraussetzen. Nicht zuletzt trifft das auch auf die deutschen Bunderegierungen - insbesondere während der letzten zehn bis 15 Jahre - zu.

Folgerichtig fordert daher beispielsweise auch der "Sachverständigenrat für Umweltfragen" (SRU) in seiner im Oktober 2017 veröffentlichten Stellungnahme die kommende Bundesregierung auf, den Kohleausstieg unverzüglich einzuleiten. Die bevorstehende Legislaturperiode böte die letzte Chance, die Weichen für eine angemessene Umsetzung der Pariser Klimaziele in Deutschland zu stellen.

Die Komplexität der Zusammhänge zwischen den Abläufen in den Klimasystemen der Erde lässt sich mit der fortschreitenden Genauigkeit der Klimasimulationen immer besser darstellen. Trotzdem verbleiben - eben wegen der komplexen Zusammenhänge - immer noch zu viele Unwägbarkeiten, um eine berechnete Belastungsgrenze tatsächlich als "unbedenklich" zu definieren.

Die Klimaforscher haben dem Rechnung getragen, indem sie aufgrund neuerer Erkenntnisse die ursprünglich benannte "plus 2°C Grenze" um 0,5 auf 1,5°C nach unten korrigiert haben. Mit dem Klimaschutz-Abkommen von Paris und der Formulierung, 'man strebe an, den Anstieg der globalen Erwärmung auf 2 Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad zu begrenzen', sind diese neuen Erkenntnisse endlich auch von den Regierungen der an dem Abkommen beteiligten Länder weitestgehend anerkannt worden.


Quelle: Klima schützen – Kohle stoppen!

Aufgrund der zuvor erwähnten Unwägbarkeiten wäre es jedoch vernünftig, wenn die Menschheit sich auf einen maximalen Anstieg der mittleren globalen Temperatur verständigen würde, der deutlich unterhalb der "plus 1,5°C-Grenze" liegt. Ein große Problem sehe ich aber bereits darin, dass in vielen Ländern - darunter auch Deutschland(!) - nicht einmal die im Klimaschutz-Abkommen von Paris formulierte Absicht mit den dafür notwendigen Maßnahmen untermauert wird.
  • Und: Je länger damit noch gewartet wird, desto weniger Zeit bleibt, um die CO2-Emissionen noch rechtzeitig auf Null reduzieren zu können. - Und je weniger Zeit dafür bleibt, desto schmerzhafter werden die damit verbundenen Maßnahmen für die Gesellschaften in den betroffenen Ländern ausfallen.

Die Ursachen für den beschleunigten Klimawandel, die damit einhergehende globale Erwärmung und die zu erwartenden Folgen waren im Wesentlichen bereits vor 20 Jahren bekannt und abzusehen. Heute wissen wir, dass der Klimawandel in der Vergangenheit in der Regel immer schneller vorangeschritten ist, als zuvor angenommen worden war und dass die damit verbundenen - in einigen Regionen der Welt bereits seit Jahren schmerzhaft spürbaren(!) - Folgen entsprechend früher eingetreten sind. Wäre bereits vor zwanzig Jahren mit dem weltweiten Umbau der Energieversorgung und der Entwicklung und Einführung CO2-neutraler Antriebstechnologien begonnen worden, dann hätten wir das Ziel - bei gleichbleibendem oder sogar höherem Lebensstandard - problemlos erreichen können.


Eine nicht verhandelbare Eigenschaft des Klimasystems

Diese Zusammenhänge beschreibt auf anschauliche Weise auch Herr Rahmstorf (Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung - PIK, Klimatologe) in einem Artikel vom 17.10.2017, den er in seinem Blog "Klima Lounge" veröffentlicht hat.

Der SRU habe ein großzügig bemessenes Weltbudget von 850 Gigatonnen (Gt) angenommen - was jedoch die große Gefahr in sich berge, dass die globale Erwärmung über 2 °C steigen könnte - und Deutschland daher - entsprechend des Anteils seiner Bevölkerung an der Weltbevölkerung - ab Anfang 2015 ein Restbudget in Höhe von 9,4 Gt zugebilligt. Abzüglich der Emissionen aus den Jahren 2015, 2016 und 2017 würden demnach ab 2018 7 Gt verblieben.

Angesichts der aktuellen Emissionen in Höhe von jährlich 0,8 Gt würden die 7 Gt noch neun Jahre reichen. Das heißt, bereits im Jahr 2036 müssten sie auf "Null" zurückgegangen sein!

Dies sei jedoch keineswegs das Ziel der Bundesregierung. Diesbezüglich müsse deshalb in den gerade stattfindenden Koalitionsverhandlungen dringend nachgebessert werden. Dass Deutschland seine CO2-Emissionen jetzt bereits bis 2036 auf Null reduzieren muss, sei auf die ungenügende Energie- und Klimapolitik der letzten Bundesregierungen zurückzuführen. Wenn früher mit der Reduzierung der Emissionen begonnen worden wäre, dann gäbe es heute noch viel mehr Spielräume.
Die entscheidende Eigenschaft eines begrenzten Budgets sei, dass man das, was man bereits ausgegeben hat, später nicht noch einmal ausgeben kann. Ein begrenztes Budget bestrafe Abwarten wesentlich härter als ein festes Enddatum. Das begrenzte Budget sei eine Folge der Langlebigkeit von CO2 in der Atmosphäre, ...
  • ... eine Eigenschaft des Klimasystems,
    die nicht verhandelbar ist!

Der SRU teile das Gesamtbudget von 9,4 Gt ab 2015 außerdem auf einzelne Sektoren auf. Demzufolge würden 3 Gt auf die Energiewirtschaft entfallen. Maximal 2 Gt davon verblieben für die Kohleverstromung. Die CO2-Emissionen der deutschen Kohlekraftwerke lägen aktuell bei 0,25 Gt pro Jahr. Sollte sich daran nichts ändern, so würde das Emissionsbudget für die Kohleverstromung ab 2015 also maximal noch für 8 Jahre reichen - ab 2018 blieben dann also nur noch 5 Jahre.

Daraus schließe ich, dass der Kohleausstieg in diesem Fall bis 2023 mit der unverzüglichen Stillegung sämtlicher deutschen Kohlekraftwerke abgeschlossen werden müsste. Die dafür notwendigen Maßnahmen müssten jetzt im Rahmen der Verhandlungen über die Bildung einer Regierungskoalition festgelegt werden.

Wenn hingegen bereits im kommenden Jahr mit einer kontinuierlichen Stillegung der Kohlenmeiler begonnen werden würde, dann würden die CO2-Emissionen bereits früher sinken, sodass insgesamt eine etwas längere Frist bis zur Stillegung des letzten Kohlekraftwerks verbliebe. Aber auch über die dafür notwendigen Schritte, welche die Stillegung der ersten Kohlekraftwerke im kommenden Jahr vorsehen müssten, müsste jetzt entschieden werden.

Je später mit der Stillegung der Kohlekraftwerke begonnen werde, schreibt Herr Rahmstorf weiter, desto früher müsse der Ausstieg aus der Kohleverstromung beendet sein. Deutschland habe mit seiner Energiewende vergleichsweise schon viel erreicht. Die Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien übersteige inzwischen denjenigen aus der Kohleverstromung. Der trotzdem weiterhin aufrechterhaltene Betrieb der Kohlekraftwerke, der riesige Exportüberschüsse zur Folge habe, untergrabe jedoch den Klimaschutz. Deshalb müsse die Kohleverstromung jetzt umso rascher auf "Null" heruntergefahren werden.


Zum Weiterlesen:
Alfred-Wegener-Institut
Wochenberichte der GRISO-Expedition der "Polarstern"
  
KlimaLounge

  
Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU)



Demonstration zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Bonn: 04.11.2017



(Quellen: ZDF-Heute vom 28.10.2017 - Filmbeitrag ab 9 Minuten und 57 Sekunden, KlimaLounge - Stefan Rahmstorf vom 17.10.2017, Süddeutsche Zeitung vom 11.12.2017, Spiegel vom 28.09.2017, AWI, Sachverständigenrat für Umweltfragen - Stellungnahme vom Oktober 2017 )

Freitag, 3. November 2017

Klimawandel: Rapider CO2-Anstieg


ARD-Tagesschau vom 30.10.2017 (Ausschnitt, Filmbeitrag zum Thema Klimawandel)

Am 30.10.2017 berichtete die Tagesschau der ARD, der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre sei im letzten Jahr so schnell gestiegen, wie nie zuvor. Insgesamt habe sich das Tempo seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts annähernd verhundertfacht.

Weltweite Messungen hätten ergeben, dass die CO2-Konzentration jetzt bei mehr als 400 ppm (parts per million: Teile pro Million) liegt. Das heißt, von einer Million anderer Moleküle in der Luft - im Wesentlichen sind das Stickstoff- und Sauerstoff-Moleküle - sind mehr als 400 CO2-Moleküle. Das erscheint vielleicht wenig, aber die CO2-Konzentration, welche die Wissenschaft gerade noch für vertretbar hält, damit ein weiterer Anstieg der globalen mittleren Temperatur verhindert wird, liegt bei 350 ppm. Eine auch für Laien gut verständliche Erklärung dazu gibt es auf der Internetseite der "Klimastadt Konstanz".

Bezogen auf den gerade noch vertretbaren Anteil sind derzeit also gut 14 Prozent zuviel CO2 in der Atmosphäre. Eine derart hohe CO2-Konzentration habe es zuletzt vor etwa Drei- bis Viermillionen Jahren gegeben, heißt es im Filmbeitrag der Tagesschau. Und jedes weitere ppm CO2 in der Luft trägt zur weiteren Beschleunigung des Anstiegs der mittleren globalen Temperatur bei.

Nach der Bundestagswahl im September 2017 verhandeln die CDU, die CSU, die FDP und die Grünen gerade über eine mögliche "Jamaika"-Regierungskoalition. Die Grünen haben im Wahlkampf den Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger gefordert. Die 20 "schmutzigsten" Kohlekraftwerke wollen sie deshalb sofort stillegen. Bei der FDP und bei den Unionsparteien stoßen sie damit - wie erwartet - auf heftigen Widerstand.

Es wird Zeit, dass die CDU und ihre sogenannte "Klimakanzlerin" endlich aufwachen, und die Realität zur Kenntnis nehmen.

Kohle, Erdgas und Erdöl müssen da bleiben, wo sie sind:
In der Erde!

Anstelle der weiteren Unterstützung und Subventionierung der fossilen Klimakiller bedarf es einer massiven Förderung des Ausbaus der regenerativen Energien. Die steigenden CO2-Emissionen aus dem Verkehr, die Braunkohle-Verstromung bei gleichzeitiger, willkürlicher Begrenzung des Zubaus von Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen führen direkt in die nicht mehr beherrschbare Klimakatastrophe.


Ende Gelände: Schluss mit der Kohleverstromung

Quelle: Klima schützen – Kohle stoppen!

Zum Auftakt der diesjährigen internatonalen Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 23) werden Morgen in Bonn tausende Demonstranten für das Ende der Kohleverstromumg und für eine schnellere Umsetzung der Energiewende in Deutschland demonstrieren. Nur etwa fünfzig Kilometer von Bonn entfernt reißen Braunkohlebagger tiefe Wunden in die Landschaft und in den benachbarten Kohlekraftwerken des Rheinischen Reviers wird mit der Kohle auch die die Zukunft der Lebensbedingungen für die kommenden Generationen auf unserem Planeten verheizt - weltweit: Denn das CO2, das hier in die in der Atmosphäre gelangt, kennt keine Grenzen. Es verteilt sich mit den Winden rund um den Globus.

Die internationale Bewegung "Ende Gelände" wird anlässlich der Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die in diesem Jahr vom 6. bis zum 17. November in Bonn stattfindet, mit ihren Mitteln erneut gegen die deutsche Braunkohle-Industrie demonstrieren. Beim Öffnen der Internetseite zum diesjährigen Klimagipfel wird man mit dem Slogan

"Von Fidschi bis Bonn
vereint für den Klimaschutz"

empfangen. Im Gegensatz zu den Unionsparteien und der FDP, die mit ihrem Widerstand gegen die Forderung der Grünen nach einem sofortigen Ausstieg aus der Kohleverstromung gerade die gegensätzliche Absicht demonstrieren, werden die Demonstranten in Bonn und im nahegelegenen rheinischen Braunkohlerevier - mit internationaler Beteiligung - tatsächlich gemeinsam für den Klimaschutz und gegen den Klimawandel einstehen.

Zusätzlich werden sie dabei überall auf der Welt von vielen weiteren Menschen unterstützt werden, die in ihren Heimatländern anlässlich des Klimagipfels ebenfalls für den Klimaschutz auf die Straßen gehen werden.


"In einigen Teilen der Welt führt das zu schwerwiegenden Überflutungen. Das haben wir beispielsweise für Deutschland beobachtet. Und in den Tropen gibt es intensivere Hurrikans."
Petterie Taalas
(WMO, Generaldirektor)
in der Tagesschau der ARD vom 30.10.2017



Demonstration zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Bonn: 04.11.2017



(Quellen: ARD-Tageschau vom 30.10.2017, Klimakonferenz der Vereinten Nationen 2017, Klimastadt Konstanz, Klima-Kohle-Demo, Ende Gelände, Wikipedia )

Sonntag, 29. Oktober 2017

Jamaika und die Energiewende - Grün

Schwarz/Gelb/Grün: Die Nationalflagge von Jamaika
So wie es derzeit aussieht, ist anzunehmen, dass Deutschland in der neuen Legislaturperiode wohl von einer Koalition in den Farben der Flagge des Karibikstaates Jamaika - schwarz gelb und grün - regiert werden wird.

Unter diesen Voraussetzungen wird Deutschland seine ohnehin nicht gerade hoch gesteckten Ziele für seinen Beitrag zum Klimaschutz bestenfalls dann noch erreichen können, wenn sich die Grünen in den Koalitionsverhandlungen mit ihren Forderungen zum Ausstieg aus der Kohleverstromung gegen die CDU, die CSU und die FDP durchsetzen können. Die beiden Unionsparteien setzen zwar auf einen beschleunigten Netzausbau, denken aber für die kommenden Jahre an keine großen Veränderungen ihrer bisherigen Energiepolitik. Die FDP will das "Erneuerbare Energien Gesetz" (EEG) abschaffen und - auf den Punkt gebracht - einfach alles "dem Markt" überlassen.


Grün

Im Gegensatz zur CDU/CSU und der FDP hat die Energie- und Klimapolitik für die Grünen die absolute Priorität. Im Zehn-Punkte-Plan der Partei mit den Kernforderungen für Koalitionsverhandlungen steht daher die Zentrale Forderung:
"Ausstieg aus der Kohleförderung"
ganz oben auf der Liste.

Die zwanzig schmutzigsten Kohlekraftwerke wollen die Grünen umgehend stilllegen. Bis zum Jahre 2030 wollen sie den Ausstieg aus der Stromerzeugung mit Kohle komplett abgeschlossen haben. Der Strom Mix in Deutschland soll sich dann zu einhundert Prozent aus erneuerbaren Energien zusammensetzen.

Die Erschließung von Erdgasvorkommen mittels Fracking lehnen sie konsequenterweise entschieden ab.


Neuausrichtung des Strommarktes

Den Strommarkt wollen die Grünen mit Blick auf die Anforderungen der erneuerbaren Energien neu ausrichten. Dafür wollen sie das "Erneuerbare-Energien-Gesetz" (EEG) dahingehend weiterentwickeln, dass die EEG-Umlage gesenkt werden kann. Obergrenzen für den Ausbau erneuerbarer Energien wollen sie abschaffen. Langfristig (bis 2050) streben die Grünen die Deckung des gesamten Energiebedarfs der Gebäude, der Verkehrsträger und der Industrie auf Grundlage erneuerbarer Energien an.

Für den Ausbau der Stromnetze priorisieren die Grünen die Verlegung von Erdkabeln. Damit würden auf jeden Fall vermeidbare Auseinandersetzungen mit den Menschen vermieden werden, denen die ansonsten notwendigen Hochspannungstrassen zu nahe kämen.


Der Atomausstieg ...

Im Gegensatz zu den ambitionierten Plänen für den Kohleausstieg halten die Grünen an dem von ihnen mitgetragenen schwarz-gelben "Atomausstieg" fest. Überlegungen zu einem beschleunigten Ende des Atomzeitalters in Deutschland stehen nicht auf ihrer Agenda. Einerseits erweisen sie sich damit als verlässlicher Vertragspartner. Andererseits hat sie das aber auch die Unterstützung der Atomkraftgegner - und mit Sicherheit auch Wählerstimmen - gekostet.

Bei der Suche nach einer sicheren Lagerstätte für hochradioaktiven Atommüll liegt die Priorität der Grünen allerdings nach wie vor auf der Wahl des am besten geeigneten Standorts. Ein "End"-Lager im Salzstock bei Gorleben schließen sie daher grundsätzlich aus.


... ist noch nicht abgeschlossen

Trotz des angekündigten "Atomausstiegs" wird die Forschung zur Kernfusion oder zur Entwicklung neuer Atomreaktoren weiter aus Steuermitteln gefördert. Darüber, warum das so sein könnte, hat Franz Alt auf seiner "Sonnenseite" am 25.10.2017 einen lesenswerten Artikel veröffentlicht.

Herr Alt schreibt, angesichts der maroden europäischen Atomkraftwerke müsse es eigentlich ein Alarmsignal sein, dass es seit 2005, während der Zeit der von Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) geführten Bundesregierungen, keinerlei politische Debatte in der Union, der FDP und der SPD zur Abschaffung von EURATOM gegeben hat. Offensichtlich gebe es hintern den Kulissen immer noch genügend Atomkraft-Befürworter, die alles dafür tun, um die nächste Atomrenaissance vorzubereiten. Zitat:
"Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wird in großem Stil an der Forschung für die Entwicklung neuer Generationen von Atomkraftwerken gearbeitet. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, aber gefördert mit Mitteln aus dem Bundesforschungsministerium und Euratom, wird dort die europäische Forschung für neue Atomkraftwerke vorangetrieben."

Und am Fundament EURATOM werde nicht gerüttelt. Die ursprünglich als "Europäische Atomgemeinschaft" (EAG) von den Gründungsmitgliedern Frankreich, Italien, den Beneluxstaaten und der damaligen Bundesrepublik Deutschland geschaffene Vereinigung verfolgt heute noch die gleichen Ziele, wie bei ihrer Gründung vor 60 Jahren. Im Artikel 1 des Vertragswerks heißt es (Zitat):
"Aufgabe der Atomgemeinschaft ist es, durch die Schaffung der für die schnelle Bildung und Entwicklung von Kernindustrien erforderlichen Voraussetzungen zur Hebung der Lebenshaltung in den Mitgliedstaaten und zur Entwicklung der Beziehungen mit den anderen Ländern beizutragen."

Der Zweck der bis heute bestehenden EURATOM-Mitgliedschaft Deutschlands widerspricht damit grundlegend dem im Jahre 2011 verkündeten "Atomausstieg". Und während sich die verantwortlichen Politiker diverser Bundesregierungen alle atompolitischen Möglichkeiten offenhielten, drosselten sie parallel dazu massiv den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Wie Herr Alt schreibt, würden ab 2022 - basierend auf den derzeitigen Ausbaugrenzen grob geschätzt - jährlich etwa 40 Terrawattstunden (TWh) Strom zusätzlich aus regenerativen Energiquellen ins Netz fließen. Infolge des Atomausstiegs würden aber noch mehr als 80 TWh ersetzt werden müssen. Und wie schnell ein Atomausstiegsgesetz abgeschafft werden kann, hätten wir hierzulande ja im Jahre 2010 schon einmal erlebt. Daher gehöre das Ende des Euratom-Vertrages endlich auf die politische Tagesordnung.
  • Die Forderung der Grünen, jede weitere staatliche Förderung für die Forschung zur Kernfusion oder zur Entwicklung neuer Atomreaktoren zu beenden, ist deshalb ein erster Schritt in die richtige Richtung.


Fossiler Strom für den Export

Deutscher Strom-Export- /Import-Saldo
Differenz (gelb) zwischen Strom-Exporten (grün) und -Importen (rot)

Schon seit Jahren produziert Deutschland mehr Strom, als hierzulande benötigt wird. Selbst als nach dem Super-GAU in der japanischen Atomkraftanlage "Fukushima I" im Rahmen des schwarz-gelben "Atommoratorims" acht Atomkraftwerke abgeschaltet wurden, gingen - allen Unkenrufen der Atomkonzerne zum Trotz - "die Lichter in Deutschland nicht aus". Das Gegenteil war der Fall: Die Stromexportüberschüsse stiegen davon unbeeindruckt weiter, während die Stromimporte aus dem benachbarten Ausland in ähnlichem Ausmaß zurückgehen.

Bruttostromerzeugung in Deutschland (1990-2016) nach Energieträgern
Bruttostromerzeugung in Deutschland (gesamt und nach Energieträgern)

Das ist nicht zuletzt auf die kohlefreundliche Energiepolitik der Bundesrregierungen unter der Leitung Frau Merkels zurückzuführen. Anstatt den Braunkohletagebau einzustellen und fossile Großkraftwerke stillzulegen, dachte Herr Altmaier (CDU, damals Bundesumweltminister) 2012 noch ernsthaft laut über den Bau neuer Kohlekraftwerke nach. Auch damals war bereits klar, dass ein erfolgreicher Klimaschutz und neue Kohlekraftwerke sich gegenseitig ausschließen.

Meine Meinung:
Strom der nicht in Deutschland verbraucht und deshalb exportiert wird, ist Strom, der über den Bedarf hinaus produziert wurde. Aus Gründen des Klimaschutzes können und müssen Kohlekraftwerkskapazitäten (vorrangig Braunkohlekraftwerke), die der Überproduktion entsprechen, stillgelegt werden. Die CO2-Emissionen bei der Verbrennung von Erdgas sind geringer als diejenigen, diebei der Verbrennung von Kohle entstehen. Neuere Steinkohlekraftwerke, die sich möglicherweise mit relativ geringem Aufwand auf den Betrieb mit Erdgas umrüsten lassen, könnten daher vorübergehend noch solange im Gasbetrieb weiterlaufen, bis ihre Kapazitäten durch Strom aus erneuerbaren Energiequellen ersetzt werden.


Am Scheideweg

Quelle: Klima schützen – Kohle stoppen!
Wenn es den Grünen gelänge, die anderen Parteien im Bundestag auf ihrem Weg in eine nachhaltige, klimagasneutrale Wirtschaft und eine lebenswerte Zukunft für die kommenden Generationen mitzunehmen, dann könnte das Ende des fossilen Zeitalters in Deutschland schneller kommen, als die internationale Umweltschutzorganisation "Greenpeace" es in der Studie "Der Plan - Deutschland ist erneuerbar" aus dem Jahre 2011 beschreibt. Angesichts der Vorstellungen der Unionsparteien (beschleunigter Netzausbau, keine großen Veränderungen der bisherigen Energie- und Klimapolitik) und der Ignoranz der FDP (EEG abschaffen, Freiheit für Kohle und Konzerne, freier Markt als Werkzeug für die Umsetzung der Energiewende und den Klimaschutz) werden sie dafür jedoch sehr viel Kraft und Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Wenn es den Grünen aber nicht gelingen sollte, ihre potentiellen Partner in einer Regierungskoalition von der Dringlichkeit einer neuen Energie- und Klimapolitik zu überzeugen, dann wäre es keine gute Idee, wenn sie sich trotzdem an einer Bunderegierung beteiligen würden, deren Handeln den in Paris zugesagten Beitrag Deutschlands im internationalen Kampf gegen die drohenden Klimakatastrophe entgegenwirkt. Aus zahlreichen Gesprächen mit andern Mitstreitern, die ich im Rahmen von Demonstrationen gegen die schwarz-gelben "Laufzeitverlängerung" kennengelernt habe, ist mir bekannt, dass schon die Zustimmung der Grünen zum sogenannten "Atomausstieg" auf großes Unverständnis und breite Ablehnung unter den (ehemaligen) Wählern der Grünen gestoßen war. Mehr denn je kommt es deshalb für sie nun auf globales Denken und lokales Handeln an.
  • Wenn die Grünen jetzt auch noch eine Energie- und Klimapolitik mittragen würden, die eine existentielle Bedrohung - nicht nur für die Zukunft Deutschlands(!) - darstellt, dann würden sie sich endgültig diskreditieren.


Jamaika und die Energiewende
  • Schwarz
    Weiter wurschteln wie bisher:
    - Beschleunigter Netzausbau, aber keine großen Veränderungen der bisherigen Energie- und Klimapolitik. 
  • Grün
    Ausstieg aus der Kohleförderung:
    - EEG weiterentwickeln, EEG-Umlage senken, Obergrenzen für den Ausbau erneuerbarer Energien abschaffen.



Demonstration zum Auftakt der Weltklimakonferenz in Bonn: 04.11.2017



(Quellen: Spiegel vom 26.10.2017, Sonnenseite vom 25.10.2017, Süddeutsche Zeitung vom 11.10.2017, AG Energiebilanzen e.V. - Tabelle "Stromerzeugung nach Energieträgern 1990 - 2016 (Stand August 2017)", Focus vom 25.07.2012, Klima-Kohle-Demo, Wahlprogramm der Grünen, Wikipedia )