Mittwoch, 8. November 2017

Wenn man weiß, was man verlieren könnte ...


COP 23: Fernsehnachrichen vom Eröffnungstag

Am 6. November wurde die diesjahrige Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP 23) in Bonn unter dem Vorsitz der Fidschi Inseln eröffnet. Die Nachrichten vom Tage markieren quasi den Status Quo, den Ausgangspunkt für die Verhandlungen der nächsten Tage.

Klar ist jetzt schon, dass über die Absichtserklärungen im Abkommen von Paris hinaus noch viel Arbeit zu erledigen ist, wenn der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe noch einigermaßen erfolgreich sein soll.

In den ZDF heute Nachrichten vom 06.11.2017 heißt es, das Jahr 2017 gehöre zu drei wärmsten Jahren, die jemals gemessen wurden. Die ganz junge Gemeration müsse die Folgen des Klimawandels ertragen

Zur Eröffnung der Klimakonferenz sagte Herr Bainimarama (Fidschi Inseln, Premierminister, Vorsitz der COP23), es sei unsere Verantwortung, Antworten auf das Leiden der Klimaopfer zu finden - mit allen Mitteln die uns zur Verfügung stehen. Das beinhalte auch, dass wir mehr zusammenarbeiten müssen, um Wege zu finden, den Klimawandel zu bewältigen.

Die Ziele der Klimakonferenz sind
  • die Erstellung eines verbindlichen Regelwerks für die einheitliche Erfassung der Klimagas Emissionen
  • die Bildung von Länderpartnerschaften für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien
  • die Sicherung der Finanzierung der Klimaschutzmaßnahmen

Unterstützung für die Opfer des Klimawandels

Die Unterstützung für die Entwicklingsländer ist eines der großen Themen der Klimakonferenz. Frau Hendricks (SPD, Bundesumweltministerin) verkündete den auch mit "großem Vergnügen", dass Deutschland den Anpassungfond mit zusätzlichen 50 Millionen Euro unterstützen wird.

Im Gegensatz dazu zieht sich die US-Regierung unter Herrn Trump auch hier aus der Verantwortung: Die USA haben die Unterstützung für die Bewältigung des Klimawandels in den Entwicklungsländern gestoppt.

Ich begrüße es, dass Deutschland zusätzliche Mittel für die Anpassung der bereits am meisten vom Klimawandel betroffenen Länder bereitstellen will. Angesichts der ungenutzten Möglichkeiten, die wir gehabt hätten, um unsere CO2-Emissionen zu reduzieren - hier fällt insbesondere das Ausbremsen der Energiewende zugunsten der Braunkohle ins Gewicht - kommt mir das "Winken mit den Millionen" gleich zu Beginn der Klimakonferenz allerdings ein bischen so vor, als wolle die Bundesregierung sich mit Geld von ihrer Schuld freikaufen.

Aber wie auch immer:
Das Verhalten Herrn Trumps und seiner Republikaner in dieser Angelegenheit ist einfach nur schäbig! Aber eigentlich war ja auch nichts anderes von ihm zu erwarten.


Die Zeit zum Handeln ist jetzt

In einem Filmbeitrag des WDR-Magazins "Aktuelle Stunde" ist zu sehen, wie Kinder und Jugendliche in Bonn demonstrieren. Einige der Demonstranten kommen zu Wort. Ein junger Mann stellt fest (Zitat): "Alte Menschen entscheiden im Moment über unser Zukunft. Wir möchten gerne mitentscheiden." Eine junge Frau meint (Zitat): "Es muss endlich mal was gemacht werden. Man sagt immer, es kommt irgendwann. Aber jetzt muss was getan werden." und ein Junge sagt (Zitat): "Ich möchte eine schönere Zukunft haben, also bessere Energieerzeugung, Windräder und Solarenergie. Und die Kohlekraftwerkse sollen gestoppt werden."

In einem Interview des WDR Magazins "Aktuelle Stunde" antwortet Herrn Mojib Latif (Helmholtz-Zentrum Kiel, Klimaforscher) auf die Frage des Moderators, ob bei den Gesprächen in Bonn etwas herauskommen kann, es müsse etwas dabei herauskommen! Die Daten aus den letzten Wochen würden nichts Gutes zeigen. Der UNO zufolge seien wir im Moment auf dem Weg in eine um drei Grad wärmere Welt, obwohl in Paris deutlich gesagt worden ist, dass wir unter zwei Grad bleiben möchten. Gleichzeitig sei der CO2-Gehalt in der Atmosphäre noch nie so schnell gestiegen, wie heute.

Der Moderator der "Aktuellen Stunde" gibt zu bedenken, dass China und Japan bei der Klimakonferenz  nicht dabei sind. Die USA seien quasi unter Trump aus dem Klimaschutz ausgestiegen. Russland habe das Abkommen von Paris noch gar nicht ratifiziert: "Wird die Uhr beim Klimaschutz gerade zurückgedreht?"

Herr Latif verneint die Frage. China habe sich verpflichtet, den Höhepunkt seiner Treibhausgasemissionen 2030 zu erreichen. Es hat jedoch den Anschein, als sei der Peak bereits jetzt erreicht. Insofern sei China bezüglch der Verienbarung von Paris im Soll und Donald Trump sei nicht Amerika. In den USA gebe es viele fortschrittliche Kräfte. 2016 seien die Treibhausgasemissionen in den USA erneut gesunken. Herr Die Dynamik, die sich in den USA entwickelt, könne Herr Trump "gar nicht mehr aufhalten".

Ich denke allerdings, dass Herr Trump, der ja vollständig auf die fossilen Energieträger setzen will, schon eine Bremse für die "fortschrittlichen Kräfte" in den USA darstellt. Solange das so ist, können die USA ihre fossilen CO2-Emissionen nicht auf "Null" reduzieren - egal, wie sehr alle anderen dagegen halten.

Die Moderatoren der "Aktuelle Stunde" stellen fest, dass der Klimaschutz eine "Weltaufgabe" ist und stellen die Frage, was angesichts der bedenklichen Daten der UN jetzt weltweit passieren muss.

Herr Latif weist darauf hin, dass das Abkommen von Paris eine Absichtserklärung war. Jetzt müsse die Umsetzung folgen. Allein die Selbsterklärungen von Paris würden nicht ausreichen. In Bonn müsse nun das Regelwerk für die Umsetzung erstellt werden. Dabei gehe es auch um die Frage, wie man es hinbekommt, dass die einzelnen Länder mehr machen, als das, was sie in Paris vereinbart haben.

Die Moderatoren der "Aktuelle Stunde" lenken den Fokus auf Deutschland, das bei den CO2-Emissionen seit acht Jahren auf der Stelle trete. Deutschland werde seine Klimaziele für 2020 verfehlen.

Herr Latif betont, das Wichtigste sei jetzt erst einmal der Kohleausstieg. Die nächste Bundesregierung müsse ein klares Ziel dafür festlegen. Ohne einen schnellen Kohleausstieg werde Deutschland keines der langfristigen Ziele erreichen. Das 40 Prozent Ziel für 2020 werde dann verfehlt werden. Ohne Kohleausstieg werde auch das für 2030 vorgesehene 55 Prozent Ziel nicht zu halten sein. Auf der internationalen Ebene würde Deutschland dann auch noch den letzten Rest an Glaubwürdigkeit verlieren.
  • Mit seinen Ausführungen widerspricht Herr Latif klar der FDP, die erklärt hat, sie wolle sich mit dem Klimaschutz Zeit lassen.

Die Moderatoren der "Aktuelle Stunde" zitieren Herrn Laschet, der gesagt habe (Zitat): "Wir schaffen das auch ohne Kohleausstieg.", und fragen, ob er damit Unrecht hat. Die Antwort Herrn Latifs ist eindeutig: "Ja." Das sei nichts weiter als ein kleiner "Beruhigungsbonbon". Und: "Nein." Wir müssten an die Kohle ran. Diese sei einfach nicht zukunftsfähig. Das müsse man man auch im Rheinland, im Saarland und in Brandenburg begreifen.

Und die Zeit drängt:
  • In Sibirien tauen die Permafrost Böden. Pro Jahr rutschen heute schon jährlich bis zu 20 Meter Küstenlinie ins Meer. In den Bodenschichten unterhalb der Permafrost Böden gibt es große Mengen eingeschlossenes Methan. Sollten die freigesetzt werden, dann hätte das den Effekt eines Turboantriebs für den Klimawandel.
  • Um in Überschwemmungsgebieten in Bangladesh überhaupt noch ernten zu können, legen die Bauern dort schwimmende Gärten auf Wasserhyazinthen an.

Energie, Verkehr, Gebäude

Die Moderatorin der ZDF heute Nachrichten stellt dem aus Bonn zugeschalteten Korrespondenten Volker Angres die Frage, wo wir heute nach der nach Euphorie von Paris stehen. Er antwortete, dass wir ohne einschneidende Maßnahmen bis zum Ende des Jahrhunderts bei drei bis vier Grad globaler Erwärmung landen werden.

Es gebe noch jede Mege zu tun, um das Abkommen von Paris umzusetzen. Bei uns in Deutschland fange das unter anderem mit dem heftig diskutierten Kohleausstieg an. Eigentlich würden das ja auch alle wollen. Aber nicht nur in Deutschkland, auch weltweit fehle es am politischen Wille, einen Ausstiegsplan vorzulegen. Darüber hinaus dürfe man aber auch die anderen Sektoren nicht aus dem Auge verlieren. So habe der Verkehr bisher überhaupt noch keinenin Beitrag geleistet und auch im Gebäudebestand gebe es noch sehr viel zu tun.

Fakt sei: Die Weltwirtschaft muss so schnell wie möglich CO2-neutral werden. Die schnellsten Erfolge seien im Energiesektor zu erzielen, der völlig auf CO2-Emissionen verzichten müsse. Das funtioniere aber nur mit erneuerbaren Energien.

Ahnlich beschrieb das auch Frau Hendricks (SPD, Bundesumweltministerin) in den 20 Uhr Nachrichten der ARD Tagesschau. Auch Deutschland müsse handeln. Nur nach dem Kohleausstieg zu rufen reiche nicht aus. So habe der Verkehrssektor noch gar keinen Beitrag geleistet. Auch in der Landwirtschaft sei noch noch nichts geschehen. Wenn erwartet werde, dass im Umbau der Energiewirtschaft rascher vorangeschritten wird, weil es dort in er Tat am schnellsten geht, müsse deshalb jetzt ganz klar sein, dass sich niemand mehr hinter anderen verstecken darf. Alle hätten ihren Beitrag zu leisten.

Was den Beitrag des Verkehssektors angeht, üben Umweltschützer gerade scharfe Kritik an den Automobilherstellern. Eine Studie der unabhängigen "International Council on Clean Transportation" (ICCT, Internationaler Rat für sauberen Verkehr) deckt auf, dass der Treibstoffverbrauch heutiger Neuwagen auf der Straße im Mittel um plus 42 Prozent von den Angaben in den Prospekten abweicht, die für viele Menschen kaufentscheidend sind. Dabei falle besonders die zusätzliche, bisher unterschlagene Belastung für die Umwelt ins Gewicht. Darüberhinaus schlügen die falschen Angaben für die Besitzer der Autos im Mittel mit höheren Kosten in Höhe von 400 Euro zu Buche.


Drohende Verluste

Ebenfalls in den 20 Uhr Nachrichten der ARD Tagesschau sagte Frau Espinosa (UN-Klimasekretariat, Generalsekretärin), noch bei keinem UN-Klimagipfel sei die Lage so dringend gewesen, wie in diesem Jahr in Bonn. Bereits heute würden weltweit Millionen Menschen unter extremen Wetterbedingungen leiden.

Und Fidschi während Fidschi immer mehr Land an das steigende Meer verliert, droht Alaska der Verlust des Juneau Eisfelds, einem knapp 4000 km² großen Gletschergebiet in Alaska. Darüber berichtet der empfehlenswerte Film-Beitrag der ARD Tagesthemen mit atemberaubend schönen Bildern, der am Ende meines Nachrichten-Zusammenschnitts zu sehen ist.

In der Einleitung zum Film heißt es, zu Beginn des 20. Jahrhunderts seien viele Expeditionen auf Suche nach der Nordwestpassage - einem Seeweg nördlich von Alaska zwischen dem Atlamtik und dem Pazifik - im scheinbar "ewigen Eis" katastrophal gescheitert. Heute sei das Eis dort jedoch nicht mehr so "ewig", wie damals.

Für Alan Gordon, einem Eiskletterer aus Alaska, sei das Gletscherfeld der schönste Ort der Welt. Allerdings sei die heute sehr zerklüftete Gletscherwelt eine vergängliche Schönheit: Das Eis schmilzt. Als er vor langer Zeit zum ersten Mal dort war, sei das Eis bestimmt 30 Meter höher und flach gewesen, sagt Alan Gordon (Zitat): "Ich konnte eine Skitour hierüber machen. Heute muss ich Eis klettern und es hat sich komplett verändert."

Auf seinen Exkursionen begegnet Alan Gordeon immer wieder Eran Hood, einem Wissenschaftler von der Universität Alaska.

Die Messungen Herrn Hoods zeigen, dass das Eis in jedem Jahr zehn Meter an Höhe verliert. Herr Trump wolle davon nichts hören und kürze stattdessen die finaziellen Mitte für die Klimaforschung. Der Präsident versuche nicht nur seine Forschung zu behindern. Er habe auch bei vielen Amerikanern erfolgreich Zweifel an Existenz des Klimawandels gesät (Zitat):
"Sie sind davon überzeugt, dass Donald Trump daherkommt, die Umweltverordnungen und die Klimawandelforschung beschneidet und damit irgendwie die Wirtschaft ankurbelt. Das zieht bei Leuten, die einen Job suchen und ihre Familie ernähren müssen."

Die Fakten sprächen jedoch für sich. Allein der Mendenhall-Gletscher habe sich zwischen 2007 und 2015 um 550 Meter zurückgezogen. Um diesen Trend zu stoppen, fehle der politische Wille, denn in anderen Teilen Alaskas hoffe man auf einen neuen Öl- und Gasboom. Herr Obama habe Offshorebohrungen in großen Teilen Alaskas verboten. Herr Trump sei gerade dabei, das zu ändern.


Im zweiten Teil des Films kommt ein weiterer Bewohner Alaskas zu Wort. Mead Treadwell (Republikanische Partei Alaska, ehemaliger Vize-Gouvermneur von Alaska) sei heute ein Berater großer Konzerne. Er sehe für Alska "goldene Zeiten" anbrechen (Zitat):
"Trump hat gegenüber Alaska seine Versprechen gehalten. Obamas Energiepolitik aufzuheben, Arbeit, Exporte und nationale Sicherheit voranzutreiben, Regulierungen zu reduzieren - all das passiert."

Bei sich zu Hause versucht er das Fernsehteam der ARD von den Vorteilen des Klimawandels zu überzeugen. Das sei eine gute Sache für die Schifffahrt (Zitat):
"Der Größte Vorteil ist, dass die Nordwestpassage plötzlich zugänglich ist, etwa für große Kreuzfahrtschiffe. China hat schon begonnen Containerschiffe hindurchzuschicken. Russland, das für sibirisches Erdgas nur einen europäischen Markt hatte, kann es nun nach Asien befördern."
Herr Treadwell findet, es müsse endlich etwas Ruhe in die ganze Umweltdebatte kommen.

Alan Gordon hat für solche Argumente kein Verständnis. Oben auf dem Gletscher frage er sich immer öfter, warum so viele Amerikaner die Augen vor dem offensichtlichen verschließen - darunter ausgerechnet der Mann im Weißem Haus.

  • Wenn man den Herrn Treadwell so hört, dann würde es mich nicht wundern, wenn er und seinesgleich es darauf anlegen, die mittlere globale Temperatur auf der Erde um mehr als zwei Grad Celsius steigen zu lassen. Wer weiß - wenn das bis zu 3400 Meter mächtige Eis auf Grönland erst geschmolzen ist, könnte man dort ja vielleicht riesige Rinderherden weiden lassen ...- Große Teile des Rests der Welt wären dann alledings in den um sieben Meter höheren Fluten der Meere versunken. Aber was soll's: Nach uns die Sintflut!


Mehr über Alan Gordon:
BLUE OBSESSION


ein preisgekrönter Film über den Eis-Kletterer Alan Gordon der auf seinen Kletter-Touren versucht das verschwindende Juneau Eisfeld im Südosten Alaskas zu dokumentieren.


Wenn man sich dessen bewusst wird,
was man verlieren könnte,
dann weiß man, worum es sich zu kämpfen lohnt.


(Quellen: Fernsehnachrichen des WDR, der ARD und des ZDF vom 06.11.2017, Wikipedia)

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