Mittwoch, 16. April 2014

Rosen in Hosen?

Lebendiger Blickfang am Zaun des Pausenhofs Lehe: Außergewöhnliche "Pflanzkübel"
Der "Pausenhof Lehe" entstand auf dem ehemaligen Grundstück der Deichschule, die im Frühjahr 2006 abgerissen worden war. Die alte Backsteinmauer blieb erhalten und wurde mit einem neuen Zaun versehen.

Im Rahmen eines Workshops waren die Bewohner des Quartiers zuvor eingeladen worden, sich an einer Ideensammlung für den zukünftigen Mehrgenerationenplatz zu beteiligen. Umgesetzt wurde davon die Aufteilung des Platzes in verschiedene Zonen. So gibt es dort einen klassischen Spielplatz, einen asphaltierten, etwas abgesenkten Sportbereich, der im Winter "geflutet" und somit in eine Eislauffläche verwandelt werden kann, einen im Sommer oftmals von Kindern und Jugendlichen "bespielten" Brunnen, Sitzgelegenheiten und eine große Freifläche, die für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Abgesehen von ein oder zwei übriggebliebenen alten Bäumen, beschränkte sich das einzige "Grün" auf dem von Gründerzeitgebäuden umgebenen, großflächig gepflasterten Platz anfangs jedoch im wesentlichen auf einige neugepflanzte Bäume, die den Platz optisch umrahmen. Auch das Mehrgenerationen-Konzept schien in der Anfangszeit nicht so recht aufgehen zu wollen. Eigentlich war es damals nur der Spielplatz-Bereich, der von den Kindern aus dem Quartier mit Leben erfüllt wurde ...

Seit etwa vier Jahren kümmern sich auf Initiative des "Bürgervereins Lehe e.V." ehrenamtliche Helfer darum, dass der "Pausenhof Lehe" nachmittags mit Leben gefüllt wird. Es ist schon bemerkenswert, was sich dort - auch abseits der Spielplatzecke - inzwischen getan hat.

Ende 2012 machten sich die aktiven ehrenamtlichen Helfer Gedanken darüber, wie man den Platz durch eine zusätzliche Begrünung aufwerten könnte. Das Ergebnis ihrer Überlegungen war dann im Sommer des darauffolgenden Jahres zu sehen:


Urban Gardening

Es waren keine teuren Edelrosen, die dort am Zaun in außergewöhnlichen Pflanzkübeln wuchsen, aber dafür zogen die robusten Blütenpflanzen während des ganzen letzten Jahres immer wieder die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich. Wenn der Blick der neugierig gewordenen Passanten auf die beiden großen orangefarbenen, hinter dem Zaun stehenden "regulären" Pflanzkübel, sowie weitere darum herumstehende ungewöhnliche Pflanzgefäße fiel, dann bemerkte die eine oder der andere auch, dass es sich bei den Pflanzen beispielsweise auch um Salatköpfe oder Petersilie handelte.

Diese Art "städtischer Nutzgärten" im öffentlichen Raum wurde in anderen Städten bereits vor mehreren Jahren unter dem englischen Begriff "urban gardening" bekannt. Der Bürgerverein Lehe hat jetzt in einer E-Mail über diverse Bremerhavener Verteilernetzwerke mitgeteilt, dass das im vergangenen Jahr unter sozial-ökologischen Aspekten begonnene Projekt in diesem Jahr fortgeführt werden soll. Im Blog des Bürgervereins Lehe hieß es im Juli 2012 (Zitat):
Diese urbanen Gärten sind auch immer ein Treffpunkt für Alt und Jung – ein lebendiger Ort der Begegnung, des Lernens, Experimentierens und Gestaltens. Hier können sich Menschen begegnen und treffen, gemeinsam produktiv sein, miteinander Wissen und Erfahrungen austauschen, sich kennen lernen ...

Natürlich geht es ums Tun, ums Machen. Doch es geht auch um eine Neuorientierung und Neubewertung, einen neuen Zugang zu Wissen und Erfahrung. So trägt städtisches Gärtnern auch dazu bei, dass im kleinen Rahmen das Wissen um die Produktion von Lebensmitteln wieder Teil des städtischen Alltags wird.

Schließlich ist urbanes Gärtnern eine Auseinandersetzung mit den natürlichen Grundlagen unserer Existenz - sozusagen ein Spiel mit den Ressourcen: Mit Saatgut, Pflanzenarten- und -sorten, Erde, Dünger, Licht, Wasser, mit pflanzlichen und tierischen Helfern und Schädlingen, mit Lebenszeit und mit persönlicher Energie. Gärtnern bedeutet Hoffen und Warten, Freude und Enttäuschung, Geduld und Ungeduld, Fehler machen und daraus lernen sowie Grenzen zu erkennen: Eigene Grenzen sowie Grenzen der Natur.

Gärten gibt es seit mehr als zehntausend Jahren in allen Kulturen - sie sind ein Stück des menschlichen Kulturerbes. Urbanes Gärtnern auf dem Leher Pausenhof wird nicht nur das Quartier verändern, sondern auch die Menschen!

Ein Wachstum jenseits der Börse

Die diesjährige Saison des "kleinen Gartenprojekts auf dem Leher Pausenhof" beginnt am 17. 04.2014. In seiner Mitteilung schreibt der Bürgerverein Lehe: "Es gibt ein Wachstum jenseits der Börse. Nämlich in den Gärten! Die elementare Tätigkeit des 'Gärtnerns' fördert ein Miteinander der unterschiedlichen Kulturen im Ortsteil Goethestraße."


(Quelle: Bürgerverein Lehe e.V.)

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