Montag, 26. November 2012

Doha - Das Fünkchen Hoffnung

Von heute an, bis zum 07.12.2012, treffen sich erneut Delegierte aus aller Welt zur mittlerweile 18. Weltklimakonferenz (COP 18) der Vereinten Nationen. Gastgeber in diesem Jahr ist Doha (Emirat Katar).

Wenn auch zur Zeit (wie immer wieder um diese Jahreszeit) das Fünkchen Hoffnung etwas heller glimmt, so sind meine Erwartungen an den ernsthaften Willen der Regierungen, endlich verpflichtende Vereinbarungen für einen gemeinsamen, ehrgeizigen und nachhaltigen Kampf gegen die uns allen sowie allen unseren Nachkommen drohende globale Klimakatastrophe zu vereinbaren, von Jahr zu Jahr weiter gesunken.

Immerhin liest man im Entschließungsantrag des Europäischen Parlaments zur Klimakonferenz in Doha, Katar (COP 18) vom 14.11.2012, Absatz F. unter anderem auch (Zitat):
 ".., dass den vom Zwischenstaatlichen Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC) vorgelegten wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge das 2-Grad-Ziel nur dann erreicht werden kann, wenn die weltweiten Treibhausgasemissionen spätestens 2015 ihren Höchststand erreichen, bis 2050 um mindestens 50 % gegenüber dem Stand des Jahres 1990 sinken und anschließend weiter zurückgehen; .."
Die Rede ist vom Klimareport des IPCC aus dem Jahre 2007! Jetzt, nachdem fünf wertvolle Jahre mit kleinlichen Streitereien nach dem Motto "Bevor die anderen nicht damit aufhören, ihre Wälder abzuholzen, will ich auch nicht mein spritfressendes Status-Symbol verzichten" sinnlos vergeudet wurden, bleiben bis zum Jahre 2015 nur noch knapp zwei Jahre um den Anstieg der Emissionen klimarelevanter Gase in der Atmosphäre weltweit zum Stillstand zu bringen.

Je kürzer der zum Handeln verbleibende Zeitraum wird, desto schmerzhafter werden die dafür notwendigen finanziellen Belastungen und Einschnitte in unseren Lebensstandard ausfallen. Sollte es der Menschheit jedoch nicht gelingen, den Anstieg der Emissionen klimarelevanter Gase zu stoppen und dann auf Null(!) herunterzufahren, dann werden die schlimmsten Erwartungen aus den Klimasimulationen der Klimafolgenforscher voraussichtlich zur bitteren Realität werden.

Der Anstieg der mittleren globalen Temperatur wird sich jenseits des im Klimareport benannten "Zwei-Grad-Ziels" exponential beschleunigen. Die Lebensbedingungen auf unserem Planeten, so wie wir sie noch kennengelernt haben, werden sich infolgedessen radikal verändern.

Die Gletscher in den Hochgebirgen und die Eismassen in den Polarregionen werden abschmelzen. Der Anstieg des Meeresspiegels wird sich beschleunigen und extremer ausfallen, als es im Falle der Unterschreitung der "maximal plus 2 Grad"-Marke der Fall wäre. Tiefliegende Staaten, wie beispielsweise Bangladesh oder Inselstaaten im Pazifik werden teilweise oder ganz von der Landkarte verschwinden. Küstennahe Metropolen werden im wahrsten Sinne des Wortes untergehen. Die Schäden, die der Hurrikan "Sandy" in New York und in weiten Regionen der Ostküste der USA angerichtet hat sind nichts im Vergleich zu dem, was die dort lebenden Menschen im Falle einer unkontrollierbaren Klimakatastrophe zu erwarten hätten.

Wohl nicht nur in aufgrund dieser Erfahrung hat Herr Obama (USA, Präsident) in seiner Rede nach seinem Wahlsieg gesagt:
"Wir wollen, dass unsere Kinder in einem Amerika leben, das nicht durch Schulden erdrückt wird, das nicht durch Ungleichheit geschwächt wird, das nicht durch die zerstörerischen Kräfte eines sich erwärmenden Planeten bedroht ist."

Barack Obama
nach seiner Wahl zum Präsidenten der USA am 7. November 2012

Bleibt zu hoffen, dass die US-Bürger auf die Straßen gehen und den Politikern der Republikaner endlich die rote Karte zeigen werden, falls diese sich weiterhin den notwendigen Maßnahmen gegen den Klimawandel widersetzen sollten. Ansonsten hätten die Demokraten und Herr Obama wohl auch in seiner zweiten Amtszeit kaum eine Chance, ihren Erkenntnissen auch Taten folgen zu lassen. Die Vision Herrn Obamas von einem lebenswerten Amerika, das nicht durch die zerstörerischen Kräfte eines sich erwärmenden Planeten bedroht ist, könnte sich dann schnell in Luft auflösen.

Wenn mittlere Temperatur auf unseren Planeten so weit ansteigen sollte, dass die Böden in den Permafrostregionen auftauen, dann werden sich diese Gebiete in gigantische Sumpfgebiete verwandeln, aus denen infolge von Faulprozessen große Mengen des klimaschädlichen Gases Methan in die Atmosphäre entweichen werden. Der Anstieg der globalen mittleren Temperatur wäre dann endgültig nicht mehr aufzuhalten. Selbst ein sofortiges Ende der CO2-Emissionen würde daran nichts mehr ändern.

Für unsere Kinder und Kindeskinder - für alle nachfolgenden Generationen(!) - würden die finanziellen Einbußen aufgrund lebensfeindlicher Umweltbedingungen um ein vielfaches härter ausfallen, als es die heute lebenden Generationen treffen würde, wenn sie den gemeinsamen, weltweit koordinierten Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe endlich aufnehmen würden und es ihnen noch rechtzeitig gelingen würde, die schlimmsten Folgen des Klimawandels zu verhindern.

  • Ich hoffe deshalb, dass die Wahl des Austragungsorts für den Klimagipfel im von Geröll- und Kieswüsten geprägten Katar sich nicht als schlechtses Ohmen erweisen wird. Es wäre der Beginn der globalen Katastrophe, wenn die Regierungen der an der Konferenz betiligten Staaten uns und ihren Bürgern zum Ende der diesjährigen Weltklimakonferenz eine Fata Morgana als Ergebnis präsentieren würden.


(Quellen: Süddeutsche Zeitung vom 26.12.2012, Tagesschau vom 26.11.2012, die Welt vom 25.12.2012, Tagesschau vom 07.11.2012, Wikipedia, EU-Parlament)

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