Mittwoch, 26. August 2015

Ende Gelände: Ziviler Ungehorsam gegen Klimakiller


Ende Gelände: Klimacamp und ziviler Ungehorsam im Rheinland (© Graswurzel TV)

Der Braunkohletagebau "Garzweiler" (Rheinland) ist eine der größten CO2-Emissionsquellen Europas. Im Rahmen des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" beteiligten sich am 15.08.2015 etwa 1500 Menschen an einer Demonstration und einer internationalen Aktion zivilen Ungehorsams. Einige hundert von ihnen unterbrachen für einige Zeit die Produktion, indem sie die gigantischen Schaufelradbagger mit ihren Körpern blockierten und sich auf die Fahrketten setzten.

Damit machten die Aktivisten deutlich, dass sie nicht länger bereit sind, ruhig mit anzusehen, wie die Politik die fortwährende Ausbeutung fossiler Brennstoffe zulässt. Wenn es der Menschheit gelingen soll, den globalen Anstieg der mittleren globalen Temperatur unterhalb der "plus 2 Grad"-Marke zu begrenzen, dann müssen achtzig Prozent der heute bekannten Kohle-, Öl- und Gasvorkommen dort bleiben, wo sie sind: Unter der der Erde!

Die Politik hält jedoch stur daran fest, die Unternehmen der fossilen Industrie zu unterstützen und zu subventionieren, damit sie in ihrer Profitgier der Erde auch noch das letzte Stückchen Kohle, den letzten Kubikmeter Erdgas und das letzte Tröpfchen Erdöl entreissen können.

Unter anderem auch dank des internationalen Klimaschutznetzwerks "350.org" konnte die Aktion "Ende Gelände" international bekannt gemacht werden. Die Medien berichteten weltweit darüber und die weltweiten Kommentare auf den Internetseiten von "350.org" oder der Aktion "Ende Gelände" verdeutlichen, dass es überall auf der Welt Menschen gibt, die begriffen haben, dass der Schutz des Klimas unbedingten Vorrang vor der Profitgier der fossilen Industrie haben muss.

Viele der Aktivisten, die an der Aktion "Ende Gelände" teilgenommen haben, waren aus anderen Ländern angereist. Die CO2-Emissionen machen nicht an den Landesgrenzen halt - die Menschen, die sich dagegen zur Wehr setzen auch nicht mehr.

Neben der symbolischen Blockade der Braukohleproduktion hatten sich die Aktivisten zum Ziel gesetzt, die Klimaschutz-Bewegung darin zu stärken, die Ende des Jahres in Paris stattfindende Internationale Klimaschutzkonferenz positiv zu beeinflussen, und der Politik und der klimaschädlichen Industrie die Stirn zu bieten, um die Energiewende zu beschleunigen. Dieses globale Wachstum des Bewusstseins bezüglich der globalen Bedrohung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten lässt mich weiterhin hoffen, dass es noch nicht zu spät ist, um zumindest die schlimmsten denkbaren Auswirkungen der drohenden Klimakatastrophe noch abzuwenden.


Ein großer Teil der Berichterstattung in den Medien beschäftigt sich mit der Gewalt, die von den Sicherheitskräften der RWE und der Polizei mit Pfefferspray und Schlagstöcken ausgeübt wurde. Der Polizei Düren zufolge wurden dabei 36 Menschen verletzt, darunter 15 Polizisten.

Da ich selbst nicht dabei war, kann ich weder für die Polizei, noch für die Aktivisten Partei ergreifen. Wenn man aber Berichte aus verschiedenen Quellen darüber liest, ergibt sich ein Gesamtbild, das - wie ich denke - für sich selbst spricht. Soweit ich es nach meinen Internet-Recherchen beurteilen kann, sind diejenigen Blätter, welche die Demonstranten als gewaltbereite Chaoten diffamieren, deutlich in der Minderzahl.

Wie der Tagesspiegel am 16.08.2015 auf seiner Internetseite berichtet, haben die Umweltaktivisten insbesondere scharf kritisiert, dass die Polizei gemeinsam mit Sicherheitskräften des RWE-Konzerns gegen Demonstranten vorgegangen sei. Die Polizei habe dafür sogar Fahrzeuge des RWE-Konzerns genutzt.

Die beiden Tageszeitungen "Neues Deutschland" und "taz", sowie das Internet-Magazin "klimaretter.info" protestierten gegen die Behinderung ihrer Arbeit. In einem Artikel des "Newsroom" vom 19.08.2015 heißt es dazu, während die Blockade des Tagebaus durch mehrere hundert Menschen in vollem Gang gewesen und die Räumung vorbereitet worden sei, habe die Polizei auf Verlangen des RWE-Konzerns Journalisten vom Ort des Geschehens entfernen lassen, darunter auch einen taz-Redakteur.

Das Portal zitiert aus einem Schreiben Herrn Rüttenauers (taz, Chefredakteur) an Herrn Jäger (SPD, Nordrhein-Westfalen, Innenminister), Zitat: "Ich halte es für skandalös, dass die Polizei als Handlanger von RWE die Presse an einer freien Berichterstattung gehindert hat. .. Ich fordere Sie auf, eine solche Behinderung der Berichterstattung in Zukunft zu unterbinden."

"Neues Deutschland" und "klimaretter.info" hätten Beschwerde eingelegt, weil eine Reporterin, die für beide Medien vor Ort gewesen sei, ohne erkennbaren Grund von einem Polizeibeamten mit Pfefferspray besprüht und dadurch "massiv in ihrer Berufsausübung behindert worden sei. Andere Journalisten seien gar nicht erst in den Tagebau gelassen worden. RWE habe zuvor angekündigt, auch Pressevertreter wegen Hausfriedensbruch anzuzeigen(!), falls sie den Tagebau während der angekündigten Proteste betreten sollten ...


Insgesamt treffend auf den Punkt gebracht hat das alles Herr Döschner (WDR, ARD-Energieexperte) in einem Kommentar, der auf der Internetseite der ARD-Tagesschau vom 16.08.2015 wiedergegeben wird (Zitat):

.. Hut ab! Die Klima-Aktivisten im rheinischen Braunkohle-Revier verdienen Hochachtung und Respekt! Mit ihren Aktionen an diesem Wochenende sind sie mutig vorweg gegangen, haben symbolisch an einigen Stellen und für einige Stunden die gigantische Braunkohle-Maschinerie zum Stehen gebracht. Sie haben aufmerksam gemacht auf die größte Umweltbedrohung unserer Zeit: die Gefährdung des Weltklimas durch CO2 und die bedeutende Rolle, die die Braunkohle-Verstromung dabei spielt.

Es waren Aktionen des zivilen Ungehorsams: Friedlich, gewaltfrei, aber durchaus verbunden mit Regelüberschreitungen. Auf das abgesperrte Gelände der RWE-Braunkohlegrube zu laufen und sich vor die Bagger zu stellen, dürfte formal vermutlich den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllen. Aber dass RWE gemeinsam mit einem massiven Polizeiaufgebot versucht hat, seinen "Hausfrieden" mit Schlagstöcken und Pfefferspray durchzusetzen, dass RWE nun mit Massenklagen gegen rund 800 Aktivisten und Journalisten versucht, diese zu kriminalisieren - das ist nicht nur unangemessen, sondern zutiefst absurd.

Ausgerechnet jener Konzern, der mit seinen Braunkohlebaggern seit Jahrzehnten nicht nur den Frieden einzelner Häuser, sondern ganzer Dörfer und Regionen stört, ja die Häuser sogar zerstört, ausgerechnet dieser RWE-Konzern beklagt sich nun über Hausfriedensbruch, weil einige hundert Demonstranten durch die von RWE-Baggern zerstörten Landschaften wandern.

Bei seinem rücksichtslosen Vorgehen stützt sich der Konzern nicht nur auf Paragrafen, sondern auch auf seine wirtschaftliche und politische Macht. Regierende in Bund, Land und Kommunen verteidigen die Kohleverstromung, viele Städte und Gemeinden sind direkt an RWE beteiligt. Die Bilder von Polizisten, die in RWE-Geländewagen gemeinsam mit dem betriebseigenen Sicherheitsdienst Jagd auf Demonstranten machen, sprechen für sich.

Das hat die Demonstranten nicht nur wütend gemacht. Es hat sie auch in ihrer Absicht und Entschlossenheit bestärkt. Zu Recht, wie ich finde. Die Proteste im rheinischen Braunkohlerevier mögen nicht immer legal gewesen sein, aber sie sind angesichts der Ignoranz von Geld und Macht und angesichts der Bedrohung, die es abzuwehren gilt, völlig legitim.

Wer den Klimawandel stoppen will, muss den größten Teil der Kohle im Boden lassen. Selbst G7 und US-Präsident Obama haben das inzwischen eingesehen. Die Alternativen zur Kohle sind da, die Energiewende ist Realität. Noch glaubt RWE, diesen Wandel mit Schlagstöcken und Pfefferspray aufhalten zu können. Aber so wie an der Börse wird der Energieriese auch in den Braunkohlegruben früher oder später scheitern. Das Schicksal der Atomkraft sollte RWE zu denken geben. ..

Das Denken wird bei RWE allerdings durch die Aussicht auf die noch erwarteten Gewinne aus dem Braunkohlegeschäft blockiert. Der Klimawandel und wie die Welt unserer Kinder und Kindeskinder aussehen wird, ist dem Konzern völlig egal. Der blanke Hohn angesichts seiner wohl kaum zu überbietenden Ignoranz gegenüber den Fakten des Klimawandels und der - durch die Verbrennung seiner Braunkohle zusätzlich beschleunigten - globalen Erwärmung, sind die nichtssagenden Werbespots, mit denen er versucht sein lädiertes Image grünzuwaschen, indem er behauptet, er würde bei der Energiewende vorweggehen.

Wahrhaft vorweggegangen auf dem Weg hin zur klimaneutralen Energieversorgung sind hingegen hierzulande bisher im Wesentlichen die vielen tausend Bürger mit ihren privaten Photovoltaik-Solaranlagen auf ihren Dächern ihrer Häuser, die Umwelt- und Klimaschützer, die sich mit ihrem Kampf gegen die fossile Industrie in ihren jeweiligen Regionen weltweit für das Ende der Verbrennung fossiler Energieträger einsetzen - darunter auch diejenigen, des Aktionsbündnisses "Ende Gelände" - oder die vielen Millionen Menschen, die ihren Protest im letzten Jahr beim "Peoples Climate March" weltweit auf die Straßen trugen ... - Diese Menschen sind es, denen die uns nachfolgenden Generationen vielleicht einmal dafür dankbar sein werden, dass sie noch einen bewohnbaren Platz auf der Erde - unserer "kleinen und einzigen(!) Heimat in den unendlichen Weiten des Alls" - finden werden ... - sofern der Kampf gegen die fossile Industrie und ihre politischen Handlanger noch rechtzeitig zum Erfolg führen sollte.


Indizien, die darauf hindeuten, dass das noch gelingen könnte, gibt es bereits. So stellt das demokratische Netzwerk "Campact" in einer Pressemitteilung vom 15.08.2015 fest, dass die Braunkohle 'ihre soziale Akzeptanz verliert' (Zitat):
.. Während in Europas größtem Tagebau Garzweiler Aktivisten der Aktion “Ende Gelände” friedlich die Bagger blockierten, protestierten daneben achthundert Klimaschützer und Bürger aus der Region gegen die fortgesetzte Verbrennung von Braunkohle. Mit einem rauchenden Braunkohlemeiler und einer Weltkugel machte die Bürgerbewegung Campact auf die Gefährdung des Weltklimas aufmerksam.


Chris Methmann von Campact erklärt: "Diese Demonstration unterstützt die friedliche Blockade im Tagebau Garzweiler. Es ist wichtig und richtig, dass Menschen jetzt ein Zeichen setzen und sagen: Ende Gelände für die Braunkohle. Denn die Hitzewelle und Dürre dieses Sommers zeigt: Der Schutz des Klimas kann nicht warten. Wenn die Politik den Kohleausstieg nicht angeht, ist es legitim, auch mit zivilem Ungehorsam Druck zu machen."


Die Demonstration und die Blockade sind Zeichen einer wachsenden Bürgerbewegung gegen Kohle. Schon im April und im vergangenen August hatten Menschenketten im rheinischen Revier und in der Lausitz gegen Braunkohle demonstriert. "Die klimaschädlichste Form der Stromerzeugung verliert zu Recht die soziale Akzeptanz. Mehr und mehr Menschen wollen nicht länger hinnehmen, dass Tag für Tag ihre Zukunft verfeuert wird. Braunkohle passt nicht zur Energiewende. Es ist Ende Gelände für die Kohle. Die Zukunft ist erneuerbar!" ergänzt Philip Bedall von Robin Wood.


Im Juni kippte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel seine Pläne zur Erhebung einer Klimaabgabe auf die ältesten Braunkohlekraftwerke. "Die Aktionen heute sind eine Antwort auf das Versagen der Regierung beim Klimaschutz. Gabriel und Merkel sind vor der Kohlelobby eingeknickt und haben so das deutsche Klimaziel rasiert. Beim Kampf gegen den Klimawandel läuft uns aber die Zeit davon. Im Vorfeld des Klimagipfels in Paris braucht es jetzt einen ehrgeizigen Plan für den Ausstieg aus der Kohle – sonst verliert Deutschland jegliche Glaubwürdigkeit beim Klimaschutz." ..

Um die verantwortlichen Politiker aller Nationen der Welt daran zu erinnern, dass es ihre Pflicht ist, dafür zu sorgen, dass die heute auf der Erde lebenden Menschen ihren Nachkommen einen bewohnbaren Planeten Erde hinterlassen, wird anlässlich des internationalen Klimagipfels am 12. Dezember in Paris eine große Demonstration stattfinden, mit der die Bürger ihren Forderungen nach dem Abschluss verbindlicher Klimaschutzziele Nachdruck verleihen werden. Alle Menschen, denen die Zukunft der Welt ihrer Nachkommen nicht egal ist, sollten sich - sofern sie dazu in der Lage sind - ein Beispiel an den Emissionen klimarelevanter Gase nehmen und die Grenzen ihrer Heimatländer überschreiten, um in Paris ein starkes Zeichen gegen den Klimawandel, gegen den ungebremsten Anstieg der mittleren globalen Temperatur und gegen die schlimmsten zu erwartenden Auswirkungen des drohenden Klimawandels zu setzen.


(Quellen: Aktion "Ende Gelände", WDR vom 21.08.2015, Solarify - Max-Planck-Institut für chemische Energiekonversion vom 19.08.2015, newsroom de vom 19.08.2015, Heise Telepolis vom 18.08.2015, newscan auf YouTube vom 17.08.2015, Tagesspiegel vom 16.08.2015, Süddeutsche Zeitung vom 16.08.2015, Tagesschau vom 16.08.2015, Klimaretter info vom 16.08.2015 - Bericht 1 und Bericht 2, Ende Gelände auf Twitter vom 16.08.2015, 350.org - 16.08.2015 [englisch], Polizei Düren - Pressemitteilung vom 16.08.2015, taz vom 15.08.2015, FAZ vom 15.08.2015, ZDF-Heute vom 15.08.2015, Campact - Pressemitteilung vom 15.08.2015, Greenpeace Magazin vom 15.08.2015, graswurzel tv auf YouTube vom 15.08.2015, WDR vom 14.08.2015, The Guardian vom 14.08.2015 [engl.], Klimaretter info vom 09.07.2013 )

Dienstag, 25. August 2015

Stop TTIP - Slowakei erreicht Länderquorum


Umweltinstitut München: TTIP stoppen! Aufruf zur Großdemo am 10. Okt. in Berlin

Mehr als 2,5 Millionen Europäer haben sich den Forderungen der selbstorganisierten Europäischen Bürgerinitiative (sEBI) "Stop TTIP!" angeschlossen. Das sind deutlich mehr als doppelt so viele Unterschriften, wie für eine registrierte Europäische Bürgerinitiative (EBI) notwendig sind (mindestens notwendig sind 1 Million Unterschriften).

Darüberhinaus wird die Mindestanforderung an die Erfüllung des zweiten Kriteriums für den Erfolg einer EBI - das Länderquorum - ebenfalls deutlich um mehr als das doppelte überschritten. Notwendig gewesen wäre die jeweils notwendige Anzahl der Unterschriften in mindestens 7 EU-Mitgliedsländern; mit der Slowakei sind es seit gestern 19. Damit ist das Kriterium "Länderquorum erreicht" für die sEBI in zwei Dritteln aller EU-Mitgliedsländer erfüllt.

Da die verantwortlichen Politiker hierzulande, in Europa und in den USA weiterhin bemüht sind, die Gefährung unserer grundlegenden demokratischen Rechte durch internationale Schiedsgerichte zum Nutzen großer multinationaler Konzerne zu ignorieren und die Bürger für dumm zu verkaufen, werden zum Auftakt einer internationalen Aktionswoche am 10. Oktober in Berlin tausende Menschen für einen gerechten Welthandel - und gegen CETA, TTIP, und TISA(!) - auf die Straße gehen:

TTIP-Demo



Dafür werden bundesweit bereits Busse und Mitfahrgelegenheiten organisiert. International wird die Aktionswoche mit Hilfe des Netzwerks "trade4people.org" koordiniert:

Trade for People


(Quellen: Stop TTIP!, TTIP-Demo, trade4people org, Umweltinstitut München )

Samstag, 15. August 2015

Sail In

Warten auf die Schiffe, die da kommen sollen

Der Wetterbericht hatte für den ersten Tag der "Sail Bremerhaven 2015" Bewölkt bei maximal drei Stunden Sonnenschein gemeldet - am Ende des Tages waren es - zumindest in Bremerhaven - deutlich mehr geworden.

Nach dem Regen heute Morgen klart es so langsam auf. So blieb etwas Zeit, einige Fotos mit Impressionen vom ersten Tag der "Sail" zusammenzustellen.


Großer Bahnhof an der Seebäderkaje: Der Bundespräsident geht an Bord der "Grönland"
Schirmherr des alle fünf Jahre stattfindenden maritimen Großereignisses ist in diesem Jahr Herr Gauck (Bundespräsident). An Bord der "Grönland", dem ältesten heute noch segelnden Seeschiff Deutschlands, fuhr er der Flotte der ankommenden Großsegler entgegen um an der Einlaufparade teilzunehmen.


"Alexander von Humboldt II" - das Flagschiff der Einlaufparade
In der Tradition ihrer Vorgängerin "Alexander von Humboldt" segelt endlich auch die "Alexander von Humboldt II" unter grünen Segeln. Bei der Indienststellung hatten es unbedingt weiße Segel sein müssen. Die erste "Alexander von Humboldt" hat ihren letzen Liegeplatz auf der Weser an der Schlachte in Bremen gefunden. Einerseits ist es schade, dass Bremerhavens berühmte Botschafterin auf den Weltmeeren nicht mehr in Fahrt ist, andererseits konnte sie auf diese Weise aber vor dem Verschrotten bewahrt werden.


"La Grace" aus Prag (Tschechien)

Der Heimathafen der "La Grace" liegt mitten im Binnenland. Das Schiff, eine authentische Nachbildung einer Brigg aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, kommt aus Prag (Tschechien). Das Original der "La Grace" war als Seeräuberschiff bekannt. Der Nachbau begrüßte die Zuschauer am Bremerhavener Weserdeich denn auch mit einer "vollen Breitseite" Salut-Schüssen.


"Etoile du Roi" aus Saint Malo (Frankreich)

Ein weiterer Nachbau eines Schiffes aus dem 18. Jahrhundert ist die "Etoile du Roy". Die dreimastige englische Fregatte war in der Fernsehserie "Hornblower" als das französische Schiff "Papillon" zu sehen. Wer heute oder morgen in Bremerhaven ist, und so wie ich ein Fabel für Schiffe aus dieser Zeit hat, sollte die Gelegenheit für einen Besuch an Bord nutzen: Unter Deck entpuppt sich das Schiff als segelndes Museum.


"Nao Victoria" - Nachbau des Schiffes, mit dem die erste Weltumseglung gelang.

Am 10. August 1519 brach der portugisische Seefahrer Ferdinand Magellan im Auftrag der spanischen Krone mit einer aus fünf Schiffen bestehenden Flotte - darunter auch die "Victoria" - zur ersten gelungenen Weltumseglung auf. Am 6. September 1522 erreichte die "Victoria" als einziges Schiff der Flotte den spanischen Hafen, von dem aus sie nicht ganz drei Jahre zuvor aufgebrochen war. Von den insgesamt 237 Expeditionsteilnehmern kehrten nur achtzehn Seeleute, sowie drei unterwegs angeheuerte ostindische Besatzungsmitglieder, an Bord der "Victoria"zurück. Die "Nao Victoria" (Neue Victoria) ist ein Nachbau der "Victoria" die mit ihrer Vollendung der ersten Weltumseglung in die europäische Geschichte einging.


Die "Gloria" aus Kolumbien, sowie die "Kruzenstern" ...

... und die "Sedov" aus Russland.

In Bremerhaven immer wieder gern gesehene Gäste aus der jüngeren Zeit der "Windjammer" sind die "Kruzenstern" und die "Sedov" aus Russland. Die Schiffe erinnern daran, dass es auch noch eine Welt jenseits der aktuellen politischen Spannungen zwischen Russland und einem großen Teil der Weltgemeinschaft gibt.


Der Kreuzfahrt Großsegler "Seacloud II"

Die "Seacloud II" ist der Passagierdampfer unter den Großseglern. Es mag ja viele Menschen geben, die von einer Kreuzfahrt auf dem Schiff träumen - meine Welt ist das nicht. Ich würde eher richtige Traditionssegler oder eine ganz normale Segelyacht bevorzugen. Nur auf solchen Schiffen kann man die vielfältige Natur der See unmittelbar erleben.


Die "Mercedes" ...
... und die "Eldorado" (Heimathafen beider Schiffe ist Amsterdam)
Die "Guayas" aus Equador


Die "Dar Mlodziezy" aus Polen
  
Die "Santa Maria Manuela" aus Portugal
Mehr von der "Sail Bremerhaven 2015" gibt es hier irgendwann in den nächsten Tagen zu sehen. Jetzt werde ich erst einmal die dem Wetterbeicht trotzenden sonnigen Stunden für einen weiteren Rundgang am Hafen nutzen.


(Quellen: Wikipedia, Bremerhaven.de)

Samstag, 8. August 2015

Sail Bremerhaven 2015


Sail Bremerhaven 2010 - Impressionen vom Wochenende (© J. Winkler [CC: BY-NC-ND])

In der kommenden Woche beginnt die "Sail Bremerhaven 2015" mit einer Einlauf-Parade der 300 teilnehmenden Groß- und Traditionssegler. Zur Einstimmung auf die kommenden Festtage sind hier schon einmal einige Impressionen von der letzten "Sail Bremerhaven" im Jahre 2010.

Mittwoch, 15. Juli 2015

11 Leher, 10 Videoclips und eine Minderheit

Morgen ist im "Passage" Kino noch einmal der Dokumentarfilm "11 Leher – 11 Fragen" zu sehen, der als Beitrag zum "Leher Kultursommer 2011" entstanden ist. Ich hatte darüber schon einmal etwas geschrieben (hier und hier).

Am Freitag wird das Team von "Postcards from Bremerhaven" 10 Videoclips präsentieren, die im Frühjahr im Rahmen des internationalen Projekts "Postcards from ..." entstanden sind. Das Sahnehäubchen auf dieser Veranstaltung ist ein choreografischer Crash-Kurs. Gemeinsam mit einem Team der "Bremerhaven-Postcards" drehen die Besucher anschließend einen spontanen "Leher Kultursommer-Clip", den sie sich zum Abschluss des Filmabends um 19:00 Uhr gemeinsam ansehen. Weitere Infos zum Projekt "Postcards from Bremerhaven" gibt es hier.

Ebenfalls am Freitag gibt der Sinti-Verein e.V. "Einblicke in die Lebenswelt einer allgegenwärtigen Minderheit". Auf dem Programm steht der Dokumentarfilm "Wir unter Euch". Für die musikalische Unterhaltung sorgt das "Armando-Balke-Ensemble".

In einem Artikel vom 02.02.2014 stellt der "Weser-Kurier" auf seiner Internetseite dar, dass Sprüche wie: "Bringt die Kinder ins Haus und nehmt die Wäsche von der Leine. Die Zigeuner kommen!", oder "Scheiß Zigeuner, geh in dein Land.", auch heute noch Grenzen zwischen "uns Deutschen" und "den Zigeunern" ziehen, die es zu überwinden gilt.

Auch aufgrund derartiger Ausfälle sei den den Sinti und Roma eine Angst erhalten geblieben, die auf der Verfolgung der beiden Minderheiten während der Nazi-Diktatur zurückgehe und die von Generation zu Generation weitergegeben werde. Bis in die Gegenwart hinein werde immer wieder gegen die beiden Volksgruppen gehetzt. So habe die NPD vor der Bundestagswahl 2013 Plakate mit Schmähparolen gegen Roma aufgehängt und aus den Reihen der CSU habe es verbale Ausfälle gegen "die Armutsmigranten" aus dem Osten gegeben. - Gemeint seien die Roma gewesen ...

Die Veranstaltung in der Quartiersmeisterei Lehe will die Besucher für andere Lebenswelten sensibilisieren und dazu beitragen, dass die Menschen beider Welten miteinander ins Gespräch kommen. Menschen, die einander kennen und vielleicht auch schätzen lernen, werden keinen Grund mehr für gegenseitige Voruteile haben.


Dokumentarfilm
"11 Leher – 11 Fragen"
Ein Film von Reinhard Büsching, nach einer Idee von Erpho Bell
  • Am: 16.07.2015
  • Um: 20:00 UhrIm "Passage" Kino(Columbus Center, Bürgermeister-Smidt-Str. 20)
    Eintritt: 4,– Euro

Video-Clip im Leher Kultursommer
Präsentation der 10 Video-Clips
"Postcards from Bremerhaven"

und gemeinsame Performance und Aufnahmen im Goethequartier
  • Am: 17.07.2015
  • Um: 16:00 UhrIn der "Theo"
    (Lurtherstraße 7)
 Der Eintritt ist frei und die Teilnahme ist kostenlos.

Sinti und Roma
Einblicke in die Lebenswelt einer allgegenwärtigen Minderheit
  • Am: 17.07.2015
  • Um: 18:00 Uhr
    In der Quartiersmeisterei Lehe(Uhlandstraße 28)


Montag, 13. Juli 2015

Spuren der Natur und kulturelle Stammtische

Natur in der Stadt: Vorgarten in der Goethestraße ...
Immer wieder finden Pflanzen und Tiere in den Vorgärten der Goethestraße, in den Hinterhöfen, in den Spalten zwischen den Pflastersteinen oder auch in Mauerritzen an den Hausfassaden Nischen zum Leben und erobern sich in der von steinernen Hausfassaden, Kopfsteinpflaster oder Asphalt geprägten Stadt Lebensräume zurück.

Am 15.07.2015 machen sich die Teilnehmer an einem geführten Spaziergang durch den Süden des Bremerhavener Stadtteils Lehe im Rahmen des "Leher Kultursommers 2015" auf die Suche nach solchen "NaturSpuren".


... und Leben im "Dachrinnen-Biotop".
Der Weg durch die Wohnbereiche Lehes endet beim ältesten Baum in der Gegend, einer etwa 130 Jahre alte Hainbuche auf dem Gelände der Pestalozzischule. Unter der Hainbuche soll der Abend dann mit einer Lesung des Leher Schriftstellers Manfred Barkhausen und über der Glut geröstetem Stockbrot in besinnlicher Atmosphäre zu Ende gehen.


Eng mit der Geschichte der Amerikaner in Bremerhaven verbunden: Das "Metropol"
Ebenfalls am 15.07.2015 treffen sich Menschen zu zwei Stammtischrunden im "Hotel Metropol". Das Haus ist ein lebendiger Spiegel der Bremerhavener Geschichte und seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eng mit dem Leben der Amerikaner in Bremerhaven verbunden  Seit dem Mai des letzten Jahres gibt es dort den deutsch-amerikanischen Stammtisch. Die Themen reichen von der Vergangenheit bis in die Gegenwart der Amerikaner in Bremerhaven.

Beim Kulturstammtisch geht es um Projekte, Ideen, Konzepte, Termine und kulturellen Schnack. Zu beiden Stammtischen ist jeder ist willkommen.


Von der Theo zum ältesten Baum Lehes
  • Am: 15.07.2015
  • Um: 18:00 Uhr
    Treffpunkt: Garten der Theo
    (Lutherstraße 7)
Deutsch-amerikanischer Stammtisch
  • Am: 15.07.2015
  • Um: 19:30 Uhr
    Im "Hotel Metropol"
    (Potsdamer Straße 45)
Kulturstammtisch
  • Am: 15.07.2015
  • Um: 19:30 Uhr
    Im "Hotel Metropol"
    (Potsdamer Straße 45)

Mittwoch, 8. Juli 2015

EU-Parlament für TTIP - Ungarns Bürger dagegen


 

Dass Ungarn heute im Laufe des Tages als siebzehntes von achtundzwanzig Mitgliedsländern der EU die notwendige Anzahl von Unterschriften seines Länderquorums für die selbstorganisierte Europäische Bürgerinitiative (sEBI) "Stop TTIP!" überschritten hat, könnte möglicherweise zwischen den Nachrichten über die heutige Abstimmung des EU-Parlaments über einen Kompromiss zur bisherigen Fassung seiner TTIP-Resolution kaum noch wahrgenommen werden.

Heute hat das EU-Parlament über seine Position zu TTIP abgestimmt. Demzufolge soll nach dem Willen einer deutlichen Mehrheit der EU-Parlamentarier weiter über TTIP verhandelt werden, aber ohne die Implementierung privater Schiedsgerichte (ISDS). 436 Abgeordnete stimmten dafür, 241 dagegen und 32 enthielten sich ihrer Stimme.

Aufgrund der quer durch alle Fraktionen des EU-Parlaments verlaufenden Ablehnung der in TTIP vorgesehenen demokratiefeindlichen Schiedsgerichte gibt es jetzt eine neue Resolution. Darin wird gefordert, das ISDS-System durch ein "neues System" zu ersetzen. Dieses müsse demokratischen Prinzipien unterliegen, die Fälle müssten von unabhängigen Richtern öffentlich verhandelt werden. Auch eine Berufungsinstanz wird gefordert. Viele Abgeordnete sind jedoch trotzdem weiterhin skeptisch. Sie bemängeln, dass völlig unklar ist, was mit "neuem System" gemeint sei.

Außerdem besteht im Falle einer abschließenden Zustimmung des EU-Parlaments zu TTIP und CETA die Gefahr, dass das EU-Parlament in eine weitere demokratiefeindliche Falle laufen könnte. Vor einer möglichen Ratifizierung vom TTIP und CETA muss das EU-Parlament einmalig(!) seine Zustimmung erteilen, damit die Freihandelsabkommen in Kraft treten können. TTIP und CETA sind aber als so genannte "living agreements" ausgelegt: Im Rahmen der "regulatorischen Kooperation" werden die beiden Handelsabkommen einer stetigen Weiterentwicklung unterliegen.

Dabei ist bislang jedoch keinerlei parlamentarische Mitbestimmung vorgesehen. EU-Parlametarier, denen dieser Sachverhalt nicht klar ist, würden mit ihrer Zustimmung zu CETA und TTIP ihren eigenen Handlungsspielraum beschneiden - und damit auch die demokratischen Rechte der Bürger in den Staaten der Europäischen Union!

Dass lediglich eine einzige Abstimmung im EU-Parlament vorgesehen ist, widerspricht darüberhinaus nach Ansicht des "Instituts für Völkerrecht und Europarecht" im Falle von TTIP und CETA einer ausreichenden demokratischen Legitimierung.

Und: Auch ohne ISDS - wenn es denn so kommen sollte - gäbe es unter den bisher bekannt gewordenen Inhalten der bisherigen TTIP-Verhandlungsrunden noch genügend Kritikpunkte, die - jeder für sich - bereits Grund genug für Nachbesserungen oder gar einen Abruch der Verhandlungen wären. - Es ist nur so, dass seit Bekannwerden der Implementierung von ISDS in den Vertragswerken von CETA und TTIP kaum noch darüber gesprochen und geschrieben wurde.

Die EU-Kommission und die TTIP-Verhandlungsführer sind an die Resolution des EU-Parlaments nicht gebunden. Eine Art "TTIP durch die Hintertür" in Form einer wie auch immer gearteten Paralleljustitz für multinationale Konzerne mit Klagerechten gegen mehrheitlich legitimierte Gesetze demokratischer Staaten in TTIP ist noch lange nicht vom Tisch. Im fertig verhandelten CETA-Vertragswerk ist ISDS in seiner "klassischen Variante" festgeschrieben.
  • Mehr als die Hälfte der EU-Länder haben ihr Länderquorum überschritten, einige unter ihnen bereits um ein Vielfaches.
  • Mehr als 2,3 Millionen EU-Bürger, etwa die Hälfte davon allein aus Deutschland, unterstützen die Forderungen der sEBI "Stop TTIP!". 

Und die Politik bemüht sich tapfer, den immer noch wachsenden Protest zu ignorieren.

Wie war das doch gleich noch? Herr Gabriel (SPD, Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler) will der nächste Bundeskamzler werden?
Je mehr Menschen er gegen sich sich aufbringt, indem er ihre Forderungen zugunsten der Interessen einiger weniger multinationaler Konzerne ignoriert, anstatt die Interessen der Mehrheit der Wähler zu vertreten, desto geringer werden seine Chancen sein, Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) zu beerben. Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" schreibt in einem Artikel auf ihrer Internetseite vom 07.07.2015, mit 64 Prozent lehne eine deutliche Mehrheit der Befragten einer aktuellen EMNID-Umfrage es ab, dass durch TTIP die Gestaltungsspielräume der Gesetzgeber - wie vom Bundeskanzleramt bestätigt – eingeschränkt werden.


TTIP-Demo



Europäische Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA



(Quellen: Kleine Zeitung vom 08.07.2015, Der Standard vom 08.07.2015, Deutsche Welle vom 08.07.2015 , Süddeutsche Zeitung vom 07.07.2015 , Frankfurter Rundschau vom 07.07.2015 , ORF vom 07.07.2015, Finanznachrichten vom 07.07.2015, Foodwatch vom 07.07.2015, Die Zeit vom 07.07.2015, RP-Online vom 07.07.2015, news 02elf vom 06.07.2015, Deutsche Mittelstands Nachrichten vom 06.07.2015 )