Dienstag, 7. Mai 2013

Eine wahre Pracht ...



Magnolienblüte vor dem "Leher Dom" (Bremerhaven Lehe, Ortsteil "Goethestraße")
... ist es jedes Mal, wenn im Frühling die beiden großen Magnolien vor dem Portal des "Leher Doms" blühen. Leider fallen die ersten Blütenblätter immer schon wieder ab, wenn die letzten sich gerade erst geöffnet haben.

Der am westlichen Ende der Eupener Straße gelegene "Leher Dom" ist eigentlich die katholische Herz-Jesu-Kirche. Ebenso, wie die andere große Leher Kirche, die sieben Jahre ältere evangelische Pauluskirche in der Hafenstraße, wurde sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Stil der norddeutschen Backsteingotik erbaut.

Ein schneller Entschluss

Da hat wohl jemand spontan das Rauchen aufgegeben

Sonntag, 5. Mai 2013

Löwenzahn in der Stadt

In Liebe einst ein Löwenzahn entbrannte
für die schöne Löwenzähnin Jolante.
Jolantes gelber Hut verblich
und verweht vom Winde entwich
seine Jolante von der Bordsteinkante.

© Jürgen Winkler

Im Moment könnte man in unserem Viertel meinen, man sei unversehens in den Vorpann von Peter Lustig's "Löwenzahn" versetzt worden. Überall an den Straßenrändern, in den Ritzen zwischen Gehwegplatten und Hauswänden, an den Füßen der Straßenschild-Masten und ähnlichen Plätzen, blüht gelbleuchtend der Löwenzahn. Immer wieder sieht man Kinder, die mitten in der Stadt Blumen pflücken. Da wird sich an den letzten Tagen sicher so manche Mutter über einen kleinen, gelben Blumenstrauß gefreut haben.

Allen, die heute hier vorbeischauen, wünsche ich einen sonnigen Frühlingssonntag.

Samstag, 4. Mai 2013

Ein tödliches Geburtstagsgeschenk



(Screenshots: "My first Rifle", Internetseite und Werbevideo, klicken zum vergrößern)
Heile Familienwelt: Am Wochenende ballern alle um die Wette - auch in Burkesville.


Im letzen Jahr bekam der heute fünfjährige Kristian Sparks aus Burkesville (Kentucky, USA) ein Kleinkalibergewehr vom Typ "Crickett 22" zum Geburtstag. Der Hersteller bewirbt diese Waffen unter dem Motto "My First Rifle" (Mein erstes Gewehr). 

Am 1. Mai 2013 erschoss Kristian Sparks mit seinen Geburtstagsgeschenk seine zweijährige Schwester Caroline. Die Süddeutsche Zeitung schrieb dazu am 02.05.2013, die hitzige Debatte über schärfere Waffengesetze, die  Washington entbrannt ist, sei an Burkesville vorbeigegangen. Tragödien wie der Tod der Caroline Sparks würden immer wieder geschehen.

So habe Anfang April ein Vierjähriger eine Frau in Tennessee erschossen. Kurz darauf habe in New Jersey ein Vierjähriger seinen zwei Jahre älteren Spielgefährten durch einen Kopfschuss getötet. Amerikaner besäßen 300 Millionen Schusswaffen. Das entspräche etwa einer Waffe pro Bürger. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC schätze, dass in den USA alle drei Tage ein Kind bei einem Unfall mit einer Waffe stirbt.

Wäre ich an der Stelle Herrn Sparks', dann wüsste ich mit Sicherheit nicht, wie ich im Wissen darum, dass Caroline ihren dritten Gebrurtstag nicht mehr erleben wird, weil ich Kristian eine Feuerwaffe zum Geburtstag geschenkt habe, noch weiter leben sollte.

Feuerwaffen werden hergestellt, um damit zu töten. Bei allem Verständinis für das Entsetzen und die Trauer um den Tod des kleinen Mädchens in Burkesville frage ich mich, warum in den USA jetzt jeder verwundert über den Tod dieses zweijährigen Kindes ist, das von seinem eigenen, fünfjährigen Bruder mit dessen eigenen Gewehr erschossen wurde.

Zu einem Werbevideo, dass im YouTube Channel des Waffen-Herstellers Keystone zu sehen ist, schrieb eine Josefina Muñante: "This company must be closed forever ..." (Diese Fabrik muss für immer geschlossen werden). Ich denke, das wird nicht reichen. Bevor nicht alle Firmen, die Feuerwaffen für die Öffentlichkeit herstellen, geschlossen worden sind, wird dieser Irrsin im Land der unbegrenzten Waffenfreiheiten kein Ende haben.

Die Crickett-Internetseite ist seit kurzem nicht mehr erreichbar. Aber auf  YouTube, in "CrickettRifles's channel", kann man - zumindest zur Zeit noch - sehr viel über Cricketts heile Kinderwelt, und die Ansichten der unverbeserlichen Waffennarren in den USA erfahren. Und auch auf den Internetseiten anderer Waffenhersteller werden in der "Kids Corner" (Kinderecke) "Qualitätsfeuerwaffen für Amerikas Jugend" beworben. Würde ich in den USA leben, dann würde ich alles in meiner Macht stehende unternehmen, um die Waffenlobby in die Schranken zu weisen.

Zu dem Werbevideo hatte ich einen Kommentar hinterlassen, der genau meinen hier beschriebenen Standpunkt wiedergibt. Es hat nicht lange gedauert, bis Crickett ihn als SPAM markiert hat. Es wundert mich keinesfalls, dass sie davon nichts wissen wollen. Immerhin ist Crickett Teil dieser Waffenlobby in den USA.

Allerdings wäre es ehrlicher (und aus Cricketts Sicht auch "sicherer") gewesen, wenn sie meinen Kommentar einfach gelöscht hätten. Zum einen ist SPAM eigentlich als unerwünschte, in der Regel massenhaft auf elektronischem Weg übertragene Nachrichten, die dem Empfänger unverlangt zugestellt werden definiert: Meinen einzelnen Kommentar würde ich nun nicht gerade als "massenhaft" bezeichnen. Zum anderen ist der Inhalt eines als SPAM gekennzeichneten Kommentars für jeden, der sich in seinem YouTube Konto anmeldet, weiterhin abrufbar.

  • "Shame yourself! Selling rifles to kids!"
    (Schämt euch! Waffen an Kinder zu verkaufen!)
    (YouTube Benutzer "sauroborsi" (Italien), Kommentar zum o.g. Werbevideo)


(Quellen: Süddeutsche Zeitung vom 02.05.2013, Spiegel vom 02.05.2013, Der Standard vom 01.05.2013, Frankfurter Rundschau vom 01.05.2013, Werbevideo für "My First Rifle")

Dienstag, 30. April 2013

Seehofer unternimmt nichts gegen Wasserprivatisierung ...

... Damit wollte das demokratische Netzwerk "Campact" die Leserinnen und Leser der Wochenzeitung "Bayern-Kurier" konfrontieren. Die Anzeige wurde jedoch abgelehnt - kein Wunder eigentlich, wenn man weiß, dass Herr Seehofer (CSU, Vorsitzender) Herausgeber des Wochenblatts ist.

Campact will sich den Mund aber nicht verbieten lassen und die Anzeige in anderen, in Bayern erscheinenden Zeitungen aufgeben.

In Bayern fordert die CSU: "Unser Wasser muss bayerisch bleiben." In Berlin und Brüssel ist davon seitens der CSU jedoch nichts zu hören. Das Gegenteil ist der Fall. Die schwarz-gelbe Bundesregierung lehnte Anträge der Opposition gegen die Privatisierung ab und die CSU unternimmt nichts dagegen.

Insbesondere lässt sie zu, dass Herr Rösler (FDP, Bundeswirtschaftsminister) die EU-Dienstleistungsrichtlinie, die bis zu zwei Drittel aller Städte und Gemeinden dazu zwingen würde, ihre Wasserversorgung EU-weit auszuschreiben, in Deutschland durchsetzen will. Auf diese Weise wird Bayerns Wasser nicht bayrisch bleiben, Herr Seehofer! Multinationale Konzerne wie "Veolia Water", "Thames Water" oder "Suez" liegen nämlich schon auf der Lauer.


Am 15. September ist Wahltag in Bayern ...

Campact schreibt in einer E-Mail an seinen Verteiler: "Bayern ist der Schlüssel zum 'Nein!' aus Deutschland!" Horst Seehofer habe in diesem Jahr eine Landtagswahl zu bestehen. Eine von Campact in Auftrag gegebene repräsentative Emnid-Umfrage zeigt: 85 Prozent der Menschen in Bayern sind gegen die Privatisierung der Wasserversorgung und 75 Prozent fordern von Herrn Seehofer, dass er sich in dieser Angelegenheit gegen Herrn Rösler durchsetzt.

Die Augsburger Allgemeine schrieb am 22.02.2013, EU-Kommissar Barnier habe nach heftigen Protesten die Privatisierungspläne für die kommunale Wasserwirtschaft nachgebessert. Für deutsche Stadtwerke solle nun ein Bestandsschutz gelten. In einer kleinen Anfrage der Grünen vom 25.02.2013 (Drucksache 17/12494) heißt es jedoch, dass nur kommunale Unternehmen ohne private Beteiligung oder solche, die als "verbundene Unternehmen" mindestens 80 Prozent ihres Gesamtumsatzes für die Eignerkommune erbringen, von öffentlichen Ausschreibungen befreit wären. Und der Europäische Wirtschaftsdienst (EUWID) zitiert Frau Strasser (Campact) in einer Mitteilung vom 14.04.2013 mit den Worten (Zitat): "Trotz des vermeintlichen Kompromissangebots der Kommission ist die Gefahr für die kommunalen Wasserwerke nicht gebannt. Brüssel stellt weiter die Weichen auf Privatisierung."

Deshalb muss Wasserversorgung aus der EU-Dienstleistungsrichtlinie ausgenommen werden. Um das zu erreichen, reicht es nicht, wenn die CSU nur redet: Sie muss handeln! Das hatte Campact den CSU-Mitgliedern mit der geplanten Anzeige im Bayern-Kurier sagen wollen. Aber die CSU möchte wohl nicht so gerne, dass ihre Wähler wissen, dass sie in dieser wichtigen Frage weder auf Herrn Seehofer, noch auf "ihre" Partei zählen können.


... und am 22. September ist Bundestagswahl

Bis Anfang Juni wird in Brüssel noch zwischen der EU-Kommission, den Mitgliedsstaaten und dem Europäischen Parlament verhandelt. Die wespenfarbene Bundesregierung hätte es in der Hand, dort unsere Wasserversorgung vor dem Zugriff der Konzerne zu schützen. Bisher sieht allerdings alles danach aus, als würde sie lieber die profitorientierten Interessen der Wasserkonzerne anstelle der Interessen der Bürger und Kommunen vertreten. Ich hoffe, dass die CDU, die CSU und die FDP dafür am 22. September einen Denkzettel bekommen werden.


Europäische Bürgerinitiative noch nicht am Ziel

Die europäische Bürgerinitiative "Right2Water" hat inzwischen zwar deutlich mehr als die insgesamt notwendige Anzahl vom einer Million Unterschriften erreicht, ist aber damit trotzdem noch längst nicht am Ziel. Der Haken an der Sache: Aus jedem EU-Mitgliedsland muss zusätzlich ebenfalls eine bestimmte Anzahl Unterschriften zusammenkommen. Für Deutschland wären 74250 Unterschriften notwendig gewesen. Mit 1.118.835 Unterschriften (Stand: 06.03.2013) wurde die notwendige Mindestzahl allein in Deutschland schon erreicht, während es in anderen Ländern derzeit aber noch sehr schlecht aussieht. In Polen würden beispielsweise 38250 Unterschriften benötigt. Unterzeichnet haben dort aber erst 761 Menschen.


(Quellen: Europäischer Wirtschaftsdienst vom 14.04.2013, TNS Emnid vom 11.04.2013, Frankfurter Rundschau vom 20.03.2013, Nordbayern.de vom 02.03.2013, Augsburger Allgemeine vom 22.02.2013, Campact)

Sonntag, 28. April 2013

Geplante EU-Verordnung bedroht Saatgut-Vielfalt

Der Rotfranch, eine alte, heute seltene Apfelsorte: Keine Zulassung - kein Rotfranch?
Eine Fachabteilung der EU-Kommission arbeitet an einer neuen Saatgutverordnung, derzufolge Betriebe, die pflanzliches Saatgut erzeugen, künftig nur noch Sorten verwenden dürften, die ein amtliches, aufwändiges und teueres Zulassungsverfahren durchlaufen haben.

Das Verfahren könnten nur solche Sorten bestehen, die vorgegebene Normen, wie beispielsweise ein einheitliches Wachstum erfüllen. Ein herausragendes Merkmal vieler traditioneller Obst- und Gemüsesorten besteht jedoch gerade in ihren natürlichen Größen- und Form-Variationen.

Für "alte Sorten" ist ein vereinfachtes Zulassungsverfahren vorgesehen, das aber nur bei solchen Sorten greift, die nachweislich bereits auf dem Markt sind. Wieder entdeckte Sorten oder neue Kreuzungen blieben außen vor.

Die geplante Verordnung richtet sich gegen Landwirte und Initiativen, die sich um den Erhalt bedrohter Sorten und deren Fortentwicklung und Anpassung kümmern. Profitieren würden im wesentlichen multinationale Konzerne wie Monsanto, Pioneer oder BASF, die bereits heute marktbeherrschend sind. 

Wie weit die verhängnisvolle Entwicklung in diese Richtung schon fortgeschritten ist, verdeutlicht ein Bericht des Deutschlandfunks vom 17.09.2012. Dem zufolge gab es Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts noch über 1000 unabhängige Saatgutfirmen. Heute liegt weit über die Hälfte des Geschäfts in den Händen von zehn Großkonzernen! Ein weiteres Beispiel: Alten Listen von 1940 ist zu entnehmen, dass damals noch 190 Apfel- und 90 Birnensorten im Handel waren. Heute sind es höchstens noch ein Dutzend!

Ein weiterer, meines Erachtens nicht zu vernachlässigender Aspekt, der auf vielen Internetseiten von Nichtregierungs-Organisationen (NGOs) thematisiert wird, ist der Erhalt der notwendigen genetischen Vielfalt, damit Obst- und Gemüsepflanzen die Möglichkeit zur natürlichen Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel haben (mehr dazu unten unter "Zum Weiterlesen").

Mit ihrem Normierungs- und Reglementierungswahn würde die EU das Gegenteil von "genetischer Vielfalt" erreichen. Die noch vorhandene große Zahl traditioneller Sorten würde aussterben. Überleben würden nur einige wenige, an industrielle Normen angepasste Sorten. Aber nur eine große Auswahl an Obst-, Gemüse- und Getreidesorten und somit eine große genetische Vielfalt kann langfristig sowohl unsere Nahrungsgrundlage wie auch diejenige der nachfolgenden Generationen sichern.

Die neue EU-Saatgutverordnung darf deshalb nur das in industriellen Maßstab erzeugte Hybrid Saatgut betreffen. Traditionelle, alte Sorten müssen auch weiterhin frei gezüchtet und vermehrt werden dürfen. Darüberhinaus muss es für traditionell kultivierte Sorten ein Label geben, damit die Verbraucher die Möglichkeit haben, zu entscheiden, ob sie "industriell erzeugte" bzw. Hybridsorten oder traditionelle, regional kultivierte und angebaute Sorten kaufen wollen.

Die EU-Kommission will am 06.05.2013 über den Entwurf entscheiden. In einer E-Mail an seinen Verteiler schreibt das demokratische Netzwerk Campact, in vielen Staaten der EU rege sich bereits Widerstand gegen den Plan. Mit einem E-Mail Appell will Campact klarstellen, dass auch die Bürger und die Landwirte eine bunte Vielfalt statt genormter Einfalt auf ihren Feldern und in ihren Gärten und auf ihren Tellern fordern.

Der Appell im Wortlaut:
Die geplante EU-Saatgutverordnung muss mehr Vielfalt auf unseren Feldern und Tellern ermöglichen, statt sie zu vernichten. Traditionelle und regionale Sorten aber auch neu entwickelte Sorten, die nicht für den Massenmarkt bestimmt sind, müssen von Zulassungs- oder Zertifizierungspflichten befreit bleiben.

Strenge Regeln, Kontrollen, Prüfungen und kostspielige Zulassungen dürfen nur für Saat- und Pflanzgut gelten, das kommerziell und in großen Mengen gehandelt wird. Der freie Austausch von Samen und Setzlingen zwischen Bauern, Saatgutinitiativen und Gärtner/innen muss gewährleistet und unterstützt werden.

Nur eine große Auswahl an Obst-, Gemüse- und Getreidesorten sichert, dass unsere Landwirtschaft sich an den Klimawandel, neue Krankheiten, Schädlinge und neue Lebensstile anpassen kann. Wir wollen bunte Vielfalt statt genormter Einfalt!

MfG


Die internationale Organisation "Save our Seeds" (Rettet unser Saatgut) informiert auf ihrer Internetseite über den Hintergrund der geplanten neuen EU-Verordnung (Zitat):
Seit circa fünf Jahren wird an einer Überarbeitung des EU-Saatgutverkehrsrechts gearbeitet. Im November 2012 legte die Generaldirektion Gesundheits- und Verbraucherschutz (Sanco) einen ersten Entwurf für eine neue Verordnung zum Inverkehrbringen von Saat- und Pflanzengut zur kommissionsinternen Konsultation vor. Diese Verordnung soll 12 EU-Richtlinien und deren Umsetzung in einer Vielzahl unterschiedlicher nationaler Bestimmungen und Gesetze ersetzen und beinhaltet strengere Auflagen und eine weitere Normierung von Saatgut.

Für den weiteren Vertrieb einer Vielzahl lokal angepasster, seltener und alter Sorten von Gemüse, Obst und Getreide könnte die Verordnung unüberwindbare bürokratische und finanzielle Hürden aufbauen.

Wenn sie sich bis dahin geeinigt hat, will die Kommission den offiziellen Entwurf am 6. Mai vorlegen. Danach wird ihr Vorschlag im Europäischen Parlament und im EU-Ministerrat verhandelt, die sich darüber vor den Neuwahlen zum EU Parlament 2014 einigen müssten, damit die Verordnung 2015 in Kraft treten kann. Noch gibt es also Spielraum um eine nachhaltigere, gerechtere und vor allem vielfaltsorientierte Saatgut-Gesetzgebung in Europa zu fordern und durchzusetzen.


Zum Weiterlesen:


(Quellen: Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt vom 26.04.2013, Stern vom 25.04.2013, ORF vom 25.04.2013, Kurier vom 22.04.2013, WDR vom 27.03.2013, Deutschlandfunk vom 17.09.2012, Campact, Save our Seeds, Saatutkampagne, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft)

Samstag, 27. April 2013

Deutschland blockiert Schutz der Bienen

Biene "bei der Arbeit" (© 4028mdk09, CC BY-SA 3.0)
Während der Bayer-Aktionärshauptversammlung  am 26.04.2013 in Köln protestierten Aktivisten der internationalen Umweltschutz-organisation "Greenpeace" mit einem 5 mal 15 Meter großen Banner, auf den "Bayer-Pestizide töten Bienen" zu lesen war, gegen die für Bienen gefährlichen, neonicotinoidhaltigen Mittel des Chemiekonzerns.

Bereits am 17.04.2013 hatten Greenpeace-Aktivisten ein 20 mal 10 Meter großes Banner mit der Aufschrift "Syngenta Pesticides Kill Bees" (Syngenta-Pestizide töten Bienen) am Gebäude des Chemiekonzerns "Syngenta" in Basel (Schweiz) angebracht. Syngenta ist der zweite große Hersteller der bienengefährdenden Neonicotinoide.

In der Studie "Bye bye Biene? Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa" legt Greenpeace dar, warum der Einsatz der neonicotinoidhaltigen Produkte Clothianidin (Bayer, Sumitomo Chemical Takeda), Imidacloprid (Bayer), Thiamethoxam (Syngenta), sowie der Pestizide Fipronil (BASF - Wirkstoff: Phenylpyrazol), Chlorpyriphos (u.a. Bayer, Dow Agroscience - Wirkstoff: Organophosphat), Deltamethrin(diverse Hersteller - Wirkstoff: Pyrethroid) und Cypermethrin (u.a. SBM Développement und CPMA - Wirkstoff: Pyrethroid) zum Schutz der Bienen und der Blütenpflanzen umgehend beendet werden muss.

Bienen sind weltweit die wichtigsten Insekten zur Bestäubung der Blütenpflanzen. Laut Greenpeace sind in den vergangenen Jahren europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker gestorben. In Deutschland seien teilweise sogar 30 Prozent der Bienenvölker betroffen gewesen.


Deutsche Blockade des Neonicotinoid-Verbots

Auf EU-Ebene wird daher derzeit über ein Verbot von Neonicotinoiden diskutiert. Aktuell schlägt die EU-Kommission vor, drei für Bienen gefährliche Wirkstoffe - darunter auch die beiden Neonicotinoide von Bayer - vorübergehend zu verbieten.

Alarmierende Forschungsergebnisse sind von den Chemiekonzernen Bayer und Syngenta bisher ignoriert worden und Frau Aigner (CSU, Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz) blockiert bisher mit ihrer Stimmenthaltung ein sofortiges Verbot der Neonicotinoide in der EU. Die multinationalen Chemiekonzerne fürchten um ihren Profit, und versuchen, mit dem Verweis auf natürliche Ursachen für die Bedrohung der Bienen, wie beispielsweise die Varroamilbe, von ihrer Verantwortung abzulenken. Am 29.04.2013 wird eine erneute Abstimmung über das von der EU-Kommission vorgeschlagene Verbot stattfinden.

Zum Schutz der Bienen und zur langfristigen Sicherung einer unserer wichtigsten Nahrungsgrundlagen muss Frau Aigner am 29.04.2013 für das Verbot stimmen. Die Online Ausgabe des "Greenpeace Magazins" vom 26. April 2013 zitiert dazu Frau Huxdorff (Greenpeace) mit den Worten (Zitat):
".. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sind eindeutig: Pestizide tragen zum Bienensterben bei Bayer muss endlich die entsprechenden Produkte vom Markt nehmen. .. Bienen sind mehr als Honigproduzenten. Birnen, Kirschen Erdbeeren, Tee oder Kaffee sind nur einige unserer Lebensmittel, die es ohne Bestäubung nicht gäbe. .. Frau Aigner muss ihren Industrie-Protektionismus beenden und am kommenden Montag für den Schutz der Bienen stimmen. Die EU muss die für Bienen gefährlichen Pestizide dringend verbieten, um so eine der Ursachen für das dramatische Bienensterben zu beenden."


E-Mail-Kampagne und Petition

Greenpeace wendet sich deshalb mit einer E-Mail Kampagne zum Schutz der Bienen an Frau Aigner. Die E-Mail hat folgenden Wortlaut:
Agrarministerin Aigner

Bienenkiller gehören verboten

Sehr geehrte Frau Ministerin Aigner,

der Bestand an Bienen geht weltweit zurück. In den vergangenen Jahren überlebten europaweit im Durchschnitt immerhin 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht. In Deutschland waren es teilweise sogar 30 Prozent. Pestizide sind - neben anderen Faktoren wie Klimawandel und industrielle Landwirtschaft - ein wichtiger Grund für das Bienensterben.

Ihre Auswirkungen sind vielfältig: Sie töten die Bienen und andere bestäubende Insekten nicht nur, sondern schädigen auch ihre Entwicklung sowie Sammel- und Lernfähigkeit. Das hat massive Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion. Ich fordere Sie auf, diese bienengefährlichen Spritzmittel wie Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam, Fipronil, Chlorpyriphos, Cypermethrin und Deltamethrin zu verbieten:

1. Schritt: Stimmen Sie für den Vorschlag der Europäischen Kommission, Neonicotinoide zu verbieten!
2. Schritt: Verbieten Sie den Einsatz von gefährlichen Bienengiften auf nationaler Ebene sofort und ohne Ausnahmereglungen!
3. Schritt: Unterstützen Sie Aktionspläne, alle bienengefährlichen Pestizide europaweit aus dem Verkehr zu ziehen!
4. Schritt: Keine Subventionen mehr für eine industrialisierte Landwirtschaft, die auf Monokulturen und chemisch-synthetische Chemikalien setzt!

Mit freundlichen Grüßen,

Auch der "Deutsche Imkerbund" bezichtigt Frau Aigner eines gefährlichen Doppelspiels. Öffentlich befürwortete sie stärkere Bienenschutzmaßnahmen, doch hinter den Kulissen stelle sie sich auf die Seite der Pestizidindustrie.

Ebenso wie 90 Prozent der Bundesbürger würden auch die deutschen Imker fordern, dass die Bundesregierung das Verbot der Bienenkiller befürwortet und die Bienen und unsere Lebensmittelversorgung über die Interessen der Hersteller der gefährlichen Neonicotinoide stellt.

Mithilfe des internationalen demokratischen Netzwerks AVAAZ hat der Deutsche Imkerbund deshalb eine Petition mit folgendem Wortlaut initiiert:
"Wir fordern Sie auf, Ihre Blockadehaltung gegenüber einem europaweiten Verbot von bienengefährdenden Pestiziden aufzugeben. Sie müssen dieses Doppelspiel beenden: Öffentlich europaweite Bienenschutzmaßnahmen zu befürworten, doch hinter verschlossenen Türen der Pestizidlobby Rückendeckung zu geben, indem Sie den Vorschlag der EU-Kommission blockieren. 90% der Deutschen wollen das Verbot und wir appellieren an Sie, diesem zuzustimmen und sich gegen die Pestizidlobby durchzusetzen."


Zum Weiterlesen
  • Greenpeace-Studie:
    • Bye bye Biene? - Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa


(Quellen: Greenpeace Deutschland und -Schweiz vom 26.04.2013, Greenpeace Magazin vom 26.04.2013, Deutscher Imkerbund - Pressemitteilung vom 22.04.2013 und Offener Brief an das BMU vom 17.04.2012, 20 Minuten Online (CH) vom 17.04.2013, Spiegel vom 09.04.2013, Greenpeace Report "Bye, bye, Biene?" vom 08.04.2013, Spiegel vom 31.01.2013 und vom 15.03.2013, AVAAZ)