Donnerstag, 15. August 2013

Erfreuliche Aussichten für das Goethe-Quartier

Gründerzeitfassade im Goethe-Quartier (renoviert 2009)
Ich freue mich immer wieder, wenn ich auch einmal eine gute Nachricht in der Zeitung lese. So auch heute: Wie die Nordsee-Zeitung berichtet, hat die SPD-Fraktion in der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung angekündigt, dass der Leher Ortsteil "Goethestraße" als Sanierungsgebiet ausgewiesen werden soll.

Die Zeitung zitiert Herrn Allers (SPD, Fraktionsvorsitzender) mit den Worten (Zitat): "Wir doktern da immer an Teilproblemen herum, aber das bringt uns nicht wirklich weiter." Jetzt gehe es darum, Nägel mit Köpfen zu machen und den gesamten Bereich "strategisch gezielt" zu fördern.

Eine wichtige Rolle komme dabei einem Quartiersmanager zu, der - sofern alles gut laufe - bereits im nächsten Jahr seine Arbeit aufnehmen könne. Die Stelle solle mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) finanziert werden. Der nächste Förderungszeitraum umfasse den Zeitraum von 2014 bis 2020. Mir ist bekannt, dass die im Goethe-Quartier aktiven, in Vereinen, Gemeinschaften etc. organisierten Bürger sich gemeinsam für die Einstellung eines Quartiersmanagers eingesetzt haben. Deshalb freut es mich sehr, heute zu erfahren, dass die SPD diesbezüglich - mit Aussicht auf Erfolg - am Ball ist.

Weiter heißt es in der Nordsee-Zeitung, die förmliche Festlegung als Sanierungsgebiet ermögliche es beispielsweise, Hausbesitzer bei Umbau- und Renovierungsmaßnahmen aus dem Programm Stadtumbau West finanziell zu unterstützten. Steuerliche Erleichterungen seien ebenfalls denkbar. Für auswärtige Investoren könne dies ein Signal sein, dass sich nachhaltige Investitionen im Sanierungsgebiet auszahlen. Darüber hinaus bekomme die Stadt mehr Einfluss auf fragwürdige Geschäfte von Immobilienspekulanten. Beispielsweise habe sie dann die Möglichkeit, überteuerte Kaufverträge für nichtig zu erklären.


Spekulationsruine (aktueller Zustand August 2013)
Aus meiner Sicht wäre das angesichts des zunehmenden Verfalls einiger stadtbekannter Spekulationsruinen einer der wichtigsten Aspekte, die im Bericht der Nordsee-Zeitung genannt werden. Damit bestünde nämlich endlich die Chance, den Teufelskreis auf dem Weg zur "Schrottimmobilie" zu einem Zeitpunkt zu durchbrechen, an dem es noch nicht zu spät ist, ein bereits im Zustand der Verwahrlosung befindliches Gebäude vor dem Abrissbagger zu bewahren. Arglose Käufer könnten so davor bewahrt werden, ein Vielfaches des Verkehrswertes für eine lediglich "aufgehübschte" Immobilie zu bezahlen. Die somit eingesparten Mittel könnten sie dann tatsächlich in die Sanierung ihres neuen Eigentums investieren, so dass die Wohnungen sich anschließend wieder erfolgreich und wertgerecht vermieten ließen.

Erfreulich ist auch die Ankündigung der SPD, dass sie bezüglich der konkreten Ausgestaltung der Sanierungsziele auf die Beteiligung der Stadtteilkonferenz Lehe, des Bürgervereins Lehe, der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe und der Kaufmannschaft setzen und auch die Immobilienwirtschaft einbinden will. Nach den acht Jahren unter der von der CDU dominierten "Großen Koalition" (SPD, CDU) in den beiden vorangegangenen Legislaturperioden scheint die derzeitige Regierungskoalition (SPD/Grüne) mit der angekündigten stärkeren Einbindung der Bürger tatsächlich Ernst machen zu wollen.


"Plattenbau" und gelungene Integration eines Neubaus (blaues Haus)

Der Nordsee-Zeitung zufolge will sich die SPD auch für eine Gestaltungssatzung im künftigen Sanierungsgebiet stark machen. Damit wäre es möglich, architektonische Fehlentwicklungen zu vermeiden. Außerdem solle damit verhindert werden, dass die Fassaden historischer Häuser durch Dämmplatten, verunstaltende Anstriche etc. verschandelt werden. Ich hoffe, dass diese Gestaltungssatzung noch rechtzeitig genug realisiert werden kann, um weitere "Plattenbauten" in den neu entstanden Abrisslücken zwischen den Schmuckfassaden der Gründerzeithäuser zu verhindern. Es gibt nämlich viele gute Beispiele für Neubauten, gerade auch im historischen Leher Gründerzeit-Quartier "Goethestraße", die beweisen, dass es auch anders geht.


(Quelle: Nordsee-Zeitung vom 15.08.2013)

Auf dem Altstadtrundweg durch 's Goethe-Quartier

Der Altstadtrundweg ist ein Projekt der Eigentümerstandortgemeinschaft Lehe e.V. (ESG-Lehe), dessen Umsetzung vom Stadtplanungsamt der Stadt Bremerhaven begleitet wurde. Er führt durch das Leher Goethe-Quartier, betont besondere Orte entlang des Weges und zeigt ihre Entwicklung auf.

Unter dem Motto "Stadtteilentwicklung und Stadtplanung gestern und heute" werden bei einer geführten Wanderung im Rahmen des "Leher Kultursommers 2013" die Besonder-
heiten und Wechselwirkungen entlang des Altstadtrundwegs in den Blick genommen. Dem flüchtigen Blick verborgene Details werden neu entdeckt. Ursachen und Wirkungen werden aufgezeigt und hinterfragt.

Dabei stehen die Entstehung des Ortsteils, die Möglichkeiten der Stadtplanung und deren Umsetzung, sowie ein Ausblick in die Zukunft im Mittelpunkt.



Zum Abschluss besteht die Möglichkeit für einen Rundblick von der Aussichtsgalerie am Turm der Pauluskirche - aus einer für die meisten Bremerhavener wohl eher ungewohnten Perspektive - über die Stadt, den Stadtteil und das Goethe-Quartier. Der Turmaufstieg wird in Gruppen zu je 14 Personen erfolgen.

Der Altstadtrundweg
Stadtteilentwicklung und Stadtplanung
gestern und heute

  • Am 20. August 2013
  • Um 17:00 Uhr
    Treffpunk: Theo (Lutherstraße 7)

    Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos



Pssst ... - ich hatte es ja schon mal erwähnt, aber zum Auftakt des "Leher Kultusommers" wird bereits am Sonntag, 18.08.2013, "Der Blaue Matrose mit der tätowierten Rose" im Mittelpunkt des Interesses stehen ... - oder genauer gesagt - wohl eher liegen: Am Rande des Bremerhavener Rotlicht-Milieus! - Weiterlesen ...

Mittwoch, 14. August 2013

Nis Randers

DGzRS Seenotkreuzer "Hermann Rudolf Meyer"
Krachen und Heulen und berstende Nacht,
Dunkel und Flammen in rasender Jagd –
Ein Schrei durch die Brandung!

Und brennt der Himmel, so sieht man’s gut:
Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut;
Gleich holt sich’s der Abgrund.

Nis Randers lugt – und ohne Hast
Spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;
Wir müssen ihn holen.“

Da faßt ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein!
Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,
Ich will’s, deine Mutter!

Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn;
Drei Jahre verschollen ist Uwe schon,
Mein Uwe, mein Uwe!“

Nis tritt auf die Brücke. Die Mutter ihm nach!
Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:
„Und seine Mutter?“

Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:
Hohes, hartes Friesengewächs;
Schon sausen die Ruder.

Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!
Nun muss es zerschmettern! Nein: es blieb ganz!
Wie lange? Wie lange?

Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer
Die menschenfressenden Rosse daher;
Sie schnauben und schäumen.

Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!
Eins auf den Nacken des anderen springt
Mit stampfenden Hufen!

Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!
Was da? Ein Boot, das landwärts hält!
Sie sind es! Sie kommen!

Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt.
Still – ruft da nicht einer? Er schreit’s durch die Hand:
„Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“


© Otto Ernst (1862–1926)


Da meine bisherige Kamera sich leider immer öfter nur noch dann einschalten ließ, wenn es ihr gerade passte, aber nicht dann, wenn ich damit gerade fotografieren wollte, habe ich mich leider von ihr trennen müssen. Zur Zeit bin ich dabei, mich mit meiner "Neuen" vertraut zu machen. Bei der Gelegenheit ist auch die Nachtaufnahme von dem in Bremerhaven stationierten Seenotkreuzer "Hermann Rudolf Meyer" der "Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" (DGzRS) entstanden.


Unter Einsatz des eigenen Lebens

Als ich mir das Bild nachher am Bildschirm angesehen habe, kam mir die Ballade "Nis Randers" wieder in den Sinn, von der ich auf Anhieb fasziniert gewesen war, als ich sie vor einiger Zeit das erste Mal gelesen hatte. So, wie Otto Ernst die Strapazen und die Gefahr für das Leben der Retter in seiner Ballade aus dem Jahre 1901 geschildert hat, wenn sie vor rund 150 Jahren bis in die Jahre zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer wieder mit hölzernen Ruderbooten hinausfuhren, um das Leben in Seenot geratener Menschen zu retten, wird die ständige Angst ihrer an Land zurückgebliebenen Familien quasi "hautnah" greifbar.

So in etwa muss wohl auch der deutsche Rockmusiker Achim Reichel empfunden haben, als er auf seiner Internetseite schrieb (Zitat):
.. Und das Vorurteil den "Alten" gegenüber, die hätten reine Textkunst betrieben, so dass der Normalsterbliche nichts mehr versteht, trifft eben überhaupt nicht zu. Da gibt es Texte, die lassen Bilder in Dir entstehen – das grenzt an Zauberei. ..

Der Hauptsitz der am 29. Mai 1865 in Kiel gegründeten "Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" befindet sich in Bremen. Ihr erster Vorsitzender war der Bremer Kaufmann und Gründer des Norddeutschen Lloyd, Konsul Hermann Henrich Meier, nach dem der von 1960 bis 1985 in Bremerhaven stationierte Seenotkreuzer "H. H. Meier" benannt war. Die nach ihrer Außerdienststellung in "Theodor Heuss" umbenannte "H. H. Meier" ist heute als "erster echter deutscher Seenotkreuzer" im Deutschen Museum in München ausgestellt.


Spuren in Bremerhaven: Historischer Bootsschuppen der DGzRS von 1917 ...
Zur Zeit der Gründung der DGzRS waren die offenen Ruderboote an Land untergebracht und mussten vor jeden Einsatz zuerst zu Wasser gelassen werden. Das war auch noch so, als ab 1911 die ersten Rettungsboote mit Motoren ausgerüstet wurden. Aus dieser Periode stammt der Bootsschuppen der DGzRS in Bremerhaven, der im Jahre 1917 im Bereich vor der damaligen Schleuse zum Alten Hafen errichtet worden war. Die Schleuse ist nur wenige Jahre später zugeschüttet worden. Das bis 1973 im DGzRS-Schuppen untergebrachte Rettungsboot war auf einem Trailer gelagert, mit dem es auf Schienen aus dem Schuppen an die Kaje gefahren werden und zu Wasser gelassen werden konnte.


... und Schienenfragmente auf der Kaimauer (ehem. Schleusenzufahrt Alter Hafen)
Von den Schienen für den Bootstrailer ist nur noch ein leicht zu übersehendes Fragment auf der alten Krone der Kaimauer erhalten geblieben. Der Schuppen dient heute als Materiallager für den Seenotkreuzer "Hermann Rudolf Meyer".


Die Tragödie der "Adolph Bermpohl"

Trotz der modernen Seenotkreuzer, die so konstruiert sind, dass sie sich nach einem Kentern selbsttätig wieder aufrichten und trotz aller heute verfügbaren technischen Hilfsmittel ist der Einsatz der Besatzungen der DGzRS auch heute noch mit einem hohen Risiko verbunden. Beispielhaft dafür steht der tragische Unfall des Seenotkreuzers "Adolph Bermpohl" vom 23. Februar 1967, der nach einem Rettungseinsatz mit laufender, aber ausgekoppelter Maschine in der Nordsee treibend aufgefunden wurde. Von den Besatzungsmitgliedern der "Adolph Bermpohl" und des havarierten niederländischen Fischkutters "Burgemeester van Kampen", die bereits vom Tochterboot "Adolph Bermpohl" geborgen worden waren, fehlte jede Spur.

Anhand von Indizien geht man davon aus, dass im Moment der Bergung der Kutterbesatzung eine schwere Grundsee die Fahrzeuge getroffen und dabei den Seenotkreuzer umgeworfen hat, der dann mit einer 360-Grad-Drehung durchkenterte. Vermutlich befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks alle Beteiligten an Deck und wurden ins Wasser gerissen.


Achim Reichel: "Nis Randers" (Album "Regenballade", 1987)

Mit der Taufe ihres 1990 auf der Schweers-Werft in Bardenfleth fertiggestellten Seenotkreuzers auf den Namen "Nis Randers" würdigte die "Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger" (DGzRS) das literarische Denkmal, das Otto Ernst den Seenotrettern mit seiner Ballade gesetzt hat.

1978 hat Achim Reichel den Text der Ballade von Otto Ernst vertont und auf dem Album "Regenballade" veröffentlicht. Zusammen mit einem Zusammenschnitt aus Videosequenzen der DGzRS ist das Lied sowohl auf seiner Internetseite, wie auch im YouTube-Kanal der DGzRS zu hören.


(Quellen: DGzRS, Wikipedia, Achim Reichel, YouTube)

Kein Strandwetter heute Morgen ...

Weserstrandbad Bremerhaven
Weserstrandbad Bremerhaven

... dafür aber ein grandioser Wolkenhimmel über der Außenweser.

Dienstag, 13. August 2013

Flugreisende - Rechte still und heimlich eingeschränkt

Abflugtafel: "Flug entfällt" (Foto: © Hotelstvedi, CC: BY-SA 3.0)
Eine Flugreise ist für immer mehr Passagiere oft mit stundenlangem Warten, ohne zu wissen, wann es weitergeht, mit Übernachtungen an Flughäfen oder mit der Inkaufnahme langer Umwege verbunden. Für ausgefallene oder verspätete Flüge hatten Flugreisende bisher zumindest einen Rechtsanspruch auf Entschädigung.

Die EU-Kommission ist gerade dabei, diesen Rechtsanspruch zu ändern. Zugunsten der Fluggesellschaften arbeitet sie mit Unterstützung der Bundesregierung an einer erheblichen Einschränkung der Rechte von Passagieren. Darüber berichtete das ARD-Politmagazins "Monitor" am 08.08.2013 in einem Filmbeitrag.

Nach langem Ringen um die Passagierrechte in der EU kam am 17.02.2005 der Durchbruch. Herr Barrot (EU-Kommission, damals Verkehrskommissar) feierte die neue "Fluggastrechteverordnung" als historischen Moment (Zitat):
"Von heute an gilt, wenn es Probleme beim Einchecken gibt, wenn es große Verspätungen gibt, dann muss es dafür eine Entschädigung geben. Und dieser Anspruch gilt jetzt in ganz Europa!"

Das lässt sich ändern

Trotz ihres Rechtsanspruchs mussten Passagiere aber immer wieder vor Gericht um ihr Recht kämpfen. Das wurde im Monitor-Film anhand einiger Beispiele dokumentiert. Daran wird sich wohl auch nichts ändern. Das Gegenteil ist der Fall: Einem Vorschlag der EU-Kommission zur Änderung der Fluggastrechteverordnung vom März 2013 zufolge, sollen die Fälle, in denen den Passagieren zukünftig überhaupt noch Entschädigungen zustehen, erheblich reduziert werden.

  • Die Verspätungsdauern, ab denen Entschädigungen fällig werden, sollen drastisch erhöht werden:
  • Bei einem Flug von Berlin nach Dubai bestand bisher nach drei Stunden Verspätung einen Anspruch auf Entschädigung. Künftig soll das erst ab neun Stunden Verspätung gelten.
  • Auch auf Langstrecken, beispielsweise auf der Strecke Toronto - Düsseldorf konnte kann man bisher bei drei Stunden Verspätung eine Entschädigung geltend machen. Mit der neuen Verordnung soll das erst ab einer Verspätung von mindestens 12 Stunden möglich sein.
Im Film von Monitor hieß es, diese Änderungen hätten - verglichen mit dem bisherigen Recht - für bis zu 72 Prozent aller Passagiere zur Folge, dass sie zukünftig leer ausgehen.
  • Einem Urteil vom Anfang dieses Jahres zufolge ist eine Woche für die Unterbringung gestrandeter Passagiere angemessen. Mit der Änderung der Fluggastrechteverordnung soll dieser Anspruch auf drei Tage reduziert werden.
  • Darüber hinaus ist eine Regelung vorgesehen, nach der freiwillige Vereinbarungen verabredet werden können, die von den gesetzlichen Vorgaben abweichen. Damit könnte das geltende Recht komplett ausgehebelt werden, weil die Airlines den Kunden alles diktieren könnten!

Ein Wahlkampfgeschenk für die Airlines

Herr Cramer (EU-Parlament, Grüne, verkehrspolitischer Sprecher), der seit Jahren für die Rechte von Flugpassagieren kämpft, begrüßt die Änderungen zur Erhöhung der Rechtsssicherheit, fordert aber, dass die Revision der Fluggastrechteverordnung nicht als Gelegenheit für eine Aufweichung der bereits bestehenden Passagierrechte missbraucht wird. Für ihn ist klar, dass die deutsche Bundesregierung eine treibende Kraft bei den Änderungen für die neue Fluggastverordnung ist.

Darüber mögen Frau Merkel (CDU, Bundeskanzlerin) und Herr Ramsauer (CSU, Verkehrsminister) aber in der Öffentlichkeit nicht so gerne sprechen. - Gerade jetzt nicht:
  • Irgendwie eignet sich die Entrechtung von Millionen von Flugreisenden wohl nicht so recht als Wahlkampfthema.

Die Bunderegierung und die Vertreter der Fluggesellschaften werden aber schon miteinander gesprochen haben. Wie es bei Monitor hieß, hat beispielsweise die Lufthansa die Regierung schon vor drei Jahren aufgefordert, die Passagierrechte kritisch zu überprüfen. Jetzt scheint sie damit wohl Erfolg zu haben.

Still und heimlich hat sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene dafür eingesetzt, dass viele Fluggäste in Zukunft keinerlei Entschädigung mehr bekommen, selbst wenn ihr Flug stundenlang Verspätung haben sollte. Ziel sei eine stärkere Berücksichtigung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Airlines.
  • Für die Luftfahrt-Unternehmen gibt es im Wahlkampf dieses Mal also wohl etwas mehr, als nur einen Luftballon oder einen Kugelschreiber.

Die Anzahl meiner bisherigen Flugreisen ist im Verhältnis zu vielen meiner Mitmenschen, die viel beruflich unterwegs sind oder die jedes Jahr in den Urlaub fliegen, eigentlich nicht der Rede wert. Wäre ich aber einer derjenigen, die massiv von den Änderungen der Fluggastrechteverordnung betroffen sein könnten, wäre diese erneute heimliche Kungelei der Bundesregierung mit den Interessenvertretern einer Wirtschaftsbranche zulasten der Verbraucher ein weiterer Grund, am 22. September 2013 weder die CDU, noch CSU oder die FDP zu wählen.

"Wir haben über die letzten Jahre gesehen, dass der Europäische Gerichtshof die Fluggastrechte sehr gestärkt hat, und das korrigiert die Kommission jetzt mit ihrem Vorschlag und hat offensichtlich vor, die Fluggastrechte auf ein deutlich geringeres Niveau zurechtzustutzen."

Otmar Lell (Bundesverband der Verbraucherzentralen)
in der "Monitor"-Sendung vom 08.08.2013


(Quellen: ARD-Monitor vom 08.08.2013, EurActiv vom 13.03.2013, Luftfahrt-Bundesamt vom 04.07.2012)

Montag, 12. August 2013

Japanische Zauberlehrlinge

Atomkraft? Nein Danke!Am 07.08.2013 hat Japans atomfreundliche Regierungspartei LDP eingeräumt, dass offenbar seit zwei Jahren täglich rund 300 Tonnen radioaktiv belastetes Grundwasser aus den zerstörten Atomreaktoren der Atomkraftanlage "Fukushima-I" (Dai-ichi) unkontrolliert in den Pazifik fliessen.

Bei einem Besuch ausländischer Journalisten im Juni hieß es seitens Tepco noch, die Lage sei unter Kontrolle und es bestehe keinerlei Risiko. Erst im Juli folgte dann endlich das Eingeständnis bezüglich des unkontrollierten Abflusses radioaktiv kontaminierten Wassers in den Pazifik. Und das, obwohl die Medien bereits im April dieses Jahres über "Lecks in unterirdischen Tanks" berichtet hatten.

Um das im Erdreich versickernde radioaktiv kontaminierte Wasser zumindest örtlich zu begrenzen, hatte Tepco Chemikalien ins Erdreich gespritzt, die sich dort zu einer "chemischen Mauer" verhärten sollten.
Das Wasser suchte sich jedoch andere Wege und floss um die "Mauer" herum ins Meer.

Wie die Süddeutsche Zeitung am 10.08.2013 berichtete, ist überhaupt erst jetzt - mehr als zwei Jahre nach dem Beginn des Super-Gaus(!) - mit dem Abpumpen des kontaminierten Wassers aus der Atomkraftanlage begonnen worden. Tepco habe mitgeteilt, dass am Freitag in sechs Stunden die ersten 13 Tonnen Wasser abgesaugt worden seien. Angestrebt seien 100 Tonnen pro Tag. Diese Menge käme dann zu den 300 Tonnen noch hinzu.


Die Zauberlehrlinge

Letztendlich ist aber auch das alles wieder nur Augenwischerei, die der Beruhigung der Menschen in Japan dienen soll. Angesichts dessen, dass die Kapazität der Auffangtanks auf dem Gelände der Atomkraftanlage für diese gigantischen radioaktiv kontaminierten Wassermengen bereits erschöpft ist, frage nicht nur ich mich, wohin das täglich hinzukommende Wasser denn wohl fließen soll, wenn nicht in den Pazifik: Ins Landesinnere etwa? Vielleicht in südliche Richtung, nach Tokio?

Darüberhinaus, würden jeden Tag rund 400 Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude eindringen und sich dort mit dem kontaminierten Kühlwasser vermischen. Wie das Umweltinstitut München in einer E-mail an seinen Verteiler schreibt steigt der Grundwasserspiegel unter der havarierten Atomkraftanlage aufgrund der bereits erwähnten chemischen Mauer. Deshalb drücke ständig Wasser auf das Reaktorgelände und vermenge sich dort mit radioaktiv kontaminiertem Wasser, das vermutlich aus Lecks unter Reaktor 2 austrete.

Um das eindringende Grundwasser vom Gelände der Atomkraftanlage fernzuhalten, solle ein von 1,4 Kilometer langer "unterirdischer Wall" aus gefrorenem Boden um die Reaktorgebäude errichtet werden. Dazu würden chemische Kühlmittel über unterirdisch verlegte Rohre ins Erdreich gedrückt werden. Da stellt sich die Frage, wieviele unterirdische Mauern, Wälle und sonstige Bollwerke wohl noch errichtet werden müssen, bevor Japans "Atomdorf" die Sinnlosigkeit seiner Bemühungen endlich einsieht und zugibt, dass auch der zweite Super-GAU in der Geschichte des Atomzeitalters nicht zu kontrollieren ist.

Auf erschreckende Weise erinnern mich die Versuche, der radioaktiv kontaminierten Wasserfluten Herr zu werden, an Goethe's "Zauberlehrling". - Nur ist in diesem Fall kein Meister zur Stelle, der die Katastrophe noch bannen könnte. Sie begann am 11. März 2011 und dauert bis heute an ...


Der Steuerzahler wird's schon richten

All diese hilflosen Maßnahmen kosten Unmengen von Geld. Mit umgerechnet bis zu 44 Milliarden Euro könnten sich die vom "Nationalen Institut für Industrielle Wissenschaft und Technologie" (Japan) veranschlagten Kosten einmal einen fünf mal so hohen Betrag summieren, wie der ursprünglich von der Regierung genannte Betrag.

Der japanischen Regierung zufolge ist der - inzwischen ohnehin verstaatlichte - Tepco-Konzern so gut wie pleite. Deshalb müsse der Staat jetzt einspringen - will heißen: Die japanischen Steuerzahler werden es schon richten.

Vor dem Hintergrund, dass es sich bei dem "Nationalen Institut .." ein staatlich unterstütztes Institut handelt, das durchaus "um mehrere Ecken" in die Machenschaften des Atomdorfs eingebunden sein könnte, und nach den langjährigen Erfahrungen infolge des atomaren Super-GAUs von "Tschernobyl" (26.04.1986), kann man wohl davon ausgehen, dass die endgültige Rechnung, die den Bürgern Japans einmal präsentiert werden wird, noch um einiges höher ausfallen wird.

Und wir sollten uns nichts vormachen: Nach einem jederzeit möglichen atomaren Super-GAU in Europa würden auch wir für den von den Atomkonzernen angerichteten Schaden aufkommen müssen. Deren Lobby ist auf EU-Ebene gerade dabei, die Weichen für eine offensive Subventionierung zum Bau neuer Atomkraftwerke zu stellen - selbstverständlich ebenfalls bezahlt von unseren Steuergeldern.

Ein atomarer Super-GAU in der Größenordnung von "Fukushima" würde Frankreich einer - ebenfalls staatlichen - Studie des französischen "Instituts für Strahlenschutz und nukleare Sicherheit" (IRSN) zufolge rund 430 Milliarden Euro kosten. Selbst im Falle einer Berechnung für ein Unfallszenario geringeren Ausmaßes würden die französischen Steuerzahler der IRSN-Studie zufolge immer noch für Schäden in Höhe von etwa 120 Milliarden Euro zur Kasse gebeten werden.

Der Bau und der Betrieb neuer Atomkraftwerke sind von den Atomkonzernen heute unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten offensichtlich nicht mehr zu rechtfertigen ... - und sie sind es nie gewesen! Sollte die offene Subventionierung der Atomkonzerne tatsächlich zum festen Bestandteil der europäischen Gesetzgebung werden, dann würden die Atomkonzerne in der EU mehr den je die Rolle von Schmarotzern übernehmen, die sich an dem schwer erarbeiteten Geld der europäischen Steuerzahler vollsaugen.

Für unsere Sicherheit und die unserer Nachkommen, sowie den Schutz unserer Umwelt können die Atomkonzerne und ihre politischen Handlanger nicht garantieren und für eine sichere, über Jahrmillionen von der Biosphäre abgeschirmte Lagerung des beim Betrieb der Atomkraftwerke produzierten Atommülls gibt es keine Lösung. Jeder der etwas anderes behauptet, ignoriert die Gesetze der Physik und der Geologie. Gerade auch unter diesen Gesichtspunkten gibt es für den Bau neuer- und den weiteren Betrieb der alternden Atomkraftwerke keinerlei Rechtfertigung.



(Quellen: Süddeutsche Zeitung vom 10.08.2013, Der Standard vom 09.08.2013, Schweizer Radio und Fernsehen vom 09.08.2013, Neue Züricher Zeitung vom 07.08.2013, Spiegel vom 07.08.2013, ARD-Tagesschau vom 07.08.2013, Der Standard vom 07.08.2013, Die Zeit vom 07.08.2013, Heise News vom 07.08.2013, taz vom 24.07.2013, Süddeutsche Zeitung vom 20.07.2013, Deutschlandfunk vom 19.07.2013, Die Zeit vom 09.04.2013, Neue Züricher Zeitung vom 09.04.2013, Der Standard vom 09.04.2013, Süddeutsche Zeitung vom 07.04.2013, Frankfurter Rundschau vom 07.04.2013, Die Welt vom 07.02.2013, Merkur online vom 07.11.2012)

Samstag, 10. August 2013

Blaue Nacht

Bremerhaven, Molen an der Geestemündung
Blaue Nacht, o blaue Nacht am Hafen,
in der Ferne rauschen Meer und Wind,
und die Schiffe liegen still und schlafen,
die von weit, weit her gekommen sind.
Doch im Zwielicht einer Bootslaterne
stehen zwei und finden nicht nachhaus.
Und sie flüstert: Liebster, ach wie gerne
führ ich morgen mit aufs Meer hinaus.

Aber alles, was er mit auf See nahm,
war die Hoffnung auf ein Wiedersehn,
und als er nach einem Jahr zurück kam,
sah er wartend sie am Hafen stehn.
Und er nahm sie zärtlich in die Arme,
und sie sahn einander fragend an,
doch sie wußten: Herzen, die sich lieben
trennen Grenzen nicht und Ozean.

© Nicola Wilke

Unter dem Pseudonym "Nicola Wilke" veröffentlichte die im Bremerhavener Stadtteil Lehe geborene Sängerin Lale Andersen (1905-1972) einige ihrer selbst geschriebenen Liedtexte. An ihrem Geburtshaus in der Lutherstraße Nr. 3 wurde anlässlich ihres 100. Geburtstags eine Gedenktafel angebracht.

Kommt gut ins Wochenende ...